Anstoß
26. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Kommentar

Darf eine aus Westdeutschland stammende Bischöfin die Versöhnung mit Stasi-Spitzeln und DDR-Altkadern anregen, wie es Ilse Junkermann auf der Synode der EKM getan hat? Eigentlich dürfte das keine Frage sein. Natürlich ist es Aufgabe der Kirche, nicht nur über Versöhnung zu reden, sondern sie auch zu suchen. Wer, wenn nicht die Kirche, ist dazu berufen. Offensichtlich hat die Magdeburger Bischöfin mit ihrem Vorstoß einen Nerv getroffen. Die Reaktionen beweisen jedenfalls, wie notwendig die Auseinandersetzung mit dem Thema ist – auch und gerade 20 Jahre nach der friedlichen Revolution.
Dass der Vorschlag der Bischöfin einen solchen Wirbel ausgelöst hat, kommt nicht ungefähr. Die Opferverbände und Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen befürchten ein allzu leichfertiges Entgegenkommen ohne Reue. Doch um eine Verniedlichung von Schuld geht es hier nicht. Aufgabe der Kirche sei es, bei der Aufarbeitung nicht nachzulassen und Versöhnung zu suchen, wo Bereitschaft vorhanden ist, meinte die Bischöfin am Rande der Synode. Menschen dürften nicht ihr ganzes Leben mit einem »negativen Etikett« versehen werden. Das ist nicht nur gut biblisch, sondern ganz im Sinne Jesu, der auch nicht davor zurückschreckte, sich mit Zöllnern an einen Tisch zu setzen.
Schließlich hat sich die Bischöfin weder für einen Schlussstrich noch für eine stillschweigende Generalamnestie ausgesprochen. Es geht lediglich um ein Signal, auf die Verantwortungsträger von einst zuzugehen. Dass das die Gesprächsbereitschaft der anderen Seite vor-aussetzt, versteht sich fast von selbst. Es ist für die Opfer des SED-Regimes sicher schwer zu ertragen. Aber 20 Jahre nach der Wende scheint es an der Zeit zu sein, die Hand zur Versöhnung auszustrecken. Jeder Straftäter hat irgendwann das Recht, in die Gesellschaft integriert zu werden. Das muss, so schwer es fallen mag, auch für die IM und Altkader gelten, die strafrechtlich nicht zu belangen sind.
Martin Hanusch







Am 27. Nov. habe ich auf Ihren Leitartikel reagiert (zwei mail-Adressen:Wartburg und Sie).Keine Reaktion. Ich schreibe jetzt persönlich an Frau Junkermann, gemeinsam mit meiner Frau und halte es trotzdem für ausgesprochen stillos, in solchen subtilen Fragen einen ins Leere laufen zu lassen.Immerhin haben Sie den Mut gehabt, Leitartikel zu schreiben zu Fragestellungen, die existentieller Natur sind, wie ich finde – auch für den Bestand gerade der evangelischen Kirche.Ich finde, wir haben ein Recht darauf, eine Antwort zu bekommen und die Pflicht zu dem Thema etwas zu sagen.
Auch wenn es an technischen Detailles liegen sollte (ich habe Ihren Leitartikel irrtümlicherweise mit dem 29.11. datiert) oder an nicht richtiger Handhabung des elektronischen Mediums und seiner journalistischen Möglichkeiten, sind wir erschrocken, daß schon zum 2. Mal (das 1. Mal ein Brief aus Österreich sukzessive) die Leserbriefmappe für uns ein wahrhaft toter Briefkasten geworden ist.
Wir würde uns immer noch freuen über eine Antwort auf unsere Mail vom 27. November und eine auf einen Brief zu Bischof Noacks Meinung, daß die Offensive in der Pastorale verloren zu gehen scheint.(Sommer – mit Angebot zu “Östereichbericht eines Sommerpfarrers auf Pump”,Herbst – Frage wegen Ausbleibens meines Briefes zum Thema Noack beim mitteldeutschen Chefredakteur gab Anlaß zum Östereichbericht. Keine Reaktion nach Versendung zur Wartburgverlagsadresse.Verführen die elektronischen Strukturen zum Verschweigen und zum Alibi. Oder ist es die Pressefreiheit.Ich weiß, daß Sie die Freiheit haben. Deswegen schreibe ich.
Kirche ist mehr!
Mit herzliche Segenswünschen zu Weihnachten und zum Neuen Jahr
Margard und Michael Wohlfarth
Liebe Familie Wohlfahrt,
wie bei jeder anderen Zeitung gibt es auch in der Kirchenzeitung bei Leserbriefen keine Gewähr auf Abdruck. Da zum Versöhnungsthema eine Fülle von Meinungsbeiträgen bei uns eingegangen sind, konnten wir nicht alle berücksichtigen. Da bitten wir schlicht um Nachsicht. Zudem ist Ihr Schreiben als offener Brief an Landesbischöfin Ilse Junkermann deklariert, so dass wir davon ausgegangen sind, dass Ihre Reaktion ohnehin bei ihr landet.
Herzliche Grüße und ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht die Redaktion von “Glaube+Heimat”