In der Pflicht

s_83580454e2Von den Folgen einer rigiden Flüchtlingspolitik können Elias Bierdel und Stefan Schmidt ein Lied singen. Der ehemalige Chef der Hilfsorganisation »Cap Anamur« und sein Kapitän müssen sich in Italien vor Gericht verantworten, weil sie vor fünf Jahren 37 schiffbrüchige Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet haben. Die italienische Staatsanwaltschaft fordert wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung je vier Jahre Haft und 400000 Euro. Das Verfahren wirft ein Schlaglicht auf die Flüchtlingspolitik der EU.

Offensichtlich geht es vor allem um die Sicherung der Außengrenzen und weniger um einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen. Wohin das führt, können wir jedes Jahr bei dramatischen Landungsversuchen sehen.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni haben Flüchtlingsorganisationen nun mehr Anstrengungen für eine humanitäre Flüchtlingspolitik angemahnt. Schon zwischen den EU-Mitgliedsstaaten bestehen hier gravierende Unterschiede. So ist die Zahl der Asylbewerber in der Bundesrepublik nach dem Rückgang der vergangenen Jahre zwar zuletzt wieder leicht gestiegen. Das liegt jedoch vor allem am Bürgerkrieg im Irak und der Aufnahme irakischer Christen. Ansonsten schaffen es Flüchtlinge häufig gar nicht erst bis nach Deutschland.

Trotzdem gibt es hier noch genug zu tun. Die beiden Kirchen haben sich zuletzt für eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis von langjährig geduldeten Menschen stark gemacht. Die Betroffenen müssten die Chance erhalten, eine Arbeit zu finden, um damit die Vor-aussetzungen für ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu erfüllen. Zudem sollten humanitäre Aspekte bei der Altfallregelung eine stärkere Berücksichtigung finden, so die Migrationsbeauftragten.

Der Einsatz der Kirchen für Flüchtlinge kommt nicht von ungefähr. Schließlich steht die Aufgabe, sich für die Fremdlinge einzusetzen, bereits im Alten Testament. Geändert hat sich daran nichts – selbst wenn das mitunter aus dem Blick gerät.

Von Martin Hanusch
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