Eine stählerne Erinnerung
23. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Mitteldeutschland, Thüringen
Denkmal erinnert an die Opfer der Diktatur 1945–1989 und ihr Ende

Das Modell des Ilmenauer Denkmals, das am 25. Oktober eingeweiht wird. Foto: Ralph Eck
Der Ilmenauer Künstler Ralph Eck gestaltete eine 2,25 mal 1,25 Meter messende Stele aus Schiffsstahl (Cor-Ten-Stahl), der mit der Zeit Rost Patina annimmt. Die Schrift ist aus silbern glänzendem Edelstahl. Daneben stehen Metallröhren, die Kerzen andeuten – das Symbol des friedlichen Umbruchs. Das Objekt, von manchen auch als Buch interpretiert, stellt nach Ecks Erklärung verschiedene Ebenen der Geschichte dar: zum einen das Andenken an Opfer der kommunistischen Diktatur, zum anderen die Rückbesinnung auf das Wendejahr. Für die Gegenwart und Zukunft mahnt das Zitat des spanisch-amerikanischen Philosophen George Santayana: »Wer sich seiner Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.«
Nach kontroverser Diskussion hatte man sich auf den Standort vor der Kirche geeinigt. Dort hatten sich einst Unzufriedene und Oppositionsgruppen zu Friedensgebeten und Diskussionen versammelt. Am 20. Oktober 1989 protestierten mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürger gegen die SED-Machthaber und zogen mit Kerzen durch die Stadt zur Festhalle.
Den Anstoß für das Denkmal gab der Verein »Gesichter geben – Opfer der Diktatur von 1945 bis 1989 in Ilmenau«. Zwei Ausstellungen haben mittlerweile auf dieses Anliegen hingewiesen. Die 18 aktiven Mitglieder setzen sich vor allem dafür ein, dass die Schicksale von Menschen, die unter dem kommunistischen Regime gelitten hatten oder zu Tode kamen, nicht vergessen werden. Mittels Archivrecherchen und Zeitzeugenbefragungen dokumentieren die Historikerin und der Journalist Juliane und Wolfgang Rauprich die Biografien Betroffener aus Ilmenau und der Umgebung. Die erste Veröffentlichung erscheint im Oktober im Stadtmagazin »Geheimrat« und befasst sich mit Anna Pohl, die 1951 wegen angeblicher Spionage verhaftet und in Moskau erschossen wurde.
Die Geschichte eines Unterpörlitzers, der an der Berliner Mauer starb, ist in Arbeit. Wie viele Schicksale dokumentiert und wie die Ergebnisse veröffentlicht werden können, hängt nicht zuletzt von den finanziellen Möglichkeiten ab, erklärt die Vorsitzende der Vereins Ursula Nirsberger. Unterstützt wird die Arbeit derzeit von der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung und von Spenden.
Ines Rein-Brandenburg






