Ein Campus – drei Schulformen

18. Februar 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Schulzentrum: In Mühlhausen wurde das bisher größte Schulbauprojekt der EKM verwirklicht

Ein Farbtupfer in der evangelischen Landschaft – und das nicht nur äußerlich – ist das neue Schulzentrum Mühlhausen, Fotos: Daniel Volkmann

Ein Farbtupfer in der evangelischen Landschaft – und das nicht nur äußerlich – ist das neue Schulzentrum Mühlhausen, Fotos: Daniel Volkmann

Am Freitag, 19. Februar, wird Landesbischöfin Ilse Junkermann mit einem Festgottesdienst das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen eröffnen.

Da möchte man noch mal Schülerin sein! Großzügig, modern und farbenfroh präsentiert sich der neue Schulkomplex des Evangelischen Schulzentrums Mühlhausen. Auch wenn kurz vor dem Schluss der Winterferien noch in allen Ecken gewerkelt wird, ist der Eindruck überwältigend: breite Flure, behindertengerechte Zugänge, moderne Fachräume. Der Physiksaal hat eine digitale Tafel, der Chemieraum einen ­mobilen Abzug, den Schulleiter Reinhold Goldmann, selbst Chemielehrer, mit Freude vorführt. Gleich nebenan haben die Lehrerinnen und Lehrer geräumige Vorbereitungsräume.

Seit September 2008 wurde die 30 Jahre alte Typenschule saniert und erweitert. Damals begannen die Tiefbauarbeiten mit einigen Schwierigkeiten. Denn die Schule steht auf einem alten Steinbruch. Aus diesem, so erzählt Superintendent Andreas Piontek, sei die Mühlhäuser Divi-Blasii-Kirche gebaut. Den Bauleuten indes machte der Grund zu schaffen. Bis in eine Tiefe von 16 Metern musste mit Bohrpfählen gegründet werden. Auch die Architekten hatten keine leichte Aufgabe. Es galt, das Konzept eines modernen Schulzentrums im alten DDR-Plattenbau umzusetzen. So wurde ein neuer Flurbereich angebaut, von dem aus alle Klassenzimmer erreichbar sind. Diese selbst konnten dadurch vergrößert werden. Zudem wurde ein neuer Schuleingang geschaffen, der die Orientierung erleichert.

Auch die alte Sporthalle ist erweitert worden und hat nun mehrere Bereiche: Neben einer großen Halle mit gefedertem Fußboden, gepolsterten Wänden, extra Eingang und Sanitärbereich für Rollstuhlfahrer gibt es einen kleineren Gymnastikraum. Vorgebaut wurde eine Mensa, die auch als Aula genutzt werden kann – und am Freitag für den Festgottesdienst. An der Außenwand der Turnhalle ist ein Platz für eine Kletterwand vorbereitet.
8500 Quadratmeter Geschossfläche hat das Areal nach den Angaben des Weimarer Architekturbüros Nitschke und Donath. Die Baukosten beliefen sich auf rund 5,8 Millionen Euro, getragen vom Freistaat, der Landeskirche und dem Kirchenkreis Mühlhausen.

Grundschulleiterin Andrea Röth-Wenkel bei den letzten Handgriffen.

Grundschulleiterin Andrea Röth-Wenkel bei den letzten Handgriffen.

Das Besondere am Schulzentrum sind jedoch nicht nur die Gebäude, sondern mit dem Ausbau werden drei Schulformen auf einem Campus vereint sein: Grundschule, Regelschule und Gymnasium. Die Verschränkung der Schularten bringt viele Vorteile: Die Schülerinnen und Schüler erwerben soziale Kompetenz, denn es gibt keine räumlichen Grenzen. Zudem werden sie in vielen Fächern von ­denselben Lehrern unterrichtet. Sie können relativ problemlos von der ­Regelschule aufs Gymnasium wechseln und umgekehrt.

Die höheren Klassen waren bereits unter einem Dach. Neu ist der Zuzug der Grundschule. Dass es da zwischen älteren und jüngeren Schülern Probleme geben könnte, befürchtet die Schulleiterin der Grundschule, Andrea Röth-Wenkel, nicht. »Wir denken da positiv«, sagt sie. Die Ganztagsschule erfährt eine gute Betreuung durch die Lehrkräfte. Sie freut sich, dass nun auch das integrative Modell genehmigt wurde.

Die Bauarbeiten indes werden noch weitergehen. Wegen des strengen Winters konnte der Schulhof nicht fertiggestellt werden. Durch Grünstreifen, Belag- und Niveauwechsel sowie Fahrradständer und Sitzgruppen werden hier kleinere Bereiche entstehen. Neben dem Haupteingang zum Gelände ist ein Glockenturm geplant. Außerdem soll die Grundschule ein eigenes Gebäude bekommen. Zurzeit sind die Grundschüler im Obergeschoss untergebracht. Das bisherige Grundschulgebäude, eine alte Villa in der Nachbarschaft, beherbergt nun eine Lehrmittelbücherei und Kursräume.

»Alle drei Schularten wachsen fröhlich«, sagt Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Seit den Winterferien lernen im Schulzentrum 560 Schüler. Nächstes Schuljahr werden es 730 sein, 2013 etwa 900. Knapp 70 Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieher und Sonderpädagogen sind am Schulzentrum tätig. Das sind optimale personelle Voraussetzungen für das Schulkonzept, das jeden einzelnen Schüler im Blick haben will. Getragen wird die Schule durch die Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Aber auch der Kirchenkreis Mühlhausen, sagt Superintendent Piontek, unterstütze den allgemeinen Haushalt jährlich mit 135.000 Euro.

»Wir sind stolz, dass wir dieses ­Projekt umsetzen konnten. Es ist das größte Schulbauprojekt der Landeskirche und ein schönes Zeichen an der richtigen Stelle«, zieht Marco Eberl Bilanz. »Und es ist nicht nur eine schöne Hülle. Wir können erstmals unter diesem einen Schuldach unserer Vorstellungen von Durchlässigkeit des Schulsystems mit dem Ziel einer höheren Bildungsgerechtigkeit verwirklichen.« Es sei ein wunderbarer und lebensfroher Farbtupfer in der Kirchenlandschaft.

Auch Schulleiter Goldmann freut sich über den gemeinsamen Start nach den Winterferien: »Jetzt kann das Schulzentrum zusammenwachsen.«

Dietlind Steinhöfel

Festgottesdienst, 19. Februar, 11 Uhr

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