In der Gottesfamilie ist das Fremdsein aufgehoben

So seid ihr nun nicht mehr Gäste oder Fremdlinge, sondern Mitbürger
des Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2,19

Das Leben beginnt, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund tot.« Mit diesem Satz endet ein Witz, in dem sich ein Protestant, ein Katholik und ein Jude über die Frage austauschen, wann denn das Leben beginne.

frau_webIch unterstelle: Die meisten Eltern freuen sich auf den Moment, wenn die Kinder den heimischen Herd verlassen. Irgendwann gibt es für jede Eltern-Kind-Beziehung den Punkt, in dem das gemeinsame Leben unter einem Dach ein Ende hat. Das ist ein natürlicher Vorgang und dem Leben aller Beteiligten in der Regel dienlich. Wenn die Kinder dann zu Gast sind, auch mit eigener Familie, kann das richtig schön sein. Sie sind dann nicht mehr die Hausgenossen, wohl aber gern gesehene Gäste.

»So seid ihr nun … Mitbürger des Heiligen und Gottes Hausgenossen.« – In der Gottesfamilie gilt das Gegenteil von dem, was in menschlichen Familien eher der Normalfall ist. Der Gaststatus, das Fremdsein ist aufgehoben. Mitbürger sind wir, sogar Hausgenossen. Wir teilen mit dem Hausvater gemeinsam, was zum Leben unter einem Dach dazugehört. Was für ein ungeheuerlicher Zuspruch!

Vorbei ist’s, am Rand zu stehen, Distanz zu ­halten. Gott macht alle zu Mitbürgern der Heiligen und zu seinen Hausgenossen. Er macht uns gleichwertig mit den Heiligen, setzt uns mit ihnen und sich auf Augenhöhe. Ist dieser Zuspruch auszuhalten? Kann, will ich das begreifen? Verstehen? Das hat doch Konsequenzen?!

So ist das wohl: Wer sich unter den Schatten des Höchsten begibt, wird auch gefordert. Da ist nicht nur Schutz, da ist auch Anspruch, Erwartung. In ­einem gemeinsamen Haus gelten gemeinsame ­Regeln. Die müssen mitunter neu ausgehandelt werden, weil sich alle miteinander auch verändern. Klar ist nur eines: Ein Zurück in den Gaststatus, in das Fremde, gibt es aus Sicht des Hausvaters nicht mehr. Zuspruch und Anspruch zugleich das gilt es anzunehmen und zu gestalten.

Pfarrerin Juliane Kleemann, Magdeburg

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