Theologin und Politikerin
29. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Christine Lieberknecht soll Ministerpräsidentin werden
Die Irritation war gelungen. Als Thüringens designierte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht jüngst öffentlich bekannte, ihre Jahre als Pastorin in der DDR seien für sie trotz Mauer und Stacheldraht »die freiesten überhaupt« gewesen, zeigte sich nicht nur ihre unmittelbare Umgebung im Erfurter Sozialministerium überrascht. Doch die CDU-Politikerin blieb gelassen: Der öffentliche Disput brauche gelegentlich Zuspitzungen, sagt sie. Mit der 51-jährigen Politikerin soll erstmals eine ordinierte Theologin Ministerpräsidentin werden. Die Wahl im Erfurter Landtag ist am 30. Oktober vorgesehen.
Ihr persönliches Credo ist in ganz entscheidendem Maß vom protestantischen Selbstverständnis bestimmt: »In erster Linie bin ich Christin«, bekräftigt sie und verweist dazu besonders auf Martin Luthers Schrift »Von der Freiheit eines Christenmenschen«.
Mit dieser Grundhaltung ging die Theologin, die sich gern als »Thüringerin durch und durch« bezeichnet, schon 1981 in der DDR in die Ost-CDU – aus freien Stücken, aber nicht ohne den Widerspruch von Freunden und Bekannten, wie sie einräumt. Doch als Pastorin auf dem Land bei Weimar wollte sie damals aktuelle Themen auch außerhalb der Kirchenmauern ansprechen.
Als sie jedoch mit der Blockpartei im Dorf eine »Friedenswoche« organisierte, habe es Ärger mit der Staatsmacht gegeben. Gleichwohl habe sie sich bei aller Bedrängnis in der DDR ihre innere Freiheit bewahrt, sagt sie mit Nachdruck. Das gelte für die Arbeit in der Kirchengemeinde ebenso wie für die Familie mit den beiden Kindern und ihrem Mann, der ebenfalls Pfarrer ist. Dabei erlebte die Pastorin die Gemeinden immer auch als Spiegel der zunehmenden gesellschaftlichen Krise in der DDR.
So hat es auch nicht überrascht, dass sie schließlich im September 1989 zu den vier Mitgliedern der DDR-CDU gehörte, die mit ihrem »Brief aus Weimar« die eigene Partei wie die Gesellschaft insgesamt zu demokratischen Reformen aufforderten. 20 Jahre danach kann Lieberknecht auf eine beachtliche politische Bilanz beim Aufbau eines demokratischen Gemeinwesens im kleinsten der ostdeutschen Bundesländer verweisen.
Darauf verweist auch die Auflistung ihrer bisherigen Ämter als Kultus- und Europaministerin, Landtagspräsidentin, Fraktionsvorsitzende und seit Mai 2008 als Sozialministerin. In jeder neuen Herausforderung habe sie sich trotz aller Mehrbelastung stets »in die Pflicht genommen« gefühlt, sagt Lieberknecht. Gleichzeitig sei ihr das elterliche Pfarrhaus wie der Pastorenberuf wichtig geblieben.
Ihre Ordinationsurkunde erhielt die Theologin bereits vor 25 Jahren. Das Jubiläum, das zwei Tage vor der Wahl ins neue Amt fällt, ist ihr denn auch eine kleine Feier wert: »Kirche wird mir immer Heimat bleiben.« So lange sie aber in politischer Verantwortung steht, besteht die Theologin auf einer strikten Trennung beider Bereiche: »Wer in der Politik ist, gehört nicht auf die Kanzel.«
Thomas Bickelhaupt (epd)






