Herbstlese

8. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Kommentar

Foto: Dora Horvath, sxc.hu

Foto: Dora Horvath, sxc.hu

Von Martin Hanusch

Langsam nähert sich der Gedenkmarathon zur friedlichen Revolution seinem Höhepunkt. In diesen Tagen gibt es hierzulande kaum einen Ort, an dem nicht an die dramatischen Ereignisse im Herbst 1989 erinnert wird. Plötzlich sind die Friedensgebete zwischen Rostock und Sonneberg wieder ganz nah. Dass dabei manches verklärt wird, ist nur allzu menschlich. In der Rückschau erscheint vieles in einem helleren Licht. Schon deshalb ist es gut, dass sich die mitteldeutsche Kirche mit ihrer Kampagne »Gesegnete Unruhe« am Blick zurück beteiligt, der freilich bewusst auch ein Blick nach vorn sein soll. Denn ein Selbstzweck ist das Erinnern nicht.

Was lässt sich nun, 20 Jahre nach der friedlichen Revolution, aus den damaligen Ereignissen lernen? Zum einen ist es ganz sicher die Tatsache, dass sich Mut und Zivilcourage lohnen. Bis heute profitieren wir in Ost und West davon, dass sich vor 20 Jahren Menschen mutig gegen ein Unrechtssystem gestellt haben. Diese Form des Einsatzes kann gar nicht hoch genug gewertet werden. Der Erfolg wird auch nicht dadurch geschmälert, dass es zunächst nur wenige waren, die gegen die Repressalien und die Unfreiheit aufgestanden sind und die Maueröffnung manchen Aufbruch schnell zunichte gemacht hat.

Engagierte Christen sowie kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können wiederum für sich reklamieren, den Prozess mit in Gang gesetzt zu haben. Auch gegen den Widerstand und manche Bedenken innerhalb der Kirchen haben sie dem Protest Raum gegeben und so für ein Klima gesorgt, das den Umbruch überhaupt erst möglich gemacht hat. Mit ihren Friedensgebeten und dem Ruf »Keine Gewalt« sind sie die Helden und ­Erfolgsgaranten des »Oktoberfrühlings« gewesen.

Das ist möglicherweise die wichtigste Lektion, die daraus folgt. Kirche erweist sich immer dann als besonders stark, wenn sie nahe bei den Menschen mit ihren Sorgen und Nöten ist. Darauf sollte sie sich auch heute wieder besinnen – ganz im Sinne des Herbstes ’89.

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