Geben, was der andere braucht
25. September 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen

Mit einem Auto voller Waren war Beate Weber-Kehr (l.) vom Bundesverband Deutscher Tafeln gekommen. Die Leiterin von Hildburghausen, Tina Lenk, nahm sie entgegen. (Foto: Wolfgang Swietek)
31. Tafel von Thüringen in Hildburghausen eröffnet
Wenn ein Kreisstadtbürgermeister und ein Landtagsabgeordneter, die beide der Partei »Die Linke« angehören, zu einem Festgottesdienst in die Kirche kommen, wenn ein evangelischer und ein katholischer Geistlicher dort gemeinsam zum Gebet auffordern und das an einem Dienstagmittag, dann muss dies ein ganz besonderer Anlass sein. Grund für das Kommen von Bürgermeister Steffen Harzer und Tilo Kummer sowie Oberpfarrer Christoph Victor von der evangelischen Kirchengemeinde Hildburghausen und Dietmar Ruhlig von der katholischen Kirchengemeinde St. Leopold war die Eröffnung der 31. Tafel im Freistaat Thüringen, die am Donnerstag dieser Woche erstmals ihre Pforten für die Bedürftigen der Region öffnet.
»Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.« Mit dem Spruch der Woche hatte Oberpfarrer Christoph Victor am 22. September den ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche eröffnet. Das sage aber im Umkehrschluss auch, so Victor, dass Sorgen da sind und dringend Hilfe gebraucht werde. Und das in einem der reichsten Länder der Erde.
Überwältigend war die Bereitschaft, welche die Diakonie erfuhr, als sie mit der Eröffnung dieser Tafel eine letzte Lücke im Freistaat Thüringen, im Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld, schließen wollte. Sofort hatten sich Helfer gemeldet – 46 sind es inzwischen – die bereit waren, sich für das Wohl ihrer Mitbürger zu engagieren. Dietmar Ruhlig dazu: »Unsere beiden Kirchen standen in DDR-Zeiten in aller Bedrängnis zusammen. Nun arbeiten wir wieder gemeinsam – Diakonie und Caritas – mit dem gleichen Anliegen.« Auch wenn die beiden Kirchen dabei federführend sind, sei dies doch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. So sei es erfreulich, dass es keinerlei Überzeugungsarbeit bedurfte, als die Kirchen in der Stadtverwaltung und im Landratsamt vorgesprochen hatten.
Bürgermeister Steffen Harzer und Landrat Thomas Müller waren beide bereit zur Hilfe und sicherten dies auch persönlich bei der Eröffnung der Tafel erneut zu. Das Motto der Tafel-Bewegung, einst im thüringischen Blankenhain formuliert und nun bei allen 854 Tafeln deutschlandweit gültig, solle auch hier umgesetzt werden: »Einem anderen geben, was er braucht – ein Stück Brot, ein Lächeln, ein offenes Ohr.« Den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und keine Lobby haben, ein Stück ihrer Würde und Lebensqualität zurückgeben, das will die Tafel erreichen.
Wolfgang Swietek




