Abgefahren

24. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Gianluigi Calcaterra

Foto: Gianluigi Calcaterra

Für einen Geschäftsführer mag ein Maserati ein angemessenes Gefährt sein. Ob allerdings der Chef einer Obdachlosenhilfeeinrichtung eine solche Nobelkarosse als Dienstwagen fahren sollte, darf getrost bezweifelt werden. Was wie eine Geschichte aus dem Tollhaus klingt, ist keineswegs ein Witz, sondern bittere Realität. So geschehen in Berlin bei der »Treberhilfe«. Ein Unrechtsbewusstsein ließ der Chef bis zuletzt vermissen: Der Wagen habe schließlich nicht 114.000 Euro gekostet, sondern »nur« 70.000 bis 90.000 Euro, meinte Harald Ehlert zu seiner Verteidigung. Einen Widerspruch zwischen dem Einsatz für die Obdachlosen und dem Fahren eines Dienst-Maserati mochte er nicht sehen. Stattdessen fand er das Auto für sich als »Sozialinvestor« durchaus angemessen. Besonders pikant: Die Einrichtung gehört zum Diakonischen Werk.

Der Berliner Diakonie war der Vorfall sichtlich unangenehm. Zudem sind die Folgen noch gar nicht abzusehen. Es dürfte geraume Zeit dauern, bis die Diakonie ihre Glaubwürdigkeit zurückgewonnen und den Imageschaden aus der Welt geräumt hat. Als erste Konsequenz nach dem Bekanntwerden des Skandals hatte der evangelische Wohlfahrtsverband dem Geschäftsführer ein Ultimatum gesetzt und mehr Transparenz angemahnt. Inzwischen ist der Maserati verkauft und dem Chef der Treberhilfe einen Co-Geschäftsführer zur Seite gestellt worden, um weitere Irritationen zu vermeiden. Das war das Mindeste, was die Verantwortlichen tun konnten.

Der Fall zeigt freilich auch, dass die Diakonie hier vor einem Dilemma steht. Der Dachverband ist im Prinzip ein zahnloser Tiger, der wenig Einfluss auf die Geschäftsgebaren seiner Mitglieder nehmen kann – es sei denn, eine Einrichtung schlägt derart über die Stränge. Doch für den Wohlfahrtsverband ist es von elementarer Bedeutung, dass Einrichtungen für das einstehen, was die Diakonie auszeichnen sollte: Hilfe zu bieten für die am Rande der Gesellschaft Stehenden. Mit einem Nobelauto für den Chef dürfte das kaum gelingen.

Martin Hanusch

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