Hilfe in der fremden Heimat

4. Februar 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Sprache als Schlüssel zur Integration: Das Büro für ausländische Mitbürger in Erfurt bietet entsprechende Kurse an. Hier unterrichtet die ehrenamtliche Kursleiterin Gudrun Schönheinz (re.) vietnamesische Teilnehmer. Foto: Jens-Ulrich Koch

Sprache als Schlüssel zur Integration: Das Büro für ausländische Mitbürger in Erfurt bietet entsprechende Kurse an. Hier unterrichtet die ehrenamtliche Kursleiterin Gudrun Schönheinz (re.) vietnamesische Teilnehmer. Foto: Jens-Ulrich Koch

Büro für ausländische Mitbürger in Erfurt berät Zuwanderer und Flüchtlinge

Sie kommen aus Vietnam oder Kuba, aus Angola oder Afghanistan, der Türkei oder dem Irak: Flüchtlinge und Zuwanderer, die vorübergehend in Thüringen leben oder hier eine neue Heimat gefunden haben. Damit sie sich in der Fremde zurechtfinden, bietet die evangelische Kirche in Erfurt Hilfe an. Seit rund 20 Jahren besteht das »Büro für ausländische Mitbürger« inzwischen, seit genau zehn Jahren wird es vom Kirchenkreis  Erfurt getragen.

»Es gibt Leute, die kommen nur einmal im Jahr zu uns, wenn sie ein Riesenproblem haben, zum Beispiel wenn die Abschiebung droht. Andere kommen fast täglich vorbei, und wir helfen beim Ausfüllen von Anträgen oder anderen kleinen Dingen«, erläutert Sozialwissenschaftler Ivo Schnipkoweit. Seit er und seine drei Kolleginnen vor kurzem mit der Beratungsstelle aus dem Erfurter Norden in die Altstadt umgezogen sind, sind sie noch besser zu erreichen. »Wir haben jetzt alle Hände voll zu tun«, sagt Sozialarbeiterin Nguyen Thi Ung, selbst in Vietnam geboren.

So vielfältig wie die Probleme der ausländischen Hilfesuchenden sind, so vielfältig sind die Angebote des Büros. Das kann Unterstützung bei rechtlichen Fragen sein oder ein Deutschkurs, das kann psychosoziale Beratung sein oder Hilfe bei den Hausaufgaben von Kindern, das kann Beistand bei Behördengängen sein oder ein Tipp für Sport- oder Freizeitmöglichkeiten. Viele der Hilfen sind ohne Freiwillige nicht möglich: Sie betreuen die Kinder von Zuwanderern beim Lernen oder die Erwachsenen bei den ersten Schritten in die deutsche Sprache und Kultur.

Nach der Wende waren es vor allem die ehemaligen Vertragsarbeiter in der DDR, zum Beispiel aus Vietnam, die an die Türen des Büros klopften. Mitte der 1990er Jahre kamen dann Menschen vom Balkan, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen waren. Heute sind es auch Asylsuchende aus Ländern wie der Türkei, dem Irak oder Afghanistan. Und seit kurzem auch wieder Vietnamesen, die schon lange hier leben, aber wegen der Wirtschaftskrise zum ersten Mal keine Arbeit mehr haben.

»Wir haben jetzt alle Hände voll zu tun«

Natürlich schicken auch mal Ämter Ratsuchende zum Büro, oder die Anlaufstelle wird über das Internet gefunden, aber in der Regel ist es Mund-zu-Mund-Propaganda: »Das spricht sich herum«, so Sozialarbeiterin Nguyen Thi Ung.
Schon jetzt kommen etliche der freiwilligen Helfer aus dem kirchlichen Bereich. Geplant ist, noch stärker mit Kirchengemeinden zusammenzuarbeiten und dort die Projekte vorzustellen. Und die Trägerschaft des Kirchenkreises hilft auch, wenn es darum geht, vom Land, Bund oder der EU Fördermittel einzuwerben. Bei solchen Verhandlungen hat das Wort des Kirchenkreises schon Gewicht, freut sich Schnipkoweit.

Das größte Problem sieht Nguyen Thi Ung bei vielen Zuwanderern, wenn sie älter werden. Dann kommen zu den Alltagssorgen oft auch psychische Probleme. »Viele werden einsam alt«, sagt sie und sorgt sich um eine gute Betreuung für diese Menschen. Ihr Kollege Ivo Schnipkoweit beklagt vor allem die oft mangelnde Weitsicht in der Politik. So hat sich die Bundesrepublik zwar bereit erklärt, 2.500 Flüchtlinge aus dem Irak aufzunehmen, davon 75 in Thüringen und 35 in Erfurt. Sie sind seit einem halben Jahr hier, aber viele haben »noch nie einen Arzt besucht, und es gibt auch keinen arabischen Dolmetscher an der Schule«.

Beide freuen sich aber auch, wenn sich bei den von ihnen betreuten Zuwanderern Erfolge einstellen. Für Nguyen Thi Ung zum Beispiel, wenn sie bemerkt, wie jemand Stück für Stück besser Deutsch lernt. Und für Ivo Schnipkoweit, wenn Paten Migranten weitergeholfen haben: »Da entstehen Freundschaften fürs Leben.«

Markus Wetterauer

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Hilfe in der fremden Heimat”
  1. Faris Abud Abbas sagt:

    „…hat das Wort des Kirchenkreises schon Gewicht, freut sich Schniokoweit.“ – Leider, muss ich in meinem Fall bedauerlicher Weise dazu sagen. Durch verunglimpfende Äußerungen über meine Person wurde mein guter Ruf schwer geschädigt und mir wurde die Chance auf eine Arbeitsgelegenheit genommen. Das habe ich Herrn Schnipkoweit zu verdanken, in Ausübung seiner Tätigkeit beim Evangelischen Kirchenkreis, der in seinem Tun genau weiß, dass das Wort des Kirchenkreises Gewicht hat.
    Ich bin gläubiger Moslem. Die Suren des Korans und Grundsätze menschlichen Handelns verbieten mir zu lügen und den Ruf eines Menschen ungerechtfertigt zu schädigen. Im Christentum besagt das 8. Gebot „Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“ Ich werde auf Aufklärung und Gerechtigkeit hoffen und bete täglich dafür.
    Mit freundlichen Grüßen
    Faris Abud Abbas

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