Reformation statt Halloween
23. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Jugendgruppen aus Mitteldeutschland beteiligen sich an der »ChurchNight«

Gut gelaunt in den Reformationstag: Zahlreiche Jugendgruppen laden wieder zur »ChurchNight«. Foto: Robert Schade
Dass sich Jugendliche für den Reformationstag interessieren und ihn aktiv gestalten, ist einer Initiative aus Württemberg zu verdanken. 2006 startete das dortige Evangelische Jugendwerk die Kampagne »ChurchNight«. Auch in der mitteldeutschen Kirche (EKM) und in Anhalt ist diese Kampagne keine Unbekannte mehr. In Erfurt wird bereits zum dritten Mal die »ChurchNight« in der Predigerkirche gefeiert. 140 Schülerinnen und Schüler des Ratsgymnasiums haben sich zu den Vorbereitungen angemeldet. Auch die Werbung an der Schule haben sie zu ihrer Sache gemacht, berichtet Frederik Seeger vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM).
In Workshops erarbeiten die Jugendlichen die Bausteine für den Abend des 31. Oktobers in der Predigerkirche: Tanz, Theater, Musik oder Dekoration der Kirche stehen auf dem Programm. Die Kunstlehrerin bereitet eine Lichtinstallation vor. Die Schüler werden kochen und den Leuten etwas mitgeben, was Luther heute in die Einkaufstüte tun würde.
Aber nicht nur in Erfurt feiert die evangelische Jugend den Reformationstag mit einer »ChurchNight«. Auch in Behnsdorf, Leitzkau, Halberstadt und Genthin, Gotha-Siebleben, Mühlhausen, Sonneberg oder Thamsbrück gibt es ähnliche Angebote. Das Thema, das die Württemberger dieses Jahr vorschlagen, wird dabei nicht unbedingt übernommen. Aus »KeineAngstHasen« ist in Erfurt »Wohin mit der Angst« geworden. Im anhaltischen Zerbst steht der Abend des 30. Oktober im Gymnasium Francisceum (ab 19 Uhr) schlicht unter dem Motto »hell.wach.evangelisch«.
In Schleiz, wo zum zweiten Mal zur »ChurchNight« eingeladen wird, hat man sich nach der guten Resonanz im vergangenen Jahr wieder für das Motto »Coffee & Jesus« entschieden. Hierfür steht das Gemeindezentrum am 31. Oktober ab 19 Uhr offen.
»Lust auf Kirche«
»Die Junge Gemeinde Schleiz«, erzählt Jugendwartin Astrid Geisler, »will auf ihre Weise mit allen, die darauf neugierig sind, das Reformationsfest feiern und so einen Gegenpol zu Halloween setzen.« Für einen besonderen Charme sorgen hierbei »handgemachte Musik und Texte rund um den Glauben«. Eingeladen sind Jugendliche, Junggebliebene, Neugierige und ganz normale Gemeindeglieder, die von der Jungen Gemeinde mit Kaffee, Hot Chocolate, Tee, Waffeln und Sandwiches verwöhnt werden.
In Stolberg im Harz ist am 31. Oktober ein Stadtspiel geplant, bei dem es unter anderem auch einen Thesenanschlag geben soll. »Wir wollen der Frage nachgehen, wie eine Reformation heute aussehen kann, damit Jugendliche Lust auf Kirche bekommen«, sagt René Markstein, Jugendreferent beim CVJM Sachsen-Anhalt. Neben einer Andacht in der Hospitalkapelle wird außerdem der Lutherfilm gezeigt. Speisen wie zu Luthers Zeiten können am Reformationstag schließlich die Jugendlichen in Hettstedt.
Pfarrer Joachim Preiser in Ranis feiert die »ChurchNight« bereits in der Nacht vom 30. zum 31. Oktober.
Nach Film und Themennacht haben die Jugendlichen ab 13 Jahren die Möglichkeit, im Gemeindesaal zu übernachten. Am nächsten Morgen wird gemeinsam zum Festgottesdienst mit Taufe und Abendmahl nach Gräfendorf gewandert. In der Eisenacher Annenkirche startet die »ChurchNight« ebenfalls am Vorabend des Reformationstages. Unter dem Thema »Hol(t) mich hier raus!« dreht sich der Jugendgottesdienst am 30. Oktober ab 19.30 Uhr »um Aufbrüche und Befreiung aus Anpassungsdruck und Erfolgszwang«, ist von Pastorin Kathrin Stötzner zu erfahren.
Etwa 25 Gemeinden, so Frederik Seeger und René Markstein, beteiligen sich in Sachsen-Anhalt und Thüringen an der »ChurchNight«. Viele von ihnen haben ihre Veranstaltungen auf der zentralen Internetseite eingetragen. Bundesweit gibt es rund 1000 Veranstaltungen.
(mkz)
Gott will nicht Gabe, sondern Hingabe
23. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Farmer Stephanie (sxc)
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
Micha 6, Vers 8
Wenn ich eingeladen werde, bringe ich etwas Passendes mit. Ich komme nicht mit leeren Händen. Werde ich zur Theaterpremiere eingeladen und schaue ich im Kleiderschrank, was ich zu dieser Gelegenheit anziehen könnte.
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und werfen eben auch Fragen auf. Wie soll ich mich verhalten? Was soll ich tun? Was ist entsprechend? Was ist richtig und gut?
Wen das nicht kümmert, macht sich auch keine Gedanken um das, was ihn da Großartiges erwartet. Und Großartig ist es, was uns erwartet, so hören wir es beim Propheten Micha. Der große Gott ist es, dem wir uns nahen und der uns nahekommt. Ihm zu begegnen ist etwas Besonderes und wirft Fragen auf. Wie kann ich mich Gott nähern? Wie kann ich leben, dass Gott mich annimmt? Der Prophet Micha findet Worte, die mehr sind als nur eine Beschreibung für gutes Handeln. Sie sind eine Kurzformel des Glaubens. »Es ist dir gesagt, was gut ist …«
Das ist eine sehr genaue Bestimmung. Und ich müsste doch wissen, sagt er, der Prophet, was gut ist und was nicht gut ist und was der Herr von mir will. Gott sucht bei mir nichts anderes als Gerechtigkeit. Ein dreifaches Tun ist dabei wichtig: Halte dich an das Recht, sei menschlich und bleibe in Verbindung mit Gott. Micha ist sich sicher, dass darin ein vor Gott gangbarer Weg gewiesen wird.
Nicht die Spende, nicht das Opfer, schon gar nicht die Übereignung von etwas Lebendem stellt Gott zufrieden. Auch mehrfaches Wiederholen zählt nicht. Vielmehr zielt Gottes Wille darauf, unseren Willen dem seinen anzugleichen. Gott fordert nicht Sachen, sondern Herzenssache; nicht Gabe, sondern Hingabe! Er ist mit uns am Werk, wenn wir Gerechtigkeit tun, aufmerksam mitgehen mit unserem Gott und verschwenderisch lieben.
Zeno Scheirich, Pfarrer in Streufdorf
Grenzenlos – Leid und Freude
23. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Zeitgeschichte: Kirchengemeinden erinnern an den 20. Jahrestag der Grenzöffnung
Für die Menschen entlang der innerdeutschen Grenze brachte der 9. November 1989 ungeahnte Freude mit sich. Daran und an schicksalsschwere Jahre erinnern Grenzlandmuseen wie das kürzlich eröffnete in Sorge (Harz) oder demnächst das im thüringischen Streufdorf.

Gegen das Vergessen: Die Erinnerung an die Zwangsumsiedlungen an der innerdeutschen Grenze hält dieser Gedenkstein im südthüringischen Streufdorf wach. Foto: Wolfgang Swietek
Dass entlang der ehemaligen Grenze die Freude damals wie heute besonders groß ist, hat einen tragischen Grund: Gerade hier wurden durch die Grenze nicht nur familiäre und freundschaftliche Bande jäh beendet, hier verloren Menschen ihre Heimat, wurden in zwei Aktionen Bürger zwangsausgesiedelt, die bei den Machthabern als »politisch unzuverlässig« galten. Mehr als 11000 Menschen entlang der 450 Kilometer langen deutsch-deutschen Grenze haben im Jahr 1952 dieses Schicksal erlitten. Allein 3500 waren es in Thüringen im Rahmen der »Aktion Ungeziefer«.
Eine zweite Welle gab es dann 1961, als nicht nur in Berlin die Mauer errichtet worden war, sondern auch die Grenzbefestigungsanlagen entlang der innerdeutschen Grenze verstärkt wurden. Hier mussten noch einmal 3000 Menschen ihre Heimat verlassen. Waren die Dörfer zwangsgeräumt, wurden sie dem Erdboden gleichgemacht. 30 Dörfer erlitten in Thüringen dieses Schicksal, allein drei davon im Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld. Die Namen Leitenhausen, Billmuthausen und Erlebach sind bis heute nicht vergessen, obwohl kein Gebäude überdauerte.
Auf eine besonders groteske Situation verweist Pfarrer Zeno Scheirich aus Streufdorf. Ende Mai 1952 wurde hier der Defa-Film »Das verurteilte Dorf« gezeigt. Mit prominenten DDR-Schauspielern besetzt, schilderte man darin, wie jenseits der Grenze in der Nähe des fränkischen Hammelburg (Bayern) ein Dorf den Erweiterungsplänen des Flugplatzes der US-Army weichen sollte.
Eindrucksvoll zeigte der Film die Gegenwehr der Dorfbewohner, die Barrikaden bauten und ihr Dorf so erfolgreich retteten. Der Film sollte dokumentieren, dass der Kapitalismus schlecht und menschenverachtend sei. Was die Filmemacher nicht wissen konnten: Die Pläne für die Zwangsaussiedlungen in Streufdorf lagen da schon lange in den Schubladen der entsprechenden Behörden.
Zwei Wochen später, am 5. Juni 1952, startete die »Aktion Ungeziefer«, bei der auch 18 Streufdorfer Familien zwangsausgesiedelt wurden. Viele Einwohner von Streufdorf setzten nun das in die Tat um, was sie zuvor im Film gesehen hatten. Ihr offener Widerstand hatte allerdings nicht den Erfolg wie auf der altbundesdeutschen Seite. Doch wie im Film hatten sie die Glocken der Dorfkirche geläutet und so zumindest verhindert, dass dieses Unrecht in aller Stille geschehen konnte. Der Film verschwand daraufhin aus den Kinos der DDR.
Die Öffnung der Grenze vor 20 Jahren hat die Entwicklung in eine andere Richtung gelenkt, doch die Geschichte solle nicht vergessen werden, sind sich die Organisatoren des Aktionstages am 8. November einig. »Dabei werden viele zusammenwirken, politische Gemeinden wie Kirchengemeinden, und das diesseits und jenseits der ehemaligen innerdeutschen Grenze«, sagt Zeno Scheirich. Die Zusammenarbeit in der Vorbereitung auf diesen Tag hätte schon jetzt Ergebnisse gebracht, die weit über dieses Datum hinausreichen werden, ist sich der Pfarrer sicher. »Wir haben beschlossen, dass wir uns mindestens zwei Mal im Jahr treffen, um einander näher kennenzulernen und über Probleme und Aufgaben zu sprechen, die uns alle angehen.« Ein solches Treffen hat es bereits am 7. Oktober in Bad Rodach (Bayern) gegeben.
Doch zunächst gilt es erst einmal, den 8. November gemeinsam zu begehen. Gottesdienste wird es in Adelhausen und Holzhausen geben, dazu eine ökumenische Wallfahrt unter dem Motto »Gemeinsam auf dem Weg«, die mit einer Andacht auf der Erlebacher Höhe endet. Danach treffen sich alle zu einem Festakt in der Streufdorfer Kirche. Anschließend wird in den mit viel Aufwand restaurierten Kemenaten neben der Kirche das neue Grenzland- oder Zweiländermuseum eröffnet, organisiert von der Initiative Rodachtal.
Wolfgang Swietek
Maulschellen
22. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Martin Hanusch ist Chefredakteur bei "Glaube + Heimat"
Dem Buchstaben nach mag der Spruch des Arbeitsgerichtes rechtens sein. Natürlich stellt die »vorsätzliche Verletzung des Eigentums oder Vermögens des Arbeitgebers« einen Grund zur außerordentlichen Kündigung dar. Verhältnismäßig ist die Entscheidung trotzdem nicht. Wozu gibt es Abmahnungen? Warum führen solche Bagatelldelikte einzig bei Arbeitnehmern zu fristlosen Kündigungen. Bei Geschäftsführern oder Vorständen zeigen sich Gerichte deutlich großzügiger.
Sicher: Vertrauen bleibt ein hohes Gut, das nicht einfach über Bord geworfen werden darf. Aber dass ausgerechnet Buletten oder Maultaschen das Verhältnis zwischen Unternehmen und Mitarbeitern nachhaltig erschüttern, glaubt wohl ernsthaft niemand. Hier liegt der Verdacht nahe, dass nach einem Grund gesucht wurde, um eine unliebsame Mitarbeiterin loszuwerden. Schließlich werden in Unternehmen tausendfach Kekse genommen, Kulis eingesteckt oder auf Firmenkosten Telefonate geführt. In der Regel hat das keine Konsequenzen.
Dass das Gericht dies nicht berücksichtigt, ist ein fatales Signal und wirft kein gutes Licht auf den Arbeitgeber. Der hat nämlich unabhängig vom Kündigungsschutz auch eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. Aber die ist halt schwer einklagbar.
Von Martin Hanusch
Machtzentrum Nordthüringens
15. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Der Frauenberg bei Sondershausen

Blick auf Sondershausen, Quelle: Wikipedia
Unter dem Fußboden und den Fundamenten einer jüngeren Kirche stieß das Grabungsteam auf die Reste einer möglicherweise schon im 7. Jahrhundert errichteten frühmittelalterlichen Holzkirche. Der nur vier mal drei Meter große Bau – vermutlich gab es im Umfeld noch weitere dieser kleinen Bauten – war entweder eine Friedhofskapelle oder ein Memorialbau über einem Grab, auf dem später eine Steinkirche errichtet wurde. Solche Bauten von geringer Größe sind aus den weiter westlich gelegenen Teilen des Frankenreiches häufiger bekannt. In Mitteldeutschland fehlten sie bisher, mit Ausnahme eines ebenfalls als Kirche gedeuteten Holzbaus auf einem bereits 2005 bei Sondershausen-Bebra ausgegrabenen Adelsfriedhof des späten 7. Jahrhunderts.
Die reich ausgestatteten Gräber einer Adelsfamilie aus dem 7. Jahrhundert sorgten für weitere Überraschungen während der Ausgrabungen, die bereits seit zwei Jahren von der Stadt Sondershausen in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie auf dem Frauenberg durchgeführt werden. Das Team um Grabungstechnikerin Sybille Jahn dokumentierte neben etwa 40 hochmittelalterlichen Bestattungen rund 30 Gräber aus dem Frühmittelalter.
Nachdem schon 2008 ein Adliger in voller Waffenausrüstung die thüringische Archäologiewelt in Staunen versetzte, entdeckte man in diesem Sommer zwei reich ausgestattete Kindergräber und eine alte Dame, die mit Colliers aus Goldanhängern und Perlen aus Glas und Halbedelsteinen bestattet wurde. Eine ebenfalls aufgefundene silberne Fibel in Kreuzform zeigt, dass sich die Adelsfamilie zum Christentum bekannte. Ganz besonders viele Beigaben enthielt offenbar das Grab einer Frau, das allerdings schon im Mittelalter beräumt wurde. Unter den verbliebenen Resten waren zwei goldene Nadelköpfe und Teile von lediglich 0,2 Millimeter dünnen Goldfäden, die in die Kleidung der Frau eingewebt waren.
Die sensationellen Ausgrabungsergebnisse ermöglichen einmalige Einblicke in die Frühzeit christlichen Glaubens am nordöstlichen Rand des Ostfrankenreiches, sie geben Aufschluss über adlige Kultur und Frömmigkeit und lassen Strukturen der Macht in dieser Zeit erkennen.
(mkz/TLDA)
Paradiesische Pracht in Gold
15. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Kanzelaltar in Berka v. d. Hainich wieder eingeweiht

Restaurierung des Kanzelaltars
Im Innern der in Thüringen einzigartigen Rokokokirche Berka v. d. Hainich (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen) strahlt jetzt das zentrale Kleinod des Gotteshauses wieder in ursprünglicher Schönheit: der Kanzelaltar. Seine Rekonstruktion, das größte und umfangreichste Projekt dieses Jahres beim Wiederherrichten der um 1752 erbauten Kirche, ist vollendet. Restauratorin Kerstin Nitzsche aus Erfurt hat dies mit drei Mitarbeitern in mühevoller Kleinarbeit während der vergangenen Wochen bewerkstelligt.
Nachdem in den Jahren zuvor Decke und Seitenemporen wieder ihren originalen Farbanstrich erhalten hatten, glänzt es jetzt von allen Seiten golden und weiß in der Kirche. Das Sinnbild vom »Paradies auf Erden« wird dem Betrachter deutlich. Über dem Kanzelbaldachin befindet sich das Gottesauge im Strahlenkranz. Zwei Rokoko-Krüge zieren rechts und links den Kanzelbaldachin – sie verweisen auf Wasser und Wein. Den oberen Abschluss der Altarsäulen bilden Kapitelle mit vergoldeten Bienenkörben. Honig gilt als »mystische Nahrung« und ist ein Symbol Christi. Zugleich gilt der »Bienenstaat« als Sinnbild für ein geordnetes Wesen in der Kirche. Ob Blattgold oder marmorierte Holzsäulen – sie sollen eins dem Kirchgänger verdeutlichen: »Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!« So steht es über einer Eingangstür der Kirche in Sandstein gehauen.
Doch der Glanz war im Laufe der Jahrzehnte verblichen. Dass der nun wieder zum Vorschein gebracht werden kann, ist der Kirchengemeinde Berka durch vielfältige Unterstützung möglich, etwa durch die Partnergemeinde aus Nufringen (Baden-Württemberg) und insbesondere durch die Rotarier aus Lüdenscheid. So konnten die Berkaer ein Jahr nach der Orgelweihe die Rekonstruktion des Inneren der auch Rokokodom genannten Kirche fast vollständig abschließen. Die Lüdenscheider Freunde helfen seit zehn Jahren, »Geldquellen«, von Kirchenbaustiftung bis Bußgeldstellen, zu erschließen. Ohne dieses Engagement wäre es der Kirchengemeinde Berka v. d. Hainich nicht möglich gewesen, die Rokokokirche von Grund auf zu sanieren. Die Eigenmittel waren nach dem Sanieren des Kirchturmes Mitte der 90er Jahre für etwa 230000 D-Mark erschöpft.
Vergangenes Jahr wurde ein Großteil der Knauf-Orgel (Baujahr 1836) von der Firma Schönefeld/Stadtilm wieder zum Klingen gebracht. Nun sind auch die letzten der sechs von insgesamt 20 Registern eingebaut. Die frühromantische Orgel ist damit wieder voll spielfähig. Wie schön sie klingt, zeigte der junge Orgelvirtuose Felix Hell am Vortag der Altarweihe in einer Abendmusik.
Das Konzert erinnerte und würdigte die inzwischen zehn Jahre währende Freundschaft und Unterstützung durch die Rotarier aus Lüdenscheid. Für die Kirchengemeinde Berka v. d. Hainich wurde es 1999 zum Glücksfall, als der damalige Rotarier-Präsident Dr. Ulrich Gallenkamp sich der Rekonstruktion der im Kirchen-
depot Apolda eingelagerten vorreformatorischen Figuren Anna selbdritt und Pieta annahm. Sie stammen aus dem Vorgängerbau der Berkaer Kirche. Um sie vorm Verfall zu schützen, waren sie ins Depot ausgelagert worden. Bei Übergabe der rekonstruierten Figuren entschlossen sich die Lüdenscheider, ihr Engagement für Berka fortzusetzen und zu helfen, die Rokokokirche insgesamt zu sanieren. Das Millionen-Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Im kommenden Jahr soll die äußere Hülle, die Fassade, erneuert werden.
Wieland Fischer
Im Dienst der Ökumene
15. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Interview mit Hans-Jürgen Döring vom Lothar-Kreyssig-Ökumenzentrum der EKM

Lothar Kreyssig - ein Streiter für Frieden und Bewahrung der Schöpfung, ein Mann der Ökumene
Döring: In der Verfassung unserer Landeskirche werden als Aufgaben sozialethische Themen, wie das Eintreten für Notleidende und für Gerechtigkeit, die Verpflichtung zum Frieden, ökumenische Partnerschaft und die Bewahrung der Schöpfung, beschrieben. Eine Klammerformel lautet Konziliarer Prozess und beschreibt Konsequenzen bzw. Früchte unseres Glaubens.
Zum anderen ist das Ökumenezentrum eine interdisziplinäre Bürogemeinschaft, in der die Mittel zusammengeführt wurden, damit eine für die Gemeinden und die Verwaltung notwendige Abwicklung von Anfragen und Aufträgen sowie berechenbare Erreichbarkeit der Fachbereiche gewährleistet werden kann. In der Tradition der ehemaligen Arbeitsstelle Eine Welt (AEW) beherbergt das Zentrum die Friedensarbeit, Migration und interreligiöser Dialog, ökumenische Partnerschaften sowie neu die Umweltarbeit, die mit dem Kirchlichen Entwicklungsdienst zusammengelegt wurde. Hinzu kommt Geschäftsführung und Sachbearbeitung. Es müssen Fördergelder und Kollekten sachgerecht verwaltet werden.
Wir sind bemüht, Fachfragen im Horizont der weltweiten Ökumene zu bearbeiten. Wir wollen anregen, im Momentanen auch das Zukünftige mit zu sehen und zu denken. Die Christen in den Partenkirchen können dabei helfen. Zum Beispiel Klimaerwärmung: Sie stellt unseren Lebensstil infrage und berührt unsere Partner unmittelbar, wie derzeit die außergewöhnliche Trockenheiten in Tansania. Manche befürchten »Klimakriege« und rechnen mit »Klimaflüchtlingen«. Alle Fachbereiche sind gefordert.
Wo können die Gemeinden von der Arbeit profitieren?
Döring: Wir wollen beraten, also stellen wir angewandtes Fachwissen und Vernetzungskenntnisse zur Verfügung bzw. vermitteln es. Dies selbstverständlich in Kooperation und Ergänzung mit weiteren Einrichtungen. Wir werden selbst initiativ sein, also auch vor Ort und in den Kirchenkreisen. Wir wollen lokale Aktivitäten durch unsere Arbeit, aber auch durch bereitgestellte Mittel unserer Landeskirche – verstärkt um Drittmittel – fördern. Weitere Aufgaben sind die Fachberatung der Gremien und Organe unserer Landeskirche sowie – wo möglich – der gesellschaftspolitische Diskurs.
Das Zentrum trägt den Namen Lothar Kreyssigs. Gibt es einen besonderen Grund für diese Wahl?
Döring: Lothar Kreyssig (1898–1986) hat sich in ökumenischer Verantwortung frühzeitig mit allen Bereichen des Zentrums beschäftigt. Als Bauer, Richter und Kirchenmann nahm er aktiv am kirchlichen Widerstand gegen die Nationalsozialisten teil, war bei der Gründung des Weltrates der Kirchen 1948 in Amsterdam dabei und leitete als Präses die Synode der Kirchenprovinz. In Nebenamt betrieb er ökologischen Landbau, bahnte vor 1958 »Brot für die Welt« den Weg und gründete die Aktion Sühnezeichen/ Friedensdienste. Kreyssig wollte, dass die Kirche unter dem Wort und in der Welt bleibt. Insofern ist es ein guter Name für ein Ökumenezentrum.
Eröffnung des Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrums durch Landesbischöfin Junkermann: Donnerstag, 16. Oktober, 12 Uhr, Dom zu Magdeburg
Kontakt: Sekretariat, Kerstin Hensch, Telefon (0391) 5346-495
Auf diesen Arzt können wir uns verlassen
15. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Heile du mich Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.
Jeremia 17,14

Sabine Kramer, Pfarrerin in Halle
Der Prophet Jeremia ist wie ein Kranker, der sich nicht mehr zu helfen weiß. Mit seiner Geduld ist er am Ende. Ihn plagt keine körperliche Krankheit. Sondern es verletzt ihn, dass er dem Spott seiner Feinde hilflos ausgeliefert ist. Wie sie höhnisch über ihn lästern, schmerzt. Dass er lächerlich gemacht und für einen Lügner gehalten wird, tut weh. Seine Gegner verfolgen ihn, seinem Leben droht Gefahr.
Was und wer hilft? Jeremia weiß keinen anderen Weg mehr, als seine innere Not vor Gott auszubreiten. Sein Selbstvertrauen hat er verloren, jegliche Hoffnung auf Selbst-Heilung hat Jeremia verlassen. Er fleht zu Gott um Heilung und Heil. Beide Worte klingen und gehören zusammen, und aus dem einen erwächst das andere. Indem Jeremia in seiner heillosen Lage bittet, Gott möge sich ihm neu zuwenden, findet er Hoffnung.
Nicht jeder Erkrankte kann im medizinischen Sinn wieder gesund werden. Den Heilmitteln der Medizin sind Grenzen gesetzt. Auch werden kränkende und krankmachende Erfahrungen, wie Jeremia sie mit seinen Widersachern machen musste, in jeder Gesellschaft erlebt.
Heilung, ganz werden und heil sein, sind uns dennoch zugesagt. Sie ereignen sich in der Gemeinschaft mit Gott, dort, wo Menschen zu Gott bitten und auf Gottes Hilfe hoffen. Heilend wendet sich uns zu, der einst versprach: Ich bin der Herr, dein Arzt (2. Mose 15,26).
Sabine Kramer, Pfarrerin in Halle
Kirchen – Politik?
15. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Aus der Politik kennt man es zur Genüge: Gezielte Indiskretionen und das Streuen von Gerüchten gehören zum Handwerkszeug der Akteure. Allzu oft geht es dabei nicht einmal um die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, sondern um interne Machtkämpfe. Nun reiht sich offensichtlich auch die evangelische Kirche in diese Art des Handelns ein.
Da verfasst ein Oberkirchenrat im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover ein in Stil und Inhalt umstrittenes Diskussionspapier zum Stand der Ökumene. Von der Kirchenkonferenz wird es, wie man hört, abgelehnt. So weit, so gut. Doch jetzt tritt ein »Kirchenpolitiker« auf den Plan, der dieses Papier – anonym – an die Redaktionen großer Tageszeitungen schickt. Abgestempelt, so hört man weiter, vom Briefpostzentrum in Hannover, was auf einen »Täter« aus dem eigenen Kreis schließen lässt. Die Tageszeitungen gehen darauf lange nicht ein, bis die »taz«, wohl im Blick auf die bevorstehende EKD-Synode, vorprescht, die »FAZ« nachzieht und der Skandal öffentlich ist.
Nun darf spekuliert werden. Wollte hier jemand durch gezielte Indiskretion den sowieso schon fragilen ökumenischen Dialog torpedieren? Oder den Reformprozess der evangelischen Kirche, zu dessen herausragenden Beförderern der Autor des Diskussionspapiers gehört? Wollte hier gar jemand Personalpolitik betreiben? Immerhin ist der nun dieserart Desavouierte als möglicher Nachfolger für den demnächst frei werdenden Posten des Präsidenten des Kirchenamtes im Gespräch.
Geschah dies vielleicht sogar mit Vorwarnung an die katholische Seite? Nach dem Motto: Nehmt es nicht ernst, aber zeigt euch doch bitte öffentlich betroffen? Egal wer oder was dahinter steckt – der Flurschaden ist immens. Gerade für Mitarbeiter einer Institution, die sich der »Wahrheit und Klarheit des Evangeliums« verpflichtet weiß, ist ein solches Agieren unakzeptabel.
Von Harald Krille
»Weil ich hier gern zuhöre«
15. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Gemeindeleben: Den Kindergottesdienst bestreiten vielerorts ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Der 15-Jährige Lukas aus Jena ging einst selbst zum Kindergottesdienst und ist jetzt ein ehrenamtlicher Mitarbeiter. Biblische Geschichten erzählt er gern mit den anderen als Theaterstück. Foto: Andreas Möller
Vom 16. bis 18. Oktober werden rund 3000 Ehren- und Hauptamtliche aus der kirchlichen Arbeit mit Kindern zur Gesamttagung für Kindergottesdienst der EKD in Erfurt erwartet. Wie steht es mit der Arbeit in Thüringen und Sachsen-Anhalt
Gerade geht der Neun-Uhr-Gottesdienst im Kirchsaal des Jenaer Lutherhauses zu Ende. Aus dem Untergeschoss stürmen die Kinder zurück zu ihren Eltern. Ins Lutherhaus kommen bei zwei Sonntagsgottessdiensten rund 50 Kinder zum Kindergottesdienst, berichtet Gemeindepädagogin Elke Möller. Am Erntedanksonntag waren es sogar über 80.
Der 15-jährige Lukas gehört zu den mehr als 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die mit Elke Möller das Programm bestreiten. »Ich war langjähriger Konsument«, erzählt er. »Jetzt will ich wiedergeben, was ich gelernt habe.« Die Studentin Steffi aus Schleusingen arbeitet seit fünf Jahren mit. Hier kann sich die angehende Erziehungswissenschaftlerin gleich ausprobieren. Es sind gute Bedingungen in Jena – sowohl räumlich als auch personell. Das weiß Elke Möller.
Einmal im Monat treffen sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Erfahrungsaustausch. Außerdem gibt es Weiterbildungen mit dem Kreiskatecheten. Alles geht Hand in Hand, und auch innerhalb des Kirchenkreises Jena wird sich ausgetauscht. Elke Möller hat für die Ehrenamtlichen eine Mappe aufbereitet mit Anregungen, Gebeten und organisatorischen Tipps. Viele Talente habe sie durch die Kinder- und Jugendarbeit entdeckt, sagt die Gemeindepädagogin. Eine wichtige Säule im Jenaer Kindergottesdienst ist das Theaterspiel. Wie zum Erntedanktag, wo die Ehrenamtlichen von einer faulen Raupe vorspielen. Die Vorschulkinder beschäftigen sich nebenan mit Brot, mahlen Körner auf verschiedene Weise und erzählen, was sie vom Brot wissen. Die siebenjährige Selene kommt regelmäßig, »weil es mir Spaß macht und weil ich hier gern zuhöre«.
Mit großen Zahlen kann Doris Petrasch aus dem anhaltischen Gernrode nicht aufwarten. Trotzdem hat die Kreisbeauftragte für Kindergottesdienst im Kirchenkreis Ballenstedt Erfolg. Vor knapp drei Jahren habe sie den Kindergottesdienst am Ort neu belebt. Jetzt kann sie auf elf Mitarbeiterinnen zählen: drei Jugendliche und sieben Frauen zwischen 30 und Mitte 40. Einmal im Monat werden die Kinder parallel zum Erwachsenengottesdienst eingeladen. In der Regel kämen zwischen sechs und acht Kinder, drei bis acht Jahre alt.
Doris Petrasch und ihre Mitarbeiterinnen hoffen, dass das Angebot ein fester Bestandteil in der Gottesdienstlandschaft wird und »sich immer mehr Familien einladen lassen und eingeladen fühlen«. Am kommenden Wochenende wird sie mit ihren Mitarbeiterinnen nach Erfurt zur Kindergottesdienst-Gesamttagung fahren. Es sei nicht nur Fortbildung, sondern auch ein Dankeschön der Landeskirche für die Arbeit der Ehrenamtlichen.
Vor allem in kleineren Orten gibt es jedoch Probleme, wie in Radegast (Kirchenkreis Köthen), wo nur punktuell Kindergottesdienst gefeiert werden kann. »Bei uns ist der Familiengottesdienst Schwerpunkt«, sagt Anke Zimmermann, Gemeindepädagogin und für den Kirchenkreis zuständig.
Die Kindergottesdienstbeauftragte für Anhalt, Beate Siegert, betont: »Wir haben ja auch die Christenlehre.« Der Kindergottesdienst habe deshalb immer noch eine andere Stellung als in den westlichen Landeskirchen. Oft kommen nicht dieselben Kinder zu beiden Angeboten.
In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gab es in den letzten Jahren ein Tief in der Kindergottesdienstarbeit, erläutert Susanne Böhme aus dem Vorbereitungsteam der Gesamttagung in Erfurt. Die Strukturreformen Mitte der 1990er Jahre, damit verbunden weniger Mitarbeiter, und der Geburtenknick habe die Arbeit erschwert. Versuche, dem gegenzusteuern, werden belohnt. Barbara Rösch, Pfarrerin und Organisationsleiterin für die Erfurter Zusammenkunft, freut sich über 800 Anmeldungen aus dem Osten. Es sei richtig gewesen, die Tagung in die neuen Bundesländer zu holen. Allein aus der EKM gebe es 300 Anmeldungen. »Ich bin zuversichtlich, dass die Gesamttagung einen positiven Impuls gibt«, so Barbara Rösch.
Von Dietlind Steinhöfel






