Das ganze Leben im Blick

16. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen.
Psalm 92,2

Gabriele Schmidt ist Pfarrerin in Eisenach

Gabriele Schmidt ist Pfarrerin in Eisenach (Foto: privat)

Von Herzen kommende Gebete und große Dichtung zugleich. Die Psalmen sind ein großer Schatz Erfahrungen von Männern und Frauen, die ihr Leben in Beziehungen miteinander und zu Gott gelebt und gedeutet haben. Ihr Glaube ist eng mit der eigenen Lebensgeschichte verbunden.

Die alten Gebete laden auch mich ein, glaubend und suchend Gott nahezukommen. Gelingt es, sehe ich viel Schönheit um mich herum, sehe das Wachstum der Natur, die Freundlichkeit der Menschen, die mir begegnen. Ich freue mich dann an guter ­Musik und Kunstwerken, die noch nach hunderten von Jahren auch heute zu mir sprechen.

Die Schönheit unserer Kirchen, die Schnitzereien an alten Kanzeln, in Stein gehauene Reliefs an Säulen, biblische Figuren auf Altären und Gemälde alter Meister, die den Glauben ihrer Zeit spiegeln, berühren mich. Sie nehmen mich mit hinein in ihre Welt. Glaube überschreitet Zeit und Raum.  Die Worte der Psalmen verbinden mich mit vielen Generationen.

Wenn der Psalmbeter von Gnade am Morgen und Wahrheit in der Nacht spricht, ist mein ganzes Leben im Blick. Licht und Schatten, Krankheit und Gesundheit, die Jugend und das Alter. Es gibt keine Zeit und keinen Ort, an dem ich nicht glauben und hoffen dürfte, loben und danken kann.

Mit solchem Glauben will Gott mich behüten zu verzweifeln, wenn Hindernisse und Steine auf meinem Weg liegen. Wenn Eltern ihren Kindern, Großeltern ihren Enkeln, Kindergärtnerinnen ihren Schützlingen oder Freunde sich gegenseitig diese Hoffnung glaubwürdig mit eigenen Erlebnissen weitersagen, geht die Hoffnungsgeschichte des christlichen Glaubens immer weiter. Die Schönheit alter Glaubenstexte wird lebendig durch uns. Wir sind ein Teil davon. Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinen Namen.

Gabriele Schmidt

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