Wenn Landschaft reden könnte
23. Juli 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Mitteldeutschland, Thüringen
Zwischen Eisfeld und Coburg wurde Reformationsgeschichte geschrieben

Eisfeld, an der alten Handelsstraße Nürnberg–Erfurt gelegen, wurde 1323 durch Berthold VII. von Henneberg zur Stadt erhoben. Die idyllische Kleinstadt wird geprägt durch die große Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert und das Schloss. Während der inner- deutschen Teilung lag Eisfeld weitgehend isoliert im Grenzgebiet. Foto: Arved Danz
Martin Luther ging die Route meist zu Fuß. Belegt ist beispielsweise 1518, als er auf seiner Reise nach Heidelberg in Coburg Station macht. 1530 – er steht unter der Reichsacht – nutzt er den Aufenthalt auf der Veste Coburg zur Revision seiner Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche und verfasst die »Predigt«, in der er die Schulpflicht fordert. Seine literarische Tätigkeit veranlasst die Freunde später, vom »Coburger Luther« zu sprechen.
Luther bittet Nicolaus Kindt, den 1490 in Hildburghausen geborenen Theologen, ihn bei der Ausbreitung der Reformation in den Ämtern Hildburghausen und Eisfeld zu unterstützen. Bis zu seinem Tod 1549 kommt Kindt als Pfarrer und späterer Superintendent dieser Aufgabe nach. Auf dem heutigen Alten Friedhof von Eisfeld findet der Mitstreiter Luthers seine letzte Ruhestätte.
Zum Zeitpunkt einer Visitation – von Herzog Johann Friedrich II. angeordnet – wirkt Justus Jonas, gleich Melanchthon ein treuer Freund Luthers, bereits als Pfarrer und Superintendent in Eisfeld. Als Jodokus Koch war er 1493 in Nordhausen geboren worden. Er studierte zunächst Jura, darauf Theologie und wird für das Jahr 1519 zum Rektor der Universität Erfurt gewählt. Nach Promotion und Lehrtätigkeit in Wittenberg hilft er Luther bei der Abfassung der Torgauer Artikel. 1537 unterschreibt er die Schmalkaldischen Artikel, auch diese, wie schon die Torgauer, eine Bekenntnisschrift Luthers, und führt 1541 als Pfarrer in Halle die Reformation ein. Als Luther 1546 krank auf der Reise nach Eisleben im Hause Jonas einkehrt, erkennt dieser, dass er den Freund nicht mehr allein in seine Heimatstadt reisen lassen darf. Er begleitet ihn und steht am 18. Februar an Luthers Sterbebett.
Aus Halle wird Jonas in den Wirren des Schmalkaldischen Krieges vertrieben und siedelt für zwei Jahre nach Coburg über, wo er als Generalsuperintendent und Hofprediger wirkt.
1553 zieht Jonas mit seiner dritten Frau – die ersten zwei Ehefrauen sind im Kindbett gestorben – und seinen noch zum Haushalt gehörenden Kindern nach Eisfeld. In Zurückgezogenheit lebt er mit der Familie bis zu seinem Tod am 9. Oktober 1555. Seine Ruhestätte findet er neben seinem Vorgänger Nicolaus Kindt. Noch heute weist eine Gedenktafel auf die beiden ersten Reformatoren in Eisfeld hin.
Orla Danz






