Auge, Mund, Herz, Kopf und Leib

11. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Vorgestellt: Angela Kunze-Beiküfner will mit Clownerie im Gottesdienst Emotionen wecken

Ein Clown ist kein Kasper: die Theologin Angela Kunze-Beiküfner als Clown Tünde. Foto: Frank Drechsler

Ein Clown ist kein Kasper: die Theologin Angela Kunze-Beiküfner als Clown Tünde. Foto: Frank Drechsler

Die Gute Nachricht lässt sich auf viele Weise weitererzählen – auch ohne Worte und mit Humor. Kirchenclowns haben eine besondere Art zu predigen.

Für Angela Kunze-Beiküfner ist der Clown eine konträre Projektionsfigur. Menschen verbinden mit ihm Humor und Traurigkeit. Er steht für die eigenen Wünsche und ­Erwartungen und ist manchmal der Einzige, mit dessen Hilfe es gelingt, das Innerste nach Außen zu kehren. »Die Figur des Clowns ist schon immer voller Widersprüche gewesen«, sagt sie. Sehr gegensätzlich wirkt zunächst auch die Verbindung von Kirche und Clown. Passt das zusammen? Kann jemand beides sein? Angela Kunze-Beiküfner kann es. Sie ist Theologin, Dozentin und Clown. »Die Kirche war für mich immer etwas ­Vertrautes«, sagt die 45-Jährige. »Und die Clownerie war mein Traum.«

Seit etwa acht Jahren verknüpft sie Vertrautheit und Traum in mitreißenden Predigten. Sie schlüpft als Pfarrerin in die Rolle des lustigen Gesellen Tünde und des melancholischen Weißgesichts. »Ich bin ein Clown, aber kein Kasper«, sagt Kunze-Beiküfner. »Ich kokettiere mit Situationskomik, aber ich bin ganz weit von der Lächerlichkeit entfernt.« Als Pantomimin gelingt es der dreifachen Mutter, die Liturgie des Gottesdienstes in die Herzen der Anwesenden zu tragen. »Ich will Kommunikation«, sagt sie. Von der Kanzel herab – da ist sie sich sicher – gelingt das fast nicht. »Die Sprache verpufft, aber Mimik, Gestik und Ausdruck bleiben.« Es sei Zeit, dass die Kirche auf die Menschen zugeht, sie mit dem Wort Gottes begeistert und es lebendig macht. »Wir sind mehr als Ohr und Verstand«, sagt die Pfarrerin. »Wir sind auch Auge, Mund, Kopf, Herz und Leib.«

Darum ersetzt Angela Kunze-Beiküfner die klassische Predigt durch eine andere Form der Verkündigung. Eine Form, für die sie viel weiße Theaterschminke, einen knallroten Lippenstift, schwarze Kleidung und ein Paar schneeweiße Handschuhe benötigt. Nicht selten wird sie während des Gottesdienstes von der Pfarrerin zur Pantomimin. Dann legt sie ihren Talar ab und verwandelt sich vor den Augen der Gemeinde in wenigen Minuten in eine biblische Figur. Sie ist der Zöllner Zachäus oder Elia am Horeb – aber sie ist stumm. »Mir liegt es, Texte des Alten und Neuen Testaments pantomimisch auszudrücken. Biblische Texte werden so ganz anders verinnerlicht.« Dafür setzt die drahtige, zierliche Frau ihren ganzen Körper ein. »Ich spiele alles mit viel Leidenschaft und manchmal ist sogar ein bisschen Akrobatik dabei.« Ihre Erfahrungen als Zirkusclown kommen der Dozentin am Pädagogisch-Theologischen Institut in Drübeck zugute. »Ich war einige Jahre freischaffender Clown in Berlin. Erst nach der Wende habe ich mein Abitur nachgeholt und in Leipzig und Indien Theologie studiert.«

Heute absolviert sie etwa ein Dutzend dieser besonderen Gottesdienste im Jahr. Sie reist viel, wurde schon von Fernsehteams begleitet und bietet Kurse an, denen sie den Titel »Entdecke den Clown in dir!« gab. »Zusammen mit den Kursteilnehmern kom­me ich den Clownstugenden vor allem durch den körperlichen Ausdruck auf die Spur«, sagt sie und lacht herzlich. Wie immer, wenn sie von ihrer Passion spricht. Die gebürtige Potsdamerin, die heute in Halberstadt lebt, wirkt ausgelassen. Sie weiß, dass ihre Sicht auf die klassische Predigt viele Kritiker auf den Plan ruft. »Mein Ziel ist es, einen Kirchenraum lebendig zu machen. Es geht mir darum, Emotionen zu wecken.«

Auch Steffen Schulz aus Halle ist ein Kirchenclown. Einer, wie man ihn sich vorstellt: mit lustigen Hosenträgern, einem geschminkten Gesicht und einer roten Nase. Als Clown Leo kann man ihm in Kirchen begegnen. Der damalige Bischof Axel Noack hat ihn einmal als »Kirchenmitarbeiter im Verkündungsdienst« bezeichnet, als »jemand, der bei Kindern und Erwachsenen in einer anschaulichen und praktischen Weise die Freude am Evangelium weckt«. Ein Kompliment.

Im Herbst hat Steffen Schulz zu einer bundesweiten Versammlung in seine Heimatstadt geladen. Vom 22. bis 24. Oktober wird es in der Kirche St. Laurentius um Clownerie, Kirche, Glauben und Humor gehen. Es soll eine Art Qualitätsstandard für die Kunstform Kirchenclownerie erarbeitet werden. Angela Kunze-Beiküfner wird dabei sein – als weißgesichtige Pantomimin und Clown Tünde.

Sabrina Gorges

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