Steinernes Gleichnis
30. Dezember 2009 von redaktionguh
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Skulpturen der klugen und törichten Jungfrauen am Magdeburger Dom restauriert
In ihren Gesichtern spiegelt sich Freude. Strahlend lächeln sie auf die Betrachter herab. Der Fall ihrer Gewänder deutet den Schwung an, mit dem die fünf klugen Jungfrauen Jesus entgegengehen. Ihre als töricht bezeichneten Schwestern gegenüber blicken nachdenklich bis traurig drein. Zwei haben die Umhänge vor das Gesicht gezogen, um hinter ihnen die Tränen über ein großes Versäumnis zu verbergen. Weil sie vergaßen, sich rechtzeitig Öl für ihre Lampen zu kaufen, konnten sie dem Bräutigam in der Dunkelheit nicht entgegengehen. Das im Matthäusevangelium nachzulesende Gleichnis thematisiert die Vorbereitung des Menschen auf das kommende Reich Gottes. Zu Stein geworden ist es am Magdeburger Dom.

Diplomrestaurator Thomas Groll vor den Skulpturen der törichten Jungfrauen in der Paradiesvorhalle des Magdeburger Domes. Mit Hilfe von Lasern, wie sie auch Mediziner verwenden, wurden von ihnen und ihren fünf klugen Schwestern die jahrhundertealten Schmutzkrusten entfernt. (Foto: Viktoria Kühne)
»Sehen Sie«, sagt Diplomrestaurator Thomas Groll, der mit seinem Team die Arbeiten an den etwa 120 Zentimeter hohen und rund 180 Kilogramm schweren Figuren vornahm, »die Reste der Farbfassung sind noch gut zu erkennen.« Was vor Jahrhunderten leuchtendes Blau, Rot oder Gold war, liegt als dunkler Rest auf Teilen des Sandsteins, aus dem die Jungfrauen um 1240 gefertigt wurden. Erkenntnisse, die während der Restaurierung zutage traten, sind dokumentiert.
Fest steht, dass der Sandstein für die Skulpturen aus der Nähe von Bernburg kam. Wo der Steinbruch liegt, ist nicht zu beantworten. Wer die Jungfrauen schuf und wo sie sich einst im Dom befanden, konnte ebenso wenig ermittelt werden. Sie, die zum bedeutendsten Inventar des Domes zählen, wurden um 1310 an den Platz versetzt, an dem sie bis heute stehen. »Wir können nur sagen, dass die Skulpturen einmal vor Säulen gestanden haben müssen, denn sie sind alle mit einer Kehle am Rücken gearbeitet«, so Thomas Groll. Für ihren jetzigen Standort in den Nischen der Paradiespforte sind sie nicht gemacht. Mit eigens angefertigten Werkzeugen wurden sie aus dem Mörtel gelöst und für die Arbeiten herabgenommen.
»Der Zahn der Zeit hat an den Figuren genagt, dass die Restaurierung dringend notwendig war«, betonen Dombauleiterin Lilli Sußmann und Ralf Lindemann, Bauleiter der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt, die Eigentümerin des Domes ist. Die rund 250.000 Euro, die die Arbeiten an der Vorhalle und den Skulpturen kosteten, stammen aus Stiftungs- und Lottomitteln sowie privaten Spenden. Verwendet wurde das Geld auch, um die jahrhundertealte Kruste aus Staub und Ruß zu entfernen. Damit eine solche Schicht nicht wieder wächst, bleibt die Vorhalle künftig zu. »Die Öffnungen der Vorhalle werden mit Holztüren verschlossen, die Gitter bleiben von außen sichtbar«, sagt Architektin Sußmann.
Voraussichtlich bis 10. Januar können Besucher die Paradiesvorhalle betreten. Danach werden die noch ausstehenden Arbeiten an den Türen und am Fußboden fortgesetzt.
Angela Stoye




