Mit einer reichen Ernte gesegnet
2. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Erntedank: Kommunität »Siloah« verbindet Anliegen einer geistlichen Gemeinschaft mit Arbeit in der Landwirtschaft

Auf den Obstplantagen des Siloah-Hofes ist die Apfelernte in vollem Gange. Foto: Susanne Kay
Eine gute Ernte erwartet die christliche Familienkommunität »Siloah« in Neufrankenroda bei Gotha in diesem Jahr. Neben der Produktion geht es hier allerdings – ähnlich wie im Kloster Volkenroda – auch um das Wachsen im Glauben.
Äpfel über Äpfel. So weit das Auge reicht, schlängeln sich die Reihen der kaum mannshohen Bäumchen durch die hügelige Landschaft westlich von Gotha. Fast scheinen die Äste unter ihrer rotbackigen Last zu ächzen. Noch ein paar Schritte, dann befördern Anja, Oxana und die anderen jungen Leute die paradiesischen Früchte in ihre Ernteeimer, von wo aus sie dann auf einen Transporter und später in Keltereien wandern. Manche kommen als Saft auch wieder in den Hofladen. Der Laden, die Obstplantagen und das Erntecamp junger Christen aus Osteuropa gehören zu Siloah, einer christlichen Familienkommunität in Neufrankenroda.
»Wir wissen uns von Gott berufen, unser Leben miteinander zu teilen. In der Liebe Gottes wollen wir einander dienen.« In kunstvollen Lettern kündet eine Sandsteintafel gleich neben der sogenannten Krypta auf dem Hof vom Credo der vier Paare und ihrer Kinder, die den Kern der Siloah-Gemeinschaft bilden. Eigentlich sei das wie ein Kloster. Aber eines, in dem Mönche und Nonnen miteinander verheiratet sind, sagt Christian Schaube, der als Pfarrer auf dem Hof wohnt. Er ist auch derjenige, der immer freitags allen »Siloahnern« und der oft bunten Gästeschar in der Krypta das Abendmahl reicht. Der ehemalige Gemüsekeller war gleich der erste Raum, der auf dem Hof des einstigen VEG Obstbau Erfurt vor nunmehr 20 Jahren neu hergerichtet wurde. Später kamen Tiere auf den Hof, Pferde, Gänse und mit inzwischen mehr als 200 Tieren eine der größten Herden an Zebu-Rindern in Deutschland.
Noch zu DDR-Zeiten, 1989, hatte sich Siloah – benannt nach jenem biblischen See, an dem Jesus einen Blinden sehend machte – als Verein gegründet. Als Traum von einem Ort, an dem junge Menschen sich ausprobieren und in ihrem Glauben wachsen können. Mit einer reichen Ernte 1990 seien ihre Gebete erhört worden, wissen die Mitstreiter von damals zu berichten. Und mit 60000 Ost-Mark und einer Menge Helfer ließen sich damals schon die ersten Sanierungen bewerkstelligen.
Die Ernte ist auch in diesem Jahr eine gute, nickt Bio-Landwirt Jörn Michel zufrieden. »Bei den Mirabellen sind die Bäume unter der Last sogar zusammengebrochen!« Gewiss, es sei frustrierend, wenn sich auch die reichlich gewachsenen Pflaumen kaum verkaufen ließen und das Getreide nur noch den halben Preis vom Vorjahr erzielt. »Aber ich sage mir: Gott, das sind deine Früchte. Das musst du klären. Ich kann nur tun, was ich tun kann.« Und außerdem – bei Lichte besehen ginge es uns doch immer noch sehr gut. Und der Siloah-Biobauer erwähnt den Vorschlag einer amerikanischen Kommunität, eine Woche vor Erntedank mal wirklich mit nur einem Kilo Reis und ein paar Kilo Bohnen auszukommen. Einer Kalorienbilanz, mit der sich immens viele Menschen auf der Erde zwangsläufig begnügen müssen.
Mit Absatzsorgen muss sich Ulrike Köhler, Landwirtin im Kloster Volkenroda, nicht mehr herumschlagen. Vor Jahren schon reduzierte sich der dortige Landwirtschaftsbereich auf gerade mal noch drei Hektar hofnaher Weiden für die Esel, Schafe, Ziegen, Hühner, Kaninchen und viele andere Bewohner des kleinen Schaubauernhofes. »Füttern und Streicheln ausdrücklich erlaubt«, betont die Landwirtin. Gerade über das Begreifen kämen Kinder und Jugendliche doch erst wieder mit der Schöpfung in Berührung! »Dieses Erstaunen, wenn sie mal selbst eine Ziege melken.«
Von der tollen Atmosphäre des Bauernmarktes auf dem Klosterhof immer am ersten Samstag im Monat schwärmen Besucher ebenso wie Händler. Dass es kein beliebiger Markt ist, davon zeugen schon die kleinen Bibelweisheiten auf den (ein Euro billigen) Eintrittskarten. »Beim Erntefest im vorigen Jahr«, erinnert sich Ulrike Köhler, »waren über 150 Leute da. Wir hatten ein dickes Schwein geschlachtet!« Auch in diesem Jahr danken die Volkenrodaer Klosterbewohner – je zwei ledige Brüder und Schwestern und vier Familien – mit vielen Gästen für Gottes reichliche Gaben. Und berücksichtigen für das große Erntefest am Sonntag denn doch die große Sattheit der Menschen: Diesmal kommt nur ein Spanferkel an den Spieß.
Von Kathrin Schanze






