Feierfreude im Doppelpack

Wittmannsgereuth feiert Glockenjubiläum und Abschluss der Kircheninnensanierung

Sie läutete auch schon zu Luthers Zeiten, die große Glocke von Wittmannsgereuth. Am ­Reformations­fest wird ihr 500. Geburtstag gefeiert. Fotos: Hildegard Keßler

Sie läutete auch schon zu Luthers Zeiten, die große Glocke von Wittmannsgereuth. Am ­Reformations­fest wird ihr 500. Geburtstag gefeiert. Fotos: Hildegard Keßler

Gleich zwei Ereignisse werden in Wittmannsgereuth (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) mit einem Festgottesdienst am Reformationstag um 14 Uhr freudig gefeiert: 500. Glockengeburtstag und Fertigstellung der Kircheninnensanierung. Im Dachreiter der 1767 errichteten Kirche hängen zwei Glocken, von denen die große 1509 von Hans Obendbrot gegossen wurde, während die kleinere aus dem Jahre 1898 stammt.

Dass die alte Glocke die Wirren und Gefährdungen von 500 Jahren wohlbehalten überstanden hat und heute noch ihren Dienst verrichtet, ist Grund zu dankbarer Freude. Beim Festgottesdienst wird die Gemeinde aber auch wieder ihre Kirche offiziell in Nutzung nehmen. Es nötigt Respekt ab, was die kleine Gemeinde im Thüringer Wald in wenigen Jahren geschafft hat. Wittmannsgereuth, eine Filialgemeinde der Kirchengemeinde Hoheneiche, hat 96 Einwohner. Etwa die Hälfte von ihnen sind Kirchenmitglieder.

Kirchenälteste Christiane Linke, unermüdlich engagiert für »ihre« Kirche, berichtet, dass 2006 mit der Schwammsanierung des Dachstuhls und der anschließenden Neudeckung des Schieferdaches die Arbeiten begannen. Ab Mai 2008 wurden sie mit der Restaurierung des Kircheninneren fortgesetzt, wobei man die ursprüngliche Farbfassung des Kirchenraumes wieder herstellte. Die fachliche Grundlage dazu lieferte der Saalfelder Restaurator Ralf Gleißner. Putzarbeiten und Ausmalung der Wände in heller Cremefarbe sowie der Decke und der Emporen in mattem Weiß übernahmen die Wittmannsgereuther selbst. Unter Anleitung des Restaurators trauten sie sich sogar an Ranken und andere Schmuckelemente der Schablonenmalerei, die die Decke zieren.

Für die Arbeiten waren zwischen 2006 und 2009 fast 30.000 Euro aufzubringen. Neben 5.000 Euro Förderung durch die Landeskirche, einer Spende von 2.000 Euro der Jagdgenossenschaft Wittmannsgereuth und einem stattlichen Betrag aus dem Verkauf von Holz aus dem kircheneigenen Wald stammt der Hauptanteil aus ­einer Vielzahl größerer und kleinerer Spenden. Doch nicht nur Einwohner von Wittmannsgereuth sind unter den Sponsoren zu finden, auch Menschen von weither gehören dazu. Klaudia Riedel, derzeit Vikarin im Kirchspiel Hoheneiche, freut sich über dieses Engagement und sieht darin eine wichtige Voraussetzung für zukünftiges kirchliches Leben.

Das nächste Vorhaben kann Christiane Linke auch schon nennen: Rekonstruktion der einmanualigen Orgel des renommierten Orgelbauers Justinus Ehrenfried Gerhardt (1711–1786) aus Lindig bei Kahla. Durch die Spende des Reinerlöses der Orgel­arena 2008 zugunsten dieser Orgel hat hier Matthias Grünert, der Kantor der Dresdener Frauenkirche, einen Grundstock gelegt.

Traugott Keßler

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