Der Hass eines Heimatlosen

23. Juli 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Philippe Ramakers, scx.hu

Foto: Philippe Ramakers, scx.hu

Spät kam der kollektive Schock, dafür war er um so tiefer. Viel wird seit dem Messerattentat auf eine Ägypterin im Dresdner Landgericht vor mehr als drei Wochen über das Verhältnis der Deutschen und des Westens zum Islam diskutiert. Eine andere Frage, die das Verbrechen aufwarf, geht dabei im ratlosen Wortgetümmel beinahe unter: Die nach dem Verhältnis der deutschen Gesellschaft zu ihren russlanddeutschen Spätaussiedlern.

Viele von ihnen sind jung – so wie der 28-jährige Mörder Alexander W., der mit 18 Stichen die Muslima Marwa El Sherbini im Gerichtssaal tötete. Vor sechs Jahren ist er mit seinen Eltern aus dem Ural nach Dresden gekommen. Er musste damals seine Freunde, seine Heimat und viele Sicherheiten verlassen – für die vage Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland. Aussiedler kommen in ein fremdes Land mit einer ­fremden Sprache, das ihre Bildungsabschlüsse und Berufe oft nicht anerkennt. In Russland sind sie die Deutschen! In Deutschland interessiert sich jedoch für »die Russen« kaum jemand, und so ­bleiben sie unter sich – mit ihrer russischen Sprache und Kultur. In Kirchengemeinden ist das oft nicht anders.

Aussiedler sind nicht krimineller als andere Deutsche. Doch gerade in jungen Männern unter ihnen, die oft arbeitslos und in Trainingshosen ihre Tage zubringen, braut sich offenbar etwas zusammen: Hoffnungslosigkeit, Wut, mitunter Hass. Die NPD erkennt das Potential und fischt bereits unter den Russlanddeutschen nach Wählerstimmen.

Das Verbrechen des Alexander W. muss man verurteilen. Doch zugleich wird man fragen müssen, wie entwurzelte Russlanddeutsche eine neue Heimat, Wertschätzung und Selbstbewusstsein finden können. Handeln müssen die Spätaussiedler selbst, aber ebenso ihre Nachbarn, Unternehmer, der Staat. Und auch die Kirchengemeinden.

Von Andreas Roth

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