»Kommen, Sehen, Staunen!«

27. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Matthias-Claudius-Haus in Oschersleben lädt zu besonderem Weihnachtsmarkt ein

Stern

Am ersten Adventswochenende verwandelt sich die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) im Matthias-Claudius-Haus in Oschersleben wieder in eine wundervolle Weihnachtswelt. Der »Besondere Weihnachtsmarkt« am 28. und 29. November im Neubrandslebener Weg steht in diesem Jahr unter dem Motto »Kommen, Sehen, Staunen!«. Das spiegelt sich auch im gesamten Programmaufbau wieder. »Wir haben für Groß und Klein, Alt und Jung das Passende im Angebot«, kündigt Henrik Thamm, stellvertretender Werkstattleiter im Neubrandslebener Weg, an. Es werden an den beiden Veranstaltungstagen mehrere tausend Besucher erwartet.

Wer nicht nur gemütlich bummeln, sondern auch selbst etwas tun will, findet bei Mitmachangeboten die richtige Beschäftigung. Vom Gestalten von Adventsgestecken über Filzen, Basteln und Kerzenziehen reicht die Palette. Glasbläser und Holzkünstler führen ihr Handwerk vor, und Töpfer und Bauernmaler bieten ihre Waren an. Außerdem werden weihnachtliche Klänge von Ensembles und Solisten aus dem Bördekreis vorgetragen, und es gibt zahlreiche kulinarische Angebote.

Der Erfolg der zurückliegenden Jahre sei vor allem ein Verdienst der einzelnen Werkstattbereiche, die sich über die Maßen für dieses Wochenende engagierten, sagt Thamm, der für die hausinterne Organisation verantwortlich ist. Denn: Ein großer Teil der Stände kommt aus dem eigenen Haus. Eröffnet wird der Adventssonntag um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Friedrich von Biela in der WfbM hält.

(mkz)

Wie Schule gesellschaftliche Muster aushebeln kann

26. November 2009 von redaktionguh  
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Religionspädagogischer Tag an der Evangelischen Akademie in Neudietendorf

Foto: Jorc Navarro, sxc.hu

Foto: Jorc Navarro, sxc.hu

Wenn Iris Linz im Unterricht eines ihrer Kinder lobt, passiert es ihr nicht selten, dass sie geradezu fassungslos angeschaut wird: »So ein Lob dringt kaum durch die raue Schale, die sich diese Kinder zugelegt haben. Immer ist da die Erwartung – da kommt doch noch ein Bumerang …« Dass Kinder in einer 1. Klasse mit einem Pullover in einer Größe für Vierjährige sitzen, dass sie ab Monatsmitte kein Essengeld mehr mitbringen können – all das gehört zu den alltäg­lichen Armuts-Erfahrungen der Arnstädter Fachlehrerin für evangelische Religion, die sie mit zahlreichen ihrer Kolleginnen teilt.

»Arm und trotzdem stark« war denn auch der diesjährige Religionspädagogische Tag überschrieben, zu dem sich am vergangenen Samstag Religionslehrerinnen wie auch erstmals Erzieherinnen in der Evangelischen Akademie in Neudietendorf trafen. Die Fakten sind ernüchternd: Jedes 5. Kind in diesem unserem reichen Land ist mittlerweile arm. Eine Armut, die zuallererst strukturell bedingt ist und erst in zweiter Linie Folge elterlichen Fehlverhaltens, wie Referentin Silke Köser vom Diakonischen Werk der EKD in Berlin überzeugend darlegte.

Immer mehr Teilzeitjobs, immer größere Entfernungen – insbesondere für Alleinerziehende ist das immer weniger vereinbar mit dem, was Kinder brauchen: eine familiäre Atmosphäre, Zeit für Zuwendung und einfach auch genügend Geld, wenn sie mal wieder binnen weniger Wochen aus Jeans und Turnschuhen herausgewachsen sind. »Kinder sind immer noch die Gruppe, an der in der Gesellschaft ­gespart wird«, fasste Silke Köser ihre Analysen mit Blick auf die Politik zusammen. Je nach Typ, weiß Iris Lenz, reagieren ihre Schüler aggressiv oder depressiv. Und trotzdem stark? Ist das nicht Augenauswischerei?

Wer ins Forum 4 zu Daniela Hübner-Hochhaus gegangen war, bekam dieses »Trotzdem« wunderbar vor ­Augen geführt: »Inklusion« heißt das Zauberwort an der Evangelischen Grundschule in Erfurt. »Inklusion heißt, Vielfalt willkommen zu heißen«, erklärte sie ihren durchaus skeptischen Lehrerkollegen. Beim gemeinsamen morgendlichen Singen von der Liebe Gottes zu jedem Kind; bei Büfetts, zu denen jeder mitbringt, was er kann; bei tröstenden Gesprächen mit belasteten Eltern und dem konsequenten Schauen auf die Stärken ­eines Jeden entstehe an der Schule eine Atmosphäre, die für manche Kinder gar ein Stück Familie wird. »Wenn die Kinder unbefangen miteinander umgehen, anerkennen sie sich«, weiß die engagierte Grundschullehrerin. »Kinder aus armen Verhältnissen ­fallen hier überhaupt nicht auf.« Zugleich gehe es beileibe nicht nur um Linderung der Armut, so der Tenor der Veranstaltung, sondern um ihre Überwindung: »Wenn wir eine solche gegenseitige Wertschätzung beibehalten bis ›oben‹«, so Daniela Hübner-Hochhaus, »können wir Gesellschaft verändern!«

Kathrin Schanze

Mit Engelsklang und mehr

26. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Altenburgs Kirchengemeinde ist auf dem Weihnachtsmarkt dabei

Auch die Engel von Max, Lucas und Thomas werden in den nächsten Wochen die große Fichte auf dem Altenburger Weihnachtsmarkt schmücken. Am ­vergangenen Sonnabend waren sie in die Werkstatt von Lieve Godts nach ­Windischleuba gekommen, um weitere Flügelwesen zu gestalten. Foto: Mario Jahn

Auch die Engel von Max, Lucas und Thomas werden in den nächsten Wochen die große Fichte auf dem Altenburger Weihnachtsmarkt schmücken. Am ­vergangenen Sonnabend waren sie in die Werkstatt von Lieve Godts nach ­Windischleuba gekommen, um weitere Flügelwesen zu gestalten. Foto: Mario Jahn

Kleine leuchtende Punkte, wohlbehütet und doch auf und nieder tanzend, bewegen sich durch die Straßen Altenburgs. Es sind Kinder mit ihren Lampions, die aus allen Richtungen kommend dabei sein wollen, wenn sich gegen 18 Uhr die Portale der Brüderkirche weit öffnen. Mit dem Abendgeläut ist es dann soweit: Scheinwerfer tauchen die Kirchentüren in gleißendes Licht und eine wahre Engelsflut strömt hinaus auf den Markt.

Da ertönt das bekannte Weihnachtslied »Hört der Engel helle Lieder«. Zwei Verkündigungsengel führen den Zug an, gehen über den Platz und erscheinen kurze Zeit später auf dem Balkon des Rathauses, um den Besuchern des Weihnachtsmarktes zuzurufen: »Fürchtet euch nicht! Habt keine Angst! Das, liebe Altenburger, ist die Botschaft von Weihnachten.«

So jedenfalls sieht es die Dramaturgie für die Eröffnung des Altenburger Weihnachtsmarktes vor und so können es die Einwohner der Skatstadt und ihre Gäste erleben am Freitag, 27. November, um 18 Uhr. Verantwortlich für die Engelschar zeichnet die evangelische Kirchengemeinde Altenburgs und hier besonders Gemeindepädagogin Beate Tostlebe, bei der die organisatorischen Fäden zusammenlaufen. »Wenn Engel spielen …« lautet in diesem Jahr wieder das Motto des Weihnachtsmarktes. Dies bietet für die Kirchengemeinde erneut Anlass, neben Karussell, Glühwein und Kaufangeboten andere Akzente zu setzen.

Die städtischen Organisatoren nehmen das Engagement offensichtlich gern auf. Beispielsweise die prächtige, 15 Meter hohe Fichte. Seit Wochen ­haben Konfirmanden im ­Atelier von Lieve Godts in Windischleuba unter der Anleitung der Künstlerin 30 bis 60 Zentimeter große Engel aus Stahlblech bemalt. 120 Stück sollen es werden, die den Baum zieren. Die Stadt ihrerseits steuert zum Schmuck 800 Energiesparlampen bei. Oder: Bildeten Hänsel und Gretel einst den gestalterischen Mittelpunkt des Platzes, ist es nun die »lebende Krippe«. Echte Schafe leisten der vom Altenburger Künstler Thomas Suchomel geschaffenen heiligen Familie Gesellschaft und Engelsfiguren flankieren die Zugänge des Marktes. »Es ist uns wichtig deutlich zu ­machen, dass Weihnachten mit der Engelsbotschaft verbunden ist«, erklärt Pfarrer Reinhard ­Kwaschik, »und wir wollen die dominante Lage der Brüderkirche nutzen.«

Aus dem Gotteshaus hinauszugehen und hereinzubitten, das ist der Grundtenor weiterer Aktivitäten. Auch die Mitglieder des Gospel­chores, der Kurrende und des Posaunenchores haben sich bereiterklärt, mit ihren Liedern von der Weihnachtsbotschaft zu singen und zu spielen. Zudem werden Kinder- und Schulgruppen nach einer Beschäftigung im Spielzelt in der Brüderkirche erwartet. Wer Lust hat, bekommt dort vor dem Weihnachtsbild die Ereignisse der Heiligen Nacht erzählt. Die Mitarbeiter seien auf unangemeldete Interessenten eingerichtet, so der Altenburger Pfarrer.

»Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.« Die Verkündigung der frohen Botschaft an die Hirten nahe Bethlehem, wie sie der Apostel Lukas im 2. Kapitel in den Versen 13 und 14 beschreibt, ist am Beginn der Adventszeit spielerisch, aber mit Symbolkraft umgesetzt worden – ein stimmungsvoller Vorgeschmack auf die Krippenspiele und Vorfreude auf die Weihnachtsgeschichte am Heiligen Abend.

Uta Schäfer

Streit um Versöhnung

26. November 2009 von redaktionguh  
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Kritik an Appell von Bischöfin Junkermann hält an – Synode unterstützt Aufruf

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Der Aufruf der Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Ilse Junkermann zur Versöhnung mit Stasi-Spitzeln und ehemaligen Funktionären des DDR-Regimes stößt weiter auf Kritik. Am Wochenende erklärte die Verei­nigung der Opfer des Stalinismus in Berlin, die Äußerungen Junkermanns und der entsprechende Beschluss der EKM-Synode seien eine »schallende Ohrfeige« für Verfolgte der SED-Diktatur. Eine Versöhnung könne nur dann erfolgen, wenn »die Täter des SED-­Regimes« Reue zeigten »oder reflektieren«. Dies gelte auch für ehemalige Stasi-Mitarbeiter in den Reihen der Kirche selbst.

Die Landessynode hatte zum Ende ihrer Tagung in Wittenberg am vergangenen Sonnabend den Aufruf von Bischöfin Junkermann ausdrücklich unterstützt. Junkermann hatte zuvor in ihrem ersten Bischofsbericht vor der Landessynode dazu aufgerufen, Versöhnung oder zumindest Schritte dorthin mit denen zu wagen, die andere Menschen einst bespitzelt und verraten haben. Diese Aufgabe liege »noch mehr vor als hinter uns«. Wörtlich führte die Bischöfin aus: »Auch wenn viele in unserer Kirche während und unter der DDR-Zeit gelitten ­haben und sich berechtigt als Opfer verstehen, sollten wir Menschen, die dem Regime nahe standen, nicht in Schubladen sperren. Mit Menschen in Schubladen lässt sich nicht reden und nicht Gesellschaft bauen.« Aufgabe der Kirche sei es, bei der Aufarbeitung nicht nachzulassen und Versöhnung zu suchen, wo Bereitschaft vorhanden sei, präzisierte die Theologin später.

Kritik an dem Aufruf von Junkermann hatten unter anderem Sachsen-Anhalts Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen der DDR, Gerhard Ruden, sowie die Hallenser Bürgerrechtlerin Heidi Bohley geäußert. Sie hielt Junkermann vor, »großen Unsinn erzählt« und sich mit der »Proble­matik« nicht auseinandergesetzt zu haben. Die Stasi-«Leute« seien nicht in Schubladen eingesperrt, sondern würden heute in Ämtern und Regierungen sitzen, sagte Bohley.

(epd/GKZ)

Heraus aus dem Kirchenmilieu

26. November 2009 von redaktionguh  
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EKM-Synode diskutierte neue Rahmenordnung für die Konfirmandenarbeit

Foto: Lioness65, sxc.hu

Foto: Lioness65, sxc.hu

An seine Konfirmandenzeit in Gräfenthal (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) kann sich Georg Gläser noch gut erinnern. »Es war eine schöne Zeit, aber auch nicht ganz frei von Konflikten«, sagt der 21-jährige Student rückblickend. Ein Streit in der neunköpfigen Gruppe habe sich etwa daran entzündet, warum sie 25 Mal in den Gottesdienst gehen sollten, die Konfirmanden aus Rudolstadt jedoch nur zehn Mal. Auch geistliche Impulse hat er damals vermisst. Die habe er erst später durch die Jugendarbeit erhalten, sagt Gläser. Heute engagiert sich der Elektrotechnik-Student aus ­Ilmenau im Landesjugendkonvent und sitzt als Jugenddelegierter in der Synode, wo er aufmerksam die Diskussionen um eine neue Rahmen­ordnung in der Konfirmandenarbeit verfolgt.

Einen ganzen Tag lang hat sich die Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Zeit genommen, um über das Thema zu diskutieren. Grundlage bildet eine Handreichung und die »Rahmenordnung für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden in der EKM«, in der ein Perspektivwechsel angemahnt wird. Ziel sei es, die Konfirmandenarbeit aus dem Blickwinkel der Jugendlichen zu gestalten und besser zu vernetzen.

Wie notwendig das ist, beweist Carsten Haeske. Der Referent für Konfirmandenarbeit am Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI) im Kloster Drübeck gibt einen Einblick in eine bundesweite Konfirmandenstudie und die Verhältnisse in Mitteldeutschland. Nach seinen Angaben hat sich hier die Zahl der Konfirmanden durch den Geburtenknick und Abwanderung in den vergangenen Jahren mehr als halbiert. Zuletzt sind es noch knapp 4.000 Jugendliche gewesen, die in der EKM den Weg zur Konfirmation gefunden haben. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch 9.500 Jugendliche. Ließen sich in Deutschland etwa 30 Prozent der 14-Jährigen konfirmieren, seien es im Osten gerade einmal zehn Prozent. Aber das ist nicht der einzige Grund, der den Fachleuten Kopfzerbrechen bereitet. Die Kirche erreiche kaum ungetaufte, sondern vor allem kirchlich hoch sozialisierte Jugendliche, hat Haeske beobachtet. Eine Änderung sei nur zu erreichen, wenn die Kirche diese »Milieuverengung« überwinde, stärker für die Konfirmandenarbeit werbe und zudem die Kooperation mit der Schule suche.

»Wir müssen eine Sprache  sprechen, die auch Kirchenferne verstehen«

Das weiß auch Christhard Wagner. »Um dem Negativtrend entgegenzuwirken, muss sich Konfirmandenarbeit öffnen: Für die Erwartungen der Konfirmanden ebenso wie für konfessionslose Jugendliche«, sagt der Bildungsdezernent der EKM. Gemeinsam mit den Heranwachsenden müssten Themen, Inhalte und Formen entwickeln werden. »Und wir müssen eine Sprache sprechen, die auch Kirchenferne verstehen.« Um einen solchen Perspektivwechsel zu erreichen, sei vor allem Teamarbeit nötig, ist Wagner überzeugt.

Bei den Synodalen stößt das jedoch nicht nur auf Beifall. Mit der Milieuüberwindung sei die Konfirmandenarbeit schlicht überfordert, findet Pfarrer Michael Wendel aus Braunsdorf. Nach Ansicht von Jan Lemke aus Magdeburg gebe es ganz unterschiedliche Erwartungen, die zunächst geklärt werden müssten. Der Hallenser Religionspädagoge Michael Domsgen weist schließlich auf den Umbruch im Bildungssystem mit neuen Ganztagsangeboten hin. Diese Chance müsse auch die Kirche nutzen, um die Konfirmandenarbeit »neu zu justieren«.

Das versucht die Rahmenordnung mit dem Titel »Türen öffnen – Brücken bauen« ein Stück weit. So empfiehlt sie, neben Pfarrern und Gemeindepädagogen auch Ehrenamtliche stärker in die Arbeit mit Konfirmanden einzubinden. Statt von »Konfirmandenunterricht« wird nur noch von »Konfirmandenarbeit« geredet. Auch vor konkreten Forderungen schrecken die Autoren nicht zurück. Bei weniger als sechs Jugendlichen sollen die Kirchengemeinden die Kooperation mit anderen suchen oder zwei Jahrgänge zusammenlegen, heißt es. Zudem wird eine Verknüpfung von Konfirmanden- und kirchlicher Jugendarbeit vorgeschlagen. Am Ende empfiehlt das Kirchenparlament die Rahmenordnung als geeignete Grundlage für die Konfirmandenarbeit in den Gemeinden. Jetzt muss die Ordnung mit den Anregungen der Synode noch im Landeskirchenrat beschlossen werden.

Der Jugenddelegierte zeigt sich dennoch skeptisch, ob sich ein Perspektivwechsel so einfach verordnen lässt. Vieles sei nicht neu, hat Georg Gläser beobachtet. Trotzdem habe ein Umdenken noch längst nicht stattgefunden. Auch zur Regionalisierung sieht der 21-Jährige keine Alternative. »Denn wo es überregionale Projekte gibt«, sagt er, »funktionieren sie in der Regel auch.«

Martin Hanusch

Eine spannende Nachricht zum Beginn

26. November 2009 von redaktionguh  
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Foto: Bartlomiej Fulanty, sxc.hu

Foto: Bartlomiej Fulanty, sxc.hu


Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.
Sacharja 9, Vers 9

Das Telefon klingelt. Sie nehmen den Hörer ab – und trauen ihren Ohren nicht: Der Regierungssprecher. Der Mann, der sonst die Gesetze der Regierung verkündet, begrüßt Sie am Telefon. Doch noch unglaublicher ist, was er Ihnen mitteilt: »Die Bundeskanzlerin möchte Sie kennenlernen und plant am Sonntagnachmittag einen mehrstündigen Besuch bei Ihnen.«

Ihr Kopf versucht den Unterschied von Realität und Traum festzustellen: Hat der schwarze Tee am Morgen die Sinne benebelt? Findet ein Scherzanruf eines Radiosenders statt? Oder sollte es tatsächlich so sein? Doch als der Regierungssprecher seine ­Ankündigung wiederholt, dämmert es Ihnen. Die Bundeskanzlerin wird kommen.
Als das Telefon wieder still auf dem Regal liegt, blicken ihre Augen in der Wohnung umher. Der Flur braucht neue Farbe. Der Zeitungsstapel in der Ecke stört. Ob die Couchgarnitur ansehnlich genug ist? Eine hektische Betriebsamkeit setzt ein, schließlich will alles gut vorbereitet sein. Und mit der Spannung wächst auch die Vorfreude auf diesen Besuch.

Am Beginn der Adventszeit erreicht uns eine spannende Nachricht. Der Prophet Sacharja teilt uns mit, dass ein König zu uns kommen will. Ein König, der – anders als alle Präsidenten oder Kanzler dieser Welt – wirklich gerecht ist und der jedem helfen möchte. Dieser König will nicht nur den öffentlichen Marktplatz sehen, sondern zu mir nach Hause kommen. In die Bereiche meines Lebens, die öffentlich wie ein Flur und versteckt wie das Schlafzimmer sind. Er kommt, weil ich ihm nicht egal bin. Weil er sich freut, bei mir zu sein.

Die Aussicht auf diesen Besuch steht am Beginn der Adventszeit. Wir erwarten, dass die Worte des Wochenspruchs nicht nur Tradition, sondern Wahrheit sind. Jesus kommt zu mir. Für diesen Besuch will alles gut vorbereitet sein. Und mit der Spannung wächst auch die Vorfreude, meinem König zu begegnen, der gerecht ist und der mir hilft.                     

Folker Blischke, Pfarrer in Roßla

Anstoß

26. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Darf eine aus Westdeutschland stammende Bischöfin die Versöhnung mit Stasi-Spitzeln und DDR-Altkadern anregen, wie es Ilse Junkermann auf der Synode der EKM getan hat? Eigentlich dürfte das keine Frage sein. Natürlich ist es Aufgabe der Kirche, nicht nur über Versöhnung zu reden, sondern sie auch zu suchen. Wer, wenn nicht die Kirche, ist dazu berufen. Offensichtlich hat die Magdeburger Bischöfin mit ihrem Vorstoß einen Nerv getroffen. Die Reaktionen beweisen jedenfalls, wie notwendig die Auseinandersetzung mit dem Thema ist – auch und gerade 20 Jahre nach der friedlichen Revolution.

Dass der Vorschlag der Bischöfin einen solchen Wirbel ausgelöst hat, kommt nicht ungefähr. Die Opferverbände und Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen befürchten ein allzu leichfertiges Entgegenkommen ohne Reue. Doch um eine Verniedlichung von Schuld geht es hier nicht. Aufgabe der Kirche sei es, bei der Aufarbeitung nicht nachzulassen und Versöhnung zu suchen, wo Bereitschaft vorhanden ist, meinte die Bischöfin am Rande der Synode. Menschen dürften nicht ihr ganzes Leben mit einem »negativen Etikett« versehen werden. Das ist nicht nur gut biblisch, sondern ganz im Sinne Jesu, der auch nicht davor zurückschreckte, sich mit Zöllnern an einen Tisch zu setzen.

Schließlich hat sich die Bischöfin weder für einen Schlussstrich noch für eine stillschweigende Generalamnestie ausgesprochen. Es geht lediglich um ein Signal, auf die Verantwortungsträger von einst zuzugehen. Dass das die Gesprächsbereitschaft der anderen Seite vor-aussetzt, versteht sich fast von selbst. Es ist für die Opfer des SED-Regimes sicher schwer zu ertragen. Aber 20 Jahre nach der Wende scheint es an der Zeit zu sein, die Hand zur Versöhnung auszustrecken. Jeder Straftäter hat irgendwann das Recht, in die Gesellschaft integriert zu werden. Das muss, so schwer es fallen mag, auch für die IM und Altkader gelten, die strafrechtlich nicht zu belangen sind.

Martin Hanusch

Mit 26 Kerzen bis Weihnachten

26. November 2009 von redaktionguh  
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Kirchenjahr: Vor 170 Jahren »erfand« Johann Hinrich Wichern den Adventskranz

Gärtnermeister Hans-Joachim Pagels zeigt die fertigen Wichern-Kränze. Der Bedarf hat zugenommen.	Foto: Steffi Rohland

Gärtnermeister Hans-Joachim Pagels zeigt die fertigen Wichern-Kränze. Der Bedarf hat zugenommen. Foto: Steffi Rohland

Am Sonntag ist der 1. Advent. Als besondere Vorfreude auf Weihnachten leuchtet bei den meisten Menschen zu Hause wieder der Adventskranz. In Sangerhausen hat sich die Gemeinde auf die Ursprünge dieses Brauches besonnen und einen »echten« Wichernkranz in der Jacobikirche aufgestellt.

Im vergangenem Jahr entdeckte die Jacobigemeinde in Sangerhausen den ursprünglichen Adventskranz wieder für sich. Eigentlich war es das Gedenkjahr für Johann Hinrich Wichern (1808–1881). Er gilt als Erfinder des Adventskranzes. Vor 170 Jahren stand der erste Adventskranz in einem Hamburger Kinderheim. Es war ein besonderer Kranz: Auf einem hölzernen Rad standen vier große und 19 kleine Kerzen.

»Wir warten auf Weihnachten, auf Jesus, der geboren wird, auf das Licht, das von Gott in die Welt kommt«, sagt Pfarrerin Margot Runge. »Es gibt viel Dunkelheit, auch bei uns.« Als Diakonie-Pfarrerin kennt sie die Probleme nur zu genau. »Viele Kinder wachsen behütet auf. Doch manche Kinder gehen nicht gern nach Hause, weil sich die Eltern nicht um sie kümmern, es gibt häusliche Gewalt und Armut. Und leider gibt es auch Kinder, die schlagen und treten andere, die stehlen und lügen.«

Das war vor 170 Jahren ähnlich und doch anders. Viele Kinder lernten von klein auf Armut und Gewalt kennen. »Allerdings gab es damals kein Jugendamt und keine Beratungsstellen«, sagt die Pfarrerin. Kinder, die sich auf der Straße herumtreiben oder stehlen, sind ins Gefängnis gesteckt worden. »Wenn sie keine Eltern und keine Verwandten hatten, landeten sie vielleicht im Waisenhaus. Auch da ging es ihnen nicht gut.«

Auch der lutherische Theologe und Erzieher Johann Hinrich Wichern hat am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, arm zu sein. Nach dem Tod des Vaters musste der 16-Jährige Verantwortung für seine Familie, zu der sechs jüngere Geschwister zählten, übernehmen. Ab 1826 wird er Erziehungsgehilfe in einem christlichen Schülerinternat und bereitet sich nebenbei auf ein Studium vor. Dank eines Gönners studiert er Theologie. Ab 1832 arbeitet Wichern als Oberlehrer an einer Sonntagsschule speziell für die Arbeiterkinder in den Elendsvierteln Hamburgs.

Als Mitglied des Besuchsvereins lernt er die häuslichen Verhältnisse seiner Schüler kennen. Daraufhin wird er persönlich tätig: Mit seiner Mutter und zwei Geschwistern zieht er in ein altes Bauernhaus, das unter dem Namen des alten Besitzers »Ruges Haus« gleichbedeutend mit »Rauhes Haus« bekannt war. Damit beginnt seine Sozialarbeit. Schon zwei Monate nach Eröffnung des Hauses wächst die Anzahl seiner Schützlinge von drei auf 14 heimatlose und verkommene Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 18 Jahren. Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit bestürmten ihn die Jungs mit der Frage: Wie lange ist es noch bis Weihnachten? Da fand er vor 170 Jahren die Lösung mit dem Adventskranz.

Da es jedes Jahr unterschiedlich viele Tage vom ersten Advent bis zum Heiligen Abend gibt, verändert sich auch eine Zahl kleiner Kerzen auf dem Wichern-Kranz. In diesem Jahr sind es 22 kleine Kerzen. Daniel Voigt, Mitarbeiter der Gärtnerei des Christlichen Jugenddorfes (CJD) in Sangerhausen, weiß dies genau. Er fertigt unter Anleitung von Hans Joachim Pagels, Gärtnermeister und Gruppenleiter für behinderte Menschen im CJD, mit weiteren Mitarbeitern die Kränze. Zwei Stück schafft er am Tag mit Tannen- beziehungsweise mit Kieferngrün zu wickeln und mit Kerzen zu bestücken. Die Kränze sind sehr kostenintensiv, so Pagels. Deshalb werden sie nur zum Selbstkostenpreis abgegeben.

Unabhängig voneinander kamen die Diakonie-Pfarrerin und der Gärtnermeister im vergangenen Jahr auf die Idee, einen solchen originalen Adventskranz anzufertigen. Nach einem Projekt mit der Förderschule waren daraufhin bereits zwei Wichern-Kränze unter anderem in der Jacobikirche und im Gemeindehaus in Sangerhausen zu sehen.

Pfarrerin Margot Runge erinnert sich noch gut an das Staunen der Leute über diesen ursprünglichen
Adventsbrauch. Damals thematisierte sie im Familiengottesdienst am 1. Advent in der Jacobikirche von Sangerhausen den Adventskranz und machte somit die Entstehungsgeschichte bekannt. Der Erfolg dieses außergewöhnlichen Projektes war enorm: In diesem Jahr werden im CJD Wichern-Kränze beispielsweise für das Marienstift in Roßla sowie das Heilig-Geist-Stift in Eisleben gefertigt. Selbstverständlich haben aber auch die Einrichtungen des Christlichen Jugenddorfes ihre Wichern-Kränze.

Steffi Rohland

Zu viel Platz zum Trauern?

23. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Bestattungskultur: Viele Friedhöfe leiden an einem Überangebot von Flächen

Die Veränderungen bei den Bestattungen stellen auch die Friedhofsträger vor neue Herausforderungen.	Foto: epd-bild

Die Veränderungen bei den Bestattungen stellen auch die Friedhofsträger vor neue Herausforderungen. Foto: epd-bild

Einst mussten Reserveflächen für Friedhofserweiterungen ausgewiesen werden. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Das Gegenteil ist der Fall. Heute müssen die Träger mit einer veränderten Bestattungskultur umgehen.

Friedhöfe erfüllen eine in jeder Kultur bestehende, kollektive Funktion. Sie sind eine seit Jahrhunderten gewachsene Kulturfläche, die es den Angehörigen Verstorbener ermöglicht, ihrer Toten zu gedenken. Doch seit Jahren gibt es eine besorgniserregende Entwicklung: Jene Angehörige haben immer mehr Platz zum Trauern und die Träger der Friedhöfe ein echtes Problem. Kurz gesagt: Immer mehr Flächen liegen brach. Der Begriff »Friedhofsüberhangfläche« hat sich zuletzt im Sprachgebrauch all jener etabliert, die damit jeden Tag zu tun haben. Beschrieben werden damit Friedhofsflächen, die langfristig nicht mehr für Bestattungszwecke genutzt werden und für die es auch keine sinnvolle Nachnutzung gibt. Städte und ländlicher Bereich sind gleichermaßen betroffen, weil die Ursachen unabhängig von der Infrastruktur greifen. Wo aber liegen die Gründe für diese Entwicklung? Ist es ein flächendeckendes Problem? Und wer soll das auf Dauer bezahlen?

Die Universität Kassel richtete im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eine Forschungsgruppe zum Thema ein. Noch bis Mitte 2010 beschäftigen sich Experten mit diesen Fragen und publizieren ihre Arbeit im Internet (www.friedhof-forschung.de). Die Forscher machen zum einen die veränderte Bestattungskultur für den Leerstand verantwortlich, aber auch die demografische Entwicklung und die konkurrierenden Dienstleister.

Die Experten haben herausgefunden, dass die Träger durchaus Einfluss auf den immer größer werdenden Flächenleerstand nehmen können. Es sei wichtig, Angehörige gut zu beraten und den Service zu verbessern. Fest steht: Friedhofsträger und -betreiber haben ein dramatisches Problem, das sie langfristig nicht über Gebühren finanzieren können.

Knapp 2.100 Friedhöfe gibt es allein in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), davon 1.085 in der ehemaligen Kirchenprovinz und rund 900 in Thüringen.Weitere 40 unterhält die Kirche in Anhalt. Für Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser, Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung Sachsen-Anhalts, ist vor allem der demografische Wandel eine Ursache für die zurückgehende Auslastung. »Wir werden immer weniger Menschen und das wirkt sich natürlich aus«, sagt er. Sein Appell: An der Bestattungskultur muss sich dauerhaft etwas ändern. »Tod und Sterben müssen wieder ein Teil des Lebens sein«, bekräftigt er. Das immer stärker werdende Bedürfnis nach einem naturnahen Begräbnis könne man beispielsweise zum Vorteil der Friedhöfe nutzen. »Wenn der Platz da ist, halte ich es durchaus für möglich und sinnvoll, etwa einen Friedwald einzurichten«, sagt Steinhäuser. Auch pflegeleichte Gräber seien eine Möglichkeit, dem Leerstand entgegenzuwirken. »An erster Stelle muss stehen, dass es weiter einen konkreten Ort der Trauer gibt.«

Kirchenrat Michael Janus sieht eine Lösung des Problems im Austausch mit den Kommunen. Er leitet das Referat, das sich mit dem Bestattungs- und Friedhofswesen in der EKM beschäftigt. »Wir müssen gemeinsam überlegen, inwieweit Umgestaltung und Umnutzung der leeren Friedhofsflächen realisiert werden können«, sagt Janus. »Das ist auf alle Fälle ein gesamtgesellschaftliches Problem.«
Auf Thüringens größtem Friedhof, dem Hauptfriedhof in Erfurt, sei das Problem nicht prekär. »Die Grabstättenrückgabe ist nur gering höher als der Neuverkauf«, sagt Wolfgang Schwarz, Amtsleiter des städtischen Garten- und Friedhofsamtes. Auch die Bestattungskultur ist seit Jahren relativ unverändert. »Etwa 90 Prozent entscheiden sich für eine Feuerbestattung, der Rest für eine Erdbestattung.« In Erfurt habe man die Friedhofsentwicklung frühzeitig den Gegebenheiten angepasst und auf Erweiterungen verzichtet. Schwarz zufolge ist eine neue, großzügigere Grabfeldgestaltung und -belegung ein Mittel, dem Flächenüberhang zu begegnen.

Auf dem Magdeburger Westfriedhof gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung keine Zunahme der Freiflächen. Gründe seien, dass die Zahl der Bestattungen in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben ist und Grabanlagen geschaffen wurden, die sich gestalterisch von der traditionellen Grabanordnung unterscheiden. Neue Grabstättenarten sollen auch in Zukunft den Bedürfnissen der Hinterbliebenen angepasst werden. »Friedhöfe müssen gestalterisch so angelegt sein, dass sie gern besucht werden«, sagt Stadtsprecher Michael Reif.

Sabrina Gorges

»Runter vom Abstellgleis«

19. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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lebt_die_kirche

Gemeinsam ziehen Diakonissen mit Altbischof Axel Noack und dem mitteldeutschen Diakonie-Chef Eberhard Grüneberg einen Straßenbahnwagen vom Abstellgleis.

Mit dieser Aktion hat am 16. November in Halle die diesjährige Herbst-Straßensammlung begonnen. An der Sammlung beteiligen sich bis zum 25. November etwa 10.000 Haupt- und Ehrenamtliche in mehr als 3.000 Kirchengemeinden. Die Straßensammlung steht unter dem Motto »Runter vom Abstellgleis«.

Der Straßenbahnwagen, der am Montag ins Hallenser Schienennetz gezogen wurde, soll bis Jahresende mit dem Schriftzug »Ich brauche Dich« Werbung für die Spendenaktion machen. Mit den Spenden werden Familien in Armut, behinderte Kinder und Obdachlose unterstützt.

Foto: Jan Möbius

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