Blasen statt Tuten

In der Dietharzer Bergkirche erklingt die »Hubertus-Messe«

Naturhörner werden zur Hubertus-Messe am 8. November um 14 Uhr in der Tambach-Dietharzer Bergkirche mit ihrem wandlungsfähigen Ton in einer großen Besetzung zu hören sein. Musikalische Verstärkung erhalten für dieses Vorhaben dann die ortsansässigen Bläser von Schülerinnen und Schülern des Weimarer Musikgymnasiums Belvedere. Foto: Cathrin Martschoke

Naturhörner werden zur Hubertus-Messe am 8. November um 14 Uhr in der Tambach-Dietharzer Bergkirche mit ihrem wandlungsfähigen Ton in einer großen Besetzung zu hören sein. Musikalische Verstärkung erhalten für dieses Vorhaben dann die ortsansässigen Bläser von Schülerinnen und Schülern des Weimarer Musikgymnasiums Belvedere. Foto: Cathrin Martschoke

»Das Pfarrhaus in Tambach-Dietharz ist wie eine Musikschule«, sagt Pfarrer Johannes Seidenberg. Nicht nur, dass neben seiner Frau Christa auch alle acht Kinder des Paares Instrumente beherrschen – vier davon sogar als Profis in renommierten Orchestern. Nein, vor drei Jahren gründete der agile Theologe einen Posaunenchor, der inzwischen 40 Mitglieder hat. Mindestens 60 sollen es einmal werden, so das hochgesteckte Ziel.

Um die Menschen in Tambach-Dietharz (Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf) für seine Leidenschaft zu begeistern, hat der 56-Jährige ein Erfolgsrezept: Beherrschen die neuen Bläser ein paar Töne, werden die Stimmen so umgeschrieben, dass jeder mitspielen kann. Und der Terminkalender für all die Auftritte lässt kaum freien Platz: Mit seiner Truppe spielt er in Gottesdiensten, zu Beerdigungen, zu Festen in der Stadt und außerhalb, zu sämtlichen Ehrentagen und natürlich zur Weihnachtszeit.

Aber den Unterschied zwischen »Tuten und Blasen« klärt der Pfarrer gleich zu Beginn des Unterrichts: »Blasen fängt an, wenn man mit den Ohren dabei ist, nicht nur mit dem Mund.« Und so müssen die Instrumente beispielsweise bei Volksliedern klingen, »als würde man vor der Loreley niederknien«. Jeder, so sein Motto, könne es lernen.
Einen besonderen Platz hat Johannes Seidenberg für diese Musik gefunden: Die Bergkirche auf dem Kirchberg in Dietharz mit Blick zum Rennsteig soll ein Ort der Kultur werden.

Gerade saniert, bietet die kleine Kirche, deren Ursprung sogar bis auf Bonifatius zurückführen soll, Platz für über 300 Gäste. Ob Don- oder Baikal-Kosaken, Panflöten oder das Bundeswehrbenefizkonzert im Dezember – wenn dem Musikliebhaber geeignete Angebote ins Haus flattern, werden sie für diese Kirche mit der »tollen Akustik« angenommen. Und immer nach dem Prinzip: Eintritt frei. Denn es sollen so viele Menschen kommen wie möglich. Dabei vertraut er lieber auf die Kollekte als auf teure Karten.

Die nächste Veranstaltung am 8. November, 14 Uhr, ist eine besondere und soll zur festen Größe in der Talsperrenstadt werden: Die »Grande Messe de Saint Hubert« für Hörner und Orgel. Neben Mitgliedern des ortsansässigen Naturhornkreises und der Uelleberin Dorothy Jenkins an der Orgel kommt Verstärkung von Schülern aus dem Musikgymnasium Belvedere Weimar. Der Gottesdienst beginnt mit einem »Halali« der Tambacher Jagdhornbläser. Die Predigt hält Dekan Ulrich Braner aus Fulda.

Nach der Hubertus-Messe werden Volkslieder im Freien erklingen, wenn es das Wetter erlaubt. Dazu gibt es Würste vom Grill und Wildschweinbraten. Dann können sich die Besucher auch gleich den alten Friedhof hinter der Kirche ansehen. Aus diesem will Pfarrer Seidenberg als zukünftiges Großprojekt einen »Garten der Hoffnung« gestalten.

Cathrin Martschoke

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