Auf Christus warten und die Zeit nutzen
19. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Mike Coombes, sxc.hu
Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.
Lukas 12, Vers 35
Claudia hat einen 17-jährigen Sohn, der mit seinen Freunden ab und zu in die Disco geht. Bis er zurückkommt, ist es früher Morgen. Sie schläft in diesen Nächten kaum. Mit einem Ohr hört sie nach draußen. Sie wartet, bis sich das erlösende Geräusch an der Haustür regt. Das Licht lässt sie vorsorglich brennen.
Vom Warten ist auch im Lukasevangelium die Rede, vom Warten auf das Kommen Christi. Ich bin gemeint, wenn Jesus sagt: »Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.« Ich soll bereit sein, Christus angemessen zu empfangen.
Die ersten Christen erwarteten seine Wiederkunft noch zu ihren Lebzeiten. Deshalb haben manche von ihnen darauf verzichtet, sich in der Welt einzurichten. Sie haben es vermieden, Verantwortung zu übernehmen, denn sie glaubten, ein »Morgen« werde es gar nicht geben.
Im Jahr 2009 lebe ich, leben die meisten von uns nicht so, als stünde die Wiederkunft Christi unmittelbar bevor. Ich plane mein Leben auf die Zukunft hin und erwarte, dass auch die Politik und nicht zuletzt die Kirche Vorstellungen hat von der Zukunft. Aber eben weil das so ist, gilt die Aussage im Lukasevangelium gerade heute: Die mir gewährte Zeit soll ich verstehen als von Gott geschenkt. Ich darf und soll diese Zeit durch mein Tun füllen, Verantwortung übernehmen, mich engagieren und wissen: Es geht mich etwas an, was in der Welt geschieht, es geht mich etwas an, was mit dem Nachbarn los ist.
Wenn wir am Ewigkeitssonntag unserer Verstorbenen gedenken, dann wird mir besonders bewusst, wie kostbar meine Lebenszeit ist und wie sorgsam ich mit ihr umgehen muss. Manchmal habe ich auch Angst vor dem Tod. Kann es mich beruhigen zu wissen, dass mein Leben, unsere Welt als Ganze ein Ziel hat?
Ich kenne nicht »Tag noch Stunde«. Aber ich kenne den Namen: Jesus Christus. Ihn erwarte ich. Was mich aber wirklich tragen könnte, ist mein Vertrauen, dass auch ich von ihm erwartet bin.
Christina Lang, Pfarrerin in Pöllwitz
Anteilnahme
19. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Trauerfeier Robert Enke AWD Arena 15. November 2009, Foto: Nifoto, Wikipedia
Ein bekannter Fußballer wirft sich aus Verzweiflung vor einen Zug und das ganze Land zeigt sich zutiefst bewegt. Zehntausende haben am vergangenen Sonntag bei der Trauerfeier in Hannover von Robert Enke Abschied genommen. Millionen verfolgten das Geschehen vor dem Fernsehschirm. Selten ist der letzte Weg eines Sportlers auf ein derart großes Echo und eine solche Anteilnahme gestoßen. Es gab wohl kaum jemanden, der sich den bewegenden Bildern entziehen konnte.
Das mag zum einen daran liegen, dass der tragische Selbstmord ein Schlaglicht auf die Welt des Profisports und unsere Leistungsgesellschaft wirft. Unbemerkt von der Öffentlichkeit litt der Torwart und Publikumsliebling an schweren Depressionen, bis er keinen Ausweg mehr sah. Für solche Versagensängste scheint es nicht nur im Sport keinen Platz zu geben. Auch hinter dem Erfolg eines Nationalspielers können Einsamkeit und tiefe Verzweiflung liegen. Letztlich steht der Tod Robert Enkes dafür, wie zerbrechlich und gefährdet das Leben mitunter ist.
Aber noch aus einem anderen Grund erscheint die große öffentliche Anteilnahme an seinem Schicksal erwähnenswert. Offensichtlich gibt es ein existenzielles Bedürfnis nach Mittrauer. Wie im Fall der Amokläufe in Erfurt oder Winnenden suchen Menschen in ihrer Sprachlosigkeit nach Halt. »Jetzt ist die Zeit der Trauer um einen Menschen, der Jugendlichen und Erwachsenen viel bedeutet hat«, sagte die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann am Abend nach dem Tod Enkes bei der ökumenischen Trauerandacht. In einer Zeit, in der Tod und Sterben möglichst verdrängt werden, ist das ein bemerkenswertes Signal. Dass die Bewältigung in einer großen Gemeinschaft leichter fällt, spricht nicht unbedingt gegen eine solche Form der Trauer – allenfalls gegen die mediale Inszenierung. Denn es zeigt: Das Gedenken an die Verstorbenen gehört mitten in die Gesellschaft – nicht nur am Ewigkeitssonntag und nicht nur für einen prominenten Sportler.
Martin Hanusch
Konfirmandenprojekt im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld
19. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: privat
Einmal in einer Mannschaftskabine sitzen, wo sonst nur die Großen des Sports Zutritt haben – auch das war Teil eines Konfirmandenprojektes, zu dem sich Jugendliche des Kirchspiels Magdala/Bucha kürzlich im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld aufhielten. Welche Chancen hat der Sport, Menschen von Vorurteilen und Gewaltbereitschaft zu befreien? Das war die Frage, über die an zwei Tagen nachgedacht wurde und zu deren Beantwortung auch das Jenaer Fanprojekt »Hintertorperspektive« mit seinen Angeboten beitrug.
Die mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnete Initiative informierte theoretisch und praktisch über den Umgang mit Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und Gewaltbereitschaft in deutschen Fußballstadien und zeigte Möglichkeiten auf, wie mit Gewalt im Alltag umzugehen ist. Zudem wurde der Film über den in Auschwitz ermordeten jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch gezeigt.
Aber auch der Sport kam an diesen Tagen nicht zu kurz. Nach einer exklusiven Stadionführung am Freitagabend folgte am Samstagmorgen ein Fußballspiel gegen Jugendliche aus Dresden. Dieses Spiel – wie auch das Drittligaspiel des FC Carl Zeiss Jena am Nachmittag gegen Dynamo Dresden, zu dem die Konfirmanden als Ehrengäste Freikarten erhielten, sei zwar verloren gegangen, doch der Gewinn an Erfahrungen und neuen Freundschaften bleibe bestehen, so Pfarrer Martin Krautwurst aus Magdala.
Predigt in Wolle und Seide
19. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Eisenacher Ausstellung zeigt Textiles aus Kirchen und Webteppiche aus Ägypten

Maria Reiser (links) und Gabriele Backhaus (rechts) präsentieren in der Eisenacher Ausstellung unter anderem Paramente, die sie nach Entwürfen von Hilde Heyduck-Huth in ihrer Werkstatt im Diakonissen-Mutterhaus fertigten. Foto: Norman Meißner
Paramente aus Thüringen, Textilien aus Kirchenräumen und Webteppiche aus Ägypten – diese reizvolle Mischung ist seit dem 14. November in der neuen Sonderausstellung mit dem Titel »Formen – Farben – Fäden: Brücken im Leben« in der Predigerkirche des Thüringer Museums Eisenach zu sehen.
Gegliedert in drei Teile werden in Kooperation mit der Paramentenwerkstatt im Diakonissen-Mutterhaus Eisenach historische sowie zeitgenössische Exponate präsentiert. Im ersten Ausstellungsteil sind prächtige Stücke des 17. und 18. Jahrhunderts aus dem Fundus des städtischen Museums zu sehen, die vornehmlich im katholischen Gottesdienst ihren Platz hatten. Der zweite Bereich stellt 20 Paramente vor, die in der Eisenacher Werkstatt entstanden sind, meist gefertigt im Auftrag einer Gemeinde und ein Stück Geschichte dieser traditionsreichen Einrichtung. Im Teil »Webteppiche aus Ägypten« werden Bildteppiche aus Harrania gezeigt, einem Dorf zwischen Gizeh und Sakkara.
Bereits im Alten Testament wird beschrieben, wie die Stiftshütte und die Priestergewänder zu fertigen seien. Kunstvolle Textilien zum liturgischen Gebrauch werden seit dem 4. Jahrhundert als »Paramente« bezeichnet. Der Begriff kommt vom Lateinischen »parare mense« und bedeutet: den Altar bereiten. Die Einzelstücke wie Teppiche, Altarbehänge oder Gewänder und Gewandteile, aber auch die evangelischen Talare samt Beffchen zählen, seit sie 1817 per Verordnung »Berufskleidung« evangelischer Geistlicher wurden, genauso wie Stola oder Altardecke dazu.
»Wir freuen uns über die Aufmerksamkeit, die unsere Arbeit durch diese Präsentation erfährt«, sagt Gabriele Backhaus. Zusammen mit Maria Reiser übernahm sie 2006 die Eisenacher Werkstatt. Betriebswirtschaftlich selbstständig, blieben die beiden Paramentikerinnen in den angestammten Räumen im Diakonissen-Mutterhaus und dieses seltene Handwerk damit Thüringen erhalten.
Die Geschichte reicht weit zurück: 1895 wurde der Thüringer Paramentenverein in Rudolstadt gegründet. Mit Elisabeth Coester kam die Paramentenfertigung 1926 ans Eisenacher Diakonissenhaus. Eine neue Etappe begann 1958. War bis dahin vornehmlich gestickt worden, kaufte Schwester Brigitte Baller nun Webstühle. »Kettmaterial und Wolle gab es in dieser Zeit besser als geeignete Stoffe zum Besticken«, erklärt Gabriele Backhaus. Nicht selten sei die Schafwolle sogar in den Gemeinden selbst gesponnen worden, um daraus für ihre Kirche Paramente fertigen zu lassen, erzählt die Eisenacherin. 1979 schlossen sich die fünf auf DDR-Gebiet angesiedelten Werkstätten zur Arbeitsgemeinschaft für Paramentik zusammen, um in kirchlicher Trägerschaft für die Ausbildung des Nachwuchses zu sorgen. Seit 1991 gehört man nun wieder zur deutschlandweiten Marienberger Vereinigung für evangelische Paramentik.
An den Ausstellungswänden erzählen farbenprächtige Zeugnisse mit großer Symbolkraft aus der Geschichte der Thüringer Paramentenherstellung, verdeutlicht ein symbolischer Altar den Gebrauch der liturgischen Stücke und ein lebendiges Gästebuch lädt dazu ein, sich kreativ mit Fäden am Webstuhl oder Stickrahmen zu versuchen.
Uta Schäfer
Die Ausstellung in der Eisenacher Predigerkirche ist bis 15. März dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Im Geiste Martin Luther Kings
13. November 2009 von redaktionguh
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Die Gruppe »Gewaltlos leben« feierte ihr 25-jähriges Bestehen

Nach einer Demonstration auf der Bonner Hardthöhe überreichten Mitglieder von »Gewaltlos leben« 1992 dem damaligen Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg einen zweieinhalb Meter langen Rotstift. Foto: privat
»Gewaltlos leben« ist eine christliche Friedensgruppe in Thüringen, die sich aktiv für Gerechtigkeit, Versöhnung und die Bewahrung des Friedens einsetzt. Vom 6. bis 8. November wurde beim jährlichen Treffen in Schönburg das 25-jährige Jubiläum begangen. Die Gruppe entstand 1984 auf Initiative von Pfarrer Jo Winter aus Langenschade (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld), der sie bis zu seinem Tod 2006 leitete. Damals setzten sich ca. 160 Jugendliche der Jungen Gemeinden im Raum Saalfeld mit der Erklärung der gewaltlosen Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King auseinander und bearbeiteten die darin enthaltenen 10 Gebote für die aktuelle Situation.
Der so entstandene Text »Gewaltlos leben« wird von jedem neuen Gruppenglied als Selbstverpflichtung persönlich unterschrieben. Damit demonstriert jeder Einzelne die Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen und seine Zugehörigkeit zur Gruppe. Auch deshalb wurden alle Aktivitäten bis 1990 von der Staatssicherheit der DDR intensiv überwacht. Heute gehören über 200 Freunde in ganz Deutschland zu »Gewaltlos leben«, das Zentrum ist weiterhin Langenschade.
»Nach den ersten Umweltaktionen im Raum Saalfeld wurde ein antimilitaristisches Kabarett in verschiedenen Orten im Süden der DDR aufgeführt«, weiß Georg Möller zu berichten, der zu den Akteuren der Gruppe gehört. Diese forderte nach der friedlichen Revolution 1989 von den Siegermächten die Auflösung beider deutschen Armeen. »Dazu hissten wir regelmäßig weiße Fahnen vor dem Militärgebäude in Saalfeld und demonstrierten vor dem Verteidigungsministerium in Bonn.«
Mit dem Bürgerkrieg in Jugoslawien erweiterte sich der Aktionsradius. Zuerst wurde ein illegales Flüchtlingslager in Zagreb regelmäßig mit Milch und Obst versorgt. Ein weiteres Projekt war der Aufbau und die Unterstützung von drei Nähstuben für im Krieg traumatisierte Frauen in Bosnien.
Seit dem Jahr 2000 gibt es das Bildungsprojekt »Za djaka« (Für Schüler) für 30 bosnische Kriegswaisen, die von »Gewaltlos leben« bis zum Ende ihrer Ausbildung monatlich 25 Euro Schulgeld bekommen. »Wir halten
zu ihnen Kontakt, besuchen sie zu Hause und helfen bei der Lösung verschiedener Probleme. Diese Freundschaft bedeutet ihnen unabhängig vom Geld sehr viel. Einige bosnische Jugendliche konnten wir zu vierwöchigen Bildungsaufenthalten nach Deutschland einladen und ihnen unser Land zeigen«, erzählt Georg Möller weiter.
Seit 2002 gibt es alle zwei Jahre eine Rüstzeit mit den bosnischen Jugendlichen und den deutschen Gliedern von »Gewaltlos leben« (ca. 80 Personen). Diese fanden zweimal in Bosnien, in Slowenien und 2008 in Kroatien statt. In diesen intensiven Wochen machen alle Beteiligten gute Erfahrungen miteinander, bekommen neue Denkanstöße und erleben Gemeinschaft.
»Gewaltlos leben« trifft sich regelmäßig und arbeitet zu tagespolitischen Ereignissen, gesellschaftlichen Problemen und setzt sich mit der Kirche kritisch auseinander. Anfang 2008 entstand ein Arbeitspapier zu Afghanistan. »Aufbauend auf unseren Erfahrungen in Bosnien«, so Möller, »haben wir von der Bundesregierung eine zivile und koordinierte Aufbauhilfe in Afghanistan gefordert.«
Auf dem Jahrestreffen in Schönburg hielt der Friedensbeauftragte der EKD, Pastor Renke Brahms (Bremen), ein Referat zur Friedensarbeit der Kirche. Dabei wurden Strukturen erklärt, Möglichkeiten aufgezeigt, Versäumnisse und Hindernisse benannt. Am Nachmittag wurden diese Themen in Gruppenarbeiten aufgenommen und nach Möglichkeiten gesucht, die Friedensarbeit stärker in Kirche und Gesellschaft hineinzutragen. Der Tag klang mit einer Lesung von Marina Achenbach aus Berlin aus. Am Sonntagmorgen feierten die Akteure mit Pfarrer Christoph Victor aus Hildburghausen einen Dankgottesdienst.
»Für 2010 ist wieder eine gemeinsame Rüstzeit mit den bosnischen Jugendlichen geplant. Wir werden uns in Ungarn, in der Nähe von Budapest, treffen. Die Unterkunft ist bereits gebucht, es gibt erste Ideen für die thematische Arbeit«, blickt Georg Möller in die nahe Zukunft. Die Gruppe arbeitet ehrenamtlich und kommt für alle Kosten selbst auf. Die Projekte und Aktionen werden ausschließlich durch Spenden finanziert.
(mkz)
Der Anfang ist gemacht
13. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Erstes Teilstück des Thüringer Lutherweges schließt Lücke zum Lutherweg in Sachsen-Anhalt

Bis 2017 ist noch etwas Zeit, da kann man klein anfangen. Mit dem ersten 15,5 Kilometer langen Teilstück des Thüringer Lutherweges ist der Anschluss an die Route in Sachsen-Anhalt geschafft. Von Stolberg kommend können Pilger auf dem Lutherweg über Rodishain an der Landesgrenze bis nach Nordhausen wandern. Geplant ist, den Weg über den Kyffhäuser bis nach Erfurt weiterzuführen.
Vom dortigen Augustinerkloster sollen vier Routen mit insgesamt 844 Kilometern durch Thüringen führen. Einer der Rundwanderwege wird Richtung Westen durch den Hainich laufen, der andere südlich bis nach Coburg in Bayern und über Orlamünde zurück. Dort beginnt die Ostroute über Altenburg nach Sachsen. Die Fortführung steht noch nicht fest.
In Sachsen-Anhalt sind Kirche und Tourismus schon weiter. 410 Kilometer zu den Orten der Reformationsgeschichte wie Eisleben und Wittenberg warten seit 2008 auf Neugierige. Dieser Weg diente als Vorbild. Zwei Jahre Planung liegen hinter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), dem Landesverband Thüringen der Gebirgs- und Wandervereine sowie der Thüringer Tourismus GmbH. Gemeinsam wollen sie auf bestehenden Wegen die Markierung mit dem stilisierten »L« auf weißem Grund anbringen und mit Tafeln auf die Spuren der Reformation aufmerksam machen. Die Wegewarte der Wandervereine stehen vor der großen Aufgabe, die Strecken abzugehen und zu dokumentieren, bevor genaue Pläne des Wegeverlaufes erstellt werden können.
21 Stationen, die Theologen und Historiker in Thüringen mit dem Wirken Martin Luthers in Verbindung bringen konnten, werden so verbunden. Pfarrer Christfried Boelter, Referent für Kirche und Tourismus in der EKM, sagte: »Für uns ist dies natürlich ein Pilgerweg, aber für andere kann es auch ein Wander- oder Kulturweg sein. Der Lutherweg verbindet viele Interessen.«
Pünktlich zum Geburtstag des Reformators konnte die erste Hinweistafel nahe der Gaststätte »Wolfsmühle« im Nordhäuser Ortteil Rodishain feierlich enthüllt werden. Eine 2,5 Kilometer lange Probewanderung führte zur Landesgrenze von Sachsen-Anhalt. Dort wurde eine kleine Andacht für den Reformator gehalten. Für 2010 ist die Übergabe eines weiteren Teilstücks zwischen Eisenach und Schmalkalden geplant, wo bereits ein Lutherweg besteht.
Marcus Wiethoff
Das schärft den Blick auf das Leben hier und jetzt
13. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: George Ridder, sxc.hu
Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.
2. Korinther 5, Vers 10
Jüngster Tag, Weltgericht – ein zentrales Thema am Ende des Kirchenjahrs: erschreckend und doch beruhigend weit weg? Haben speziell wir Protestanten ein Problem damit? Gerade im Umfeld des Reformationstages erscheint uns schwierig, was mit dem Gericht zu tun hat. Wo bleibt die Gnade? Sie ist schließlich das Entscheidende. Gott will doch, dass allen Menschen geholfen werde.
Mir ist heute mehr denn je deutlich, dass die Vorstellung des Gerichts, die wir im Apostolikum bekennen (»zu richten die Lebenden und die Toten«), unverzichtbar ist. Wir glauben, dass Gott uns einmal fragen wird: Was hast du gesagt und getan? Was hast du gemacht aus deinen Talenten? Und was hast du alles versäumt?
Die feste Überzeugung, dass dieser Moment kommen wird, schärft den Blick auf das Leben hier und jetzt. Weil ich einst Antwort geben muss, bin ich auch heute gerufen, verantwortungsbewusst zu leben – vor Gott, vor den Mitmenschen, vor meinem Gewissen.
Wie lebt eigentlich ein Mensch, dem diese Vorstellung abhanden gekommen ist? Wie begründet er Moral? Warum soll er sich fair, sozial oder mitfühlend verhalten? Weil es ihm direkt oder indirekt etwas bringt? Weil er andernfalls Probleme bekommt?
Sehen wir uns um: Eine wachsende Anzahl von Menschen, gerade auch von Kindern, scheint so zu leben. Verantwortlich – wieso überhaupt und wem gegenüber? Keine sozialistische Moral mehr und keine christliche? Tu, was dir beliebt – ohne Bedenken, solange dich keiner erwischt, solange du keinen Ärger kriegst!
Ich bin überzeugt: Wo Fähigkeit und Bereitschaft zur Verantwortung abnehmen, da sinkt die Lebensqualität aller, da klappt immer weniger in Familie und Verein ebenso wie in Kirche und Gemeinwesen. Darum sind Christenmenschen gefragt, die sich bemühen, verantwortlich zu leben, die Auskunft geben können über ihr Tun und Lassen, ohne dabei zu meinen, Ansprüche aus ihren »Verdiensten« ableiten zu können.
Dietrich Lauter, Kreisoberpfarrer in Köthen
Frieden schaffen
13. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Grafik: Ilker, sxc.hu
Vor 30 Jahren – da war das Bemühen um Frieden in Europa noch ein ganz handfestes Thema. Da lebten wir noch im Ost-West-Konflikt mit der ständigen Bedrohung durch das beiderseitige Wettrüsten. Da wussten Friedenskämpfer noch, wofür sie waren. Besser noch: wogegen. Heute sind russische und amerikanische Waffensysteme in Europa bestenfalls ein Randthema. Ist die Friedensdekade nun überflüssig?
Wenn man Friedensarbeit an dem ureigensten Anspruch der Kirchen misst, keineswegs. »Als Grundorientierung in den Fragen des Friedens vertreten wir … eine vorrangige Option für die Gewaltfreiheit«, heißt es in den Texten der Ökumenischen Versammlung von 1989, die von allen christlichen Kirchen gemeinsam verabschiedet wurden.
Viele der Forderungen haben sich mit dem Mauerfall erledigt. Aber von Frieden und Gewaltfreiheit sind wir immer noch meilenweit entfernt. »Mauern überwinden« ist das Thema der diesjährigen Friedensdekade. Sie hat zwar andere Mauern der Welt im Blick: zwischen dem Westjordanland und Israel, zwischen Nord- und Südkorea, zwischen Europa und den Flüchtlingen aus armen Ländern.
Doch auch im Blick auf Mauern in unseren Köpfen und auf Gewaltfreiheit in unserer Gesellschaft gibt es so einiges zu tun. Wo errichten wir selbst Mauern der Vorurteile und der Angst? Wo finden wir Gewaltanwendung legitim? Wo wenden wir uns ab, wenn andere bedroht sind? Die Themen für Friedensgebete gehen nicht aus – aber auch nicht die für kritische Wortmeldungen der Kirchen insgesamt, wie sie es sich vor 20 Jahren vorgenommen haben.
Christine Reuther
»Unsere Gesellschaft wird ärmer«
13. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Diakonie Mitteldeutschland warnt vor Sozialabbau in der Wirtschaftskrise
Die Diakonie schlägt Alarm. Sie befürchtet eine weitere Verarmung von Menschen durch die Finanzkrise. Vorsorglich verweist der Wohlfahrtsverband schon jetzt auf die negativen Folgen sozialer Einschnitte.

Gunnar Ansorg, angehender Sozialarbeiter, hilft in der Suppenküche des Gothaer Augustinerklosters. Am vergangenen Wochenende wurde sie als Teil der Begegnungsstätte im ehemaligen Myconiussaal eröffnet. Foto: Wieland Fischer
Das Schicksal des Mädchens will Andrea Schwalbe nicht mehr aus dem Kopf. Am Rande des Projektes »Kinderkochen« habe ihr die Zwölfjährige erzählt, dass sie sonst kaum etwas Warmes zu essen bekommt und sich deshalb an einem Tag gleich dreimal den Bauch vollgeschlagen hat, berichtet die Geschäftsführerin des Diakoniewerkes Gotha. Nach ihren Beobachtungen ist eine mangelhafte Versorgung zu Hause kein Einzelfall. Das Diakoniewerk hat deshalb reagiert und am vergangenen Sonnabend ein neues Angebot eröffnet.
Die »Begegnungsstätte Augustin« im ehemaligen Myconiussaal des Gothaer Augustinerklosters soll eine Anlaufstelle sein für sozial Schwache und von Ausgrenzung bedrohte Menschen. Wer Kontakt und das Gespräch suche oder eine warme Mahlzeit am Mittag, sei hier richtig, sagt Anja Lohaus, Leiterin des Beratungszentrums in Gotha. Neben Gesprächsmöglichkeiten für Erwachsene gibt es spezielle Angebote auch für Kinder. Gerade das Nachmittagsprogramm sei auf die Bedürfnisse der jüngeren Gäste zugeschnitten. Hausaufgabenbetreuung und gemeinsames Spielen stehen ebenso auf dem Programm wie ein Essenangebot oder die Geborgenheit in einer Gemeinschaft. »Unsere Gesellschaft wird ärmer«, begründet die Leiterin das Engagement.
Auch die Diakonie Mitteldeutschlan beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Es bestehe die Gefahr, dass »in Zeiten finanzieller Krisen das Angebot sozialer Hilfen auf die Pflichtleistungen begrenzt werden soll«, heißt es in einer Erklärung, die die Mitgliederversammlung am Donnerstag vergangener Woche verabschiedet hat. Die Schere zwischen arm und reich klaffe weiter auseinander. Insbesondere für Kinder und Jugendliche sei die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht mehr gesichert, kritisiert die Diakonie. Schon jetzt lebe in Sachsen-Anhalt und Thüringen fast jedes vierte Kind in Armut, schlagen die Verantwortlichen bei der Vorstellung Alarm.
Zudem bestehe die Gefahr, dass ungenügende Rechtsansprüche auf staatliche Leistungen vielerorts zur Absenkung von Qualitätsstandards und zur schlechteren Vergütung sozialer Arbeit führen. Stattdessen müssten die »Rahmenbedingungen für kirchlich-diakonisches Handeln gesichert« werden, heißt es weiter.
Trotz der Wirtschaftskrise dürfe es keine Einschnitte im Sozialbereich geben, fordert Kathrin Weiher, Vorstand soziale Dienste. Die Einsparungen gingen zu Lasten derer, die sich schon jetzt in einer schwierigen Lage befänden, ergänzt Diakoniechef Eberhard Grüneberg. Die Sorgen kommen nicht von ungefähr. So plant Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn Kürzungen im Doppelhaushalt 2010/11 in Höhe von 20 Prozent. Allein die Summe im Fachkräfteprogramm des Landes soll den Angaben zufolge von 3,4 Millionen Euro um mehr als die Hälfte reduziert werden.
Bereits jetzt spüren manche diakonische Einrichtungen die Folgen der leeren Kassen. Im Landkreis Jerichower Land sei aufgrund der kritischen Haushaltslage der Kommunen die Finanzierung freiwilliger Leistungen nur eingeschränkt möglich, sagt Martina von Witten, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Landkreis. Durch die angespannte Finanzlage werde es für die Träger nun noch einmal härter.
Die Geschäftsführerin spürt die Folgen der Krise bereits jetzt. Vor allem bei der »Tafel« gebe es ständig steigende Zahlen. Waren im Jahr 2007 rund 4.000 Menschen auf das Angebot angewiesen, sind es im vergangenen Jahr bereits knapp 5.000 gewesen. 2009 rechnet Martina von Witten mit einer Steigerung von fünf bis zehn Prozent. Was ihr dabei besonders zu denken gibt: »Heute sind auch Mitglieder der Mittelschicht von massiven finanziellen Problemen betroffen.« Die Geschäftsführerin bangt dabei um die Zusatzjobs mit Mehraufwandsentschädigung. »Wenn hier die Finanzierung wegfällt, können wir das Angebot nicht halten.«
Zwar stellt sich die Situation in Thüringen anders dar. Doch auch hier sorgen sich die Einrichtungen um die Zukunft. »Noch merken wir von Kürzungen im Sozialsektor nichts«, erklärt Andrea Schwalbe. Aber die Geschäftsführerin des Diakoniewerkes Gotha befürchtet, dass die Folgen der Krise bei den freiwilligen Leistungen im nächsten Jahr durchschlagen. »Was die Wirtschaft jetzt durchmacht«, vermutet sie, »bekommen wir dann mit Zeitverzögerung zu spüren.«
Martin Hanusch
Friedensandacht am Kriegerdenkmal
6. November 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Besondere Aktionen zur Friedensdekade geplant

Kriegerdenkmal an der Kirche von Bibra, Foto: Stephan Ebelt
Die Kirchengemeinden von Neustadt (bei Coburg) und dem Thüringer Sonneberg laden beispielsweise gemeinsam am 13. November um 19.30 Uhr in die St.-Georgen-Kirche von Neustadt ein. Dann referiert der ehemalige Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein zum Thema: »20 Jahre Grenzöffnung: In welche Freiheit sind wir gegangen?«
Wie aber kann der Gedanke der Friedensdekade in den ländlichen Bereich transportiert werden, in kleine und kleinste Gemeinden, die vielleicht noch nicht einmal eine Kirche besitzen und mitten in Thüringen liegen fernab jeder Grenze?
Diese Frage stellte sich Pfarrer Stephan Ebelt in Gumperda. Sein Kirchspiel im Kirchenkreis Eisenberg umfasst sieben Orte mit fünf Kirchen. Was alle Dörfer hier im Reinstädter Grund in ihrer Mitte haben, meist gepflegt und besonders in den letzten Jahren wieder hergerichtet, sind die Denkmale, die an die Toten der beiden Weltkriege erinnern.
Die eher martialische Bezeichnung »Kriegerdenkmal« hat sich im Sprachgebrauch erhalten, auch wenn Stein oder Tafel eher Friedens-Mahnorte wurden, wo Geschichte sich mit ganz persönlichen Familienschicksalen verbindet. »Hier, wo Krieg und Frieden fassbar wird, sollte die Kirche Präsenz zeigen«, erklärt Pfarrer Ebelt und lädt an sieben Abenden um 18 Uhr zur Friedensandacht an die Kriegerdenkmäler in seinem Bereich ein (Geunitz: 8. 11.; Bibra: 9. 11.; Reinstädt: 10. 11.; Röttelmisch: 12. 11.; Zweifelbach: 16. 11.; Zwabitz: 17. 11.; Gumperda: 18. 11.).
Erstmalig gibt es dieses Angebot zur Friedensdekade im Kirchspiel Gumperda-Reinstädt. Im Durchschnitt gehören in den einzelnen Orten jeweils 50 Prozent der Einwohner zur evangelischen Kirchengemeinde. Im Vorfeld beschäftigte sich der junge Pfarrer mit der Geschichte der einzelnen Denkmäler. Berührende Details kamen da zutage.
Beispielsweise in Bibra. Das Denkmal an der Kirche erinnerte an den Tod von Heinrich und Hermann Grieser im 1. Weltkrieg. Zudem stiftete die Familie zum Andenken an ihre Söhne eine neue Glocke für die zu Rüstungszwecken abtransportierte. Die Glocke läutete nur wenige Jahre. Der 2. Weltkrieg kam. Wieder wurde sie eingeschmolzen. Erst 1990 konnte die Gemeinde eine zweite Glocke anschaffen. Es ist eine Friedensglocke mit der Aufschrift »Friede sei mit euch«.
Uta Schäfer






