Fragen über Fragen

30. Juli 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Kommentar

Bildautor: EKM/Seifert

Bildautor: EKM/Seifert

Frau Schmidt wurde das Auto gestohlen. Nicht irgendein Auto. Nein, das Dienstauto. Nicht irgendeiner Frau Schmidt. Nein, sondern der Bundes-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Und gestohlen wurde es nicht irgendwo, sondern in ihrem Spanienurlaub. Und schon ist es ein Politikum ersten Ranges. Und, Frau Schmidt: Alles, was Sie dazu sagen, kann nun gegen Sie verwendet werden. Denn es ist Wahlkampf.

Da ist wieder einmal jeder Anlass recht, um mit dem Finger auf den politischen Gegner zu zeigen. Was im Falle des Dienstautos Schmidt verwerflich ist, müssen andere klären. Wir Wähler haben es mit ganz anderen Problemen zu tun. Wegen welcher Aussage sollen wir eine Partei wählen oder wegen welchen Skandals sollen wir es nicht tun?

Denn wozu wählen wir denn unsere Volksvertreter in Land- und Bundestag? Richtig, damit sie ­unsere Interessen dort vertreten. Sie sollen das Zusammenleben in der Gesellschaft regeln, sollen die Voraussetzungen dafür schaffen, damit es gelingt und niemand auf der Strecke bleibt.

Also muss man den zur Wahl stehenden Politikern Fragen stellen, die das erhellen: Welche Vision vom Leben im Ort und in der ­Region haben Sie? Wie wollen Sie die Chancen von benachteiligten Kindern und Erwachsenen ver-
größern? Wie setzen Sie sich dafür ein, dass ältere Menschen nicht ins Abseits geraten? Wie wollen Sie ­attraktive Lebensbedingungen für Familien erhalten oder schaffen? Was wollen Sie unternehmen, damit die Schere zwischen Armen und Reichen nicht weiter auseinanderdriftet? Und vor allem: Von welchem Menschenbild lassen Sie sich leiten? Daran ist jeder Politiker zu messen. Und diesen Maßstab muss er oder sie auch an sich selbst anlegen – auch beim Dienstwagengebrauch. Dann ist er oder sie für uns glaubhaft.

Von Christine Reuther

Bookmark and Share

Ihre Lesermeinung zu diesem Artikel

Nutzen Sie gravatar, wenn Sie Ihr Bild mit der Meinung veröffentlichen wollen!