Provokant

28. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Yan Boechat, sxc.hu

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Hannovers Bischöfin Margot Käßmann geht es derzeit ein bisschen so wie Goethes Zauberlehrling. Mit ihrer Neujahrspredigt und einigen Interviews hatte die EKD-Ratsvorsitzende eine höchst notwendige und dringend erforderliche Debatte um die Fortsetzung und künftige Gestaltung des deutschen Engagements in Afghanistan ausgelöst. Und ihr Diktum »Nichts ist gut in Afghanistan« hat schon Ende Januar gute Chancen, zu einem der Zitate des Jahres zu werden.

Sicher: Margot Käßmann äußert sich gern plakativ. Ihr ganzes Berufsleben lang hat sich die Theologin mit offenen Worten nicht zurückgehalten, auch wenn das für ihr Gegenüber zuweilen unangenehm war. Zuletzt riskierte sie einen Konflikt mit der katholischen Kirche, als sie auf die Frage, was sie ökumenisch von Papst Benedikt XVI. erwarten könne, schlicht mit »nichts« antwortete. So richtig diese Antwort ist – so sehr stößt sie die Katholiken vor den Kopf. Möglich, dass das der Sprengstoff ist, der den Ökumenischen Kirchentag im Mai vorantreibt: Mit ihrer forschen Art hatte Margot Käßmann bislang Erfolg. Als Frau und Mutter boxte sie sich in der Männergesellschaft Kirche durch. Auch deswegen ist sie so ungeheuer populär.

Doch es gehört zum Charakter einer plakativen Äußerung, dass ihr manchmal die Präzision fehlt. Am 25. Januar veröffentlichte die EKD ein Grundsatzpapier zu Afghanistan. Es ist deutlich ausgewogener als die Neujahrspredigt: Gefordert wird darin ein Vorrang des zivilen Aufbaus. Gespräche mit gemäßigten Taliban werden angemahnt. Doch auch die Rolle der ISAF-Schutztruppe wird anerkannt. Und es gibt den Vorschlag, die zivilen Friedenskräfte ebenfalls mit einem Bundestagsmandat zu versehen. Zurückgerudert sind die Protestanten damit nicht. Im Gegenteil: Sie erläutern ihre Position noch einmal so, dass es der Politik erleichtert wird, im Umfeld der internationalen Afghanistankonferenz darauf einzugehen. Denn eine provokante Position alleine reicht für die Lösung des Konfliktes nicht aus.

Benjamin Lassiwe

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Provokant”
  1. Hans Bremerkamp sagt:

    Die Invasion der Sowjetunion in Afghanistan ist damals gescheitert, es gab viele Tausend Menschenverluste auf beiden Seiten.
    Die seit mehreren Jahren laufende völkerrechtswidrige Invasion der NATO in Afghanistan wird ein ähnliches Fiasko. Es ist absurd und aussichtslos, in diesem Land eine “Demokratie” westlicher Prägung installieren zu wollen.
    Also Schluss mit dem Krieg. Die Völker müssen sich selbst befreien, wenn sie es denn wollen. Und wenn man glauben machen will, ausgerechnet in Afghanistan und nur dort befände sich die Geburts- und Ausbildungsstätte internationaler Terroristen, dann ist das ein geradezu dilettantisches Denkmodell.
    Und: Die Politik der USA insbesondere zu Bushs Machtzeiten hat erst Terroristen auf den Plan gerufen.

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