Paradiesische Pracht in Gold

Kanzelaltar in Berka v. d. Hainich wieder eingeweiht

Restaurierung des Kanzelaltars

Restaurierung des Kanzelaltars

Im Innern der in Thüringen einzigartigen Rokokokirche Berka v. d. Hainich (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen) strahlt jetzt das zentrale Kleinod des Gotteshauses wieder in ursprünglicher Schönheit: der Kanzelaltar. Seine Rekonstruktion, das größte und umfangreichste Projekt dieses Jahres beim Wiederherrichten der um 1752 erbauten Kirche, ist vollendet. Restauratorin Kerstin Nitzsche aus Erfurt hat dies mit drei Mitarbeitern in mühevoller Kleinarbeit während der vergangenen Wochen bewerkstelligt.

Nachdem in den Jahren zuvor Decke und Seitenemporen wieder ihren originalen Farbanstrich erhalten hatten, glänzt es jetzt von allen Seiten golden und weiß in der Kirche. Das Sinnbild vom »Paradies auf Erden« wird dem Betrachter deutlich. Über dem Kanzelbaldachin befindet sich das Gottesauge im Strahlenkranz. Zwei Rokoko-Krüge zieren rechts und links den Kanzelbaldachin – sie verweisen auf Wasser und Wein. Den oberen Abschluss der Altarsäulen bilden Kapitelle mit vergoldeten Bienenkörben. Honig gilt als »mystische ­Nahrung« und ist ein Symbol Christi. Zugleich gilt der »Bienenstaat« als Sinnbild für ein geordnetes Wesen in der Kirche. Ob Blattgold oder marmorierte Holzsäulen – sie sollen eins dem Kirchgänger verdeutlichen: »Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!« So steht es über einer ­Eingangstür der Kirche in Sandstein gehauen.

Doch der Glanz war im Laufe der Jahrzehnte verblichen. Dass der nun wieder zum Vorschein gebracht werden kann, ist der Kirchengemeinde Berka durch vielfältige Unterstützung möglich, etwa durch die Partnergemeinde aus Nufringen (Baden-Württemberg) und insbesondere durch die Rotarier aus Lüdenscheid. So konnten die Berkaer ein Jahr nach der Orgelweihe die Rekonstruktion des Inneren der auch Rokokodom genannten Kirche fast vollständig abschließen. Die Lüdenscheider Freunde helfen seit zehn ­Jahren, »Geldquellen«, von Kirchenbaustiftung bis Bußgeldstellen, zu erschließen. Ohne dieses Engagement wäre es der Kirchengemeinde Berka v. d. Hainich nicht möglich gewesen, die Rokokokirche von Grund auf zu sanieren. Die Eigenmittel waren nach dem Sanieren des Kirchturmes Mitte der 90er Jahre für etwa 230000 D-Mark erschöpft.

Vergangenes Jahr wurde ein Großteil der Knauf-Orgel (Baujahr 1836) von der Firma Schönefeld/Stadtilm wieder zum Klingen gebracht. Nun sind auch die letzten der sechs von insgesamt 20 Registern eingebaut. Die frühromantische Orgel ist damit wieder voll spielfähig. Wie schön sie klingt, zeigte der junge Orgelvirtuose Felix Hell am Vortag der Altarweihe in einer Abendmusik.

Das Konzert erinnerte und würdigte die inzwischen zehn Jahre währende Freundschaft und Unterstützung durch die Rotarier aus Lüdenscheid. Für die Kirchengemeinde Berka v. d. Hainich wurde es 1999 zum Glücksfall, als der damalige Rotarier-Präsident Dr. Ulrich Gallenkamp sich der Rekonstruktion der im Kirchen-
depot Apolda eingelagerten vorreformatorischen Figuren Anna selbdritt und Pieta annahm. Sie stammen aus dem Vorgängerbau der Berkaer Kirche. Um sie vorm Verfall zu schützen, waren sie ins Depot ausgelagert worden. Bei Übergabe der rekonstruierten Figuren entschlossen sich die Lüdenscheider, ihr Engagement für Berka fortzusetzen und zu helfen, die Rokokokirche insgesamt zu sanieren. Das Millionen-Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Im kommenden Jahr soll die äußere Hülle, die Fassade, erneuert werden.

Wieland Fischer

www.rokokodom.de

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