Auch die Kirchenmeile hatte ihren Reiz

26. Juni 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Greiz feierte zum 12. Thüringentag 800-jährige Ersterwähnung der Stadt

Information und ­Unterhaltung:  Mit der Kirchenmeile zum 12. Thüringentag in Greiz ermutigten Christen zum Glauben, boten den Gästen Unterhaltsames und informierten über die vielschichtige Arbeit in den ­Kirchen und ­Gemeinden. Besondere Aufmerksamkeit zog der gelbe Doppelstockbus des Bibelmobils auf sich, in dem sich die Gelegenheit für informative Gespräche bot. Foto: Karsten Schaarschmidt

Information und ­Unterhaltung: Mit der Kirchenmeile zum 12. Thüringentag in Greiz ermutigten Christen zum Glauben, boten den Gästen Unterhaltsames und informierten über die vielschichtige Arbeit in den ­Kirchen und ­Gemeinden. Besondere Aufmerksamkeit zog der gelbe Doppelstockbus des Bibelmobils auf sich, in dem sich die Gelegenheit für informative Gespräche bot. Foto: Karsten Schaarschmidt

Pfarrer Hermann Rose hat Stress an diesem Wochenende. Eine ganze lange Meile muss er koordinieren. Meilen gibt es vom 19. bis 21. Juni viele im ostthüringischen Greiz. 210000 Besucher drängen sich von Freitag bis Sonntag in der ehemaligen Residenzstadt. Sie ist Gastgeber des 12. Thüringentages und feiert unter dem Motto »Greiz hat Reiz« zugleich ihre Ersterwähnung vor 800 Jahren. Und wie bei vorangegangenen Thüringentagen gibt es neben Händler-, Sport-, Landtags- und zahlreichen anderen Themenmeilen auch diesmal eine Kirchenmeile. »Wir wollen, dass Kirche präsent ist bei dem Fest wie im Alltag«, sagt Rose.

Wir, das sind die beiden großen christlichen Kirchen sowie sechs weitere christliche Gemeinden aus Greiz, die unter Federführung von Pfarrer Rose gemeinsam die Kirchenmeile vorbereitet haben. »Es ist ein vielfältiges und ganz buntes Programm geworden, das für jedes Alter etwas bietet«, sagt Rose. Und tatsächlich reicht der Platz vor der Greizer Stadtkirche »St. Marien« kaum aus. Stände der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der Caritas und der Diakonie informieren über ihre Arbeit, ein Kletterturm fordert Mutige heraus, in einem Strohhaufen suchen Kinder nach Süßigkeiten, die Bruderhilfe stellt die von ihr betreuten Autobahnkirchen vor, ein Eine-Welt-Stand lockt zum Einkauf, an anderen Ständen werden Gäste zum kreativen Gestalten eingeladen, auf einer Bühne präsentieren sich die Gemeinden, singen Chöre, musizieren Bands, wird Theater gespielt, um nur einiges zu nennen. »Wir werden wahr- und unsere Angebote angenommen«, freut sich Rose und auch darüber, »mit den Besuchern der Kirchenmeile ins Gespräch zu kommen, sie zum Glauben zu ermutigen«.

Aufmerksamkeit zieht der gelbe Doppelstockbus auf sich, das Bibelmobil. Hans-Ulrich Idziaschek aus Görlitz reist seit nunmehr 18 Jahren mit dem Bibelmobil durch deutsche Städte. »Die Bibel ist ein Stück Kulturgut, das sollten wir den Leuten sagen«, ist er überzeugt. Wenn Kirche bei einem solchen Fest nicht vertreten sei, fehle ein wesentlicher Teil der Gesellschaft, sagt Idziaschek. Auch er sucht das Gespräch mit den Besuchern. »Wir müssen lernen, Atheisten zu verstehen, um auf deren Befindlichkeiten eingehen zu können, die Zeit der Christianisierung ist zweifellos vorbei, aber nicht die Zeit der Mission«, umschreibt er seine und die Intention mit dem Bibelmobil.
Welch breites Spektrum an Information die Kirchenmeile abdeckt, beweist der Stand des Geraer Kirchbauvereins. Oberpfarrer i. R. Roland Geipel stellt ein gerade angelaufenes, für Gemeinden wie Privatleute interessantes Projekt vor. Unter dem Dach des Slogans »Bewahrung der Schöpfung« werden alternative Energien, vor allem die Sonnenenergie, vorgestellt. Perspektivisch könnten sich Gemeinden, aber auch Privatpersonen in Gera informieren, wie sie zum Beispiel Solaranlagen auf ihren Kirchen- und Gemeindedächern installieren und nutzen können, erklärt Geipel das Projekt, das von der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt wird.

Eine Meile ist lang. Die Gäste des Thüringentages bleiben stehen, halten im Festtrubel einen Moment inne, manche nehmen sich mehr Zeit. »Ich finde es sehr, sehr gut, dass es die Kirchenmeile gibt«, sagt Silvia Kaiser, während sie in einer Auslage christlicher Bücher nach Geschenken Ausschau hält. »Ich habe schon so viel Gutes mit und durch Gott erfahren und möchte, dass auch viele andere Leute Gott kennenlernen.«
Die überaus abwechslungsreiche Kirchenmeile zum 12. Thüringentag in Greiz bot viele Gelegenheiten dafür.

Karsten Schaarschmidt

Glockenklang als Zukunftsmusik

25. Juni 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Collegiatsstift will wieder Leben auf den Erfurter Petersberg bringen.

Im Dornröschenschlaf: Auf dem Erfurter Petersberg soll nach dem Willen von Cornelia Seidel und  Dietrich Koller, dem Leitungsduo des Collegiatsstiftes, wieder christliches  Leben einziehen. Derzeit steht die zwischen 1828 und 1831 über den Kellern des alten Petersklosters errichtete  Kaserne leer und wartet auf eine neue Nutzung. Foto: Axel Heyder

Im Dornröschenschlaf: Auf dem Erfurter Petersberg soll nach dem Willen von Cornelia Seidel und Dietrich Koller, dem Leitungsduo des Collegiatsstiftes, wieder christliches Leben einziehen. Derzeit steht die zwischen 1828 und 1831 über den Kellern des alten Petersklosters errichtete Kaserne leer und wartet auf eine neue Nutzung. Foto: Axel Heyder

Auf dem Erfurter Petersberg läuten die Glocken. Aus dem mittleren Eingang der einstigen Kaserne in unmittelbarer Nachbarschaft von St. Peter und Paul strömen Frauen und Männer mit hopsenden Kindern, ein paar Touristen mit vorgehaltenen Kameras und in gemächlicherem Schritt einige ältere Herrschaften. Hell und freundlich grüßt das wuchtige, fast ein wenig einschüchternde Riesengebäude, das sie alle beherbergt. Die Blumen in den Fenstern vertreiben auch den letzten Eindruck von Drill und Düsternis, der noch vor wenigen Jahren von diesem Haus ausging …

Schnitt – zurück in die Gegenwart: Noch schläft die Defensionskaserne ihren Dornröschenschlaf. Cornelia Seidel und Dietrich Koller aber gehören als das für ein Jahr berufene Leitungsduo des Collegiatsstifts St. Peter und Paul (CPP) zu jenem Kreis, der sich seit einem dreiviertel Jahr mit Vorstellungen von einem gemeinsamen christlichen Leben und Arbeiten dort und den notwendigen Schritten dazu befasst. »Nein, keine Kommune«, erklärt die einstige Katechetin Cornelia Seidel gleich eingangs: Vorstellbar sei vielmehr, dass 40 oder 70 Menschen als ganz normale Mieter in der Kaserne wohnen, für die im Moment noch die Landesentwicklungsgesellschaft die Schlüssel besitzt. »Keine Gütergemeinschaft, aber Privateigentum, das der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt wird«, fasst es Dietrich Koller zusammen. Gemeinschaftsräume soll es geben und einen kleinen, von der Öffentlichkeit etwas abgeschotteten Bereich der Stille.

Außerdem ist an diverse Bildungsangebote im Haus gedacht, vielleicht ein Familienhotel, vielleicht ein Slow-Food-Restaurant, das fair gehandelte und regionale Produkte auf seiner Speisekarte führt. »Vor allem aber wollen wir, wie Bonhoeffer es schon formulierte, Kirche für andere sein«, bringt der einstige Pfarrer Koller ein ganz wesentliches Anliegen des Collegiats auf den Punkt. »In der benachbarten Peterskirche wieder regelmäßig zu singen und zu beten, das ist schon eine große Vision«, bekennt auch Cornelia Seidel.

Kloster, Stadtkrone und Dachgarten
Offizielle Stellen reagierten bislang zumeist wohlwollend: »Schöne Idee, jetzt möchte ich noch die Menschen sehen, die da mitmachen«, lächelte vor einigen Monaten ein skeptischer Bischof Christoph Kähler. Stadt, Landtag und Parteien kennen das Konzept und begrüßen es vor allem deshalb, weil es gleich zwei Gebäude des altehrwürdigen und bislang so schwer belebbaren Petersberges im Auge hat statt bisheriger isolierter Nutzungsideen. »Was wir brauchen, sind nun natürlich verbindliche Entscheidungen dazu«, visiert Cornelia Seidel die nächsten Ziele an, bei dem profunde Partner aus der Stadt wie die Tourismus GmbH Erfurt durchaus mit an einem Strang ziehen. Vielleicht klappt es ja mit einem Baubeginn 2010 …?

»Wir haben bereits jede Menge positiver Überraschungen erlebt«, begründet Dietrich Koller seine Zuversicht: Gerade zu der Zeit, als sich die Baugruppe innerhalb des Vereins fragte, woher denn das Geld für eine bauliche Vorstudie aufzutreiben wäre, stellte sich bei einem Vereins-Besuch der Freunde der Zitadelle heraus, dass diese Studie längst vorlag.

Der Petersberg – Stadtkrone und Dachgarten von Erfurt war er einstmals, besiedelt zuallererst von Mönchen. Nun ist er eingebettet in eine einzigartige Zitadellenanlage. Zeiten bemessen sich hier nicht nach Tagen und Wochen. Und so haben die Mitstreiter im Collegiatsstift auch nicht wirklich Eile. Dietrich Koller: »Schon jetzt gehen Türen auf, von denen wir vorher gar nicht wussten, dass es sie gibt. Und überhaupt: Das wichtigste sind doch die Menschen – nicht die Steine.« Ganz in diesem Sinne dürfen sich Neugierige zu einer ersten offiziellen Veranstaltung des Collegiatsstifts für den 29. Juni, dem Peter-und-Paulstag, 18.30 Uhr herzlich in die Peterskirche auf den gleichnamigen Berg eingeladen fühlen.

Kathrin Schanze

Eine hilfreiche Binsenweisheit

25. Juni 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19, Vers 10

Foto: Whitehous3 (sxc.hu)

Foto: Whitehous3 (sxc.hu)

Lange muss unser Heiland nicht suchen, bis er fündig wird. Das berühmte Sprichwort von der Stecknadel im Heuhaufen würde jetzt zwar jahreszeitlich passen, aber nicht inhaltlich. Denn lange muss er nicht suchen, bis er die Verlorenen findet.

»Ich merke nichts von Flaute – wir haben so viel auf Arbeit zu tun. Gleich muss ich wieder losfahren – 600 Kilometer.« Gut ist das nicht für ihn, selbst wenn es in der Lohntüte stimmt. Ein anderer: »Jetzt kann ich meine Tochter wieder jeden Morgen zum Bus bringen – Kurzarbeit. Die Lager sind voll. Wer weiß, was wird, ich hatte ­gerade erst angefangen.« Zermürbend ist das für ihn, wenn er nicht weiß, was kommt.
Die Diagnose macht sie sprachlos: »Bisher waren es immer nur die anderen. Und dann das. Krebs! Bei mir! Ich bin wie vor’n Kopf geschlagen. Nur nicht rumsitzen und Däumchen drehen, sonst werde ich verrückt.« Schwer ist das für sie, mit diesem Wissen umzugehen.

»Ist was mit Ihnen?«, werde ich letztens gefragt. »Sie sehen traurig aus!« Da ist nichts Konkretes, kann ich versichern. Aber wer weiß, was ich alles mit mir rumschleppe und eben nicht – wie so oft – fröhlich sein kann.
Nein, lange muss unser Heiland nicht suchen, bis er fündig wird. Und wenn er gefunden hat? Ja, was dann? Der Arbeitsweg wird nicht einfach halbiert, die Kurzarbeit nicht aufgehoben, die Diagnose nicht hinfällig und die Fröhlichkeit nicht auf Knopfdruck abrufbar. Klar – so geht´s nicht – selbst nicht mit Gott.

Aber was bleibt, klingt wie eine Binsenweisheit: Der Heiland sucht, findet und ist da! Eine Binsenweisheit als Evangelium! Ja, manchmal ist das Einfache das Wahre. Mein Heiland ist da! »Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn DU bist (ja) bei mir.« Immer wieder tröstet mich dieses Psalmwort. Und in ihm kommt das ganze Evangelium zum Ausdruck. Mein Heiland ist da.

Albrecht Henning, Pfarrer in Krina

Glaubensfest auf dem Todesstreifen

25. Juni 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Kirchentag: Zum thüringisch-bayrischen Christentreffen kamen tausende Besucher an die einstige innerdeutsche Grenze

Drei Tage lang war die »Kalte Küche« am Rennsteig bei Spechtsbrunn Schauplatz des ersten länderübergreifenden Kirchentages zwischen Thüringen und Bayern. Das Motto des Treffens vom 19. bis 21. Juni lautete ganz programmatisch ­»Grenzenlos glauben«.

Beim Chortreffen blieben angesichts des regnerischen Wetters einige Plätze frei.	Foto: Norbert Kleinteich

Beim Chortreffen blieben angesichts des regnerischen Wetters einige Plätze frei. Foto: Norbert Kleinteich

Es ist die erste Gelegenheit, dass sich Christen diesseits und jenseits der einstigen innerdeutschen Grenze bei einem solchen Kirchentag zusammenfinden.« Gerd Bauer vom Thüringerwaldverein aus Neuhaus am Rennweg hat sich mit ­einer 30-köpfigen Gruppe zum Rennsteigkirchentag aufgemacht. Jetzt steht er mit seinem Vereinswimpel im großen Festzelt, in dem sich Gemeinden, Gruppen und Initiativen präsentieren. Kirche sei ja nicht nur für den Gottesdienst am Sonntag da, findet der 66-Jährige und freut sich über das vielfältige Angebot.

In einer Art Sternwanderung haben sich die Teilnehmer aus Thüringen und Franken nach Spechtsbrunn auf den Weg gemacht. Zum Auftakt des Programms am Sonnabend stellen sich die Gemeindegruppen aus der Region zwischen Ludwigstadt und ­Rudolstadt den Kirchentagsbesuchern vor. Alle haben etwas Symbolisches dabei, vom Maßkrug aus dem fränkischen Tettau über den Schiefer bis zur Glasprinzessin Lisa I. aus Lauscha. »Wir freuen uns, dass wir seit 20 Jahren erreichbar sind, ohne Stacheldraht und Kontrollen«, sagt Werner Söllner, Vorsitzender des Gemeindekirchen­rates aus Lichtenhain. Tatsächlich ist die ehemalige innerdeutsche Grenze beim thüringisch-fränkischen Christentreffen emotional allgegenwärtig.

Ganz bewusst haben die Veranstalter des Kirchentages, das Dekanat Ludwigstadt aus Bayern und die thüringischen Kirchenkreise Sonneberg sowie Rudolstadt-Saalfeld, an einen symbolträchtigen Ort eingeladen. Die »Kalte Küche« ist bis zum Herbst 1989 Sperrgebiet gewesen. »Genau hier«, erklärt Bürgermeister Wolfgang Wiegand von der Gemeinde Oberland am Rennsteig, »ist früher die Grenze verlaufen.«

Auch bei den thematischen Angeboten dominiert die Grenzerfahrung. Im Polittalk zum Thema »20 Jahre Mauerfall« erinnern die Protagonisten noch einmal an die dramatische Zeit im Herbst 1989. »Ich war dabei, als die Grenze am Falkenstein fiel«, erzählt der ehemalige Dekan Friedrich Wiedemann. Nur der Einwurf des Rudolstädter Intendanten Steffen Mensching, die Vergangenheit nicht zu verklären, sorgt für eine kurze Kontroverse. Aktuell wird es erst am Ende, als Dekan Martin Voß aus Ludwigstadt die Kirche auffordert, wieder stärker ihr Wächteramt in der Gesellschaft wahrzunehmen. Sie, ergänzt der Geraer Propst Hans Mikosch, müsse das Salz in der Suppe bleiben. Der thüringische Kultusminister Bernward Müller (CDU) bekennt sich zum Religionsunterricht in den Schulen. Und Oberfrankens Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin weist darauf hin, dass ihre Region 20 Jahre nach Grenzöffnung vor ähn­lichen Problemen stehe wie die östlichen Bundesländer, die von hoher ­ Arbeitslosigkeit und Abwanderung bedroht seien.

Für die jüngeren Kirchentagsbesucher spielt die Vergangenheit ohnehin keine so große Rolle mehr. Sie empfinden das Programm eher als zu geschichtslastig und »langatmig«. Ihr fehle ein geistlicher Impuls, moniert Esther Sydow, Jugendreferentin aus Ludwigstadt, am Sonnabend. Dagegen schätzt sie den Markt der Möglichkeit und das Programm für Kinder.

Gut angekommen ist bei jung und alt auch die Aufführung des Musicals »David – Grenzgänger Gottes« zum Auftakt des Kirchentages am Freitag. »Das war einfach große Klasse«, meint Elisabeth Schmidt aus Spechtsbrunn zum Auftritt der Sängerinnen und Sänger aus Franken und Thüringen.

Einen eindrücklichen Höhepunkt erlebt der Kirchentag schließlich am Abend des 20. Juni an der Schildwiese. Hier weihen die thüringischen und bayrischen Kirchenvertreter ein gemeinsames Mahnmal aus Resten der ehemaligen Grenze ein. Ein vier Meter hohes Kreuz aus Streckmetall soll an die tödliche Linie zwischen Ost und West erinnern. Der danebenstehende Gedenkstein trägt die Aufschrift »Den Opfern von Mauer und Stacheldraht«. Und damit es keine abstrakte Mahnung bleibt, werden auf der anderen Seite des Steines die zwölf Menschen genannt, die in diesem Grenzabschnitt ums Leben gekommen sind. Das Denkmal solle nun zu einer Stätte der Heilung, der Versöhnung und des Segnens werden, wünscht Regionalbischöfin Dorothea Greiner aus Bayreuth. Zugleich dankt sie für das gewaltfreie Ende der tödlichen Grenze und für die 20 Jahre des friedlichen Zusammenlebens.

Martin Hanusch

Klarheit

25. Juni 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Rotorhead (sxc.hu)

Foto: Rotorhead (sxc.hu)

Endlich herrscht Klarheit. Nach einer jahrelangen, zum Teil quälenden Diskussion hat der Bundestag jetzt ein Patientenverfügungsgesetz verabschiedet. Künftig sind solche schriftlich abgefassten Erklärungen für Ärzte und Angehörige bindend. Das gilt selbst dann, wenn der Patient, der sich nicht mehr äußern kann, darin die Einstellung lebenserhaltender medizinischer Maßnahmen fordert. Für rund acht Millionen Bundesbürger, die bislang eine solche Patientenverfügung ausgefüllt haben, besteht nun eine gewisse Rechtssicherheit. Sie können davon ausgehen, dass ihr Wille gilt.
Nicht bei allen ist das auf Zustimmung gestoßen. Vor allem Kirchenvertreter haben umgehend Bedenken angemeldet. Kritik äußern sie deshalb, weil das Selbstbestimmungsrecht des Patienten alleinige Grundlage des Gesetzes sei. Mit dieser Argumentation tun sie sich freilich keinen Gefallen. Die Kirchen können nicht erst eine gesetzliche Grundlage anmahnen und dann das Ergebnis als »ethisch problematisch« disqualifizieren. Damit nehmen sie weder die sehr fundierte Diskussion im Bundestag noch das Bedürfnis der Menschen nach einer klaren rechtlichen Grundlage ernst. Schließlich geht es hier nicht um aktive Sterbehilfe, sondern um die berechtigte Sorge, im Falle einer unheilbaren Krankheit gegen den eigenen Willen am Leben erhalten zu werden.
In der Vergangenheit ist es zu oft nicht darum gegangen, was der Patient wollte, sondern was Ärzte und Gerichte für richtig hielten. Diese Schieflage wird beseitigt. Patienten und Ärzte wissen nun eher, woran sie sind. Dass die Verfügung nicht für alle Eventualitäten gewappnet sein kann, ist allen Beteiligten durchaus bewusst. Die Kirchen wären deshalb gut beraten, zunächst einmal die Umsetzung des Gesetzes abzuwarten. Und diejenigen, die bereits eine Patientenverfügung ausgefüllt haben, sollten sich nicht scheuen, ihren Willen auch aktuell zu ändern. Das ist zwar mit etwas Mühe verbunden, aber immer noch besser als die zuvor bestehende rechtliche Unsicherheit.

Martin Hanusch

In der Pflicht

18. Juni 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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s_83580454e2Von den Folgen einer rigiden Flüchtlingspolitik können Elias Bierdel und Stefan Schmidt ein Lied singen. Der ehemalige Chef der Hilfsorganisation »Cap Anamur« und sein Kapitän müssen sich in Italien vor Gericht verantworten, weil sie vor fünf Jahren 37 schiffbrüchige Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet haben. Die italienische Staatsanwaltschaft fordert wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung je vier Jahre Haft und 400000 Euro. Das Verfahren wirft ein Schlaglicht auf die Flüchtlingspolitik der EU.

Offensichtlich geht es vor allem um die Sicherung der Außengrenzen und weniger um einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen. Wohin das führt, können wir jedes Jahr bei dramatischen Landungsversuchen sehen.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni haben Flüchtlingsorganisationen nun mehr Anstrengungen für eine humanitäre Flüchtlingspolitik angemahnt. Schon zwischen den EU-Mitgliedsstaaten bestehen hier gravierende Unterschiede. So ist die Zahl der Asylbewerber in der Bundesrepublik nach dem Rückgang der vergangenen Jahre zwar zuletzt wieder leicht gestiegen. Das liegt jedoch vor allem am Bürgerkrieg im Irak und der Aufnahme irakischer Christen. Ansonsten schaffen es Flüchtlinge häufig gar nicht erst bis nach Deutschland.

Trotzdem gibt es hier noch genug zu tun. Die beiden Kirchen haben sich zuletzt für eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis von langjährig geduldeten Menschen stark gemacht. Die Betroffenen müssten die Chance erhalten, eine Arbeit zu finden, um damit die Vor-aussetzungen für ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu erfüllen. Zudem sollten humanitäre Aspekte bei der Altfallregelung eine stärkere Berücksichtigung finden, so die Migrationsbeauftragten.

Der Einsatz der Kirchen für Flüchtlinge kommt nicht von ungefähr. Schließlich steht die Aufgabe, sich für die Fremdlinge einzusetzen, bereits im Alten Testament. Geändert hat sich daran nichts – selbst wenn das mitunter aus dem Blick gerät.

Von Martin Hanusch

Eine Tankstelle für die Seele

18. Juni 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Matthäus 11, Vers 28

Christian KurzkeEine normale Arbeitswoche geht zu Ende. Es ist Wochenende, Zeit zum Auftanken und für Erholung, Zeit für die Familie. Denkste, sag ich mir. Der Kalender in der Küche an der Wand spricht eine andere Sprache.

Wieder habe ich Arbeit mit nach Hause genommen. Montagmorgen muss doch alles fertig sein. Und so sieht’s aus: Schreibtisch am Vormittag, vorher noch die Kinder zum Sport, am Nachmittag zum Auftritt der Flötengruppe fahren, unterwegs Wocheneinkauf erledigen. Am Abend kommen die Kollegen zu Besuch. Am Sonntag dann Geburtstag der Tante. Es wird wohl wieder spät werden. Ohne Stau haben wir es noch nie geschafft zurückzufahren.

So kurz vor der Ferienzeit überschlagen sich noch einmal die Termine. Es geht vielen so. Die Wochenenden sind ausgebucht, Stress pur für die ganze Familie. Da lese ich am Kalender ganz kleingedruckt: »Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.«

Genau das brauche ich jetzt. Einer, der zu mir sagt: Lass dein Leben nicht allein durch den Terminkalender bestimmen. Mach dir nicht selbst soviel Stress und Druck. Eigentlich sehne ich mich nach einer Kraft in mir, die auch mal Nein sagen kann. Eigentlich wünsche ich mir einen Ort, an dem ich so sein kann, wie ich bin, mit all meinen Fähigkeiten, für die ich dankbar bin, aber auch mit all meiner Schwachheit, erschöpft, müde und überfordert. Wo kann ich solch einen Ort finden?

Christus sagt: Bei mir findest du deine Kraft, bei mir darfst du deine Seele auftanken, bei mir zählt nicht, was du alles auf die Reihe bekommst oder nicht, sondern mir bist du als Mensch mit deinen Erfolgen und Misserfolgen wichtig. Sonntag ist Gottesdienst, denke ich. Da kann ich ihm begegnen und schreibe es in meinen Terminkalender. Die Tante versteht das und erwartet uns erst zum Kaffee, sagt sie am Telefon.
Christian Kurzke, Pfarrer in Rüdersdorf-Kraftsdorf

Mit Blaulicht vor der Kirche

18. Juni 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Kirchspiel feierte erstmals Familien-Feuerwehr-Gottesdienst im Sinne des heiligen Florian

Das Vorbild der Feuerwehrleute ist der heilige Florian, ein römischer Offizier, der sich im Jahr 304 für gefangene Christen einsetzte und wegen seines Festhaltens am Glauben den Tod durch Ertrinken auf sich nahm.

Am vergangenen Sonntag trafen sich in der Dicel-Kirche zu Seebach bei Eisenach rund 30 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Thal, Seebach und Schönau mit ihren Familien. Aber nicht, um den Heiligen zu ehren, sondern für die Arbeit der Feuerwehrleute zu beten, die freiwillig etwas für andere Menschen tun, ihr Leben einsetzen.

Ein feierlicher Anblick: die ­Florians-Jünger ziehen nach dem Gottesdienst zum ­Feuerwehr­gerätehaus <br />Foto: Susanne Reinhardt

Ein feierlicher Anblick: die ­Florians-Jünger ziehen nach dem Gottesdienst zum ­Feuerwehr­gerätehaus
Foto: Susanne Reinhardt

Beim Einzug in die historische ­Kirche, die einst von einem Apotheker errichtet worden war, trugen die Feuerwehrleute ihre Festtagsuniform, vor der Kirche warteten Fahrzeuge mit Blaulicht, und auf einer Bank neben dem Altar lagen die Helme der verstorbenen Kameraden, daneben brennende Kerzen.

Pfarrer Johannes Reinhardt ging in seiner Predigt auf das St.-Florian-Prinzip ein. Da heißt es in einem ­makaberen Spruch: »Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an.« Im Klartext: Hauptsache mir geht es gut, die anderen sind mir gleichgültig. Dabei machten doch ­gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen, das Helfen das Leben lebenswert, so der Pfarrer.

Zum besseren Verständnis für die anwesenden Kinder unterhielt er sich mit einer Handpuppe, dem Raben ­Jonathan, dem die Jugendreferentin des Kirchenkreises, Angela Lange, ihre Stimme verlieh. Im Gespräch stellte der Vogel die Frage, ob es denn bald auch einen »Frisör- oder Jäger-, Arzt- oder Bäckergottesdienst« geben würde. Die Freiwilligkeit sei es, was die Besonderheit ausmache, lautete die Antwort. Und das fand der neunjährige Christoph aus der Jugendwehr richtig klasse, wie auch die sieben­jährige Anna-Katharina, die mit ihren Eltern aus Thal zu diesem Familiengottesdienst gekommen war. Das gemeinsame Singen mit Gitarrenbegleitung gefiel dem angehenden Feuerwehrmann Maximilian (14) besonders.

Im Anschluss begab sich der Pfarrer, gefolgt von den Feuerwehrleuten, den Fahrzeugen und den Gottesdienstbesuchern zum Feuerwehrgerätehaus, wo man ins Gespräch kam und weitere gemeinsame Feste besprach.

Susanne Reinhardt

Begeistert vom einzigartigen Ambiente

Café und Herberge im Augustinerklosters Gotha eröffnet – Umbau fast abgeschlossen

Geht Pfarrer Jürgen Schilling die Klosterstraße oder die Jüdenstraße entlang, bekommt er schnell eine Gänsehaut. Der Anblick des Gothaer Augustinerklosters löst das aus. »Dann freue ich mich ohne Ende«, gesteht der Seelsorger der Augustinergemeinde. Probleme der fast zweijährigen Bauarbeiten bewegen ihn dann ebenso wie die Freude über den Anblick des kurz vor Fertigstellung stehenden Gebäudekomplexes.

Nachdem Verwaltung der Stadtkirche und Superintendentur Gotha sowie Propst Reinhard Werneburg im Februar ihre Räume im Kloster bezogen haben, sind jetzt dort Herberge und Café eröffnet. Bis auf Bibliothek und Sozialprojekt, die im Ostteil der Augustinerkirche eingerichtet werden – Fertigstellung voraussichtlich im Herbst dieses Jahres – ist der Umbau abgeschlossen.

Simone Lamperti freut sich auf die Gäste <br />Foto: Helmut Fischer

Simone Lamperti freut sich auf die Gäste
Foto: Helmut Fischer

Mit Aufnahme des Herbergsbetriebes erhält das 750 Jahre alte Gebäude wieder eine klösterliche Funktion: Gäste finden Aufnahme. Seit der Reformation diente das Mutterkloster des Erfurter Augustinerklosters nicht mehr als Kloster, sondern über Jahrhunderte hinweg als Schule, Verwaltungsstandort und Gemeindehaus. Darauf weist Pfarrer Schilling hin.

Die ersten Pilger und Touristen haben bereits in der neuen Herberge logiert und seien voll des Lobes gewesen, berichtet Andrea Schwalbe. Die Geschäftsführerin des Diakoniewerkes Gotha leitet die ­Augustinerkloster gGmbH, die Stadtkirchengemeinde, Diakoniewerk und Bodelschwingh-Hof zum Betreiben der Bleibe und des Cafés im Augustinerkloster gegründet haben. Zur Herberge gehören 30 Betten in 13 Doppel- und vier Einzelzimmern. Schilling sagt zwar, dass es riskant sei, ein Café in der Stadt zu eröffnen, fürs Klostercafé aller Voraussicht nach aber nicht. Wirtschaftsprüfer bescheinigten: Mit dem Ambiente, im ehemaligen Kapitelsaal und dessen gotischem Kreuzrippengewölbe und Tür zum Kreuzgang, sei es einzigartig in ­Gotha. Im Wirtschaftsdeutsch heißt das ­»Alleinstellungsmerkmal«.

Mitten in Gotha steht nun ein geistliches Zentrum, das sich auch rein äußerlich sehen lassen kann. Die graue Fassade ist verschwunden. Jetzt korrespondieren heller Farbanstrich und gotische Bauweise miteinander.
Maßgebend ist aber das Innenleben nicht nur wegen des reizvoll-besinnlichen Kreuzganges. Im Zuge des Umbaus entstand ein Gemeinwesen, das mit dem diakonischen Geist des Helfens zu neuem Leben erweckt werden soll. Deutlich wird das beim Betreiben von Herberge und Café. Dort werden in Zukunft etwa zehn Menschen mit Behinderung arbeiten. Mit Zuschuss der »Aktion Mensch« erhalten sie die Möglichkeit, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Weitere Sozialprojekte, wie Mittagstisch für Bedürftige und Hausaufgabenhilfe, sind Bestandteil des geplanten ­Sozialprojekts im Ostteil, wo noch gebaut wird.

Auch vorm Café muss noch Hand angelegt werden. Im Zuge der Vorplatz-Gestaltung soll es einen rollstuhlgerechten Eingang erhalten. Es sei gelungen, ein historisches Gebäude barrierefrei umzubauen, stellt Thomas Gurski, Geschäftsführer des Bodelschwingh-Hofs, bereits jetzt fest.

»Ich denke, wir haben hier was Richtiges für Gotha geschaffen«, sagt Schilling. Der Pfarrer betont dabei, dass das ohne Unterstützung der Stadt Gotha so nicht möglich gewesen wäre. Umbau und Sanierung des altehrwürdigen Gothaer Augustinerklosters wurden mit Mitteln der Städtebauförderung sowie Unterstützung der Thüringer Landeskirche möglich. Insgesamt stecken 3,4 Millionen Euro in den sanierten Klostermauern und was sie umgeben. Außerdem trugen dazu Gothaer und Institutionen mit mehr als 70000 Euro an Spenden bei.

Helmut Fischer

Streit um eine »Bischofsweihe«

18. Juni 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Leiter der Wigberti-Bruderschaft in Werningshausen vom Pfarrdienst suspendiert

Das Bild, das mehrere Männer in vollem Ornat zeigt, stand nur kurze Zeit auf der Internetseite der syrisch-orthodoxen Kirche von Europa: »Bischofsweihe seiner Exzellenz Franz Schwarz am 25.04.2009 im St. Wigberti Kloster in Werningshausen«, war es betitelt. Kurze Zeit darauf wurde das Foto wieder aus dem Netz genommen.

Kloster St. Wigberti in Werningshausen  -- Foto: K. Gohde (Wikimedia)

Kloster St. Wigberti in Werningshausen Foto: K. Gohde (Wikimedia)

Jetzt hat die heimliche »Bischofsweihe« ein disziplinarisches Nachspiel. Das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat dem Pfarrer und Prior des Evangelischen Klosters St. Wigberti in Werningshausen, Franz Schwarz (64), vorübergehend vom Dienst suspendiert. Wer sich gegen alle Regeln der Verfassung der eigenen Kirche zum »Bischof« weihen lasse, habe damit die Gemeinschaft der Landeskirche verlassen, sagt der stellvertretende Landesbischof, Propst Hans Mikosch. Pfarrdienst in der EKM und Bischofsweihe passten nicht zusammen.

Laut Verfassung der mitteldeutschen Kirche gebe es nur einen Landesbischof sowie die Regionalbischöfe. Dies sei bislang auch von der Bruderschaft anerkannt gewesen. Da die Landeskirche erst im Oktober vergangenen Jahres die seit 1987 geltende Anerkennung des Priorats als Bruderschaft in der EKM bestätigt habe, stehe es auch unter der landeskirchlichen Verfassung, so Mikosch weiter.

Das sieht das Priorat offensichtlich anders. Die Bischofsweihe sei keineswegs ein einmaliger Vorgang, widerspricht Bruder Klaus Gohde und verweist dunkel auf die »Hochkirchliche Bewegung«. Die dazu zählenden Gruppen und Kommunitäten pflegen liturgische Formen, mit denen sie sich bewusst in die Nähe der katholischen Kirche begeben. Eine besondere Rolle spielt dabei die apostolische Sukzession. So sei Schwarz nicht Bischof in der EKM, sondern eines »Hochkirchlichen Apostolats«, sagt Gohde. Das deckt sich mit den Angaben der Landeskirche, nach denen sich der Prior durch den Bremer Pastor i. R. Karsten Bürgener, der den »Hochkirchlichen Apostolat St. Ansgar« vertritt, in Werningshausen zum »Bischof« des Apostolats weihen ließ.

Mehr über die Hintergründe will der Vertreter der Bruderschaft jedoch nicht verraten. Da es sich um ein schwebendes Verfahren handele, sei man derzeit zu keiner Stellungnahme bereit. Zudem sei der Prior erkrankt. Auch die Kirchengemeinde in Werningshausen, in der Schwarz seit 1978 seinen Dienst als Pfarrer versieht und in der er sehr beliebt ist, zeigt sich von der Entwicklung überrascht. »Was da passiert ist, wüsste ich auch gerne«, sagt der Gemeindekirchenratsvorsitzende Reinhard Fritz.

Wie es weitergeht, ist derzeit völlig offen. Zwar hat es unmittelbar nach Bekanntwerden der »Bischofsweihe« Ende Mai ein Gespräch mit Landesbischof Christoph Kähler gegeben. Im Ergebnis hatte Schwarz am 28. Mai die Weihe bedauert und für nichtig erklärt. Diese Erklärung habe der Prior jedoch am 2. Juni widerrufen. Ein erneutes mehrstündiges Gespräch zwischen Mikosch und Schwarz sei am vergangenen Wochenende ergebnislos verlaufen, heißt es in der Mitteilung der Landeskirche.

Nun ist es dem Pfarrer und Prior für die nächsten drei Monate untersagt, zu predigen, zu taufen sowie das Abendmahl zu spenden. Während dieser Zeit werde durch das Landeskirchenamt geprüft, ob ein Disziplinarverfahren einzuleiten ist. »Davon unberührt«, so Mikosch, »bleibt die Wertschätzung der Arbeit der Bruderschaft St. Wigberti.«

Martin Hanusch

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