Versöhnungsdebatte geht weiter

30. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Bischof warnt vor »billiger Versöhnung«

Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Die Debatte um den Umgang mit ehemaligen Stasi-Spitzeln und DDR-Funktionären geht weiter. Beim Adventsempfang der evangelischen Kirchen im Freistaat Thüringen warnte der Kasseler Bischof Martin Hein vor einer »billigen Versöhnung«. Versöhnungsarbeit sei nur dann möglich, wenn »Täter zu dem stehen, was sie getan haben«, erklärte der leitende Geistliche aus Kurhessen-Waldeck am 16. Dezember im Erfurter Augustinerkloster vor zahlreichen Vertretern aus Politik und Gesellschaft. Damit nahm Hein die Diskussion auf, die im November von der Magdeburger Landesbischöfin Ilse Junkermann angestoßen worden war.

Versöhnung setze Aufrichtigkeit voraus und dürfe die Frage nach Opfern und Tätern nicht ausblenden, so der Bischof der kurhessischen Kirche, zu deren Gebiet auch der Südthüringer Kirchenkreis Schmalkalden gehört. Solche Versöhnungsarbeit brauche mehr als eine Generation. Dafür seien keine Tribunale nötig, sondern geschützte Orte. »Unsere Kirchen sind bereit, solche Orte anzubieten«, fügte Hein hinzu.

Unterdessen hat sich auch die mitteldeutsche Bischöfin erneut in die Versöhnungsdiskussion eingeschaltet. Sie wolle auch weiterhin zur Aussöhnung mit den Opfern beitragen, sagte sie am 22. Dezember gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Die scharfe Kritik an ihrem Versöhnungsaufruf vor der Wittenberger Synode Mitte November habe sie allerdings sehr überrascht. Sie sehe es als Aufgabe ihrer Kirche an, eine Gesprächsatmosphäre zu schaffen, in der Opfer und Täter ihre individuellen Erfahrungen darlegen könnten, sagte die Bischöfin weiter. Tätern müsse die Chance eröffnet werden, ihre Schuld zu bekennen, ohne dass ihr ganzes Leben verurteilt werde.

Zur Reaktion auf ihren Vorschlag sagte Junkermann, ihr sei zwar klar gewesen, dass sie damit ein Tabu anspreche und Diskussionen auslöse. Solch heftige Reaktionen habe sie jedoch nicht erwartet. Von manchen Kritikern sei ihr Appell allerdings als Aufruf zur Verdrängung missverstanden worden, fügte sie hinzu. Die Reaktionen hätten aber auch ihre Vermutung bestätigt, dass eine Auseinandersetzung über die »ganze Breite von menschlichem Versagen«, die eine Diktatur hervorrufe, nötig sei.

Den Anstoß zu ihrer Erklärung vor der Synode habe die landeskirchliche Kampagne »Gesegnete Unruhe« zur friedlichen Revolution 1989 in der DDR gegeben. Hier sei das Thema zwar wiederholt erörtert worden, meist aber »nur vorsichtig am Rande«, sagte Junkermann. Die innerkirchlichen Reaktionen seien insgesamt »eher konstruktiv-kritisch« gewesen. Gemeindemitglieder hätten zum Beispiel in Briefen darauf hingewiesen, dass Versöhnung Buße und Umkehr voraussetze, aber dies habe sie auch in ihrem Vortrag vor der Synode geäußert. Die mitteldeutsche Kirche und sie selbst wollten die angestoßene Auseinandersetzung im Jahr 2010 verstärkt aufnehmen, sagte Junkermann weiter.

(mkz/epd)

Bronzener Jubelton zum Fest

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Der Heilige Abend wurde im südthüringischen Christes mit neuen Glocken eingeläutet

In einem rundum weiß-roten Farbkleid und mit ­einer neuen ­vergoldeten Turmzier präsentiert sich seit ­kurzem die ­Christeser Kirche, für die die Dorfbewohner in Anspruch nehmen, sie sei die kleinste dreischiffige Basilika in Europa. (Foto: Jürgen Glocke)

In einem rundum weiß-roten Farbkleid und mit ­einer neuen ­vergoldeten Turmzier präsentiert sich seit ­kurzem die ­Christeser Kirche, für die die Dorfbewohner in Anspruch nehmen, sie sei die kleinste dreischiffige Basilika in Europa. (Foto: Jürgen Glocke)

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk holten sich die Einwohner von Christes (Kirchenkreis Henneberger Land) schon vor der eigentlichen Bescherung ab: Zum ersten Mal hörten sie beim Gottesdienst am Heiligen Abend den Klang der drei neuen Bronzeglocken, die die Kirchengemeinde im Herbst hatte fertigen lassen. Damit endete zugleich eine der längsten Sanierungsmaßnahmen an dem um 1440 errichteten Bauwerk.

Wenige Tage nach dem 1. Advent waren an der kleinen dreischiffigen Basilika »Unserer lieben Frauen zum Christus« die Gerüste gefallen. Weil die Fördermittel- und Zuschussquellen zuweilen nur tröpfelten und zeitweise ganz versiegten, mussten die Planungen immer wieder umgeworfen, Bauabschnitte zerstückelt werden. Schließlich zog sich die Außen­sanierung der Kirche über acht Jahre hin. Doch am Ende zählt das Ergebnis. Die auffälligste Veränderung: Dort, wo der Blick des Betrachters seit Menschengedenken auf blanken Sandstein traf, fällt er jetzt auf Putz und Farbe. Auch wenn die Beschichtung bei den Dorfbewohnern nicht sofort auf ungeteilte Begeisterung stieß, entspricht diese doch dem historischen Aussehen und schützt gegen eindringende Feuchtigkeit. Die schlimmsten Bauwerkswunden wurden bereits in den vorangegangenen Bauabschnitten kuriert: Trockenlegung der Fundamente, Bekämpfung von Hausschwamm, statische Maßnahmen und Dachinstandsetzung.

Die Außensanierung des 20 Meter hohen Turmes war dem letzten Bauabschnitt in diesem Jahr vorbehalten. Spektakulärste Aktion dabei: die komplette Abnahme der Turmhaube mittels eines 50 Meter hohen Autokrans. Bei den Vorbereitungen zur Turmsanierung war der statisch bedenk­liche Zustand des Glockenstuhls aufgefallen. Da darüber hinaus die drei 90 Jahre alten Stahlglocken an die Grenze ihrer Nutzungsdauer stießen, entschloss sich der Gemeindekirchenrat, drei neue Bronzeglocken in der Kunstgießerei Lauchhammer gießen zu lassen. Ein riskanter Entschluss fürwahr, denn wie das auf rund 50.000 Euro veranschlagte, aber nirgends eingeordnete Vorhaben bezahlt werden sollte, war zunächst ungewiss.

»Ich habe anfangs nicht gewusst, wie das viele Geld aufgebracht werden soll«, räumte Pfarrerin Silke Sauer ein. Die Gelegenheit, im Zuge der geplanten und finanziell abgesicherten Turmsanierung zusätzlich auch die ­alten Eisenglocken durch bronzene zu ersetzen, sei jedoch einmalig gewesen. Ihr blieb nichts weiter übrig, als auf die Hilfsbereitschaft der Menschen und auf Gott zu vertrauen. Eine Spendenaktion wurde ins Leben gerufen. Und das unmöglich Geglaubte wurde möglich. Die Finanzierung konnte gesichert werden – auch dank der Unterstützung seitens der Katarina und Gerhard Hoffmann-Stiftung in Hamburg und des Freistaates Thüringen (Lottomittel).

Ob das Gelingen des Werks einem Wunder zuzuschreiben ist oder einfach nur ein Indiz dafür ist, dass Glaube, Mut und engagiertes Herangehen Berge versetzen können, sei ­dahingestellt. Ganz sicher aber sind die Glocken in der Christeser Kirche, die im Mittelalter ein viel besuchtes Wallfahrtsziel war, auch heute noch ganz vielen Menschen wichtig als ­Begleiter durch den Tag und das Leben und als ein Stück Heimat. Ergriffen lauschten daher die Christeser beim Weihnachtsgottesdienst dem Klang ihres neuen Geläuts. Welch ­passenderen Moment für einen klingenden Neuanfang hätte es geben können als den Heiligen Abend.

Jürgen Glocke

Steinernes Gleichnis

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Skulpturen der klugen und törichten Jungfrauen am Magdeburger Dom restauriert

In ihren Gesichtern spiegelt sich Freude. Strahlend lächeln sie auf die Betrachter herab. Der Fall ihrer Gewänder deutet den Schwung an, mit dem die fünf klugen Jungfrauen Jesus entgegengehen. Ihre als töricht bezeichneten Schwestern gegenüber blicken nachdenklich bis traurig drein. Zwei haben die Umhänge vor das Gesicht gezogen, um hinter ihnen die Tränen über ein großes Versäumnis zu verbergen. Weil sie vergaßen, sich rechtzeitig Öl für ihre Lampen zu kaufen, konnten sie dem Bräutigam in der Dunkelheit nicht entgegengehen. Das im Matthäusevangelium nachzulesende Gleichnis thematisiert die Vorbereitung des Menschen auf das kommende Reich Gottes. Zu Stein geworden ist es am Magdeburger Dom.

Diplomrestaurator Thomas Groll vor den Skulpturen der törichten Jungfrauen in der Paradiesvorhalle des Magdeburger Domes. Mit Hilfe von Lasern, wie sie auch Mediziner verwenden, wurden von ihnen und ihren fünf klugen Schwestern die jahrhundertealten Schmutzkrusten entfernt. (Foto: Viktoria Kühne)

Diplomrestaurator Thomas Groll vor den Skulpturen der törichten Jungfrauen in der Paradiesvorhalle des Magdeburger Domes. Mit Hilfe von Lasern, wie sie auch Mediziner verwenden, wurden von ihnen und ihren fünf klugen Schwestern die jahrhundertealten Schmutzkrusten entfernt. (Foto: Viktoria Kühne)

Zehn Jahre mussten die Magdeburger auf den Anblick der berühmten mittelalterlichen Skulpturen der klugen und törichten Jungfrauen verzichten. Pünktlich vor dem Weihnachtsfest sind sie in die Paradiesvorhalle an der Nordseite des gotischen Domes zurückgekehrt. Denn die Restaurierung der Kunstwerke, die stilistisch zwischen den berühmten Fürstenfiguren aus den Domen in Bamberg und Naumburg stehen, ist abgeschlossen.

»Sehen Sie«, sagt Diplomrestaurator Thomas Groll, der mit seinem Team die Arbeiten an den etwa 120 Zentimeter hohen und rund 180 Kilogramm schweren Figuren vornahm, »die Reste der Farbfassung sind noch gut zu erkennen.« Was vor Jahrhunderten leuchtendes Blau, Rot oder Gold war, liegt als dunkler Rest auf Teilen des Sandsteins, aus dem die Jungfrauen um 1240 gefertigt wurden. Erkenntnisse, die während der Restaurierung zutage traten, sind dokumentiert.

Fest steht, dass der Sandstein für die Skulpturen aus der Nähe von Bernburg kam. Wo der Steinbruch liegt, ist nicht zu beantworten. Wer die Jungfrauen schuf und wo sie sich einst im Dom befanden, konnte ebenso wenig ermittelt werden. Sie, die zum bedeutendsten Inventar des Domes zählen, wurden um 1310 an den Platz versetzt, an dem sie bis heute stehen. »Wir können nur sagen, dass die Skulpturen einmal vor Säulen gestanden haben müssen, denn sie sind alle mit einer Kehle am Rücken gearbeitet«, so Thomas Groll. Für ihren jetzigen Standort in den Nischen der Paradiespforte sind sie nicht gemacht. Mit eigens angefertigten Werkzeugen wurden sie aus dem Mörtel gelöst und für die Arbeiten herabgenommen.

»Der Zahn der Zeit hat an den Figuren genagt, dass die Restaurierung dringend notwendig war«, betonen Dombauleiterin Lilli Sußmann und Ralf Lindemann, Bauleiter der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt, die Eigentümerin des Domes ist. Die rund 250.000 Euro, die die Arbeiten an der Vorhalle und den Skulpturen kosteten, stammen aus Stiftungs- und Lottomitteln sowie privaten Spenden. Verwendet wurde das Geld auch, um die jahrhundertealte Kruste aus Staub und Ruß zu entfernen. Damit eine solche Schicht nicht wieder wächst, bleibt die Vorhalle künftig zu. »Die Öffnungen der Vorhalle werden mit Holztüren verschlossen, die Gitter bleiben von außen sichtbar«, sagt Architektin Sußmann.

Voraussichtlich bis 10. Januar können Besucher die Paradiesvorhalle betreten. Danach werden die noch ausstehenden Arbeiten an den Türen und am Fußboden fortgesetzt.

Angela Stoye

Mit Orgeln durch das Jahr

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Instrument aus Sangerhausen ist im Kalender »Die schönsten Orgeln 2010« vertreten

Kreiskantorin Martina Pohl präsentiert die Hildebrandt-Orgel der Sangerhäuser Jacobikirche im Kalender »Die schönsten Orgeln 2010« mit dazugehöriger CD von ihrer besten Seite. (Foto: Steffi Rohland)

Kreiskantorin Martina Pohl präsentiert die Hildebrandt-Orgel der Sangerhäuser Jacobikirche im Kalender »Die schönsten Orgeln 2010« mit dazugehöriger CD von ihrer besten Seite. (Foto: Steffi Rohland)

Ein Foto der 1728 von Zacharias Hildebrandt gebauten Orgel in der Jacobikirche in Sangerhausen (Kirchenkreis Eisleben) ziert das Augustblatt des Kalenders »Die schönsten Orgeln 2010« aus dem Sankt Benno-Verlag in Leipzig.

Sie macht sich außerordentlich gut zwischen weiteren elf, teilweise älteren beziehungsweise wesentlich jüngeren Vertretern, wie der Schuke-Orgel im Dom zu Magdeburg (eingeweiht am 15. Mai 2008), der Kröger-West-Orgel in der Stadtkirche Sankt Marien in Celle (1653, Restaurierung 1997–1999) oder der Sauer-Orgel im Berliner Dom (1905, Restaurierung 1993).

Der Kalender zeigt ebenfalls die Walcker-Orgel in Sankt Annen in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge (1883/84, Restaurierung 1995), die große Orgel im Dom zu Fulda (1708–1713, Restaurierung 1992 bis 1996), die historische König-Orgel der Basilika Steinfeld (1727, Restaurierung nach 1977) und die Orgel der Landsberger Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1686, erneuert 2001).

Nach der Hildebrandt-Orgel in Sankt Jacobi in Sangerhausen wird auf dem September-Kalenderblatt die Silbermann-Orgel in der Schlosskapelle in Burgk (1743, Restaurierung 1982 und 2007) abgebildet. Bekanntermaßen war der Orgelbaumeister Zacharias Hildebrandt (1688–1757) ein Meisterschüler des berühmten sächsischen Orgelbaumeisters Johann Gottfried Silbermann. Dem gelehrigen Schüler erlegte Silbermann sogar vertraglich auf, nicht in seinem Einzugsgebiet Orgeln zu bauen.

Die Hauptorgel des Doms zu Trier (nach 1970), die Klais-Orgel der Elisabethkirche in Marburg (2006), die Jehmlich-Orgel der Garnisonskirche auf der Festung Königstein (2000) runden die besondere Orgelreise durch Deutschland ab.

Der Kalender bietet außer den Bildern historische und fachliche Erläuterungen zu allen Orgeln. Doch nicht nur dies: Auf der beigefügten CD lassen die Organisten die Orgelfreunde die zwölf ausgewählten Vertreterinnen der Königinnen der Instrumente in ihrer Klangfülle erleben. Martina Pohl spielte dafür auf der Hildebrandt-Orgel das Präludium D-Dur von Johann Sebastian Bach.

Die Kreiskantorin freut sich, mit der Aufnahme in den Orgel-Kalender die Hildebrandt-Orgel und damit das »Orgel-Dreieck Hildebrandtorgeln« in der Region der Berg- und Rosenstadt Sangerhausen wieder auf eine andere Art bekannt zu machen. Denn auch in den nahegelegenen Dorfkirchen von Pölsfeld und Sotterhausen sind Orgeln Zacharias Hildebrandts erhalten geblieben. Seine größte Orgel allerdings, die er in den Jahren 1743 bis 1746 erbaute, steht in der Naumburger Wenzelskirche.

In Fachkreisen hat sich die 46-jährige Kirchenmusikerin Martina Pohl bereits durch Gastspiele in der Schweiz und Frankreich sowie ihre CD-Einspielungen einen guten Namen erworben. Unentwegt forscht sie zum Verhältnis von Johann Sebastian Bach zum Orgelbauer Zacharias Hildebrandt und nicht zuletzt gelang ihr die »Wiederentdeckung« der Werke von Richard Julius Voigtmann, einem Organisten und Komponisten, der von 1868 bis 1874 in der Jacobikirche in Sangerhausen gewirkt hat.

Steffi Rohland

»In der Kirche Jesu Christi gibt es keine Ausländer«

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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EKM beteiligt sich am Jahr der Europäischen Kirchen zur Migration

european churches responding to migration 2010Menschen wandern. Sie verlassen ihre Heimat auf der Suche nach einem Auskommen für ihr Leben. Sie ziehen der Arbeit nach oder studieren. Oder sie fliehen vor Armut, vor Kriegen, vor Perspektivlosigkeit. Wanderungsbewegungen ziehen sich durch die Geschichte der Menschheit. An dieser Tatsache hat sich nichts geändert, Mobilität und Migration sind auch heute Realität. Und wie zu allen Zeiten stellt sich die Frage des menschlichen Zusammenlebens, der Integration.

Die Konferenz Europäischer Kirchen hat deshalb das Jahr 2010 zum Jahr der Europäischen Kirchen für Migration ausgerufen. Dabei sollen die Chancen in den Blick genommen werden, welche durch weltweite Wanderungsbewegungen entstehen. Kulturelle und ethnische Vielfalt können eine echte Bereicherung sein, auch für das kirchliche Leben. Diese Einsicht zu fördern und Erfahrungen zu sammeln und sich auszutauschen, wie das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung gelingen kann, ist das Ziel dieses Jahres der Europäischen Kirchen zur Migration.

Auch wir in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) wollen uns beteiligen! Sicher, der Anteil von Ausländern und Aussiedlern an der Gesamtbevölkerung ist im Verhältnis zu den alten Bundesländern relativ gering. Dieser Umstand bedeutet aber nicht, dass Integration quasi automatisch funktioniert. Denn geringe Zahlen bedeuten auch, dass die Netzwerke zum Beispiel von Flüchtlingen oft nur sehr klein sind. Und auch die Anzahl der professionellen Beratungsstellen und somit der Anlaufstellen für Ratsuchende ist geringer. Isolation und Einsamkeit können die Folge sein, besonders dann, wenn man die deutsche Sprache noch nicht beherrscht.

Wir alle können hier Menschen zur Seite stehen. Kirchengemeinden, welche aus anderen Ländern zugewanderte Menschen mit in den Blick nehmen, können viel von ihrem Engagement und den dabei gemachten Erfahrungen berichten. Denn in der Kirche Jesu Christi gibt es keine Ausländer. Christen aus anderen Teilen der Welt gehören immer auch zur Kirche vor Ort.

In der Kirchenzeitung  soll das Jahr zum Anlass genommen werden, in unregelmäßigen Abständen Themen aus dem Bereich der Migration aufzugreifen, um dadurch den Austausch anzuregen. Aber auch Sie und Ihre  Kirchengemeinde sind gefragt mit Ihren ganz konkreten Projekten und Initiativen.

Anlässlich des Jahres der Europäischen Kirchen zur Migration 2010 wird das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum einen Preis für das Engagement für Flüchtlinge ausschreiben. Ausgezeichnet werden sollen Kirchengemeinden, die die Bitte der Landessynode der EKM umsetzen und sich für Flüchtlinge einsetzen, sie beraten und begleiten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Integration von Flüchtlingen in Kirchengemeinde und Kommune engagieren, den Integrationsprozess insbesondere durch Kontakte zu den Ausländern und den Behörden fördern sowie gegen Fremdenfeindlichkeit aller Art eintreten.

Teilnahmeberechtigt sind Kirchengemeinden der EKM und gemeindenahe Einrichtungen wie zum Beispiel evangelische Kindergärten und evangelische Schulen, gern auch in Zusammenarbeit mit Migrationsberatungsstellen. Der Kreativität und dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Die eingereichten Projekte und Initiativen sollen im Jahr 2010 durchgeführt werden.

Bewerbungen sind formlos möglich an das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum, z.Hd. Petra Albert, Leibnizstr. 4, 39104 Magdeburg. Eine Jury wird über die Preisträger entscheiden. Preisgelder in folgender Höhe wurden bereitgestellt:

  • 1. Preis 1000 Euro,
  • 2. Preis 750 Euro,
  • 3. Preis 500 Euro.

Die Preisverleihung ist für den 10. Dezember 2010, den Tag der Menschenrechte, vorgesehen.

Ich bin auf Ihre Einsendungen gespannt!
Petra Albert

[Die Autorin ist Ausländerbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM)].

Hoffnungsschimmer

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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© barunpatro.com (SXC)

© barunpatro.com (SXC)

Nach dem Krisenjahr 2009 haben die Deutschen offenbar so wenig Hoffnung wie selten zuvor. Das jedenfalls ist das ernüchternde Ergebnis einer Studie, die für die Bertelsmann Stiftung erstellt wurde. Wenn es um die großen Institutionen der Gesellschaft geht, werden die Menschen hierzulande immer skeptischer. Selbst die soziale Marktwirtschaft wird demnach längst nicht mehr so positiv gesehen wie früher. Rund ein Viertel der Befragten hat grundsätzlich das Vertrauen in das System verloren, weil das soziale Netz nicht mehr funktionierte. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme verwundert das nicht wirklich. Zwar blicken die meisten Menschen persönlich optimistisch in die Zukunft, an der Krisenstimmung ändert das jedoch kaum etwas.

Selbst in den Kirchen ist mitunter etwas von dieser Schwarzmalerei zu spüren. Der Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief hat hier jüngst sogar einen »Wimmerton« ausgemacht, obwohl es in den Gemeinden unzählige wunderbare Mitglieder und gute Hilfsprojekte gebe. Nicht nur der Aktionskünstler hat offensichtlich das Gefühl, dass die Kirche zu wenig Freude und Hoffnung vermittelt. Das allerdings sollte uns tatsächlich zu denken geben.

Denn zur Resignation gibt es wahrlich keinen Grund. Schließlich wächst neben der Abwendung von den Institutionen andererseits die Bereitschaft, sich zu beteiligen – wenn auch in anderen, neuen Formen. Für die Kirchen bedeutet das mehr als einen Hoffnungsschimmer. Zwar haben sie ebenfalls mit dem Vertrauensverlust zu kämpfen, gleichwohl bieten sie alles, was für solches Engagement notwendig ist: vielfältige Aufgaben in Kirchbau- und Kulturvereinen, in der ­Jugendarbeit oder bei Besuchsdiensten. Dazu braucht es nur etwas Selbstbewusstsein und Gottvertrauen. Dann kommen die Menschen sicher immer noch nicht in Scharen. Aber sie hätten es erheblich einfacher, in der Kirche eine Heimat zu finden.

Martin Hanusch

Leben braucht Halt und Rhythmus

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Jahreswechsel: Es gilt immer wieder, eine Balance zwischen Lebensfreude und Selbstbeschränkung zu finden

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Sonntagsschutz hat weitreichende Folgen, weil dahinter ein Grundkonflikt steht.

Kirchenpräsident Joachim Liebig (Foto: Heiko Rebsch)

Kirchenpräsident Joachim Liebig (Foto: Heiko Rebsch)

Der Sonntagsschutz sei ein Rückschritt titelte am 11. Dezember 2009 die »Berliner Morgenpost«. Sie reagierte damit auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das in wesentlichen Teilen einer Klage der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz sowie dem katholischen Bistum Berlin stattgibt. Die Kirchen hatten vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Ladenöffnung an allen vier Adventssonntagen geklagt, die durch den Berliner Senat gestattet worden war. Dieses Urteil nimmt einen Grundkonflikt auf, der gegenwärtig an vielen Stellen zu bemerken ist: Anfang der 1980er Jahre schrieb der amerikanische Autor Neil Postman »Wir amüsieren uns zu Tode« und prägte das Stichwort von der »Unterhaltungsindustrie«.

Dieser Haltung steht die Klage über den Verlust von Werten, Forderung nach Neuorientierung in Zeiten des Klimawandels und gesellschaftlicher Kälte gegenüber. Der Grundwiderspruch ist alt. Die vielleicht wichtigsten Denkrichtungen der Antike spiegeln ihn wider. Die Stoa steht gegen den Hedonismus. Selbstbeherrschung und Beschränkung auf Wesentliches einerseits; lustbetontes Leben und der Genuss des Augenblickes andererseits. In der zeitlosen Kette von Abwägungen zwischen beiden Verhaltensmustern hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes scheinbar der Selbstbeschränkung das größere Recht zugesprochen.

In der Tat legt das Urteil fest, eine Gesellschaft brauche eine geordnete Abfolge aus Arbeitstagen und arbeitsfreier Zeit. Das Gericht urteilt dabei nicht in der Folge der jüdisch-christlichen Tradition des Sabbats – des Sonntags als Ausdruck der Schöpfungsruhe Gottes gemäß den Schöpfungsberichten des Alten Testamentes. Um diese Wurzel wissend urteilt das Bundesverfassungsgericht dennoch nicht religiös. Eine Gesellschaft ohne weitgehend synchrone freie Zeit wäre einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zu gesellschaftlicher Instabilität vorangekommen.

Unzertrennlich: Ohne Zusammenhalt funktioniert keine Gesellschaft. (Foto: epd-bild)

Unzertrennlich: Ohne Zusammenhalt funktioniert keine Gesellschaft. (Foto: epd-bild)

Insofern ist der Regierende Bürgermeister von Berlin erklärungspflichtig, wenn er in diesem Zusammenhang von einem Rückschritt spricht. Wohin will er fortschreiten? Allein wirtschaftliche Gründe sind nicht hinreichend, um die geschützte Sonntagsruhe aufzuheben. Der behauptete wirtschaftliche Vorteil des Sonntagsverkaufes würde sich selbst auflösen, wären die Sonntage eingereiht in die normalen Werktage. Damit stellt das höchste deutsche Gericht der bundesdeutschen Gesellschaft die Kernfrage, wie die Letztbegründung gesellschaftlichen Zusammenhaltes beschrieben werden soll. Das Grundgesetz geht von einem am Ende nicht nur sich selbst, sondern auch Gott verantwortlichen Individuum aus, das seine eigenen Interessen in den Zusammenhang des Gemeinwohls stellt.

Wie sehr überbordender Individualismus, gespeist durch schlichte Gier, die Welt an den Rand einer ­Katastrophe bringen kann, hat die ­gegenwärtige Krise gerade gezeigt. Wie sehr gemeinschaftliches Handeln für den Fortbestand menschlicher Kultur bedeutsam sein wird, zeigen die immer düstereren Prognosen über das Weltklima. Man muss kein Christ sein, um diese Fragen angemessen bedenken zu können.

Persönlich ist es mir jedoch vollkommen unklar, wie ohne den christlichen Zusammenhang von Schuld und Vergebung in der Verantwortung vor Gott und den Menschen Zukunft gestaltet werden kann. Ohne die Zusage der Jahreslosung für 2010

»Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.«
(Johannes 14,1)

kann angesichts der Komplexität der Fragestellung nur Verzweiflung und möglicherweise schrankenloser Hedonismus die Antwort sein. Die stets neu zu findende feine Balance zwischen offener Lebensfreude und verantwortlicher Selbstbeschränkung ist Ausdruck lebendigen Glaubens. Er findet seinen Ort gemeinschaftlich im Gottesdienst ebenso wie im eigenen täglichen Gebet.

So gestärkt begegnen wir der Welt unerschrocken. Wir nehmen unseren Nächsten in der Ferne und der Nähe in den Blick und lassen Gottes Liebe spürbar werden. Damit beginnen wir ein neues Jahr in fröhlicher Zuversicht.

Joachim Liebig

(Der Autor ist anhaltischer Kirchenpräsident in Dessau.)

Lange Tradition gewürdigt

24. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Beauftragter für Menschen mit Behinderungen besuchte das Arnstädter Marienstift

Paul Brockhausen umringt von fröhlichen Krippenspielkindern. (Foto: Berit Richter)

Paul Brockhausen umringt von fröhlichen Krippenspielkindern. (Foto: Berit Richter)

Der Thüringer Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Paul Brockhausen, hat am 16. Dezember das Arnstädter Marienstift ­besucht. Nach Gesprächen mit den Leitern verschiedener Arbeitsbereiche besichtigte er die Werkstatt am Kesselbrunn und schaute sich das Krippenspiel in der Himmelfahrtskirche an. Zwei Tage zuvor war mit der Eröffnung des Ersatzneubaus für den Förderbereich der Behindertenwerkstatt das bislang letzte große Bauvorhaben der diakonischen Einrichtung abgeschlossen worden. Damit wurden ideale Voraussetzungen für das Leben von zwölf schwerstbehinderten Menschen geschaffen. Die Investition hierfür betrug eine halbe Million Euro.

Zu den neuen Errungenschaften gehören großzügig gestaltete Arbeitsbereiche, behindertengerechte Sanitäranlagen inklusive einer großen ­Dusche, angepasste Erholungsinseln zum Entspannen und ein Computerraum. Bisher in einem landwirtschaftlichen Gebäude mit niedrigen Decken untergebracht, bieten die neuen Räume bestmögliche Bedingungen. Zum Wohlfühlen werden zukünftig eine große Terrasse und die grüne Umgebung beitragen.

Paul Brockhausen, welcher selbst im Rollstuhl sitzt, bezeichnete die ­Arbeit der Behindertenwerkstätten als eine »Erfolgsgeschichte«. Im Anschluss an die Aufführung des Krippenspiels durch die Bewohner des Heimes im Jonastal brachte er seine Begeisterung zum Ausdruck, »dass Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderte so etwas auf die Beine stellen und alle so gut miteinander arbeiten können«.

Das Amt des Thüringer Beauftragten für Menschen mit Behinderungen ist noch jung. Es wurde im August 2004 mit der Absicht geschaffen, Menschen mit Behinderungen einen Ansprechpartner und einen Anwalt ihrer Interessen zur Seite zu stellen. Paul Brockhausen bezeichnete es als seine Aufgabe, »die Anliegen Behinderter innerhalb der Thüringer Landesregierung, aber auch in der Öffentlichkeit zur Geltung zu bringen und konkrete Verbesserungen zu erreichen«. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sei 2005 das Landesgleichstellungsgesetz gewesen, das die Behörden in Thüringen umfassend zum Abbau von Benachteiligungen und zu Verbesserung der alltäglichen Situation Behinderter verpflichtet.

Gemeinsam mit den Betroffenen gelte es, positive Veränderungen im Leben zu erreichen. Jeder Behinderte müsse lernen, seine Behinderung anzunehmen und mit ihr umzugehen. »Aber auch seine Familie, die Menschen seiner Umgebung« seien dabei in gleicher Weise gefordert.

Sein erster Besuch im vor 105 Jahren gegründeten Marienstift habe dem Ziel gedient, die Bewohner und Mitarbeiter kennenzulernen, »die in einer solch langen Tradition stehen und sich so ihrer Mitmenschen annehmen«.

Michael von Hintzenstern

Kontakt: Dr. Paul Brockhausen, Beauftragter für Menschen mit Behinderungen, W.-Seelenbinder-Straße 6, 99096 Erfurt, Telefon (0361) 37-98761

Genug gemeinsame Themen

23. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, sprach in Halle/S. über Ökumene

Prof. Dr. Friedrich Weber ist seit 2004 Braunschweiger Landesbischof und seit März 2004 ACK-Vorsitzender (Foto: landeskirche-braunschweig.de)

Prof. Dr. Friedrich Weber ist seit 2004 Braunschweiger Landesbischof und seit März 2004 ACK-Vorsitzender (Foto: landeskirche-braunschweig.de)

»Wir kümmern uns nicht mehr darum«, sagt der Mann in der ersten Reihe. Was er meint, ist weder resignativ noch ignorant: Er spricht über Glaubensvollzüge in seiner gemischt-konfessionellen Ehe und über die Tatsache, dass es sehr wohl möglich ist, sich den jeweiligen kirchlichen Gepflogenheiten anzupassen. Für Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und Bischof der Braunschweiger Landeskirche eine zweigeteilte Botschaft, die sich da an seinen Vortrag im »Montagsgespräch« in der Paulusgemeinde in Halle anschließt. So lobt der Bischof zum einen den unverkrampften Umgang an der Basis und mahnt zum anderen an, dass Ökumene auch die Reflexion und das Wissen um das Trennende und Verbindende braucht.

Weber hatte sich für diesen Abend des 14. Dezember vorgenommen, die Ökumene auf dem Weg der Lutherdekade bis 2017 zu beschreiben. Kenntnisreich und detailliert fasste der ACK-Vorsitzende die Ereignisse, Papiere und Gespräche der vergangenen zehn Jahre zusammen, gab Insiderwissen preis und eigene Erlebnisse zum Besten. Was die Lutherdekade betrifft – da scheint in den verschiedenen Programmen und Schwerpunktjahren kein Platz für die Ökumene. Ohne allzu kritisch mit der eigenen Kirche umzugehen, macht Weber keinen Hehl daraus, dass er hier Chancen verpasst sieht. Er bedient sich einer Äußerung des Magdeburger katholischen Bischofs Gerhard Feige, der bei den Protestanten angefragt habe, ob keiner daran gedacht hätte, dass die Lutherdekade bis 2017 auch etwas mit der katholischen Kirche im Reformationsland zu tun haben könnte. »Ein ernsthaft verärgerter Bischof – zu Recht«, sagt der evangelische Amtsbruder.

Bricht eine neue Eiszeit in der Ökumene an? Die zurückliegenden Jahre zeigen viele Ereignisse und vor allem Papiere, die den Eindruck begründen. Seit 2001 hat die katholische Kirche einige Äußerungen getan, die den gemeinsamen Ökumene-Bemühungen deutlich entgegenstehen. Ein nicht autorisierter Brief aus dem Kirchenamt der EKD in Hannover hat wiederum für Unmut gesorgt. Das Papier wurde zwar zurückgezogen, dann aber anonym in Zeitungen lanciert. Stoff für einen Roman über internationale Verwicklungen. Obendrein gibt es jetzt mit Margot Käßmann eine geschiedene Frau als EKD-Ratsvorsitzende. Äußert da die Russisch-Orthodoxe Kirche laut, was die Katholiken nur denken – dass man mit einer Frau an der protestantischen Spitze nicht reden könne?

Friedrich Weber schlägt bewusst und offenbar in großer Einigkeit mit dem vatikanischen Ökumene-Beauftragen Kardinal Walter Kasper andere Töne an. Da werden gezielt die Erfolge und Gemeinsamkeiten betont. »Wir vergessen, was wir erreicht haben – das ist die eigentliche Gefahr für die Ökumene«, sagt Weber in Halle. Oder auch dies: »Kann man in Deutschland über die eigene Konfession reden in Absehung der anderen Konfession?« Die Annäherung werde nicht über die Frage der Eucharistie gelingen, schätzt Weber nüchtern ein, wohl aber über das Gemeinsame im Glaubensbekenntnis, über die Taufe und die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die katholische und evangelische Kirche 1999 unterzeichnet haben. Weber macht den etwa 50 Zuhörern aus evangelischen und katholischen Gemeinden der Saalestadt den Vorschlag, für die jeweils andere Konfession zu beten: »Wofür ich bete, das ist für mich wichtig.«

Die nahe Zukunft birgt genügend gemeinsame Themen für die Ökumene in Deutschland. Das parallele Schrumpfen, der Traditions- und Wissensverlust in den jüngeren Generationen, Struktur- und Nachwuchsprobleme in den Amtskirchen, gemeinsame Nutzung von Sakralräumen – auch Not macht verbindend erfinderisch. In der Außenwahrnehmung einer säkularen Gesellschaft gewinnt Ökumene noch eine andere Dimension: »Wir leiden an den Schwächen der jeweils anderen und wir müssen lernen, uns an den Stärken der anderen zu freuen.«

Frieder Weigmann

Der Glanz aus der Tiefe

23. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Landesbischöfin Ilse Junkermann

Landesbischöfin Ilse Junkermann

Weihnachten: Das Hoffnungslicht kommt vom Kind in der Krippe – Wir brauchen es nur zu empfangen und weiterzugeben

Zu Weihnachten, da gehört viel Glanz: Wir finden ihn auf den Weihnachtskarten. Wir finden ihn im Weihnachtsschmuck für den Baum, in Lametta, Engelshaar, Gold- und Silbergirlanden und vor allem in den Kerzen am Christbaum! Wir finden Glanz in den goldenen und silbernen Kugeln. Wir finden ihn in den ­unzähligen Lichterketten, mit denen Straßen und Häuser geschmückt sind. Ja, zu Weihnachten gehört viel Glanz! Das tut gut, so viel Glanz, vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit. Festlich und schön macht solcher Glanz den grauen Alltag!

Doch woher kommt solcher Glanz? In der Weihnachtsgeschichte geht es, wenn wir genau nachlesen, eher nüchtern und kahl, ja ärmlich zu: Es sind Tage der Steuerschätzung und ­finanziellen Bedrückung (und kein Wohlfahrtsstaat), da ist ein Stall oder eine Viehhöhle (und kein festlich geschmücktes Zimmer in einem Königspalast), da ist ein junges Paar auf der Reise ohne Herberge (und keine ideale Familie im trauten Heim), da sind Hirten auf dem Feld (und keine redliche Nachbarschaft).

Die einzigen, die in der Lukas-Geburtsgeschichte nicht in diese nüchterne Szenerie passen, das sind die Engel. Und genau mit ihnen, mit den Engeln, kommt der Glanz in die Weihnachtsgeschichte. Mit ihnen kommt Gottes Glanz in unsere dunkle Welt. Ja, ihre Botschaft ist der Glanz, den Gott selbst in die Welt bringt: »Euch ist heute der Heiland geboren.« Gott will seine Welt und seine Menschen retten.

Allerdings: Gottes Größe und Glanz löst bei den Hirten Furcht und Zittern aus. Denn Größe und Glanz sind ihre Sache nicht, sie sind eher mit dem Klein-Klein ihres oft glanzlosen Alltags beschäftigt. Glanz hat nichts zu tun mit ihrer schäbigen Hirtenwelt. Und sie wissen: Ganz ungefährlich ist es nicht, Gottes Glanz zu begegnen. Wo Gott glänzt, wird es meist brenzlig. Es brennt, wenn sich Gott im Dornbusch zeigt (2. Mose 3,2) oder in einer Feuersäule vor den Israeliten herzieht (2. Mose 13,21). Gott »wohnt in einem Lichte, zu dem niemand kommen kann« (1. Timoteus 6,16). Für die Hirten ist Gottes »leuchtendes Angesicht« (aaronitischer Segen, 4. Mose 6,25) fern und machtvoll, ihre Furcht daher mehr als verständlich. So brauchen sie die Zusage: »Fürchtet euch nicht!« So brauchen sie die Ankündigung: »Siehe, ich verkündige euch große Freude.« So brauchen sie die Deutung, nun des ganzen Engelchores: »Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens« (Lukas 2,10-14).

Kein Mensch kann diese Nachricht sagen oder gar die Geschichte deuten, die in Bethlehem geschehen ist. Es braucht einen Boten und den neuen Schein, den Schein und Glanz, die Klarheit Gottes, die erhellt, was in dieser Nacht geschieht.

Nun, mit der Engel Botschaft und Zusage und Deutung, mit der Klarheit Gottes werden die Hirten bereit, die Geschichte zu sehen, die da geschehen ist. So eilen sie nach Bethlehem und finden »das Kind in der Krippe liegen« (Lukas 2,16). Hier erleben sie das Geheimnis von Weihnachten: Sie sehen in Gottes Angesicht! Sie schauen Gott in die Augen. Gottes Angesicht leuchtet aus diesem Kind. Gottes Glanz fällt nicht von hohen Himmeln herab, sein Angesicht leuchtet vielmehr aus der Tiefe, aus der Dunkelheit und Schäbigkeit der Krippe herauf zu den Hirten und bringt ihre Gesichter zum Glänzen. weiterlesen

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