Dilemma
29. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Martin Boulanger, SXC
Es mag Zufall gewesen sein, dass die Gottesdienst-Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Erfurter Kindergottesdiensttagung im Oktober zeitlich eng beieinanderlagen. Ganz untypisch ist das Zusammentreffen nicht. In beiden Fällen wurde die Bedeutung von Gottesdiensten für Kinder betont. Nach Einschätzung des früheren Thüringer Landesbischofs Christoph Kähler gewinnen Kindergottesdienste sogar noch an Bedeutung, weil das christliche Basiswissen weiter verloren geht und in der Kirche ohne Leistungsdruck biblische Geschichten erzählt werden können. Auch die EKD-Studie gelangt zu dem Schluss, dass die Bedeutung des Kindergottesdienstes steigen wird.
Die Anstrengungen kommen nicht von ungefähr. Tatsächlich ist und bleibt der Gottesdienst das Zentrum kirchlichen Lebens. Das wird mitunter vergessen, weil eine gottesdienstliche Feier mit einigen wenigen Besuchern wenig attraktiv erscheint. Dennoch steht und fällt die Kirche mit der Gottesdienstpraxis. Jede Gemeinde tut gut daran, sich das ins Bewusstsein zu rufen und sich nicht mit der schwindenden Resonanz abzufinden.
Zugleich beginnt hier ein Dilemma, das sich kaum auflösen lässt. Auf der einen Seite wird die EKD nicht müde, attraktivere Gottesdienste anzumahnen und den Erfolg auch an Besucherzahlen zu messen. Andererseits ist ein Gottesdienst mit drei Teilnehmern immer noch ein vollwertiger Gottesdienst. So lassen sich gewiss in den Städten Spezialgottesdienste anbieten. Auf dem Land stoßen die Mitarbeitenden jedoch schnell an Grenzen, weil die Gemeindeglieder kaum bereit sind, zum Gottesdienst in den Nachbarort zu fahren. Wie angesichts dieser Situation die Gottesdienste einladender werden sollen, bleibt unklar. Ein Schlüssel liegt sicher bei Lektoren und Prädikanten sowie beim Nachwuchs. In den Kindergottesdiensten sind die Besucherzahlen nämlich – auf niedrigem Niveau – vergleichsweise gut. Wenn das nicht Anlass zu neuer Hoffnung gibt.
Martin Hanusch






