»Wo soll eigentlich das Loch in die Mauer?«
7. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen

Mit Kerzen und einem Lied er- öffnete der Gesang- verein Kleinensee (Hessen) das Dankfest Foto: Manuela Ernst
Hessische und Thüringer Christen feiern seit 20 Jahren ein Dankfest
Es sind heute nur noch die Reste der einst unüberwindbaren innerdeutschen Grenze, die daran erinnern, dass hier über Jahrzehnte zwei kleine Ortschaften voneinander getrennt waren. Alljährlich treffen sich die Bewohner der hessischen Gemeinde Kleinensee und der thüringischen Gemeinde Großensee (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen) an der Stelle, wo vor 20 Jahren ein Grenzübergang geschaffen wurde, zu einem Dankfest. Und immer wird es auch genau am historischen Datum gefeiert: am 16. Dezember.
Es war ein Fest der Christen und nicht der Politiker. Mehr als 100 Bürger waren gekommen und erinnerten mit Kerzen an den Mauerfall und das Wunder der friedlichen Revolution. Nachdem der Gesangverein Kleinensee das Dankfest mit dem Lied »Möge die Straße uns zusammenführen« eröffnete, würdigten der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins und der Ortsvorsteher von Kleinensee, Klaus Krapf, sowie Pfarrer Fritz Ewald aus Dankmarshausen das historische Ereignis. Dabei hob der Ortsvorsteher die Rolle der Kirche bei der friedlichen Revolution hervor und dankte den beiden Pfarrern Fritz Ewald und Reinhart Wachter. Sie hatten damals tatkräftig die Bürger der beiden Orte bei ihren Bemühungen unterstützt, einen Grenzübergang zu realisieren.
Und wie seit 20 Jahren üblich, gingen nach dieser Eröffnung alle gemeinsam in die Kirche und anschließend ins Gemeindehaus. Diesmal bewegte sich der Zug nach Kleinensee. Gemeinsam gestalteten die beiden Pfarrer nun auch den Gottesdienst. Pfarrer Wachter, der jetzt in der Rhön lebt und damals die Kirchengemeinden Leimbach, Widdershausen und Kleinensee betreute, erinnerte daran, dass er genau vor 20 Jahren hier das erste und einzige Mal in seiner Amtszeit durch Applaus während der Predigt unterbrochen worden sei.
Den Liederzettel für diesen Gottesdienst schmückte die Kopie eines Schildes mit der Nummer 144. Auch damit sind besondere Erinnerungen verknüpft: Pfarrer Wachter und Pfarrer Ewald verbindet eine lange Freundschaft. So wurden beispielsweise die Demonstrationen im November und Dezember 1989 immer gleichzeitig in Großen- und Kleinensee, also auf beiden Seiten der Grenze, veranstaltet. Die beiden Pfarrer erinnern sich noch gut, wie sie sich am 11. Dezember 1989 um 8 Uhr an der Grenze trafen und ein Grenzsoldat der NVA schließlich den hessischen Pfarrer fragte: »Wo soll eigentlich das Loch in die Mauer?«
Später wurde das Tor 144 geöffnet. Seit dieser Zeit befand sich je ein Blechschild der beiden Torhälften mit den Ziffern 144 in der Obhut der beiden Pfarrer. Im Rahmen des Dankfestes übergab Pfarrer Reinhart Wachter dieses besondere Zeitzeugnis an den Ortsbeirat der hessischen Gemeinde Kleinensee.
Manuela Ernst






