Eine hilfreiche Binsenweisheit

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19, Vers 10

Foto: Whitehous3 (sxc.hu)

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Lange muss unser Heiland nicht suchen, bis er fündig wird. Das berühmte Sprichwort von der Stecknadel im Heuhaufen würde jetzt zwar jahreszeitlich passen, aber nicht inhaltlich. Denn lange muss er nicht suchen, bis er die Verlorenen findet.

»Ich merke nichts von Flaute – wir haben so viel auf Arbeit zu tun. Gleich muss ich wieder losfahren – 600 Kilometer.« Gut ist das nicht für ihn, selbst wenn es in der Lohntüte stimmt. Ein anderer: »Jetzt kann ich meine Tochter wieder jeden Morgen zum Bus bringen – Kurzarbeit. Die Lager sind voll. Wer weiß, was wird, ich hatte ­gerade erst angefangen.« Zermürbend ist das für ihn, wenn er nicht weiß, was kommt.
Die Diagnose macht sie sprachlos: »Bisher waren es immer nur die anderen. Und dann das. Krebs! Bei mir! Ich bin wie vor’n Kopf geschlagen. Nur nicht rumsitzen und Däumchen drehen, sonst werde ich verrückt.« Schwer ist das für sie, mit diesem Wissen umzugehen.

»Ist was mit Ihnen?«, werde ich letztens gefragt. »Sie sehen traurig aus!« Da ist nichts Konkretes, kann ich versichern. Aber wer weiß, was ich alles mit mir rumschleppe und eben nicht – wie so oft – fröhlich sein kann.
Nein, lange muss unser Heiland nicht suchen, bis er fündig wird. Und wenn er gefunden hat? Ja, was dann? Der Arbeitsweg wird nicht einfach halbiert, die Kurzarbeit nicht aufgehoben, die Diagnose nicht hinfällig und die Fröhlichkeit nicht auf Knopfdruck abrufbar. Klar – so geht´s nicht – selbst nicht mit Gott.

Aber was bleibt, klingt wie eine Binsenweisheit: Der Heiland sucht, findet und ist da! Eine Binsenweisheit als Evangelium! Ja, manchmal ist das Einfache das Wahre. Mein Heiland ist da! »Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn DU bist (ja) bei mir.« Immer wieder tröstet mich dieses Psalmwort. Und in ihm kommt das ganze Evangelium zum Ausdruck. Mein Heiland ist da.

Albrecht Henning, Pfarrer in Krina

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