Furcht vor Religion
3. Dezember 2009 von redaktionguh
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Foto: F Lorences, sxc.hu
Die Schockwellen waren in ganz Europa spürbar. Mehrheitlich entschieden sich die Bürger der Schweiz am vergangenen Wochenende für ein Minarett-Verbot in ihrem Land. Viel ist seitdem über das Referendum diskutiert, gesagt und auch geschrieben worden. Wenig Verständnis gab es dabei für die Schweiz. Denn in der Tat: Schon die Tatsache, über den Bau von Minaretten überhaupt eine Volksabstimmung zuzulassen, hat mit religiöser Toleranz nicht viel zu tun. Zudem lässt sich über Religionsfragen kaum mit einfachen Mehrheiten entscheiden.
Bislang konnte das christliche Europa stolz auf seine Religionsfreiheit verweisen, etwa, wenn im Dialog mit dem Islam das Schicksal verfolgter Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern thematisiert wurde. Nun aber haben sich die Schweizer für eine Regelung ausgesprochen, die dem Bauverbot für Kirchen in manchen arabischen Staaten doch sehr nahekommt. Hilfreich war dieser Volksentscheid nicht, soviel steht fest.
Hilfreich ist es allerdings auch nicht, die Schweiz nun zum kollektiven Buhmann der toleranten Europäer abzustempeln. In Deutschland wäre eine derartige Volksabstimmung wohl nicht viel anders ausgegangen. Denn zum einen ist da die diffuse Furcht vor allem Fremden, sei es die andere Sprache oder die oft unbekannte Kultur, die in Gestalt der Zuwanderer aus arabischen Ländern nach Europa kommt.
Zum anderen aber gibt es auch in Deutschland eine diffuse Furcht vor allem Religiösen, die zunehmend auch Christen spüren. Die Diskussion um das Berliner Volksbegehren zum Religionsunterricht ist dafür ebenso ein Beispiel wie die Debatten um den muslimischen Oberschüler Yunus M., der in seiner Pause beten wollte. Auch in Deutschland ist es Aufgabe der Politik, solche Ängste abzubauen – und das Schweizer Plebiszit zeigt am Ende nur, wie viel Arbeit an dieser Stelle noch zu tun ist.
Benjamin Lassiwe






