Katastrophe im Morgengrauen
23. Juli 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Mitteldeutschland
Auch die Kirche hilft Menschen in Nachterstedt

Der Rest eines Doppelhauses an der Unglücksstelle in Nachterstedt am Sonnabend. Foto: Klaus-Peter Voigt
Im Morgengrauen war ein mehrere Hundert Meter langes Uferstück des Concordia-Sees weggebrochen und ins Wasser gerutscht. Die Erdmassen rissen eine Frau und zwei Männer in den Tod. Ein Haus und eine Doppelhaushälfte verschwanden ebenfalls in den Fluten des Sees, einer ehemaligen Braunkohlen-Tagebaugrube, die seit etwa zehn Jahren geflutet wird. Der zurzeit 400 Hektar große See sollte noch auf 650 Hektar wachsen, die Gegend sich weiter zu einem Naherholungsgebiet entwickeln.
Das Ufer ist seit der Katastrophe gesperrt. 41 Einwohner können nicht mehr in ihre Häuser zurück. Sie sind in Ferienwohnungen, bei Verwandten und Freunden untergebracht und bekommen von vielen Seiten Hilfe.
Auch bei örtlichen Kirchengemeinden sind unterdessen Hilfsangebote aus ganz Deutschland eingegangen, sagte Renate Hampe am Dienstag. Der zunächst gesperrte Kindergarten der Diakonie mit 80 Plätzen sei nach Untersuchungen des Erdreichs wieder freigegeben worden. In der Situation tue es gut, Solidarität zu erfahren, nicht nur von der Pfarrerin, die sofort gekommen sei, sondern auch von den Notfallseelsorgern, die seit Sonnabendmorgen im Einsatz waren und sind.
Inzwischen weiß die Kirchenälteste, dass auch Ortspfarrer Holger Holtz seine Urlaubsreise vorzeitig beendet. Bei seiner Rückkehr werde man über die Spendenverteilung und andere Hilfsangebote beraten. Auch der Kirchenkreis sichert Hilfe zu, so Superintendent Michael Wegner, der am Sonntag in Nachterstedt war und unter anderem mit dem Landrat, dem Bürgermeister und der Verwaltungsleiterin gesprochen hat.
Wie schwer es auch Profis fällt, mit einer solchen Katastrophe umzugehen, weiß Pfarrin Lättig. »Ich bin am Sonnabend zum ersten Mal in meiner 18-jährigen Dienstzeit zu einer Andacht gefahren und wusste nicht, was ich sagen sollte«, blickt sie auf den Abend des 18. Juli in der Kirche zurück. »Ich habe nur unseren Herrgott gebeten, dass er mir die richtigen Worte gibt.«
Angela Stoye
Zu einer Gedenkandacht wird am 24. Juli, 18 Uhr, in die Kirche gebeten.




