Signalwirkung

16. Juli 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Kommentar

Foto: Christoffer Vittrup Nielsen, sxc.hu

Foto: Christoffer Vittrup Nielsen, sxc.hu

Sie sind ein Pfund, mit dem die Kirche wuchern kann. Sie bewahren ein Stück Ortsgeschichte und geben den Einwohnern Identität. Die Rede ist von den zahlreichen Sakralbauten, die es in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gibt. Mit fast 3900 Kirchen zählt die Landeskirche zu den kirchenreichsten Regionen überhaupt. So vereint die EKM fast ein Fünftel aller Kirchen in Deutschland auf sich, stellt aber nicht einmal vier Prozent der evangelischen Christen bundesweit. Dazu kommen noch einmal gut 200 Kirchen in Anhalt.

Lange galten die Kirchen eher als Last denn als Lust, weil die Erhaltung die zumeist kleinen Gemeinden überforderte. Inzwischen sind jedoch die meisten der wertvollen Kulturdenkmale wiederhergestellt, und viele Gemeinden haben die Chancen erkannt, die in den Gebäuden stecken. Dazu beigetragen haben auch die in den letzten Jahren entstandenen Kirchbauvereine, in denen nicht nur Christen mitarbeiten, sondern vielfach auch Nichtchristen, denen die Kirche als prägendes Gebäude am Herzen liegt. Doch was ist, wenn das Gotteshaus gerettet ist? Viele Gemeinden fragen sich inzwischen, was sie mit ihren sanierten Kirchen anfangen können. Zwar gibt es gerade in den Sommermonaten verstärkt Konzerte und Musikreihen. Radwege- und Autobahnkirchen laden zum Verweilen ein. Auch die Zahl von geöffneten Kirchen steigt kontinuierlich – inzwischen sind es 691.

Dennoch reicht das nicht, alle Kirchen auf Dauer mit Leben zu füllen. Gerade für die Sakralbauten abseits der Touristenpfade braucht es neue Nutzungskonzepte. Schließlich taugt nicht jede Kirche als Kulturzentrum. Hier muss letztlich jede Gemeinde nach Lösungen suchen. Aber selbst die kleinste Dorfkirche kann geöffnet werden – für die, die Ruhe und Besinnung suchen. Zudem gilt es, die Kirchen am Sonntag für Gebet und Andacht aufzuschließen – notfalls ohne Pfarrer. Das ist nicht nur ein Signal in die Gemeinde hinein, sondern auch nach außen: Seht her, die Kirche lebt.

Martin Hanusch

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