Tankstelle für die Seele
27. Mai 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Foto: Asif Akbar (SXC)
Es war ein großes, buntes Fest des Glaubens. Nicht so politisch und gesellschaftskritisch wie in den letzten Jahren, dafür deutlich spiritueller: der 32. Deutsche Evangelische Kirchentag in Bremen. Enttäuschend waren nur die Auftritte der Politiker. Auch wenn Kirchentagspräsidentin Karin von Welck und Generalsekretärin Ellen Ueberschär immer wieder hervorhoben, dass auf dem Kirchentag kein Wahlkampf stattfinde – das Gegenteil war der Fall. Floskeln und Phrasen droschen die Vertreter aller Parteien. Mehr »Gerechtigkeit bei der Verteilung von Ressourcen« und einen »Neustart der sozialen Marktwirtschaft« forderten die Mandatsträger – und, mal ehrlich, welcher Kirchentagsbesucher klatscht da nicht?
In Bremen herrschte Harmonie. Nur selten wurde kritisch hinterfragt, was in der politischen Realität geschieht und wie die Ankündigungen der Mandatsträger tatsächlich umgesetzt werden sollen. Da überrascht es nicht, wenn manchem das Bremer Protestantentreffen als »zahnlos« in Erinnerung bleibt. Freilich heißt das nicht, dass der Kirchentag ohne Inhalt war. An der Weser setzten die Besucher neue Schwerpunkte: Die mit Abstand am besten besuchten Veranstaltungen waren Bibelarbeiten, und zwar nicht die von Jörg Zink, Jürgen Ebach oder Fulbert Steffensky, sondern jene des EKD Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber und der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann. Das Protestantentreffen wurde geistlicher – was freilich nicht bedeutet, dass das politische Zeugnis der Christen nun geschwächt wurde. Schließlich setzen sich gerade in der Wirtschaftskrise viele Protestanten mit Leidenschaft und brennendem Herzen für soziale Gerechtigkeit und christliche Werte ein. Da braucht es gelegentlich auch einen Ort zum Innehalten und eine Tankstelle, die der Seele neue Kraft vermittelt. Und diese Aufgabe hat der Bremer Kirchentag hervorragend erfüllt.
Von Benjamin Lassiwe






