Energieschub für Ehrenamtliche

Vorgestellt:  Die Resonanz auf das Projekt »Gemeindeagende« des Kirchenkreises Egeln ist groß

Dass Gottesdienste auch ohne Pfarrer möglich sind, macht der Kirchenkreis Egeln vor. Er hat eine Vorlage entwickelt, nach der auch Ehrenamtliche ohne großen Aufwand eine Gottesdienstfeier oder Andacht leiten können.

Lektoren sind heute aus den Gemeinden nicht mehr wegzudenken. Unsere Aufnahme ist während der Lektorentage im Jahr 2006 entstanden. Foto: Archiv

Lektoren sind heute aus den Gemeinden nicht mehr wegzudenken. Unsere Aufnahme ist während der Lektorentage im Jahr 2006 entstanden. Foto: Archiv

Ein Gottesdienst ohne Pfarrer oder Pfarrerin? Geht das? Ja, und das sogar sehr erfolgreich. Der Kirchenkreis Egeln macht es vor. Sein Projekt »Gemeindeagende« ist mittlerweile zum Aushängeschild geworden, das bereits prämiert wurde und in der Landeskirche schon einige Nachahmer gefunden hat. Für Superintendent Michael Wegner ein uneingeschränkt funktionierendes Mittel, eine »sakrale Präsenz in der Fläche« zu erreichen.
Die Gemeindeagende ist ein Buch, etwa 60 Seiten dick und die Grundlage für einen Gottesdienst, der von Ehrenamtlichen gestaltet und gehalten wird. In ihm finden sich unter anderem  Gebete und Texte. Sie helfen, den  Ablauf des Gottesdienstes variabel zu gestalten. Die Vorbereitungen sind also nicht kompliziert, denn im Mittelpunkt steht das gemeinsame Gebet  und der Austausch – gern auch im Anschluss bei Kaffee und Kuchen.

»Es hat eine wirkliche Belebung stattgefunden«

»Es ist uns gelungen, unsere Kirchen wieder als Kommunikationszentren zu entwickeln«, sagt Wegner. »Denn wenn sich eine Kirchentür erst einmal geöffnet hat, gehen die Menschen hin-ein und sind voller Erwartungen.« Große logistische Vorbereitungen für das Sonntagsgebet sind nicht mehr nötig. »Sie brauchen jemanden, der aufschließt und die Kerzen anzündet«, sagt der 48-Jährige, der seit zehn Jahren Superintendent im Egelner Kirchenkreis ist.

Müssen denn keine Voraussetzungen erfüllt sein? Auf die Frage weiß Wegner eine schnelle Antwort. »Sie brauchen einen Menschen, der die Verantwortung für die Verkündung aus dem Herzen heraus übernimmt und Sie brauchen Menschen, die sonntags gern in die Kirche gehen.« Und so einfach es klingt, so beeindruckend ist die Resonanz. »Wir zählen pro Jahr etwa 1.000 Gottesdienste mehr als vergleichbare Kirchenkreise«, zieht Wegner Bilanz. »Es hat eine wirkliche Belebung der Dörfer stattgefunden. Darauf sind wir stolz.«

Da macht es auch keinen Unterschied, wie viele Gläubige den Weg in das Gotteshaus gefunden haben. »In der Gemeinde Peseckendorf bei Oschersleben im Bördekreis gibt eine sehr kleine Kirche und nur zwei Gemeindeglieder«, weiß Wegner. Trotzdem wird hier mit der Gemeindeagende gearbeitet. »Ich habe gehört, dass manchmal Familien mit dem Fahrrad nach Peseckendorf kommen und alle gemeinsam Gottesdienst feiern.«

Die Agende deckt die Sonntage von Ostern bis Pfingsten ab, eine Ausgabe für Trinitatis ist in Arbeit. Entstanden ist die Gemeindeagende im Jahr 2008 direkt im Kirchenkreis. Vorbild war die erfolgreiche Initiative »Global Worship«. Sie wurde von einer Koordinationsgruppe gesteuert und stieß im Pfarrkonvent nicht nur auf Zustimmung. Kritiker unterstellen dem Vorhaben immer wieder, es unterstütze das Phänomen »Kirche ohne Pfarrer«. »Klar ist, dass wir nicht auf einen Mangel reagieren«, sagt Wegner. Vielmehr sind es die Gemeindeglieder selbst, die sich die Idee immer mehr zu eigen machen. Es entwickelt sich eine wohltuende Dynamik, die eine deutliche Stärkung kleiner Gemeinden bedeutet. »Das, was sonntags in den Kirchen stattfindet, ist keineswegs kontraproduktiv. Wir erfüllen die Verkündigung mit Leben.«

»Gottesdienst ist die beste Mission«

Für diesen sichtbaren und fühlbaren Erfolg bekam der Kirchenkreis Egeln im September vergangenen Jahres den Publikumspreis der Zukunftswerkstatt der Evangelischen Kirche in Deutschland in Kassel verliehen. Präses Katrin Göring-Eckardt lobte den »Energieschub für die Ehrenamtlichen«, der von diesem Projekt ausgeht. Superintendent Wegner beschreibt den Tag der Preisvergabe gern mit einem kräftigen Wort. »Es war der Knaller.« Für ihn Grund genug, Visionen zu entwickeln. »Ich wünsche mir eine weltweite Vernetzung, in der das Beten in der Gemeinschaft im Mittelpunkt steht«, sagt er. »Denn eins ist unumstritten: Gottesdienst ist die beste Mission.«

Sabrina Gorges

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