Überzogen

27. August 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Martin Hanusch

Für eine Schlagzeile ist der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm immer gut. Nicht zum ersten Mal hat der Unionspolitiker mit seinen zugespitzten Äußerungen eine heftige Kontroverse ausgelöst. Vor vier Jahren führte er die Gewaltbereitschaft und den Werteverlust in den neuen Bundesländern auf die »Proletarisierung« durch das SED-Regime zurück.

Nun hat Schönbohm für eine Wiederbelebung des Christentums im Osten Deutschlands plädiert. Das ist an sich ja löblich. Allein die Art und Weise, wie der Politiker von ­einer Christianisierung redet, lässt nichts Gutes ahnen. Nach 40 Jahren Indoktrination in der DDR müsse darüber gesprochen werden, wie »Verwahrlosung und Entbürgerlichung« verhindert werden könnten. Dazu gehörten Überlegungen, was gegen die Entkirchlichung getan werde könne.

Bei Kirchenvertretern ist das zu Recht auf Unverständnis gestoßen. Mangelnde Hinwendung zum Glauben und zu Werten wie Nächstenliebe sei keineswegs nur ein Problem der ostdeutschen Gemeinden, konterte der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich. Das betreffe ebenso den Westen. Tatsächlich betrifft die Entkirchlichung längst die ganze Bundesrepublik. Zwar gehört die Mehrheit der Bevölkerung im Westen noch einer der Kirchen an, aber auch hier schwindet die Prägekraft des Christentums.

Außerdem ist der Gegensatz, hier eine verwahrloste und entbürgerlichte Gesellschaft und dort eine funktionierende und bürger­liche Ordnung, ein merkwürdiges Schwarz-Weiß-Denken, das an der Realität vorbeigeht. Sicher: Ein ausgeprägtes Bürgertum gibt es im Osten nicht mehr. Deshalb darf das Christentum aber noch lange nicht auf Sitte und Moral reduziert werden. Der Glauben beinhaltet weit mehr und lässt sich auch nicht ­verordnen. Es kann nicht darum gehen, dass der entkirchlichte Osten auf Anweisung etwas nachholt, sondern allenfalls darum, die Menschen davon zu überzeugen, dass ihnen ohne Glauben etwas fehlt.

Eine Christianisierung à la Schönbohm ist sicher der falsche Weg.

Martin Hanusch

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