Ist diese Fülle nicht wunderbar?

23. Dezember 2009 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1, Vers 14a

Stepan Pecusa, Pfarrer in Delitzsch

Stephan Pecusa, Pfarrer in Delitzsch

Worte und Fleisch wohnen reichlich unter uns in dieser Weihnachtszeit. Es biegen sich die Tische unter Gänsen und Klößen, und es klingen die Ohren von Evangelien und Prophetenkunde, von Sprüchen der Kinder und Eltern. Heilige Zeit, gesegnete Zeit. Ist diese Fülle nicht wunderbar?

Vier Tage hintereinander in der Kirche, danach prächtiges Essen, dann übervolle Gespräche und abends den besten Wein. So soll es doch sein, das Leben in Fülle, das uns beschert ist unterm Lichterbaum. Der Glaube, der vor Tiefe und Weite Purzelbäume schlägt. Wir kennen dieses Fleisch auch von der Trauung her, wenn nämlich zwei eins werden, wenn Mann und Frau oder Frau und Frau oder Mann und Mann sich erkennen und die Liebe sie ergreift und umschließt und die Engel tanzen in den Wolken, weil es so schön ist.

So also ist es, wenn Gottes Wort uns erreicht. Plötzlich liegt ein Kind in der Krippe, Geigen und Schlagzeug spielen in höchsten Tönen, das Herz geht uns über. Die Fülle, das Fleisch, das ganze Menschsein, all das kommt zu uns, damit wir es genießen, damit wir uns freuen und glücklich sind.

Nicht nur magere Knochen, nicht nur dogmatische Fetzen, nicht nur frommes Gerede, die Fülle bricht an, wenn Gottes Wort uns trifft, wenn ER zu uns kommt. Dann gibt es kein Halten mehr, kein Fragen mehr, ob die Ordnung das auch erlaubt. Dann geht es los mit uns und um uns und in uns.

So kann es sein, so wird es sein, so ist es. Gesunden an dem, was kommt, indem wir einfach schon mal anfangen: mit der Freude, mit dem Überschwang. Lachen, auch wenn der Witz erst morgen erzählt wird. Wir haben lange genug gespart. Gehen wir in den Keller und tafeln auf. Und denken daran, es warten Milliarden darauf, dass die Tische endlich gefüllt werden.

Das Wort ward Fleisch, Himmel und Erde küssen sich, daraus lässt sich leben, zur Weihnacht und alle Tage.

Stephan Pecusa, Pfarrer in Delitzsch

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