Prüfsteine für Parteien

27. August 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Diakonie Mitteldeutschland stellte vor der Thüringer Landtagswahl Fragen zu sozialen Themen.

logo_diakonie_mitteldeutschlandAn diesem Wochenende entscheidet sich, wer in Thüringen für die nächsten fünf Jahre regiert. Welche Lösungen die Parteien bei brennenden Fragen der Sozialpolitik von der Kinderbetreuung über altersgerechte Wohnformen bis hin zur Teilhabe behinderter Menschen haben, machte die Diakonie Mitteldeutschland in den letzten Wochen bei Gesprächsrunden und auf ihrer Internetseite deutlich: 51 Fragen waren als Wahlprüfsteine an alle Parteien gegangen, die Antworten sind im Internet nachzulesen.

Auf sieben Wahlpodien in thüringischen diakonischen Einrichtungen, zum Beispiel im Kinder- und Jugenddorf Regenbogen in Zella-Mehlis oder dem Sozialtherapeutischen Zentrum für Suchtkranke in Schweina, hatten die Parteien Gelegenheit, zu einzelnen Themen Stellung zu nehmen. Dabei lieferten sich die Teilnehmer keinen Polit-Streit, vielmehr gab es einen sachlichen Austausch von Meinungen.

Auch wenn manche Antwort im Allgemeinen blieb, so ist Kathrin ­Weiher, Vorstand Soziale Dienste der Diakonie Mitteldeutschland, vom Erfolg der Aktion überzeugt: »Wir wollen auch nach den Wahlen die Kontakte zu den Parteien aufrechterhalten und prüfen, welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen wurden.« Denn tatsächlich gab es bei manchen Fragen Konsens: So machten sich Vertreter aller politischen Richtungen stark für mehr Mittel in der Präventionsarbeit für Kinder und Jugendliche, ebenso bei der Suchthilfe.

Das Interesse sei nicht nur an der Beteiligung bei den Podiumsdiskussionen groß gewesen. »Wir haben auch beobachtet, dass es viele Zugriffe auf die Stellungnahmen der Parteien unserer Internetseite gab«, freut sich Initiatorin Kathrin Weiher. Es sei ein Bedürfnis zu erfahren, welche Antworten Parteien zu sozialen Fragen anbieten. Diskutiert wurde zum Beispiel: »Wie werden Sie die Verbes­serung der ­Situation insbesondere für Kinder mit lebensbedrohlichen Erkrankungen in Thüringen fördern?« oder »Was werden Sie tun, um die Lebensqualität im ländlichen Raum zu sichern und ­Zukunftsperspektiven für junge Menschen zu schaffen?«

Bereits zur Europawahl hatte der Wohlfahrtsverband ähnliche Wahlprüfsteine ins Netz gestellt. Und dies sei auch zur Bundestagswahl geplant, so Kathrin Weiher. Schwerpunkt sollen dann Kinder- und Jugendhilfe sowie Altenhilfe sein. Jeweils eine Podiumsdiskussion soll in Sachsen-Anhalt und Thüringen stattfinden.

Silvia Zöller

www.diakonie-mitteldeutschland.de

Jesus zeigt Menschen den Weg

27. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Aus allen Himmelsrichtungen kamen Christen nach Roßdorf/Rhön zum Regionalkirchentag

Wegschilder informierten darüber, aus welchen Orten die Besucher des ­Regionalkirchentages Bad Salzungen-Dermbach angereist waren. Foto: Rhönsachs

Wegschilder informierten darüber, aus welchen Orten die Besucher des ­Regionalkirchentages Bad Salzungen-Dermbach angereist waren. Foto: Rhönsachs

Auf dem Roßhof bei Roßdorf/Rhön trafen sich mehrere Hundert Christen am Sonntag, 23. August, zum Regionalkirchentag des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach. »Jeder von uns geht jeden Tag seinen eigenen Weg als Christ. Oft fühlen wir uns als Minderheit in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule, unter Freunden und Bekannten«, sagte Oberpfarrer Gerald Kotsch (Dermbach) während der Eröffnungsandacht. Manchmal seien es nur sehr wenige, die sich am Sonntag auf den Weg zur Kirche begeben. »Heute sind wir dagegen viele«, konnte Kotsch erfreut feststellen.

»Jesus geht voran« war das Thema des Regionalkirchentages, der eine rund drei Kilometer lange Pilgertour zur Roßdorfer Kirche beinhaltete. »Wir haben uns aufgemacht, weil wir auf Gottes Wort hören. Wir vertrauen darauf, dass wir das Ziel erreichen und er mit uns geht«, sagte Oberpfarrer Kotsch. Wegweiser zu ihren Heimatorten hatten die Kirchentagsbesucher mitgebracht. Jugendwart Jörg Markert ging mit dem Mikrofon durch die Besucherreihen und sammelte die Tafeln ein. Die Überbringer erzählten etwas von ihrem Ort und ­ihrer Kirche. Jugendliche befestigten anschließend die Schilder an einem hohen Pfahl aus Birkenholz. Damit sei die Einladung verbunden, die Orte des Kirchenkreises und deren Kirchen zu besuchen, erklärte Markert.

Ortspfarrerin Jana Petri stellte die einzelnen Stände und Aktionen des »Marktes der Möglichkeiten« vor, der auf dem Roßhof-Gelände aufgebaut war. So präsentierte sich zum Beispiel die Diakonie des Kirchenkreises mit einem Info-Stand. Beim Quiz »Kennen Sie Diakonie?« mussten die Besucher Fotos diakonischen Einrichtungen in der Region zuordnen. In einer aufblasbaren Kirche informierte die Kirchengemeinde Roßdorf über ihr Projekt »Himmelwärts – der etwas ­andere Gottesdienst«. Die jüngsten Kirchentagsbesucher konnten sich ­einen Brustbeutel nach eigenen Wünschen gestalten, und die Evangelische Jugend Werratal hatte Groß-Spiele aufgebaut wie Balance-Wippe, Eimer-Memory oder Geschicklichkeitsspiele. Posaunenchöre aus allen Teilen des Kirchenkreises umrahmten das Treffen musikalisch.

­Foto: Rhönsach

­Foto: Rhönsach

Am späteren Nachmittag setzte sich der lange Pilgerzug in Richtung Roßdorf in Bewegung. An drei Stationen stoppte er zu Kurzandachten. Über »Elia ganz oben und ganz unten« sprach Völkershausens Pfarrer Heinz-Jürgen Bernst an der ersten Station, gestaltet von der Region Vacha. Die Region Bad Liebenstein/Schweina hatte die zweite Station übernommen und vor einem Maisfeld einen Altar aufgebaut. Für die dritte Station zeichnete die Region Hohe Rhön verantwortlich. Jesus habe eine besondere Art, Menschen den Weg zu zeigen, indem er sagt: »Folgt mir nach, ich gehe voran«, so Kaltenwestheims Pfarrer Thomas Brüderle in seiner Kurzandacht.
Mit einem festlichen Abendmahlsgottesdienst in der Roßdorfer Trinitatiskirche endete der Regionalkirchentag.

Stefan Sachs

»Ich komme in einer großen Offenheit«

27. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Interview: Landesbischöfin Ilse Junkermann über ihren Amtsantritt und erste Aufgaben

Tritt am 1. September offiziell ihren Dienst an: Ilse Junkermann. Foto: epd-bild

Tritt am 1. September offiziell ihren Dienst an: Ilse Junkermann. Foto: epd-bild

Am Sonnabend wird Ilse Junkermann als erste Bischöfin in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eingeführt. Vor ihrem offiziellen Start sprach Martin Hanusch mit der 52-jährigen Theologin aus Stuttgart.

Frau Landesbischöfin, sind Sie gut in Ihrer neuen Heimat gelandet?
Junkermann:
Ja, das kann ich schon sagen. Der Umzug ist im Wesentlichen abgeschlossen. Ich bin zwar noch nicht ganz mit dem Einräumen fertig, 30 Kisten fehlen noch. Aber ich hoffe, dass zur Einführung am Sonnabend alles bereit ist.

Haben Sie einen Überblick, was Sie als erstes angehen werden?
Junkermann:
Der Terminkalender ist schon gut gefüllt. Da gibt es am nächsten Wochenende den Kreiskirchentag in Nordhausen und das Landesposaunenfest in Wittenberg. Am Sonntag darauf bin ich zum Jubiläum 825 Jahre Klosterkirche in Arendsee. Dann folgen der mitteldeutsche Kirchentag in Weimar und der MDR-Gottesdienst zum Domjubiläum in Magdeburg. Dazu kommen die Leitungsgremien, zu denen ich kraft meines Amtes gehöre. Aber neben den zahlreichen Aktivitäten soll es auch Zeiten der Ruhe und der Besinnung sowie Möglichkeiten zum Atemholen geben. Das bischöfliche Amt ist schließlich ein geistliches Amt.

Was steht aus Ihrer Sicht jetzt vordringlich in der EKM an?
Junkermann:
Im Zuge der Gespräche mit den Synodalen kam immer wieder der Hinweis, wir brauchen jetzt einen geistlichen Aufbruch nach den ganzen Strukturdebatten. Das hat sich die Synode als einen Schwerpunkt vorgenommen, und im Herbst wird mit dem Thema begonnen. Ein geistlicher Aufbruch kann nur von den Kirchengemeinden ausgehen, das lässt sich nicht von oben verordnen. Meine Aufgabe wird es sein zu sehen, wo finden Aufbrüche statt, wo haben wir Menschen, die sich in den Gemeinden einsetzen. Es wird darauf ankommen, die Verantwortlichen miteinander ins Gespräch zu bringen, damit nicht jeder für sich allein etwas versucht, sondern dass es zu einem Austausch kommt ganz im Sinne des Bildes vom Leib Christi. Für diesen Austausch will ich mit sorgen.

Welche Schwerpunkte möchten Sie dabei setzen?
Junkermann:
Wir müssen deutlich zeigen, dass wir als einzelne Christenmenschen und als Kirche Empfangende sind. Was bedeutet es, wenn es heißt: Kirche lebt vom Wort Gottes? Wie setzen wir das persönlich im Alltag und als Kirche um? Gerade in einer »Machergesellschaft« halte ich das für wichtig.

Wie können Sie dazu beitragen, dass eine gemeinsame Identität wächst?
Junkermann:
Ich denke, dass die beiden Landeskirchen schon selbst dafür gesorgt haben in der Verfassung. Jetzt wird es darum gehen, die Strukturüberlegungen mit Leben zu füllen. Das zu moderieren und zu integrieren, sehe ich als eine weitere Aufgabe an. Bei allen Entscheidungen, wie beim Finanzgesetz und Stellenplan, werden wir darauf achten müssen, was uns in unserem Auftrag am besten hilft. Natürlich gibt es durch den Fusionsprozess noch vereinzelt Wunden. Hier müssen wir aufpassen, damit sie nicht wieder aufreißen. Aber ich will auch Mut machen, nach vorn zu blicken und die Aufgaben gemeinsam anzugehen.

An welchen Stellen muss sich die Kirche stärker in die gesellschaftlichen Debatten einbringen?
Junkermann:
Wir brauchen ein lebendiges politisches Klima, auch den Diskurs. Dabei ist es eine Christenaufgabe, sich nicht hinter die Kirchenmauern zurückzuziehen, sondern Mitverantwortung im Gemeinwesen insgesamt wahrzunehmen. Also angefangen bei der Nachbarschaftshilfe bis hin zur politischen Kulturarbeit im Alltag. Und Kirche muss sich da einmischen, wo es um die Menschenrechte geht. Für mich ist ein wesentlicher Aspekt das biblische Menschenbild. Das ist für mich auch der Grund, warum rechts- und linksextreme Parteien für Christen nicht wählbar sind. Es geht um die Einzigartigkeit jedes Einzelnen. Jeder Mensch zählt und hat seine einzigartige Würde von Gott. Darauf immer wieder hinzuweisen ist unser Auftrag.

Kann die Kirche das im Osten leisten, wo sie doch in der Minderheit ist?
Junkermann:
Sie kann das sicher nur zeichenhaft mit ihren diakonischen Einrichtungen oder auch in den Schulen. Aber Kirche sollte nach außen wirken, selbst wenn ihre Kräfte begrenzt sind.

Glauben Sie, dass Sie als »Westimport« auf Vorbehalte stoßen?
Junkermann:
Vermutlich ist das so. Das haben die Rückmeldungen im Vorfeld der Wahl und danach gezeigt. Dahinter steckt auch die Kränkung, warum findet sich niemand aus den östlichen Landeskirchen. Das nehme ich ernst. Und ich komme ja nicht mit fertigen Rezepten, sondern ich komme in einer großen Offenheit und mit großem Respekt vor dem Schritt, den die beiden Kirchen gegangen sind.

Worauf freuen Sie sich in Ihrem neuen Amt besonders?
Junkermann:
Ich freue mich darauf, die Menschen kennenzulernen mit ihren unterschiedlichen Geschichten und den regionalen Unterschieden und wie sie sich gegenseitig bereichern. Außerdem verfügt die EKM über einen großen Schatz mit ihren vielen Kirchengebäuden. Und privat freue ich mich darauf, an der Elbe Fahrrad zu fahren.

Hoffnungszeichen für alle, die am Boden liegen

27. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Ilker, sxc.hu

Foto: Ilker, sxc.hu

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen,
und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Jesaja 42, Vers 3

Da liegt ein Mann am Boden, umringt von anderen. Sie treten auf ihn ein von allen Seiten. Er kann sich schon nicht mehr wehren, er ist sowieso schon am Ende, und seine Peiniger treten noch ­einmal nach. Wie viel kann ein Mensch aushalten? Worauf kann er noch hoffen?

Da hat eine Frau schon kein Geld mehr für regelmäßiges Essen. Mit dem Job ging nach und nach auch die Achtung vor sich selbst verloren, und die Kinder schämen sich vor den anderen in der Schule. Nun soll auch noch der Strom gesperrt werden. Wie tief kann ein Mensch fallen? Unser heutiger Wochenspruch setzt ein Hoffnungszeichen für Menschen, die am Boden zerstört sind.

Er machte den Menschen aus Israel Mut, die vor 2500 Jahren in Babylon in der Verbannung lebten. Man hoffte auf eine politische Wende damals, auf den Sieg des Perserkönigs über Babylon. Und die Menschen begannen, darauf zu vertrauen, Gott werde helfend eingreifen und sie wieder aufrichten.

Wie kann das sein? Unter uns Menschen erleben wir es oft genug, wie die Schwächen des anderen ausgenutzt werden. So fällt es uns schwer, daran zu glauben, dass dies bei Gott anders sein könnte, dass Gott nicht nachtritt, sondern aufhilft und rettet.

Jedoch mit dem Blick auf den Gekreuzigten weiß ich, dass da ein Gott ist, der selbst leidet in jedem, dessen Leben zerbricht und dessen Licht verlöscht. Und mit dem Blick auf den Auferstandenen sehe
ich die Hoffnung für jeden von uns, von Gott zum Leben befreit zu werden.

Gott hat viele Möglichkeiten, unsere Not zu wenden und uns neu aufzurichten. Und auch wir sind gefragt, ihm dabei zu helfen: wenn wir nicht wegsehen, wenn einer am Boden liegt, und nicht vorbeigehen, wenn eine Familie in Not gerät. Wenn wir merken, dass wir einander nicht gleichgültig sind, wenn der andere in seinem Leiden uns angeht, dann kann heute schon Gottes neue Welt hier auf der Erde anbrechen.

Karin Krapp, Pfarrerin in Weimar-West

Überzogen

27. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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hanusch-martin1

Martin Hanusch

Für eine Schlagzeile ist der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm immer gut. Nicht zum ersten Mal hat der Unionspolitiker mit seinen zugespitzten Äußerungen eine heftige Kontroverse ausgelöst. Vor vier Jahren führte er die Gewaltbereitschaft und den Werteverlust in den neuen Bundesländern auf die »Proletarisierung« durch das SED-Regime zurück.

Nun hat Schönbohm für eine Wiederbelebung des Christentums im Osten Deutschlands plädiert. Das ist an sich ja löblich. Allein die Art und Weise, wie der Politiker von ­einer Christianisierung redet, lässt nichts Gutes ahnen. Nach 40 Jahren Indoktrination in der DDR müsse darüber gesprochen werden, wie »Verwahrlosung und Entbürgerlichung« verhindert werden könnten. Dazu gehörten Überlegungen, was gegen die Entkirchlichung getan werde könne.

Bei Kirchenvertretern ist das zu Recht auf Unverständnis gestoßen. Mangelnde Hinwendung zum Glauben und zu Werten wie Nächstenliebe sei keineswegs nur ein Problem der ostdeutschen Gemeinden, konterte der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich. Das betreffe ebenso den Westen. Tatsächlich betrifft die Entkirchlichung längst die ganze Bundesrepublik. Zwar gehört die Mehrheit der Bevölkerung im Westen noch einer der Kirchen an, aber auch hier schwindet die Prägekraft des Christentums.

Außerdem ist der Gegensatz, hier eine verwahrloste und entbürgerlichte Gesellschaft und dort eine funktionierende und bürger­liche Ordnung, ein merkwürdiges Schwarz-Weiß-Denken, das an der Realität vorbeigeht. Sicher: Ein ausgeprägtes Bürgertum gibt es im Osten nicht mehr. Deshalb darf das Christentum aber noch lange nicht auf Sitte und Moral reduziert werden. Der Glauben beinhaltet weit mehr und lässt sich auch nicht ­verordnen. Es kann nicht darum gehen, dass der entkirchlichte Osten auf Anweisung etwas nachholt, sondern allenfalls darum, die Menschen davon zu überzeugen, dass ihnen ohne Glauben etwas fehlt.

Eine Christianisierung à la Schönbohm ist sicher der falsche Weg.

Martin Hanusch

Frieden schaffen ohne Waffen

27. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Weltfriedenstag: Ist der Einsatz von militärischer Gewalt in Krisengebieten zu verantworten?

Vor 70 Jahren begann am 1. September der Zweite Weltkrieg. Zur Erinnerung und Mahnung wurde er zum
Weltfriedens- und Antikriegstag erklärt. Der Friedensbeauftragte der mitteldeutschen Kirche hinterfragt heutige Militäreinsätze.

Deutsche Soldaten in Afghanistan – bringen sie Sicherheit für die Bevölkerung oder gefährdet militärische Präsenz den Einsatz von Entwicklungshelfern? Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Deutsche Soldaten in Afghanistan – bringen sie Sicherheit für die Bevölkerung oder gefährdet militärische Präsenz den Einsatz von Entwicklungshelfern? Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Gegenwärtig kann eine kontroverse Diskussion zum Afghanistan-Krieg verfolgt werden, die sich in den letzten Wochen auch in unserer Kirchenzeitung niedergeschlagen hat. Sehr unterschiedliche Positionen waren zu lesen: Ein Vertreter der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr bedauert den zu geringen Rückhalt für unsere Soldaten in der Bevölkerung, der Vorstandschef der Welthungerhilfe macht die deutsche Militärstrategie verantwortlich für die Gefährdung von Entwicklungshelfern und lehnt eine Vermischung von Militär und Wiederaufbau ab, der Verteidigungsminister betet täglich für die deutschen Soldaten in Afghanistan, und die Friedensbewegung ruft zu einem Umdenken auf: weg vom Militär und hin zum Zivilen.

Auf diesem aktuellen Hintergrund sind Überlegungen zur Unterscheidung zwischen ziviler und militärischer Gewalt ein wichtiger Beitrag in der gesellschaftlichen Diskussion über den Sinn von Bundeswehreinsätzen. Und sie sind zugleich ein Brückenschlag zu den Wurzeln unserer Gesellschaft, deshalb soll zum Antikriegstag 2009 neu daran erinnert werden.

Wir haben in diesem Jahr »60 Jahre Grundgesetz« gefeiert und müssen uns zugleich daran erinnern lassen, dass von Deutschland vor 70 Jahren der Zweite Weltkrieg ausging. Danach lehnten viele Deutsche jegliches Militär ab. In den schrecklichen Ereignissen des Krieges hatte der Militarismus sein wirkliches Gesicht gezeigt. Das hatte sich tief in das kulturelle Gedächtnis des deutschen Volkes eingeprägt. Deshalb wurde der Schutz des Lebens jedes einzelnen Menschen zur Priorität. Nie wieder sollte es etwas Wichtigeres geben! Unser Grundgesetz wurde zum Ausdruck dieses Willens. Mit seinem Grundrechtskatalog wurde die Ethik einer Zivilgesellschaft entworfen.
Doch die grausame Wirklichkeit und die Logik des Krieges – Ende der 1940er Jahre noch allen sehr gegenwärtig – geriet im Laufe der Zeit immer mehr aus dem Blick.

Plötzlich ist eine große Verunsicherung da, ob denn nicht militärische Gewalt doch helfend eingesetzt werden könnte. Vielleicht sind die Gräuel des Krieges bei »humaner Kriegsführung« vermeidbar, vielleicht waren nur die vergangenen Kriege schlimm und die auf Friedensschaffung und Friedenserhaltung ausgerichteten militärischen Einsätze der Gegenwart und der Zukunft können Gutes bewirken?

Gegenüber dieser optimistischen Betrachtungsweise gilt es festzuhalten, dass jedes militärische Vorgehen, unabhängig von seiner Motivation, dem Prinzip unterliegt, dass ein einmal als richtig erkanntes Ziel die Opferung von Menschen rechtfertigt. Der Zweck heiligt dann die Mittel. Die Entwicklung und der Einsatz der Massenvernichtungsmittel sind überhaupt nur zu erklären, wenn der unbedingte Lebensanspruch jedes Einzelnen gering geschätzt wird.

Und da sind wir mitten in der aktuellen Fragestellung, ob denn die Stärkung von Demokratie und Menschenrechten oder die behauptete Stärkung der Sicherheit des Landes ein solches Ziel sein kann, für dessen Erreichung der Einzelne, das heißt die eigenen und die gegnerischen Soldatinnen und Soldaten und auch die Zivilbevölkerung geopfert werden können. Soll für die Zeit des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan die Ethik der Zivilgesellschaft, die sich konsequent am Schutz von Menschenleben orientiert, außer Kraft gesetzt werden, oder gilt dieser Schutz uneingeschränkt und stellt das höchste Gut der Demokratie dar? Ein Gut, was gerade in der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus nicht aufgegeben werden darf?

Diese Fragen zu stellen und gemeinsam darüber im Gespräch zu sein ist wichtig. Wir tragen als Christen Verantwortung für das, was in ­unserer Gesellschaft geschieht. Der Weltfriedenstag kann uns an die zivilen Wurzeln unseres Staates ­erinnern und zugleich an eine wichtige Erkenntnis derer, die eine neue demokratische Gesellschaft aufbauten: »Nie wieder Krieg!«

Von Wolfgang Geffe

Weltfriedentag bei Wikipedia

Abschied und Neuanfang

20. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Der erste Gästepfarrer Thüringens, Frank Hiddemann, geht nach Gera

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Wie eng Kirche, Kultur und Tourismus miteinander verbunden sein können, hat Frank Hiddemann in den vergangenen zwei Jahren auf ­seiner Projektstelle als »Gästepfarrer« im Kirchenkreis Weimar unter Beweis gestellt. Nun widmet er sich neuen Aufgaben in Gera.

Dass er von der Kulturmetropole in eine Arbeiterstadt wechselt, mag zunächst verwunderlich erscheinen. 1960 in Marl im Ruhrgebiet geboren, begibt er sich jedoch in vertraute Gefilde. In der seit der Bundesgartenschau 2007 prächtig herausgeputzten Industriestadt Gera gibt es noch sieben Prozent Christen. Hierbei gelte es, so der promovierte Theologe, zwischen verschiedenen Glaubenstraditionen zu vermitteln und »kirchenferne Leute« zu erreichen. Bildungs- und Kulturarbeit wird also auch zu den Standbeinen der Pfarrstelle an der St.-Salvator-Kirche gehören. Die mehrfach umgebaute Kirche mit ihrer Jugendstilausstattung liegt im Herzen der Stadt.

Hiddemann, der von 1996 bis 2007 als Studienleiter für Medien, Kunst und Kultur an der Evangelischen Akademie Thüringen in Neudietendorf tätig war und berufsbegleitend von 2005 bis 2007 sein Vikariat in Nohra absolvierte, kommt dabei in die »Otto-Dix-Stadt« mit einem reichen Erfahrungsschatz. Dazu zählen Theater-, Film- oder Literaturgottesdienste, Trauerinnerungs-Andachten in der Jakobskirche und thematische Führungen in der Stadtkirche ebenso wie das von den Touristikern besonders begrüßte Angebot der Hotelseelsorge. Dabei wurden in Weimar Hotelbibeln ausgelegt, wo auf Lesezeichen die Kontaktmöglichkeit mit dem »Gästepfarrer« mitgeteilt wird.

Die Ausbildung lizenzierter Kirchenführer in ­Zusammenarbeit mit Volkshochschule und Weimar GmbH, die bisher 35 Stadtführer absolvierten, sorge für eine kompetente Betreuung der jährlich 180000 gezählten Besucher der Herderkirche, freut sich Hiddemann. Sie wird im Herbst mit acht Abenden fortgesetzt.
Viele Projekte seiner Weimarer Zeit wären noch zu nennen, wie »Die Konstruktion des Geheimnisses – Kunst in Feiningerkirchen«, die Vorbereitung der »Reformationsdekade« bis 2017 oder die Spendenkampagne für die Friedensglocken der Stadtkirche.

Ob an touris­tischen Brennpunkten oder in Kirchen an beschaulichen Rad- oder Wanderwegen stehe immer die Frage: »Wie gehen wir mit unseren Gästen um?« »Offene Kirchen« können dabei zu wichtigen Anlaufstellen und Orten der Begegnung werden.
Michael von Hintzenstern

Die Verabschiedung von Pfarrer Frank Hiddemann wird am 23. August um 9.30 Uhr in der Weimarer Herderkirche sein. Die Einführung erfolgt dann am 30. August um 14 Uhr in der Geraer Salvatorkirche.

Sie sind wieder aktuell

20. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Im Oktober lädt die EKM erneut zu Montagsgebeten ein – Arbeitsheft erhältlich

Aus den Montagsgebeten in Leipzig wurden damals die Montagsdemonstrationen. Auch wenn die Friedensgebete andernorts nicht auf diesen Wochentag fielen – die »Montagsgebete« stehen als Synonym für den Aufbruch vor 20 Jahren.

gesegnete_webIm Rahmen der Kampagne »Gesegnete Unruhe« ruft die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) nun zu einer Neuauflage der Montagsgebete auf. Zahlreiche Kirchengemeinden haben diesen Anstoß aufgenommen und werden im Oktober zu Montagsgebeten einladen, um zu den nach wie vor hochaktuellen Themen der Bürgerrechtler von 1989 zurückzufinden.

Ende Juli erschien dazu das 76-seitige Arbeitsheft »Montagsgebete Herbst 2009«, das Liturgievorschläge und inhaltliche Impulse für die Friedensgebete an den vier Oktobermontagen sowie für eine Andacht am 9. November enthält. Komplettiert wird das Angebot durch eine CD mit Texten, Liedern und Noten.

Angesichts der Weltwirtschaftskrise, Klimakatastrophen und der Situation in den Krisengebieten scheint eine Umkehr wieder nötig zu sein: demokratisch, gerecht, friedlich und global. Entsprechend wurden im Heft die Themen vorgeschlagen. Montag, der 5. Oktober, steht unter der Überschrift »Sehnsucht nach Mitbestimmung« und behandelt die Themen Wahlmüdigkeit und Bürgerbeteiligung. Am 12. Oktober heißt es dann »Sehnsucht nach Gerechtigkeit«. Hier werden Verteilungsgerechtigkeit und gerechter Welthandel beleuchtet.

Um die »Sehnsucht nach Frieden« geht es am darauffolgenden Montag, wenn nach Friedensarbeit und Kriegseinsätzen gefragt wird. Am letzten Oktobermontag, 26. Oktober, wird mit Klimawandel und Lebenswandel die »Sehnsucht nach einer heilen Erde« formuliert.

Nachdem zunächst alle Kirchenkreise ein Exemplar des Heftes bekommen hatten, seien nach kurzer Zeit über 200 Hefte angefordert und verschickt worden, informiert Franziska Schreiber von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der EKM. Weitere 500 Bestellungen lägen inzwischen vor. Für die Gemeinden der EKM seien die Hefte kostenlos, während Interessenten von außerhalb 3,50 Euro pro Heft zahlen müssten. Eine Bestellung von 100 Stück aus Hessen-Nassau überraschte und erfreute die Initiatoren darüber hinaus. Noch sind Exemplare des Arbeitsheftes vorhanden, das in einer Gesamtauflage von 1500 Stück erschienen ist.
(mkz)

Bestellungen: Franziska Schreiber, Telefon (03691) 678404, Fax (03691) 678449 oder
E-Mail

»Stolpersteine« erinnern an Nazi-Opfer

20. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Gerhard Seifert

Foto: Gerhard Seifert

Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist mit seiner Aktion »Stolpersteine« für Opfer des Nationalsozialismus gegenwärtig in Mitteldeutschland unterwegs. Nachdem am 10. August erstmals »Stolpersteine« in Eisenach (Foto) und Heiligenstadt verlegt wurden, folgten an den Tagen darauf Bad Salzungen, Gotha, Arnstadt, Großbreitenbach, Hildburghausen und Pößneck.

Bei der bereits dritten Aktion in Jena verlegte Demnig am vergangenen Montag gleich an drei Plätzen künstlerisch gestaltete Pflastersteine zum Gedenken an ehemalige Mitbürger, die in der NS-Zeit ums Leben gekommen sind. Weitere Stationen waren am 19. August Naumburg, Zeitz und Meuselwitz. Zerbst (23. August), Dessau und Halle (24. August) sowie Magdeburg (11. September) stehen als nächste auf dem Plan.

Demnig hat die »Stolperstein«-Aktion 1997 in Berlin gestartet. Inzwischen sind bundesweit in über 300 Orten sowie in Österreich, Ungarn und den Niederlanden »Stolpersteine« in Gehwege eingelassen worden.

Foto: Gerhard Seifert

Foto: Gerhard Seifert

Hochmut ist getarnter Kleinmut

20. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Quil, SXC

Foto: Quil, SXC

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
1. Petrus 5, Vers 5

Ausgerechnet Petrus? Im Brief, der in seinem Namen verfasst wurde, werden die Hochmütigen ausgebremst. Aber war Petrus nicht der Hochmütigste in der Jüngerschar? Immer wollte er über die anderen triumphieren. Er war gerne vorneweg und ständig ging es darum, wer wohl am dichtesten an Jesus dran war. Petrus natürlich. Auch wenn des ­Fischers Eitelkeit riecht wie vergammelter Fisch. Netze spannen konnte er, auch Beziehungsnetze.

Petrus hat sich für seine kranke Schwiegermutter eingesetzt. Das macht nicht jeder Mann. Er konnte auch Emotionen zulassen, wenn er schrie und weinte. Irgendwann gab es für ihn ein Lehrstück in Sachen Demut – und zwar auf dem See. Gott begegnet den Hochmütigen in ihrem Alltag!

Petrus sieht Jesus auf dem See wandeln und denkt, das kann ich auch. Diese Perikope muss oft in Witzen herhalten, aber sie ist alles andere als lustig. Es liegt auch eine Tragik darin. Was der kann, kann ich schon lange, ist eine verbreitete Meinung, scheinbar zu allen Zeiten. Oder: Was ich nicht kann, soll der andere gefälligst auch nicht können. Das Mittelmaß rekrutiert sich überall selbst.

Petrus steigt aus dem Boot, geht einige Schritte und fängt an, erbärmlich unterzugehen. Hier greift die Schadenfreude der Volksweisheit »Hochmut kommt vor dem Fall« nicht weit genug. Hier greift auch Jesus – ein. Hochmut ist getarnter Kleinmut. Das wird Petrus deutlich.

Der Hochmut geht auch in unserer Kirchengeschichte der Demut voran. Getarnte Demut kann gefährlichster Hochmut sein. Heinrich Böll formuliert in seinem Roman »Ansichten eines Clowns«: »Ein Christ dient gerne, am liebsten in leitender Stellung!«

Nun sind wir alle auf die Gnade angewiesen, die wir uns nicht selber geben können. Auch bei aller Demut nicht. Das Heft des Handelns behält Gott in der Hand, der unser Herz prüft. Die Hochmütigen verlassen sich zu sehr auf den Augenschein. Gott aber sieht das Herz an.

Jörg Uhle-Wettler, Pfarrer in Bad Düben

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