Begeistert vom einzigartigen Ambiente

Café und Herberge im Augustinerklosters Gotha eröffnet – Umbau fast abgeschlossen

Geht Pfarrer Jürgen Schilling die Klosterstraße oder die Jüdenstraße entlang, bekommt er schnell eine Gänsehaut. Der Anblick des Gothaer Augustinerklosters löst das aus. »Dann freue ich mich ohne Ende«, gesteht der Seelsorger der Augustinergemeinde. Probleme der fast zweijährigen Bauarbeiten bewegen ihn dann ebenso wie die Freude über den Anblick des kurz vor Fertigstellung stehenden Gebäudekomplexes.

Nachdem Verwaltung der Stadtkirche und Superintendentur Gotha sowie Propst Reinhard Werneburg im Februar ihre Räume im Kloster bezogen haben, sind jetzt dort Herberge und Café eröffnet. Bis auf Bibliothek und Sozialprojekt, die im Ostteil der Augustinerkirche eingerichtet werden – Fertigstellung voraussichtlich im Herbst dieses Jahres – ist der Umbau abgeschlossen.

Simone Lamperti freut sich auf die Gäste <br />Foto: Helmut Fischer

Simone Lamperti freut sich auf die Gäste
Foto: Helmut Fischer

Mit Aufnahme des Herbergsbetriebes erhält das 750 Jahre alte Gebäude wieder eine klösterliche Funktion: Gäste finden Aufnahme. Seit der Reformation diente das Mutterkloster des Erfurter Augustinerklosters nicht mehr als Kloster, sondern über Jahrhunderte hinweg als Schule, Verwaltungsstandort und Gemeindehaus. Darauf weist Pfarrer Schilling hin.

Die ersten Pilger und Touristen haben bereits in der neuen Herberge logiert und seien voll des Lobes gewesen, berichtet Andrea Schwalbe. Die Geschäftsführerin des Diakoniewerkes Gotha leitet die ­Augustinerkloster gGmbH, die Stadtkirchengemeinde, Diakoniewerk und Bodelschwingh-Hof zum Betreiben der Bleibe und des Cafés im Augustinerkloster gegründet haben. Zur Herberge gehören 30 Betten in 13 Doppel- und vier Einzelzimmern. Schilling sagt zwar, dass es riskant sei, ein Café in der Stadt zu eröffnen, fürs Klostercafé aller Voraussicht nach aber nicht. Wirtschaftsprüfer bescheinigten: Mit dem Ambiente, im ehemaligen Kapitelsaal und dessen gotischem Kreuzrippengewölbe und Tür zum Kreuzgang, sei es einzigartig in ­Gotha. Im Wirtschaftsdeutsch heißt das ­»Alleinstellungsmerkmal«.

Mitten in Gotha steht nun ein geistliches Zentrum, das sich auch rein äußerlich sehen lassen kann. Die graue Fassade ist verschwunden. Jetzt korrespondieren heller Farbanstrich und gotische Bauweise miteinander.
Maßgebend ist aber das Innenleben nicht nur wegen des reizvoll-besinnlichen Kreuzganges. Im Zuge des Umbaus entstand ein Gemeinwesen, das mit dem diakonischen Geist des Helfens zu neuem Leben erweckt werden soll. Deutlich wird das beim Betreiben von Herberge und Café. Dort werden in Zukunft etwa zehn Menschen mit Behinderung arbeiten. Mit Zuschuss der »Aktion Mensch« erhalten sie die Möglichkeit, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Weitere Sozialprojekte, wie Mittagstisch für Bedürftige und Hausaufgabenhilfe, sind Bestandteil des geplanten ­Sozialprojekts im Ostteil, wo noch gebaut wird.

Auch vorm Café muss noch Hand angelegt werden. Im Zuge der Vorplatz-Gestaltung soll es einen rollstuhlgerechten Eingang erhalten. Es sei gelungen, ein historisches Gebäude barrierefrei umzubauen, stellt Thomas Gurski, Geschäftsführer des Bodelschwingh-Hofs, bereits jetzt fest.

»Ich denke, wir haben hier was Richtiges für Gotha geschaffen«, sagt Schilling. Der Pfarrer betont dabei, dass das ohne Unterstützung der Stadt Gotha so nicht möglich gewesen wäre. Umbau und Sanierung des altehrwürdigen Gothaer Augustinerklosters wurden mit Mitteln der Städtebauförderung sowie Unterstützung der Thüringer Landeskirche möglich. Insgesamt stecken 3,4 Millionen Euro in den sanierten Klostermauern und was sie umgeben. Außerdem trugen dazu Gothaer und Institutionen mit mehr als 70000 Euro an Spenden bei.

Helmut Fischer

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  1. [...] morgen«, ist sich Wieland Hartmann sicher. Der Pfarrer leitet die Begegnungsstätte »Liora« im Gothaer Augustinerkloster. Und die bietet mit Hausaufgabenbetreuung eine nicht alltägliche Dienstleistung [...]