Missgriff
2. März 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: scol22, sxc.hu
Gut gemeint ist mitunter das Gegenteil von gut. Das muss derzeit der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, am eigenen Leib erfahren. Es mag ein ehrenwertes Ziel sein, dafür sorgen zu wollen, dass die staatliche Unterstützung auch tatsächlich bei bedürftigen Kindern ankommt. Ob das allerdings mit dem pauschalen Vorwurf an die Adresse der Hartz-IV-Empfänger funktioniert, die Erhöhung der Regelsätze sei allenfalls ein »Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie«, darf getrost bezweifelt werden.
Verständlich, dass die Wogen hochschlagen und die Empörung auch in den eigenen Reihen groß ist.
Doch mit einem hat Mißfelder tatsächlich Recht: Nicht bei jeder politischen Diskussion darf ein Thema sofort tabuisiert werden. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt etwa die Unterstützung durch die Deutsche Kinderhilfe. Nach deren Angaben leben heute 2,1 Millionen Kinder in Haushalten von Alkoholikern. Fraglich bleibt jedoch, ob der CDU-Politiker sein Ziel durch einen solchen gezielten Tabubruch erreicht. Wohl kaum. Mit seinem verbalen Missgriff hat er lediglich bewirkt, dass weite Teile der Politik und die Sozialverbände auf Distanz gehen. Zudem ist es nicht das erste Mal, dass der JU-Chef böse übers Ziel hinausschießt. Vor fünf Jahren befand er, angeblich um eine Debatte über die Generationengerechtigkeit anzustoßen, dass 85-Jährige kein künstliches Hüftgelenk mehr bräuchten. Der Aufschrei des Entsetzens war entsprechend groß.
Gelernt hat er scheinbar nichts daraus. Doch wenn es dem Politiker tatsächlich ernst damit ist, am Schicksal vieler Kinder von Hartz-IV-Empfängern etwas zu ändern, hätte er besser eine andere Form gewählt, als die Betroffenen über einen Kamm zu scheren. Denn das Thema Kinderarmut und eine fehlende gesellschaftliche Teilhabe gibt es ja tatsächlich. Diakonie und Kirchen mahnen hier seit Jahren mehr Gerechtigkeit an. Nicht das Thema ist also der Skandal, sondern die Tatsache, dass ein aufstrebender Politiker sich auf Kosten anderer profilieren will.
Martin Hanusch




