Ist diese Fülle nicht wunderbar?

23. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1, Vers 14a

Stepan Pecusa, Pfarrer in Delitzsch

Stephan Pecusa, Pfarrer in Delitzsch

Worte und Fleisch wohnen reichlich unter uns in dieser Weihnachtszeit. Es biegen sich die Tische unter Gänsen und Klößen, und es klingen die Ohren von Evangelien und Prophetenkunde, von Sprüchen der Kinder und Eltern. Heilige Zeit, gesegnete Zeit. Ist diese Fülle nicht wunderbar?

Vier Tage hintereinander in der Kirche, danach prächtiges Essen, dann übervolle Gespräche und abends den besten Wein. So soll es doch sein, das Leben in Fülle, das uns beschert ist unterm Lichterbaum. Der Glaube, der vor Tiefe und Weite Purzelbäume schlägt. Wir kennen dieses Fleisch auch von der Trauung her, wenn nämlich zwei eins werden, wenn Mann und Frau oder Frau und Frau oder Mann und Mann sich erkennen und die Liebe sie ergreift und umschließt und die Engel tanzen in den Wolken, weil es so schön ist.

So also ist es, wenn Gottes Wort uns erreicht. Plötzlich liegt ein Kind in der Krippe, Geigen und Schlagzeug spielen in höchsten Tönen, das Herz geht uns über. Die Fülle, das Fleisch, das ganze Menschsein, all das kommt zu uns, damit wir es genießen, damit wir uns freuen und glücklich sind.

Nicht nur magere Knochen, nicht nur dogmatische Fetzen, nicht nur frommes Gerede, die Fülle bricht an, wenn Gottes Wort uns trifft, wenn ER zu uns kommt. Dann gibt es kein Halten mehr, kein Fragen mehr, ob die Ordnung das auch erlaubt. Dann geht es los mit uns und um uns und in uns.

So kann es sein, so wird es sein, so ist es. Gesunden an dem, was kommt, indem wir einfach schon mal anfangen: mit der Freude, mit dem Überschwang. Lachen, auch wenn der Witz erst morgen erzählt wird. Wir haben lange genug gespart. Gehen wir in den Keller und tafeln auf. Und denken daran, es warten Milliarden darauf, dass die Tische endlich gefüllt werden.

Das Wort ward Fleisch, Himmel und Erde küssen sich, daraus lässt sich leben, zur Weihnacht und alle Tage.

Stephan Pecusa, Pfarrer in Delitzsch

Vom Freiraum zwischen den Jahren

23. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Um die zwölf heiligen Nächte ranken sich manche Bräuche

Wäsche waschen in den zwölf Nächten? Undenkbar! Auch andere hauswirtschaftliche Vorhaben hatten in der Zeit zwischen Heiligabend und Epiphanias nichts zu suchen. Für meine Großmutter war das ein unumstößlicher Grundsatz, den die Familie zu beherzigen hatte. Wer sich nicht daran halte, dem drohe Unglück im neuen Jahr, hieß es. Von weiteren Erklärungen, wie dass das Betttuch sich zum Leichentuch wandeln könnte oder dass Wotans Heer sich darin verfange, wenn es im kaltem Wintersturm daherfegt, sprach sie nicht. Einst in Herrnhut erzogen, wollte sie ihren Grundsatz keinesfalls als abergläubisch eingestuft wissen. Heute ahne ich: Es steckte etwas ganz anderes dahinter.

Kapellendorf4235

Foto: Maik Schuck

Die zwölf heiligen Nächte, wie sie auch genannt werden, sind eine Periode des Übergangs und haben ihren Ursprung nicht im christlichen Glauben. Sie sind eine germanische Überlieferung. Die Tage nach der Wintersonnenwende haben die Menschen seit jeher stark beschäftigt als eine Zeit, in der das Licht gegen die Finsternis, das Gute gegen das Böse kämpft. Sorgen und Wünsche der Menschen fanden ihren Widerhall in allerlei Bräuchen und Ritualen, mit deren Hilfe man hoffte, die Veränderungen günstig zu beeinflussen.

Im Südthüringer Schnett beispielsweise ziehen noch heute zu »Laufneujahr« (2. Januar) die Hulleweiber durch den Ort, teilen mit ihren Ruten Hiebe aus und sammeln Gaben und Geldspenden ein. Nicht jedem, der die Rute zu spüren bekommt, ist dabei klar, dass es sich hier um einen Fruchtbarkeitskult handelt. Die Bezeichnung »Rauhnächte«, wie die zwölf Nächte auch genannt werden, bezieht sich übrigens auf das Räuchern. Mit dem Abbrennen von Weihrauch und anderen Kräutern sollten Haus und Stall vor bösen Geistern bewahrt werden. Das Räuchermännchen mit seinen würzigen Dampfwolken ist das nette Überbleibsel dieses Brauchs.

Doch zurück zur Großmutter. Stollenbacken oder der große Hausputz vor dem Fest waren genauso selbstverständlich wie die Vorbereitung von allerlei Gemüse und Braten. Eine besinnliche Stunde im Familienkreis gab es nur an den Sonntagen, ansonsten waren die Adventswochen von großer Betriebsamkeit geprägt. Aber was kommt danach, wenn alles geputzt, die Plätzchen gerichtet und die Kerzen aufgesteckt sind? Folgt der Rastlosigkeit des Advent weitere Unruhe? Reicht die Kraft dann noch zum Umschalten, oder ging die Überforderung gar so weit, dass man nun krank im Bett liegt?

Großmutter hatte, lebensweise wie die Generationen zuvor, an ­dieser Nahtstelle ein Stoppschild aufgerichtet. Ihre klare Ansage von einst war eine Wohltat an der Familie und an einer berufstätigen Mutter. Sie schaffte Freiraum zwischen den Jahren und ermöglichte, dass die Zeitspanne der zwölf Nächte sich anders füllte.

Uta Schäfer

Letztes Weihnachten hinter Stacheldraht

23. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Hinter dem Stacheldraht in Buchenwald waren nach 1945 Gefangene im „Spezallager Nr. 2“ interniert. (Foto: Burkhard Dube)

Hinter dem Stacheldraht in Buchenwald waren nach 1945 Gefangene im „Spezallager Nr. 2“ interniert (Foto: Burkhard Dube)

Vor 60 Jahren konnte erstmals ein Bischof das sowjetische Internierungslager Buchenwald besuchen

Das Weihnachtsfest 1949 brachte dem damaligen Thüringer Bischof Moritz Mitzenheim einen außergewöhnlichen Predigtauftrag. Für den 25. Dezember hatten die sowjetischen Besatzungsbehörden in ihrem »Speziallager Nr. 2« in Buchenwald überraschend zwei Abendmahlsgottesdienste genehmigt. Erstmals durfte dazu ein evangelischer Pfarrer das Nachkriegslager der Sowjets besuchen, das ursprünglich von den Nationalsozialisten als Konzentrationslager (KZ) errichtet worden war.

Weder Mitzenheim noch die mehr als 10.000 Internierten ahnten damals, dass das denkwürdige Weihnachtsfest vor 60 Jahren auf dem Weimarer Ettersberg zugleich das letzte hinter Stacheldraht sein würde. Das sowjetische Lager wurde im Februar 1950 aufgelöst. Ursprünglich 1945 im Rahmen ­alliierter Nachkriegsvereinbarungen zur Internierung mittlerer und kleiner Funktionäre des »Dritten Reiches« eingerichtet, hielt die Besatzungsmacht dort auch Tausende Unschuldige gefangen.

Ihr scharf bewachter Alltag in schlechten Unterkünften und bei ­völlig unzureichender Versorgung war gekennzeichnet von Untätigkeit und Monotonie, Hunger und Krankheiten. Kontakte zur Außenwelt gab es ebenso wenig wie Besuchsmöglichkeiten im Lager. In diesem trostlosen »Schweigelager« sollte Mitzenheims Weihnachtspredigt für die über 1000 Gottesdienstteilnehmer in der »Kulturbaracke« zur deutlichen Ermutigung werden – auch wenn ihm persönliche Gespräche mit Internierten untersagt waren.

Im Thüringer Kirchenarchiv bringen zahlreiche Briefe von Entlassenen übereinstimmend den »innigsten Dank« für die »aufmunternde Rede« und das »Kraft spendende Erlebnis« zum Ausdruck. Die drei Kladden zum Internierungslager mit knapp 500 Hilfsgesuchen enthalten auch Hinweise auf die damaligen Lebensbedingungen: »Dass man einen Teil der Kameraden durch das ›Winken mit der Essschüssel‹ von der Teilnahme an der Abendmahlsfeier weglockte und auch sonst den Verlauf dieser ­hohen Feier störte, hat uns sehr leid getan«, heißt es darin unter anderem.

Auch in Bautzen und Sachsenhausen erlaubte die Besatzungsmacht 1949 Weihnachtsgottesdienste für die Internierten. Wer daran nicht teilnehmen wollte, wurde eingeschlossen. »Barackensperre nannte man das«, ­erinnerte sich Hermann Wegner nach der Auflösung von Buchenwald. Den Gottesdiensten vorausgegangen waren jahrelange erfolglose Bemühungen um humanere Haftbedingungen und eine religiöse »Grundversorgung«. Für Buchenwald hatte sie Mitzenheim wiederholt bei den Thüringer Besatzungsbehörden angemahnt.

»Der General antwortet, dass er ­dafür nicht zuständig sei«, protokollierte die Kirchenleitung lakonisch die Reaktion von Iwan Kolesnitschenko, dem Chef der sowjetischen Militärs in Weimar. Umso bemerkenswerter ist sein Brief an die Moskauer Führung vom Herbst 1948. Denn seine Vorschläge sind nahezu identisch mit ­denen des Eisenacher Bischofs: Benachrichtigung der Angehörigen über Verhaftungsgrund und Internierungsort, Erlaubnis von Briefverkehr und Besuchen im Lager sowie regelmäßige Seelsorge.

Hintergrund für das Schreiben ist die wachsende Kritik an der fortdauernden Internierungspraxis, obwohl die Sowjets für ihre Zone schon im März 1948 das Ende der »Entnazifizierung« verkündet hatten. Die Auflösung der letzten drei Lager habe die Ost-Berliner Führung mit der Hoffnung verbunden, dass sich die junge DDR einer besonders schweren Hypothek der Nachkriegszeit entledigt, sagt Kustos Bodo Ritscher von der Gedenkstätte Buchenwald. Tatsächlich aber sei die Lagerproblematik bis zum Ende der DDR ein Tabuthema geblieben. »Zugleich hinterließ sie bei vielen Menschen eine unverheilte Wunde«, fügt er hinzu.

Moskau verfügte die Lagerauflösung Ende 1949, fünf Tage nach Mitzenheims Weihnachtspredigt und ein Vierteljahr nach Gründung der DDR. Die letzten 7000 Inhaftierten kamen im Februar 1950 frei.  Von ihrer Ankunft auf dem Weimarer Bahnhof sind erschütternde Szenen überliefert. Ein Viertel der insgesamt 28.000 Internierten hat »Buchenwald 2« jedoch nicht überlebt.

Thomas Bickelhaupt (epd)

Traditionell und aktuell

18. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Alle Jahre wieder: Das Christnachtspiel an der Saalfelder Johanneskirche

Die Saalfelder verbinden im Krippenspiel christliche Botschaft und Gegenwart. Foto: Klaus Moritz

Die Saalfelder verbinden im Krippenspiel christliche Botschaft und Gegenwart. Foto: Klaus Moritz

Kalt ist es in der Johanneskirche an diesem Freitagabend im Dezember und dunkel. Nur der Altarraum ist beleuchtet. Hier stehen etwa fünfzehn Menschen und lauschen den Anweisungen von Oberkirchenrat i. R. Ludwig Große. Gemeinsam proben sie ihren Text für die Aufführung des Christnachtspiels am Morgen des 25. Dezembers. Damit findet eine besondere Tradition an der Saalfelder Johanneskirche ihre Fortführung. 1971 entwickelte sich das Christnachtspiel aus dem Wunsch der Gemeinde nach ­einem Krippenspiel.

Zunächst übernahm man Text und Liturgie des Worpsweder Christnachtspiels. In den folgenden Jahren dann ging Ludwig Große, damals Superintendent in Saalfeld, dazu über, neben den biblischen Texten aus Altem und Neuem Testament auch historische Gestalten aus der Stadtgeschichte die Botschaft von Christi Geburt verkünden zu lassen. So bekam die Johanneskirche ein eigenes Krippenspiel, das sich bis heute von Jahr zu Jahr verändert hat. Denn jedes Jahr werden aktuelle Ereignisse aufgenommen. Der Bezug zum Leben der Gemeinde bleibt so lebendig.

»Wir wollten die Weihnachtsbotschaft ins Heute sprechen lassen«, beschreibt Ludwig Große die Idee hinter dem Christnachtspiel.So ging in diesem Jahr der Fund einer Frauenleiche auf dem Dachboden der Kirche in den Text ein. Aber die Saalfelder blicken auch stets über den eigenen Tellerrand hinaus. Ein ISAF-Soldat stellt die Frage nach der Berechtigung eines Kriegerdenkmales – jetzt, wo deutsche Soldaten wieder in einen Krieg verwickelt sind. Ein Vater beklagt die Verrohung der Kinder durch Videospiele.

Und überhaupt – die Kinder. Sie sind der rote Faden, der sich durch das Christnachtspiel zieht. Denn geht es nicht in der Botschaft des Weihnachtsevangeliums in der Vergangenheit wie auch heute darum, das Leben der uns von Gott anvertrauten Kinder zu schützen? Deshalb die eindring­liche Bitte eines Jugendlichen an die Gemeinde: »Drum müsst ihr euch ­ändern! Was immer ihr tut: Nur was Kindern hilft, ist für alle gut.«

Nicht fehlen in dieser Gemeinde mit großer Chortradition dürfen die Thüringer Sängerknaben und der Saalfelder Mädelchor. Sie tragen, als Bergleute und Engel verkleidet, zwei wichtige Säulen der Weihnachtsgeschichte. Auch im Chor der Bergmänner, gesungen von den Männerstimmen der Sängerknaben, spiegelt sich ein wichtiges Stück Stadtgeschichte: die traditionelle Mette der Bergleute.

Die Lebendigkeit des Christnachtspiels ist nicht zuletzt der Zusammensetzung der Darsteller zu verdanken. Die jüngsten sind gerade einmal sechs Jahre alt. Für manche, wie die kleine Hanna, ist es das erste Mal. Andere, wie Gabriele Brendel, sind von Anfang an dabei. Seit 1988 spielt sie die Rolle der Lehrerin. Auf die Frage, warum sie dem Christnachtspiel so lange treu ­geblieben ist, erwidert sie lachend: »Warum feiern wir denn jedes Jahr Weihnachten?« Und fügt hinzu: »Weil die Leute es so wollen. Es kommen ­jedes Jahr mehr Menschen.«

Dass die frohe Botschaft von der Geburt Jesu Christi heute so aktuell und wichtig ist wie vor zweitausend Jahren, beweisen die Saalfelder Christnachtspieler jedes Jahr aufs Neue. Denn sie verkünden die frohe Kunde: »Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben.« Und sorgen damit für ein ungewöhnliches Phänomen: eine bis auf die letzte Bank gefüllte Kirche am zweiten Weihnachtstag um sechs Uhr in der Früh. Jedes Jahr.

Ulrike Eisner

Das MDR-Fernsehen zeigt am Sonntag, 20. Dezember, um 8 Uhr einen Filmbericht über das Saalfelder Christnachtspiel unter dem Titel »Thüringer Weihnachtswunder«.

Jeden Abend ein Fenster mehr

18. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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In Kapellendorf verwandeln sich die Häuser in einen leuchtenden Adventskalender

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Um die Adventszeit zu einer Zeit freudiger Erwartung zu machen, haben wir im Kirchspiel Kapellendorf schon einiges ausprobiert«, sagt ­Pfarrer Thomas-Michael Robscheit (Kirchenkreis Apolda-Buttstädt). »Anfangs organisierten wir einen Adventskalender für die Kinder des ­Dorfes im Keller des Kapellendorfer Pfarrhauses. Für jeden Tag zwischen dem 1. und 24. Dezember gab es ein Päckchen, in dem ein paar Süßigkeiten und eine Geschichte versteckt ­waren. Auf einem großen Wagenrad wurde jeden Tag eine weitere Kerze angezündet, sodass es immer etwas heller im Raum wurde.«

In den folgenden Jahren öffneten sich die Adventstürchen nicht mehr nur im Pfarrhaus, sondern auch in anderen Häusern. Dort waren die Kinder ebenfalls zum Plätzchenessen, Geschichtenhören oder Spielen eingeladen. Seit einigen Jahren gibt es nun ­einen anderen Adventskalender, an dem sich neben Gemeindegliedern auch Dorfbewohner beteiligen, die nicht der Kirche angehören: Für jeden Tag vom 1. bis 24. Dezember wird durch verschiedene Hausbewohner je ein von der Straße aus gut sichtbares Adventsfenster gestaltet.

Dieses Fenster weist sich durch seine beleuchtete Zahl als Fenster des »Kapellendorfer Adventskalenders« aus. Jeweils am Nachmittag gegen 17 Uhr, wenn die Beleuchtung eingeschaltet wird, kommt ein weiteres Fenster hinzu. »Auf diese Weise verwandelt sich im Laufe des Advents das ganze Dorf zu einem leuchtenden ­Kalender«, erklärt der Pfarrer.

Marion Albrecht und Antje Strzata, zwei junge Mütter, die in ihren Häusern auch Adventsfenster gestaltet haben, sind sich einig: So eine schöne Aktion wirkt sich positiv auf das Gemeinschaftsempfinden und Zusammengehörigkeitsgefühl im Dorf aus. Zudem freuen sie sich, dass so viele junge Familien am Adventskalender beteiligt seien. »Es macht auch Spaß, wenn Eltern und Kinder abends gemeinsam durch das Dorf spazieren, um die beleuchteten Adventsfenster anzuschauen«, haben sie beobachtet. Das letzte Fenster, das am Heiligabend hinzukommt, wird ein Kirchenfenster sein, das bei der Christvesper erstrahlt.

Traugott Keßler

Immer Heiligabend geöffnet

18. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Familie von Krosigk lädt zur Christvesper in ihre Gutskirche nach Merbitz ein

Angelika von Krosigk mit dem Familienwappen. Foto: Silvia Zöller

Angelika von Krosigk mit dem Familienwappen. Foto: Silvia Zöller

Rund 120 Mal schütteln Claus und Angelika von Krosigk am Heiligen Abend Hände. Denn jeden Besucher der Christvesper, zu der der 77-Jährige und seine Ehefrau seit 1998 in die Patronatskirche auf dem Gut Merbitz im Saalekreis einladen, begrüßen die beiden persönlich. Immer am 24. Dezember werden die Einwohner des 600-Seelen-Dorfes  nördlich von Halle in der Kirche in Privatbesitz derer von Krosigk willkommen geheißen – was dank einer umfangreichen Sanierung seit nun gut zehn Jahren wieder möglich ist. Liebevoll wurden Dachstuhl, Fenster, Orgel, Emporen und die Kirchenbänke des zu DDR-Zeiten verfallenen Gotteshauses restauriert – zum größten Teil aus dem Privatsäckel der Familie. »Den zwölfarmigen Leuchter haben uns Freunde geschenkt«, zeigt Angelika von Krosigk stolz auf das prachtvolle Exemplar.

Wenn Heiligabend die Liederzettel ausgeteilt sind, sind nicht nur die beiden Adeligen froh über das volle Gotteshaus. Auch Bruder Lukas vom nahe gelegenen Kloster Petersberg, das zur Communität Christusbruderschaft Selbitz gehört, freut sich: »Die meisten, die kommen, sind nicht christlich gebunden.« Seit mehreren Jahren hält er dort die Weihnachtspredigt. Und das nicht nur, weil er eine hohe Identifikation der Dorfbewohner mit der Kirche sieht: »Die Familie von Krosigk herrscht nicht, sondern teilt«, so der Prior der Bruderschaft.

Seit 1594 war Merbitz der Sitz des Adelsgeschlechts, 1945 wurde die Familie im Zuge der Bodenreform ohne Entschädigung enteignet. 1994, also exakt 400 Jahre nachdem Ahnherr Volrath von Krosigk das Rittergut gekauft hatte, erwarben Claus und Angelika von Krosigk das heute 350 Hektar große Areal mit landwirtschaftlich genutzten Flächen und rund 30 Haupt- und Nebengebäuden sowie der Kirche von der Treuhand zurück. »Wir wussten damals nicht, auf was wir uns einlassen. Aber es war uns eine Verpflichtung«, sagt Angelika von Krosigk, die mit ihrem Mann aus dem Rheinland auf das Gut zog.

Besonders die Instandsetzung der maroden Kirche nahm die Familie sehr ernst. 1999 gründeten die drei Töchter der Familie, Donata, Carina und Benita, zusammen mit ihren Familien einen Förderverein »Kirche in Merbitz e. V.«, der zur Erhaltung des romanischen Kleinods beitragen möchte. Zahlreiche Spenden auch von Verwandten sind schon für das Denkmal eingegangen, und einige öffentliche Fördermittel. Denn nicht nur die für den Ort zentrale Lage ist von Bedeutung, sondern auch die Entstehungsgeschichte der Kirche ist besonders: Der Wehrturm des 1264 erstmals urkundlich erwähnten Merbitzer Gutes diente im Mittelalter dem Schutz der Bewohner. Bei Gefahr konnten sich die Merbitzer in dem Turm verschanzen. Vermutlich im 14. Jahrhundert wurde die Kirche an den Turm angebaut.

Wann die Gutskirche, die in diesem Jahr auch erstmals zu einem Erntedankgottesdienst geöffnet war, zum letzten Mal Besuch von Handwerkern bekommt, ist indes nach wie vor offen. Der Kirchturm muss noch saniert werden. Aber das sollen Tochter und Erbin Benita und ihr Mann in die Wege leiten, die voraussichtlich im nächsten Jahr mit ihren Söhnen aus Frankfurt auf das Gut Merbitz ziehen werden. Vielleicht begrüßen sie dann 2011 die Christvesper-Gäste mit Handschlag.

Silvia Zöller

Kompromisslos

18. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Marmit, Sxc.hu

Foto: Marmit, Sxc.hu

Jeder kennt die Nachrichten über schmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, Unwetter, Hunger in Afrika … Doch unter den Protestlern zum Klimagipfel sieht man vor allem sehr junge Gesichter. Die ältere Generation sitzt
derweil in den Verhandlungen und scheint sich Zeit zu lassen mit konkreten Beschlüssen. Wird am 18. Dezember, wenn in Kopenhagen die UN-Klimakonferenz zu Ende geht, ein Licht am trüben CO2-Horizont zu erkennen sein? Die Jungen sind weit gereist, ihre Eltern sind zu Hause geblieben. Haben sie sich, haben wir uns eingerichtet in der Resignation, doch nichts bewegen zu können? Oder ist es vielmehr so, dass wir Mitteleuropäer ungern unsere Bequemlichkeit aufgeben? Noch immer ist uns das Hemd näher als der Rock.

Doch wer, wenn nicht die Bevölkerung kann Druck machen auf  die Politiker? »Wir sind das Volk« – und »die da oben« müssen lernen zuzuhören. Das geht nicht vom Wohnzimmersessel aus, sondern mit Protesten auf der Straße. Starker Druck von unten ist nötig. Und jede und jeder ist gefragt, den ­Klimaschutz ernst zu nehmen. Vor allem auch im eigenen Alltag: Jeder kann sich im Fleischkonsum einschränken. Jeder kann, wenn sich die deutsche Politik weigert, ein Tempolimit einzuführen, selbst entscheiden, wie viel Schadstoff er beim Autofahren ausstößt. Langsam fahren verringert den CO2-Ausstoß bis zu neun Prozent. Also nicht beschleunigen, sondern entschleunigen! Auch in der Wirtschaft. Hier müssen Alternativen gefordert werden, die zukunftsfähig sind und nicht allein dem Profit, sondern dem Menschen und der Umwelt dienen.

Ein Wort schwebt beim Klimagipfel im Raum: Kompromiss. Aber können wir uns hier eigentlich leisten, Kompromisse zu schließen? Oder ist Gottes Schöpfung in diesem Falle nicht der absolute Vorrang einzuräumen und ihr Schutz kompromisslos zu verfolgen? Vorhaben zum Klimaschutz dürfen nicht leichtfertig in den Sand gesetzt werden. Andernfalls wird dieser bald an manchen Küsten weggespült.

Dietlind Steinhöfel

Bei aller Vorbereitung die Freude nicht vergessen

17. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Agata Urbaniak, Sxc.hu

Foto: Agata Urbaniak, Sxc.hu

Freuet euch in dem Herrn alle Wege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!
Philipper 4, Verse 4.5

Ja, ich gebe es zu: Ich habe eine Allergie gegen Imperative. Befehlsformen machen mich argwöhnisch – kann man nicht alles auch freundlich sagen? Der Advent ist voller Imperative. Psalmen und ­Choräle strotzen geradezu davon. Das geht los bei »Macht hoch die Tür!« und hört bei »Tochter Zion, freue dich!« nicht auf.

Der Wochenspruch gehört auch dazu. Er passt so gar nicht in mein mir liebes »Adventsgefühl«. Freue ich mich denn wirklich, wenn ich dazu aufgefordert werden muss? Doch letzte Woche hatte ich ein ­Erlebnis, das mich stutzig machte: Unser jüngstes Kind, eineinhalb Jahre alt, setzte sich beim Einkaufen mitten zwischen die Regale eines Supermarktes und blies inbrünstig in seine Mundharmonika.

Während alles emsig weiterhastete, saß es da, ganz eins mit seiner Musik. Ein Anblick, der mein Herz hüpfen ließ. Ich konnte gar nicht genug hinsehen, saugte dieses Bild, diesen Augenblick in mich hinein. Anderen Kunden schien es dagegen ganz anders zu gehen. Kaum einer bemerkte das fröhlich musizierende Kind. Ein einziger Mann, alt und langsam, stellte sich dazu, und ein Strahlen ging über sein Gesicht. »Schaut doch mal, freut euch doch mit mir!«, wollte ich den anderen zurufen …

Ob es damals auch so war – als Gott Kind für uns wurde, als der Herr in der Krippe lag und die Hoffnung geboren war?, überlege ich. Wären denn die Hirten und die Weisen freudig gekommen, wenn sie nicht durch Engel und Himmelskörper deutliche Aufforderungen dazu erhalten hätten? Brauchen wir vielleicht doch diese Anstöße, uns zu freuen, ­unsere Herzen zu öffnen, zu singen … Vielleicht würden wir sonst bei aller Vorbereitung das Eigentliche vergessen?

Ja, nicht nur der harte Kern freue sich, dass der Herr nahe ist. Alle sollen sich anstecken lassen von der Freude über dieses Wunder … Allergie hin und her – bei Dir, Herr, will ich eine Ausnahme machen.

Friederike F. Spengler, Pfarrerin in Bad Berka

Jesus kommt nach Polenzko

17. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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In der »Weihnachtskirche« ist die Heilige Familie jetzt komplett

Was tun mit wenig genutzten Kirchen? Im anhaltischen Polenzko hat die zuständige Weinberggemeinde aus
einer romanischen Kirche eine Themenkirche mit der vermutlich größten Krippe Deutschlands gemacht.

Nachwuchs bei Deutschlands größten Krippenfiguren: In einem Adventsgottesdienst wurde am 13. Dezember in der »Weihnachtskirche« von Polenzko bei Zerbst auch das Jesuskind in der Wiege aufgestellt. Foto: Heiko Rebsch

Nachwuchs bei Deutschlands größten Krippenfiguren: In einem Adventsgottesdienst wurde am 13. Dezember in der »Weihnachtskirche« von Polenzko bei Zerbst auch das Jesuskind in der Wiege aufgestellt. Foto: Heiko Rebsch

Das Jesuskind ist rund anderthalb Meter lang und mehrere hundert Kilogramm schwer. Zehn Feuerwehrleute mühen sich, die aus einem Pappelstamm geschnitzte Krippe mit dem Kind in die Kirche zu schleppen. Rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest ist die »Heilige Familie« in Polenzko bei Zerbst damit vereint. »Es hat sich herumgesprochen, Jesus kommt nach Polenzko«, begrüßt Pfarrer Thomas Meyer aus Zerbst die Besucher. Die sind so zahlreich erschienen, dass der Platz kaum ausreicht. Nachdem im Sommer bereits die gut drei Meter hohe Figur des Josef in die Kirche einzog und später die nicht viel kleinere Maria folgte, ist die Gemeinde ihrem Ziel von einer »Weihnachtskirche« wieder einen Schritt nähergekommen.

Schon jetzt macht die Themenkirche ihrem Namen alle Ehre. Das kleine, ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammende Gotteshaus ist an diesem 3. Adventssonntag festlich geschmückt. Im Chorraum stehen drei kleine Weihnachtsbäume, und die Empore erstrahlt im Lichterglanz. »So voll wie heute war die Kirche nicht einmal zu Weihnachten«, meint eine Frau aus Polenzko beeindruckt. Auch aus der Umgebung und aus Berlin sind Besucher gekommen. Dass an diesem Tag die Krippe in den Dienst gestellt wird, hat zusätzlich Leute angezogen. Selbst der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig ist aus diesem Anlass vor Ort. Er schätze vor allem das Handfeste und Eindeutige an der Krippe, sagt er in seiner Predigt. »Wir tun gut daran, uns an das Einfache erinnern zu lassen.«

Doch fertig ist die Weihnachtskirche mit der festlichen Einweihung noch lange nicht. Im Laufe des nächsten Jahres sollen weitere Figuren wie die Hirten sowie Ochse und Esel folgen. Geschaffen werden sie vom 73-jährigen Holzbildhauer Horst Sommer aus Zerbst, der die Arbeit sehr zur Freude der Gemeinde kostenlos übernimmt.
Darüber hinaus haben Weinberggemeinde und die Stiftung »Entschlossene Kirchen« im Kirchenkreis Zerbst noch einiges vor mit dem Gotteshaus. Zusätzlich zum Aufbau der Krippe werde die Gemeinde auch Advents- und Weihnachtsbräuche erforschen und auf Schautafeln darstellen, kündigt die Stiftungsvorsitzende Sonja Hahn an.
Dass die Wahl für die »Weihnachtskirche« auf Polenzko fiel, kommt nicht von ungefähr. Die Kirche ist die größte der vier Sakralbauten in dem ländlichen Pfarrbereich. Schon in der Vergangenheit haben die Christen der Region deshalb ihre zentralen Christvespern hier gefeiert. Nun gibt es einen Grund mehr, nach Polenzko zu kommen.

Schließlich ist die Idee zu der »Weihnachtskirche« auch aus der Not geboren. Heute gehören lediglich 16 der 70 Einwohner des kleinen Dorfes zur evangelischen Kirche. Insgesamt zählt die Weinberggemeinde mit ihren fünf Dörfern und vier Kirchen gerade einmal 200 Mitglieder. »Mit dem Erhalt der Kirchen sind wir schlicht überfordert«, sagt Ullrich Hahn, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Allein für die notwendige Sanierung des Daches an der Polenzkoer Kirche sind 320.000 Euro veranschlagt. »Das ist sehr viel Geld für uns«, unterstreicht er.

Ein Stück Hoffnung setzen die Verantwortlichen nun auf die Öffentlichkeit und die Radtouristen, die in den Fläming kommen. »Wenn die Menschen in Polenzko merken, dass sich andere für ihre Kirche interessieren, ist schon viel gewonnen«, glaubt Sonja Hahn. Ein Schritt in dieser Richtung sollte die Eröffnung der »Weihnachtskirche« sein. Schwerpunktkirchen gebe es bereits etliche, »aber eine Themenkirche, das ist neu«, schätzt die Kunsthistorikerin.

Zudem soll es in der Region nicht bei der »Weihnachtskirche« bleiben. Die Gemeinde und die Stiftung planen bereits weitere Themenkirchen. Im benachbarten Trüben etwa sei eine »Osterkirche« vorgesehen, erzählt die Stiftungsvorsitzende. Dass das Konzept mit solchen Nutzungen aufgehen kann, zeigen die Radfahrerkirche in Steckby und die »Gesangbuchkirche« in Luso. Dieser Sakralbau, in dem alte und neue Liederbücher ausliegen, steht schon jetzt 24 Stunden am Tag offen.

Martin Hanusch

Dauerbrenner

10. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Foto: Jay Simmons, sxc.hu

Foto: Jay Simmons, sxc.hu

Ob das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Berliner Ladenschlussgesetz wirklich mehr Klarheit schafft, wie es Bundesinnenminister Thomas de Maizière vermutet, darf getrost bezweifelt werden. Der Freistaat Sachsen, wo der Unionspolitiker vor seinem Wechsel ins Kanzleramt das Innenressort leitete, will die Ladenöffnung jedenfalls auch weiterhin an allen Adventssonntagen ermöglichen. Eine einheitliche Regelung sieht anders aus. Seit die Länder selbst über den Ladenschluss bestimmen können, gibt es die unterschiedlichsten Bestimmungen.

Dennoch kommt dem Karlsruher Urteil eine weiterreichende Bedeutung zu. Die Verfassungshüter haben am 1. Dezember ein Stoppsignal gesetzt: bis hierhin und nicht weiter – freilich auf die Hauptstadt bezogen. Die Berliner Regelung, an zehn Sonntagen im Jahr die Läden öffnen zu dürfen, darunter an den vier Adventssonntagen, verletze das Recht auf Religionsfreiheit und verstoße gegen den Sonntagsschutz des Grundgesetzes, urteilte das höchste deutsche Gericht. Ausdrücklich bezieht es sich dabei auf den sogenannten Kirchenartikel, nach dem Sonntage grundsätzlich Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung sind.

Die Kirchen haben damit einen Teilerfolg errungen – mehr aber auch nicht. Das Thema Sonntagsschutz wird ein Dauerbrenner bleiben. Zu unterschiedlich sind die Interessen, die hier aufeinander prallen. Da sind zum einen die Einzelhandelsketten und Einkaufszentren, die auf eine Lockerung drängen, und auf der anderen Seite Kunden, die sich bereitwillig in die Ladenstraßen locken lassen. Dazwischen stehen die Kirchen und Gewerkschaften, die um den Sonntag als Ruhetag kämpfen. Schließlich sollen Sonn- und Feiertage in erster Linie dem Menschen und nicht der Umsatzsteigerung dienen. Die Menschen haben die Freiheit, dieses Angebot anzunehmen oder abzulehnen. Doch erst wenn sie spüren, dass ihnen der Rhythmus von Arbeit und Ruhe fehlt, wird ein wirkliches Umdenken möglich sein.

Martin Hanusch

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