Nicht wegschauen

17. September 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Kat Jackson, Sxc

Foto: Kat Jackson, Sxc

Entsetzen, Unverständnis, Wut oder Ohnmacht fühlen Menschen angesichts von brutaler Gewalt. In München ist am vergangenen Sonnabend ein 50 Jahre alter Geschäftsmann zu Tode geprügelt worden, weil er Zivilcourage zeigte und Kinder vor jungendlichen Straftätern schützen wollte. Wohin steuert unsere Gesellschaft, das mag sich mancher fragen.

Dass die Tat in aller Öffentlichkeit passieren konnte, macht die Sache umso schwerwiegender. Wohin haben die Menschen geschaut, die mit in der S-Bahn unterwegs waren? Was haben diejenigen getan, die an der Station München-Solln mit ausstiegen? Warum haben sie sich nicht an die Seite des Nothelfers gestellt und die beiden Jugendlichen daran gehindert zuzuschlagen? Haben die Deutschen zu wenig Zivilcourage? Sind sie gleichgültig gegenüber dem Leid anderer? Oder ist es vielmehr die Angst, selbst zu Schaden zu kommen, die sie am Eingreifen hindert? Vor einem Urteil muss sich jeder selbst fragen, wie weit sein Mut gereicht hätte.

Wie so oft folgen nach der ersten Sprachlosigkeit Forderungen: mehr Polizei, mehr Überwachung, höhere Strafen … Aber auch mit mehr Polizeipräsenz oder Überwachung wird die Gewaltbereitschaft Jugendlicher nicht gesenkt, schätzen Fachleute ein.

Zivilcourage und Nächstenliebe gehören zum christlichen Selbstverständnis. Wenn andere in Not geraten, wenn Rechtsextremisten aufmarschieren – Christen sind an der Seite derer, die helfen oder sich gegen Gewalt wehren. In diesen Fällen sind Gleichgesinnte zusammen.

Und das ist der springende Punkt: Wer Gewalttätern allein gegenüber steht, hat oft keine Chance. Deshalb gilt für jeden Einzelnen: hinschauen und mit anderen gemeinsam handeln. Das Wegsehen macht Straftäter stark. Es ist höchste Zeit, hierzu einen breiten gesellschaftlichen Dialog zu führen, in den sich auch die Kirchen kräftig einmischen müssen.

Von Dietlind Steinhöfel

Ist der »Dritte Weg« am Ende?

17. September 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Diakonie: Mitarbeitervertreter und Dienstgeber ringen um das künftige Arbeitsrecht

Seit Monaten schwelt ein Konflikt zwischen Mitarbeitervertretern und Dienstgebern in der Diakonie Mitteldeutschland. Hintergrund ist der Streit um die Gestaltung des kirchlichen Tarifgefüges.

Die Forderung nach Tarifverträgen in Kirche und Diakonie wird immer wieder mal laut. Die  Verantwortlichen wollen ­jedoch am »Dritten Weg« und dem Selbstbestimmungsrecht der Kirchen festhalten. Foto: picture alliance/dpa

Die Forderung nach Tarifverträgen in Kirche und Diakonie wird immer wieder mal laut. Die Verantwortlichen wollen ­jedoch am »Dritten Weg« und dem Selbstbestimmungsrecht der Kirchen festhalten. Foto: picture alliance/dpa

Auf den aktuellen Entwurf des Arbeitsrechtsregelungsgesetzes ist Annegret Köhlmann derzeit nicht gut zu sprechen. »Das entspricht überhaupt nicht mehr dem Grundsatz einer freiwilligen Mitarbeit«, erregt sich die Vorsitzende des Gesamtausschusses der Mitarbeitervertretungen (GAMAV) in der Diakonie Mitteldeutschland. So sollten die Mitarbeitervertreter künftig dazu genötigt werden, in der Arbeitsrechtlichen Kommission mitzuarbeiten.

Das, findet die Mitarbeitervertreterin aus Apolda, sei »eine Bankrotterklärung für den Dritten Weg«.
Der Streit um die Gesetzesnovelle ist jedoch nur der Höhepunkt in einer Reihe von Konflikten zwischen Arbeitnehmervertretern und Arbeitgebern in der Diakonie. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der sogenannte Dritte Weg, der das kirchliche Tarifgefüge bestimmt. Wegen des Selbstbestimmungsrechts der Kirchen gelten hier andere Regeln als in der freien Wirtschaft. Die Tarife werden nicht zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ausgehandelt, sondern in paritätisch besetzten Kommissionen festgelegt. Streiks sind demnach ebenso untersagt wie Aussperrungen oder andere Mittel des Arbeitskampfes. Dahinter steht letztlich das Leitbild einer Dienstgemeinschaft, die auf ein partnerschaftliches Miteinander sowie faire Konfliktlösung setzt. »Daran sollten wir wegen unseres besonderen Profils auch künftig festhalten«, betont Diakoniechef Eberhard Grüneberg.

Solange die Kassen gefüllt waren und sich die Löhne am Bundesangestelltentarif orientierten, funktionierte das relativ problemlos. Doch heute setzen Fallpauschalen, gekürzte Zuschüsse und die Konkurrenz privater Träger die diakonischen Einrichtungen zunehmend unter Druck. Inzwischen gibt es auch hier Ausgliederungen. Zudem stecken die Tarifgespräche seit 2008 in einer Sackgasse.

Die Dienstgemeinschaft, kritisiert die GAMAV-Vorsitzende, sei längst eine »leere Worthülse«. Bereits Anfang des Jahres haben sich die Mitarbeitervertreter deshalb aus der Arbeitsrechtlichen Kommission der Diakonie Mitteldeutschland zurückgezogen. Mit dem Ergebnis, dass seitdem die Arbeitsrechtssetzung stagniert. »Letztlich«, sagt der Leiter der Diakonie Mitteldeutschland, »geht das auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.« Grüneberg wirbt darum nachdrücklich für eine Rückkehr der Mitarbeitervertreter an den Verhandlungstisch.

Doch davon sind diese derzeit weit entfernt. Denn die Kritik des GAMAV richtet sich nicht nur gegen die nach ihrer Meinung einseitige Arbeitsrechtssetzung und die Einschränkung, dass nur Kirchenmitglieder Mitarbeitervertreter werden dürfen. Der Gesamtausschuss sieht zudem das Gebot der Parität verletzt, weil den Krankenschwestern und Pflegern in der Arbeitsrechtlichen Kommission auf Dienstgeberseite Juristen, Betriebswirte und Theologen gegenübersitzen. Letztlich lasse der Konflikt den Mitarbeitern nur eine Möglichkeit: »Sie müssen sich gewerkschaftlich organisieren«, so Annegret Köhlmann. Durch ein klares Tarifgefüge würden sich die Interessen der Mitarbeiter besser vertreten lassen, ist sie überzeugt.

»Wer glaubt, dass mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di alles besser wird, der irrt«, kontert Diakoniechef Grüneberg. Zudem vermisst er bei den Mitarbeitervertretern den Willen zum Kompromiss. Noch immer zahle die Diakonie deutlich bessere Entgelte als andere Wohlfahrtsverbände oder die private Konkurrenz, unterstreicht er.
Auch der Vorsitzende des Diakonischen Dienstgeberverbandes (DDGV), Hubertus Jaeger, sieht den »Dritten Weg« keineswegs am Ende. Den Grundgedanken der Dienstgemeinschaft dürfe die Diakonie nicht ohne Not aufgeben, mahnt er. Das gelte auch, obwohl nur noch 40 Prozent der insgesamt 20000 Diakonie-Mitarbeiter einer christlichen Kirche angehörten. Selbst die nichtchristlichen Mitarbeiter würden sich zumeist auf das besondere Profil einlassen.

Für den 18. September hat Jaeger die Mitarbeitervertreter zu einem Gespräch eingeladen. Sein Ziel sei es, die Kommunikation wieder in Gang zu bringen und um Vertrauen zu werben. Ein Angebot über eine Tarifsteigerung in Höhe von vier Prozent wollen die Dienstgeber jetzt ebenfalls vorlegen. Das allerdings ist nur die Hälfte dessen, was die Dienstnehmer zuletzt gefordert hatten.

Von Martin Hanusch

Drei Damen vom Gerüst

11. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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In der Liboriuskapelle Creuzburg wird die Wandmalerei restauratorisch untersucht.

Die Restauratorinnen Elodie Rossel, Antje Möller und ­Nicole Knobloch (v. li.) legen derzeit in der ­Liboriuskapelle Creuzburg eine Musterachse an, um ein restauratorisches ­Konzept erstellen zu können. (Foto: Norman Meißner)

Die Restauratorinnen Elodie Rossel, Antje Möller und ­Nicole Knobloch (v. li.) legen derzeit in der ­Liboriuskapelle Creuzburg eine Musterachse an, um ein restauratorisches ­Konzept erstellen zu können. (Foto: Norman Meißner)

Elodie Rossel, Nicole Knobloch und Antje Möller kommen kaum zum Arbeiten. Durch das Portal der Liboriuskapelle an der historischen Sandsteinbrücke am Ufer der Werra stecken jeden Tag bis zu 100 Neugierige ihre Köpfe. Haben sie einen ersten Blick erhascht, ist das Interesse vollends entbrannt. Immer und immer wieder erklären die drei Damen vom Gerüst den Zweck ihrer Tätigkeit, aber auch Interessantes zur Geschichte der Kapelle in Creuzburg (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen).
Die drei Diplomrestauratorinnen stehen seit Anfang Juli dicht gedrängt auf einem Baugerüst im Altarraum, um an der Bemalung der linken Wand eine Musterachse anzulegen. »Sie wurde mit ölhaltiger Tempera in Secco-Technik, also auf bereits getrockneten Putz, aufgebracht«, erläutert Antje Möller. An der Wand, an der gegenwärtig gearbeitet wird, sind Szenen aus dem Leidensweg Christi zu sehen. Der rechten Wand sind Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth vorbehalten. Über der Tür prangt kaum noch sichtbar die Darstellung des Jüngsten Gerichts. »Unsere Musterachse ist notwendig, damit ein ­konservatorisches und restauratorisches Konzept erstellt werden kann«, so Elodie Rossel. Dies sei dann Grundlage für alle weiteren restauratorischen Arbeiten.
Die Malereien, die höchstwahrscheinlich aus dem Jahr 1520 stammen, erscheinen dem Betrachter heute äußerst blass. Das liegt an dem Auftrag verschiedener Schutzschichten bei vorangegangenen Sicherungsmaßnahmen in den 30er, 50er und 70er Jahren. Nun haben die drei Damen eine Lösung gefunden, den alten Dammarharzfirnis, der einst aus ­malaiisch-indischen Laubbäumen gewonnen wurde, schonend von der Wand der Musterachse zu entfernen. Zurück bleibe nur das Original, sagt Rossel.
»Die Malerei wird im Wesentlichen nur gereinigt. Fehlende Teile, die sich aus dem Bildzusammenhang eindeutig rekonstruieren lassen, werden entsprechend punktuell ergänzt«, fährt die junge Französin fort. Große Fehlstellen würden nicht ergänzt und die Formen nicht nachgemalt, um ungewollte Fehlinterpretationen zu vermeiden. Mit Pinsel, Skalpell sowie Injektionsspritze arbeiten sich die drei Damen Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Mit der Kanüle und speziellem Kalkinjektionsmörtel werden Hohlstellen hinter dem Putz verfüllt. Jüngere Gipsputze bereiten den Restauratorinnen Probleme. Sie müssen abgenommen und mit Kalkmörtel ergänzt werden.
Der untere Bereich der bis zur Decke reichenden Fläche ist bereits aus konservatorischer Sicht abgeschlossen. Im Mittelteil tritt nun die Malerei deutlicher hervor. Dort sind die drei Damen mit der Retusche weit vorangekommen. Nur die Putzfehlstellen sind noch passend einzufärben. Auch in den nächsten Wochen muss das charmante Trio noch weiter das Gerüst hinaufklettern. Sind sie mit der Musterachse fertig, beginnt der dritte Sanierungsabschnitt (Fußboden und Sockelbereich) mit einem Finanzvolumen von 110000 Euro. Neben der Kirchengemeinde wird diese Summe vor allem durch Städtebaufördermittel und den Förderverein Liboriuskapelle Creuzburg aufgebracht.
Norman Meißner

Kirchenwerbung auf Fußballertrikot

11. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Im Erfurter Stadtteil Marbach zeigt sich die Kirchengemeinde von einer sportlichen Seite, und die Sportler ihrerseits machen Werbung für den Gottesdienst als einen Tag der Ruhe und des Spiels. »Kirche gehört in Marbach nicht nur ins Dorf, sondern auch zum Dorf. Es gibt keine Konkurrenz, vielmehr unterstützen sich alle Vereine und die Kirchengemeinde gegenseitig«, erklärt Pfarrer Ricklef Münnich. Er hatte die Sponsoring-Aktion initiiert, bei der die Kirchengemeinde Gestaltung und ­Fertigung der dringend benötigten neuen Fußballkleidung der ­Senioren-Mannschaft des »Sport-Freunde Marbach« übernahm. Im Gegenzug erklärten sich die Fußballer bereit, sonntags keine Heimspiele mehr auf dem Marbacher Rasen auszutragen.

Auch Vize-Präsident Jan Hähnlein trägt es, das neue Trikot des ­Marbacher Fußballvereins, ­gesponsert von der örtlichen ­Kirchengemeinde. (Foto: Jens-Ulrich Koch)

Auch Vize-Präsident Jan Hähnlein trägt es, das neue Trikot des ­Marbacher Fußballvereins, ­gesponsert von der örtlichen ­Kirchengemeinde. (Foto: Jens-Ulrich Koch)

Die Trikots mit dem Aufdruck »… und sonntags spielen wir. 9.30 Uhr Gottesdienst Marbacher Kirche« werden die Spieler am Sonnabend, 12. September, ab 11.30 Uhr beim Heimspiel gegen »TSV Motor Gispersleben« einweihen. Außerdem wird eine Banden-Werbung gleichen Inhalts am Marbacher Sportplatz angebracht.

(mkz)

Diakonie: Mitten im Leben angekommen

11. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Auch wenn das Motto »alles ­umsonst …« hieß: Keinesfalls umsonst war der »Impulstag für ­Gemeinde und Diakonie«, der am 3. September in Weimars Kongresszentrum »Weimarhalle« stattfand. »Das Echo ist überwältigend positiv«, meinte Pfarrerin Christine Rösch nach Auswertung der Feedback-Fragebögen. Rösch ist bei der Diakonie Mitteldeutschland für Theologie und geistliches Leben zuständig, organisiert seit Jahren den Impulstag und fällt immer wieder durch unkonventionelle Ideen auf. »Wir wollen, dass die Menschen religiöse Erfahrungen an einem kirchenfernen Ort machen.«

Prof. Paul Zulehner (Foto: Claus Bach)

Prof. Paul Zulehner (Foto: Claus Bach)

Und diese Erfahrung konnten die rund 650 Gäste gleich zu Beginn des Tages machen. Dann nämlich, als Professor Paul Zulehner (Wien) die biblische Geschichte von Jesu Heilung eines Aussätzigen mit der diakonischen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts verband. Der katholische Theologe zitierte einen Wiener Arzt, der sich beklagte: »Wir haben immer mehr Computer um uns und kaum noch Gelegenheit, uns den Menschen zuzuwenden.« Dabei seien gerade heute Zuwendung und Wertschätzung mehr denn je Mittel, um Menschen vor dem »sozialen Tod«, das heißt der Isolation zu bewahren. Und er zitierte Papst Benedikt XVI., der in seiner jüngsten Enzyklika betont hatte, dass Menschen in sozialen Berufen neben ihrer beruflichen auch Herzensbildung bräuchten.

Dazu könnte die Diakonie mit diesem Impulstag durchaus beigetragen haben, denn auch der Gottesdienst am Nachmittag brachte mit Videoclips Menschen nahe, die sonst eher im Abseits stehen und leicht übersehen werden: eine Jugendliche mit ihrer unbändigen Lebenslust, einen Behinderten mit seiner Begeisterung …

Weniger besinnlich ging es hingegen in manchen Workshops zu: Beim Thema »Nach dem Crash – Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise für Kirche und Diakonie« musste sich Jens Koch, Vertreter der KD-Bank, harsche Kritik aus dem Publikum angesichts mancher allzu optimistischer Prognosen gefallen lassen. Vermisst wurden auch Aussagen, wie eine Wiederholung der derzeitigen Finanzkrise in Zukunft vermieden werden könnte.

Und beim Thema »Vertrauen wagen – die Zukunft des Dritten Weges« kochten die Emotionen angesichts aktueller Tarifauseinandersetzungen regelrecht hoch. Besonders die Aussage des Dienstgeber-Vertreters Peter Carstädt, Ein-Euro-Jobber in der Diakonie seien lediglich Zusatzkräfte, rief den lautstarken Protest mehrerer Anwesender hervor. Die versuchten mit Beispielen aus der Praxis zu belegen, wie die Diakonie hier in den letzten Jahren Fachkräfte ersetzt habe.

Dass das handfeste Gründe hat, wusste Pfarrer Dirk Vogel aus Mühlhausen zu berichten. »Private Pflegedienste werben mit höheren Löhnen gezielt Pflegefachkräfte ab und zahlen dafür an ihre eigenen Hilfs- und Reinigungskräfte Dumpinglöhne.« Das bringe das gesamte Tarifgefüge durcheinander. Womit die Diakonie wohl unfreiwillig »mitten im Leben« angekommen ist.

Rainer Borsdorf

»Wir schließen eine Lücke«

11. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Kirche und Gesellschaft: Am Sonnabend wird im ostthüringischen Altenburg ein Familienzentrum eingeweiht

Die evangelische Kirchengemeinde Altenburg erweitert ihr offenes Konzept für Begegnung und Gespräch in der ­Brüderkirche (Bildmitte) um ein Familienzentrum, das in einem Seitengebäude des Anfang des 20. Jahrhunderts im neogotischen Stil erbauten Gotteshauses eingerichtet wurde. (Foto: Uwe Ratajczak)

Die evangelische Kirchengemeinde Altenburg erweitert ihr offenes Konzept für Begegnung und Gespräch in der ­Brüderkirche (Bildmitte) um ein Familienzentrum, das in einem Seitengebäude des Anfang des 20. Jahrhunderts im neogotischen Stil erbauten Gotteshauses eingerichtet wurde. (Foto: Uwe Ratajczak)

Helfen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, das ist das Ziel der Angebote der evangelischen Kirchengemeinde für Familien.

Der Weg zwischen Rathaus und Kirche ist kurz in Altenburg. Tatsächlich liegt die evangelische Brüderkirche kaum 200 Meter entfernt. Doch gilt dies auch im übertragenen Sinn. Nicht umsonst erklärten Pfarrer Reinhard Kwaschik und Gemeindepädagogin Beate Tostlebe das neue Familienzentrum der Altenburger Kirchengemeinde am vergangenen Freitag beim Pressegespräch im Amtszimmer von Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD).

Das Familienzentrum, das am 12. September mit einem großen Fest eingeweiht wird, liegt in einem Seitengebäude der Brüderkirche. Noch vor wenigen Tagen sah es darin nach ­Baustelle aus. Doch wenn nach dem Familiengottesdienst am Nachmittag Regionalbischof Hans Mikosch das Haus einweiht, wird alles geputzt sein.

Aus gutem Grund steht der ebenfalls für Sonnabend geplante Kinder- und Jugendtag unter dem Motto »Yes, we can …«. Mit seiner Anleihe bei Hoffnungsträger Barack Obama wollte Kwaschik ein Zeichen setzen für das, was kommen soll – die Etablierung des Familienzentrums in Altenburg.

An Programm wird dazu schon am ­Eröffnungstag einiges geboten: Am Abend wird in der Taufkapelle die Ausstellung »Bis an die Grenzen« zum Jubiläum der friedlichen Revolution 1989 eröffnet. Im Anschluss gibt es ein Konzert mit Liedermacher Gerhard Schöne »Mit dem Gesicht zum Volke«. Danach sind Lagerfeuer hinter der Kirche und dem Kino angesagt.
Im Alltag soll das Familienzentrum, das bis 2011 noch erweitert werden könnte, ein Begegnungsort für Altenburger mit und ohne Kinder werden – laut Kwaschik für Jung und Alt.

Mit ­Patenschaften sollen sie einander helfen. Vor allem für junge Familien solle es ein »niederschwelliges Angebot« werden, das Unterstützung anbietet, bevor das sprichwörtliche Kind im Brunnen liegt. Die Gemeindepädagogin spricht von Alltagsgestaltung, von Bildungsangeboten, Hilfen bei der Kindererziehung oder Problemen am Arbeitsmarkt. Und letztlich wolle man die Familien in der Stadt auch politisch vertreten.

Von Anfang an hatten die Initiatoren neben der kirchlichen vor allem auch die kommunale Gemeinde im Blick. Kwaschik etwa spricht von ­»gesellschaftlicher Diakonie«, von »Dienstleistung für unser Gemeinwesen«. Für den Theologen ist es wichtig, Kirche für andere zu sein. Der Pfarrer wie auch das Rathaus sehen Defizite in der Familienarbeit der Kommune gerade bei jungen Familien. Oberbürgermeister Wolf ist daher froh über das Engagement der kirchlichen Gemeinde, das die Basis der Familien­arbeit in der Stadt verbreitere. Kirche und Stadt bereiten deshalb eine institutionelle Förderung für 2010 vor. Eine entsprechende Förderrichtlinie soll noch im September dem Stadtrat vorgelegt werden. An der Förderung werde sich neben Land, Stadt und Kirche auch die Thüringer Stiftung Familiensinn mit 20000 Euro beteiligen. Laut Kwaschik könnte so in der ersten Phase eine halbe Stelle für eine pädagogische Fachkraft finanziert werden, unterstützt von Honorarkräften und Ehrenamtlichen.

Im zweiten Bauabschnitt hatte die Kirchengemeinde öffentliche Mittel der Sparkassenstiftung Altenburger Land von 50000 und 9000 Euro Städtebauförderung nutzen können. Die mitteldeutsche Kirche (EKM) und die Gemeinde selbst steuerten jeweils 10000 Euro bei.
Kwaschik ist optimistisch. In Thüringen gebe es solche Zentren bereits, sagt er: »Nur nicht im Osten des Freistaates. Wir schließen also auch eine Lücke in der Familienpolitik im Land.« Dabei sei man kein Solo-­Projekt. Ziel sei die ­Integration mit ­anderen Familienprojekten in Stadt und Region. Es gehe darum, die Kräfte zu bündeln.

Nach der Krabbelgruppe für Kinder bis vier Jahren sollen sich nun ab September die ersten Freiwilligen für »Familienpatenschaften« melden – Menschen mit Zeit und Rat, die Familien helfen wollen. Ab Oktober gibt es dann Kurse für Mütter mit Kindern ab der 6. Lebenswoche: Training mit dem Baby, um Probleme zu meistern. Nächster Schritt ab November ist ein regelmäßig stattfindendes thematisches Eltern-Frühstück. Auch hier soll es um praktische Alltagshilfe gehen, um Tischsitten und Hausaufgaben oder darum, Kindern beim Spielen das Verlieren zu zeigen.

»Wir haben etwa zwölf solcher Angebote im Kopf«, sagt Kwaschik. Am 24. September will Beate Tostlebe sie im Familienzentrum näher erläutern.

Kristian Schulze

Dank und Lob für große und kleine Freuden

11. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Psalm 103, Vers 2

img_1247-passfoto-schuAm »Tag des offenen Denkmals« sind in diesem Jahr bundesweit »Historische Orte des Genusses« zu besichtigen. Gasthäuser, Gärten, Bäder und andere Gebäude, unter ihnen auch Kirchen, stehen offen. In die Saalfelder Johanneskirche werden am 13. September sicher viele Menschen kommen. Was können sie genießen?

Wir werden ihnen neben anderem die Himmelswiese zeigen. Ins spätgotische Chorgewölbe hat man vor 500 Jahren etwa 200 verschiedene Pflanzen gemalt. Ehrenpreis, Wegwarte und Heidelbeere, ­Johanniskraut, Schafgarbe und Glockenblumen ­zieren den »Himmel« unserer Kirche und lenken unsere Blicke nach oben. Was auf den Wiesen und im Garten wächst und was wir manchmal kaum ­eines Blickes würdigen, das schmückt die Decke des Chorraumes über dem Altar, dort, wo unsere Gebete nach oben steigen.

Manchmal überlege ich, was ich dort hinmalen würde, wenn ich es selbst entscheiden müsste. Hätte ich eher meine Klagen dargestellt, das, was mich belastet und mir keine Ruhe lässt? Oder hätte ich die großen Errungenschaften von Technik und Kultur in unserer Zeit ins Bild gesetzt? Oder müsste ich den Platz einfach leer lassen?

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Vielleicht waren die Maler vor fünf Jahrhunderten dankbar für die »Arznei Gottes«, die bei uns gedeiht und sie geheilt hat, für Beeren, die einem saftig im Mund zergehen oder für Blumen, die die Stube schmücken so wie ein Strauß mit Vergissmeinnicht. Vielleicht ist die Himmelswiese ein Lob und Dank für große und kleine Freuden, für das Gute, das Gott uns getan hat und womit er uns im Alltag erfreut.

Ja, das Vergissmeinnicht wäre wohl die beste Erinnerung daran, wenn wir das Gute manchmal aus dem Blick verlieren und nur Probleme erzählen. Was werden wir genießen am Tag des offenen Denkmals oder einfach in der Woche? Wofür können wir Gott loben und danken?

Katarina Schubert, Pfarrerin in Saalfeld

Deutliche Worte

11. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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frontal21Es ist wohl ein einmaliger Vorgang. In einer Erklärung wirft der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem Fernsehen eine verzerrte und diffamierende Berichterstattung über evangelikale Christen vor. Als Beispiel wird der Beitrag »Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer« genannt, der am 4. August im ZDF-Magazin »Frontal 21« ausgestrahlt wurde. In jüngster Zeit würden Christen, die der evangelikalen Strömung zuzurechen seien, häufiger mit pauschaler Kritik überzogen und in den Medien verzerrt dargestellt, heißt es in der Erklärung. Damit bezieht die EKD deutlich Stellung. Tatsächlich ist im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ermordung zweier Bibelschülerinnen im Jemen einiges aus dem Ruder gelaufen. Schnell werden hier Evangelikale und islamische Selbstmordattentäter in einen Topf geworfen.

Aber auch sonst passt die Erklärung in die jüngste Entwicklung. Schon seit geraumer Zeit bemüht sich die EKD um ein neues Verhältnis zu den Evangelikalen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass viele dieser Christen zum Kern der evangelischen Gemeinden zählen. Vor allem für die westdeutschen Landeskirchen sind das neue Töne. Im Osten hat es ohnehin nie eine wirkliche Frontstellung gegeben. Unter dem Druck des SED-Regimes mussten die Christen zwangsläufig zusammenstehen. Die Allianzkonferenzen in Bad Blankenburg sind der beste Beleg für das gewachsene Miteinander. Jetzt bundesweit zu einer Normalisierung zu kommen, kann nur in beiderseitigem Interesse sein.

Was die EKD in ihrer Erklärung freilich tunlichst umgeht, ist die Frage, wie sie zu den Bemühungen mancher charismatischer Missionare steht. Was außerdem fehlt, ist eine grundsätzliche Bestimmung des Verhältnisses. Evangelikale sind gewiss keine Fundamentalisten, weil sie nicht mit Gewalt versuchen, ihr Ziel zu erreichen. Aber an einigen Punkten – etwa dem Schriftverständnis – gibt es mitunter fundamentale Unterschiede. Hier besteht auch nach der deutlichen Erklärung Gesprächsbedarf.

Martin Hanusch

Eine lautstarke Verbindung

11. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Posaunenwerk und Kirchenkreis feierten in Wittenberg gemeinsames Fest.

Der Besucher aus dem Rheinland zeigte sich sichtlich beeindruckt. »So etwas«, lobte der Tourist, »habe ich schon lange nicht mehr erlebt.« Gemeint war das Landesposaunenfest der mitteldeutschen Kirche, das am 5. und 6. September gemeinsam mit dem Kreiskirchenfest des Kirchenkreises Wittenberg lautstark über die Bühne ging. Rund 300 Bläserinnen und Bläser aus dem Posaunenwerk des Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hatten sich dazu in der Lutherstadt versammelt.

Zum Abschluss des Landesposaunen- und Kirchenkreisfestes versammelten sich die Bläserinnen und Bläser noch einmal auf dem Marktplatz der Lutherstadt. Mehr als 1000 Besucher zählten die Veranstalter am Ende der beiden Veranstaltungstage. (Foto: Achim Kuhn)

Zum Abschluss des Landesposaunen- und Kirchenkreisfestes versammelten sich die Bläserinnen und Bläser noch einmal auf dem Marktplatz der Lutherstadt. Mehr als 1000 Besucher zählten die Veranstalter am Ende der beiden Veranstaltungstage. (Foto: Achim Kuhn)

Begonnen hatte das Fest unter dem Motto »Komm mit!« bereits am Sonnabend mit einer Bläserserenade. Eine große Schar von Sängern und Instrumentalisten führten zudem in der Stadtkirche das Musical »In die Freiheit« von Michael Wittig auf. Wittig, der den Gnadauer Saitenspieldienst leitet, hat die Wüstenwanderung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei in zwölf Liedern zusammengefasst – und er sieht Parallelen zur Gegenwart: »Gott hat Befreiung aus diktatorischen Systemen geschenkt«, hieß es. Szenisch entwickelt wurde der Brückenschlag vom Alten Testament ins Hier und Heute durch vier Darsteller des Wittenberger Theaterjugendclubs »Chamäleon«. Ihr Spiel fügte sich ein in die Musik und strukturierte sie zugleich. Am Ende durften Chöre und Kinderchöre des Kirchenkreises Wittenberg und aus Halle, die Band sowie die Jungbläser des Posaunenwerkes der EKM und der Theaternachwuchs stehende Ovationen in Empfang nehmen von einem sichtlich begeisterten Publikum.

Am Sonntag präsentierten sich nach den Gottesdiensten in der Schloss- und Stadtkirche 20 Gemeinden und Initiativen – von der Autobahnkirche Brehna bei Halle bis zur Paul-Gerhardt-Kapelle in Gräfenhainichen – den Besuchern auf dem Marktplatz. »Es war die richtige Entscheidung, dass wir mit dem Fest ­hierher gegangen sind«, sagte Wittenbergs ­Superintendent Christian Beuchel zufrieden.

Die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt lud anlässlich des Darwin-Jahres in eine Jurte zum »Gott-O-Meter«, und der CVJM demonstrierte mit seinen Angeboten einmal mehr, dass Kletterwand und Fußball bei Kindern und Jugendlichen nach wie vor ein Renner sind. Für gute Unterhaltung sorgten die Kirchenkreisband sowie der Komponist und Musiker Rolf Grössler. Der animierte die Besucher zum Mitmachen. »Kommt her«, rief er den Vorbeigehenden in Anspielung auf das Motto des Festes zu. Am Ende gelang es ihm sogar, die Leute zum Tanzen zu bewegen.

In einer Gesprächsrunde am Nachmittag stand schließlich auch die neue Landesbischöfin Ilse Junkermann den Gästen Rede und Antwort. Im Cranachhaus äußerte sie sich zu biografischen Fragen ebenso wie zu aktuellen Herausforderungen in der Gesellschaft und nach der Kirchenfusion. Ihre Aufgabe sei es, so die Bischöfin, zu vermitteln und zu zeigen, dass die Christen jetzt zu einem größeren Gebilde gehörten. Zugleich machte sie deutlich, dass Strukturfragen nicht alles seien. »Christlicher Glaube ist keine Religion, die sich in den Winkel zurückzieht«, gab sie den Teilnehmern mit auf den Weg zum Abschluss auf dem Markt.

Dort konnten die Bläser unter der Leitung von Landesposaunenwart Frank Plewka noch einmal zeigen, was sie daheim und in den Workshops des Posaunenfestes geübt hatten. Mit Erfolg. »Was wären wir ohne die Bläserinnen und Bläser«, meinte Pfarrer Stephan Eichner. Zudem gab ein kleiner Posaunenchor aus Litauen eine Kostprobe seines Könnens. Eine Mitspielerin berichtete von den Problemen, vor denen die insgesamt fünf Posaunenchöre im Land stehen. »Um hier Aufbauarbeit zu leisten, brauchen wir ihre Unterstützung, Noten und Instrumente«, bat sie um Hilfe. Dass das nicht auf taube Ohren stieß, bewies am Ende die Kollekte. Rund 1400 Euro kamen für die dortige Bläserarbeit zusammen.

Martin Hanusch/Corinna Nitz

Tausch von Schwert und Harfe

4. September 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Der Applaus von Kantor Sebastian Fuhrmann, Meiningen, gilt den Darstellern des Kindermusicals genauso wie den Kolleginnen und Kollegen, die mit den Kindern ihrer Gemeinden monatelang probten. (Foto: Wolfgang Swietek)

Der Applaus von Kantor Sebastian Fuhrmann, Meiningen, gilt den Darstellern des Kindermusicals genauso wie den Kolleginnen und Kollegen, die mit den Kindern ihrer Gemeinden monatelang probten. (Foto: Wolfgang Swietek)

Kindermusical »David und Jonathan« begeisterte in Wasungen, Zella und Meiningen.

Wenn zu einem musikalischen Ereignis in eine Kirche eingeladen wird, dann hat es meist etwas mit der Orgel zu tun. Nicht so in den Kirchen von Wasungen, Zella und Meiningen in der vorigen Woche, wo das Kindermusical »David und Jonathan« von Gerd-Peter Münden nach einem Text von Brigitte Antes, ausschließlich von Kindern interpretiert, zu hören war. Erzählt wird die Geschichte des König David von der Salbung bis zur Krönung. »Wer wissen will, wie die Geschichte weitergeht«, sagte Pfarrer Stefan Kunze am Ende der Premiere
in Wasungen mit verschmitztem Lächeln, »der muss eben in der Bibel nachlesen. Oder darauf hoffen, dass die Autoren des Musicals eine Fortsetzung schreiben.«

Auch wenn die Geschichte von David und Jonathan in der Bibel noch fortgeführt wird – wichtig sind ja nicht die Ereignisse allein, sondern die Botschaft, die damit vermittelt werden soll. Und die war eindeutig: Gott ist auch in schweren Zeiten bei den Menschen und trägt sie. Wie eben bei den kriegerischen Auseinandersetzungen, die David und seine Mitstreiter durchstehen müssen. Glücklich ist David am Ende, als er sein Schwert wieder mit der Harfe eintauschen kann. »Zu unserem großen Glück gibt es die ­Politik«, der befreiende Gesang der kleinen Darsteller ist wohl eher mit Augenzwinkern zu verstehen als ein Dankeschön so kurz vor der Bundestagswahl. »David, du sollst König sein, so wie Gott es wollte«, singen die Kinder am Ende des Stücks und huldigen damit ihrem neuen König. Katharina Weber (David) und Mathilde Kühn (Jonathan), beide aus Meiningen, sowie die vielen anderen kleinen Sänger und Schauspieler aus Meiningen, Zella-Mehlis, Wasungen und Orten der Rhön haben alle ihren Anteil an der gelungenen Aufführung.

Der Erfolg hat viele Väter, sagt der Volksmund und meint es meist ironisch. Für die erfolgreiche Umsetzung des Musicals gilt dies aber im wahren Sinne und schließt die Mütter ein. Vor gut einem halben Jahr hatte Meiningens Kantor Sebastian Fuhrmann, der auch für den gesamten Kirchenkreis zuständig ist, seine Amtskollegen zusammengerufen und sie für dieses Projekt begeistert. Und sie haben alle nach Kräften mitgeholfen. Allen voran Rebecca Müller, die Kantorin aus ­Wasungen, und ihr Amtskollege aus Zella-Mehlis Holger Jockers. Ohne das aktive Mitwirken weiterer Helfer – wie der Gemeindepädagogin von Helmershausen und Meiningen, Christiane Müller-Abt, sowie Katrin Zeiß aus Bettenhausen – wäre diese Aufführung ebenso wenig zustande gekommen wie durch das Engagement von Sebastian Fuhrmann, der die ­musikalische Gesamtleitung übernommen hatte.

Auch bei den Kindern wird diese Arbeit in Erinnerung bleiben. Es ist schon ein Unterschied, ob nur ein paar Lieder erarbeitet werden oder ein ganzes Stück. Das Monate währende Einstudieren, die Auseinandersetzung mit einem biblischen Stoff hat die Kinder reifen lassen, nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung, konnte Sebastian Fuhrmann feststellen. Und das Erfolgserlebnis der drei gelun­genen Aufführungen wird bei den kleinen Sänger-Darstellern nachhaltig wirken.

Wolfgang Swietek

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