Nur so öffnet sich der Himmel!

18. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Psalm 91, Vers 4a

Albrecht Henning

Albrecht Henning

Ich kann mich ganz schnell mit diesem Gottesbild anfreunden. Gott als der große Beschützer – wie ein Adler, der seine Jungen unter seine mächtigen Schwingen nimmt – wie die Henne, die ihre Küken unter ihre Fittiche sammelt. Ja, unter seinen Flügeln ist alles in Ordnung! Die Frage ist aber, wann dieses Psalmwort wirklich zu sprechen beginnt.
Dann, wenn es mir gut geht und ich dieses Bild als schönen i-Tupfer dankbar annehme? Spricht es dann? Ja, gewiss – aber auch in seiner ganzen Tiefe? Daher noch einmal anders gefragt: Wer spricht hier?

Jedes sechste Kind in Deutschland lebt in Armut. Mein Nachbar ist im Afghanistan-Einsatz. Mehr als 200.000 tote Erdbebenopfer in Haiti. Mittvierziger im Dorf, die schon viele Jahre keine Arbeit haben. Einsame Rentner in viel zu groß gewordenen Häusern. Die Not schreit zum Himmel. Menschen schreien zum Himmel, dem blauen, dem kalten – und sehnen sich danach, dass er sich öffnet, dass ihnen geholfen wird, dass das Leben sie wieder umarmt.

Sie und viele andere sind es, die hier sprechen. Der Psalm 91 leiht Menschen eine Stimme, die Schutz suchen, weil sie diesen Schutz als Lebensrettung brauchen. Im dramatischen Satz zuvor heißt es: »Denn ER errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest.«

Zum einen geht es um von Menschen gemachtes Leid – zum anderen um Leid aufgrund von Natur­katastrophen. Das alles macht Angst und lässt verstummen, lässt sehnsüchtig Ausschau halten nach Rettung und Heilung.

Diese wird ihnen und uns verheißen mit den Worten: »ER wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.« Nur so ist das Leben auszuhalten. Nur so öffnet sich der Himmel! Durch IHN! So beginnt das Psalmwort wirklich zu sprechen. Die geschundene Seele erfährt die Zuflucht zu Gott als Lebensrettung. Dort, bei ihm, ist gut sein!

Albrecht Henning,  Pfarrer in Krina

Aktivisten geben nicht auf

18. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Bürgerinitiative lädt zum 200. »Friedensweg« durch die Colbitz-Letzlinger Heide ein

Immer am ersten Sonntag im Monat lädt die Bürgerinitiative zum »Friedensweg« ein. Strenger Frost ist kein Grund, die Wanderung ausfallen zu lassen. 	Foto: Karsten Wiedener

Immer am ersten Sonntag im Monat lädt die Bürgerinitiative zum »Friedensweg« ein. Strenger Frost ist kein Grund, die Wanderung ausfallen zu lassen. Foto: Karsten Wiedener


Bei eisiger Kälte stehen 50 Demonstranten an der Bundesstraße 189 in Colbitz (Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt). Sie hören geduldig den Rednern zu, die auf dem glatten Fußweg zum Mikrofon rutschen und sich kritisch über den militärischen Einsatz in Afghanistan und den Übungsbetrieb der Bundeswehr in der Colbitz-Letzlinger Heide nördlich von Magdeburg äußern. Bei dem 199. »Friedensweg« der Bürgerinitiative Offene Heide am 7. Februar werden zudem die Flugblätter für die 200. Auflage der Wanderungen am 7. März verteilt.

Auch bei der Jubiläumstour wird die Bürgerinitiative – wie seit ihrer Gründung vor mehr als 16 Jahren – gegen die Panzer und Soldaten in der Heidelandschaft protestieren. Dabei legen die Friedensaktivisten stets Wert darauf, humanistisch gesinnte Vereine, Parteien und andere Initiativen sowie Gewerkschaften und Kirchen einzubeziehen. Ein besonders gelungenes Beispiel von Ökumene kommt in Colbitz zum Ausdruck. Nach der Kundgebung, mit denen die »Friedenswege« traditionell beginnen, führt die Route bei Minusgraden in die katholische Kapelle des Dorfes, in der es kaum weniger kalt ist. Zu der Kirche Sankt Nikolaus von der Flüe wurde mit Unterbrechungen von 1955 an eine alte Scheune ausgebaut. Die Weihe erfolgte vor 50 Jahren.

Die Christen seien gerufen, Ordnung zu schaffen auf dieser Welt und Frieden zu stiften, sagt der evangelische Pfarrer Karl-Heinrich Schroedter aus Stendal in einer Andacht dort. »Gott geht auch mit uns durch die Heide. Wir sind unterwegs in der Heide, um Verantwortung für einen friedlich Umgang miteinander zu zeigen«, betont der 81-jährige Ruheständler.

»Wir sind unterwegs in der Heide, um Verantwortung für einen friedlich Umgang miteinander zu zeigen«

Im Anschluss wandert die Bürgerinitiative zum evangelischen Gemeindehaus, in dem der »Friedensweg« mit der Vorführung eines Films über das Projekt eines zivilen Friedensdienstes im Krisengebiet von Israel und Palästina beendet wird. Zuvor mahnt Pfarrer Dieter Kerntopf als Gastgeber an, bei der Kritik an der bei Colbitz geplanten Trasse für die Nordverlängerung der Autobahn 14 auch die Colbitzer Bevölkerung und nicht nur die Natur zu sehen. Wegen des Verkehrs auf der Bundesstraße 189, die durch das Dorf führt, könnten die Anwohner kaum noch schlafen. Jede Verzögerung beim Bau einer Ortsumgehung oder der Autobahn würde für die Einwohner weitere Einschränkungen in ihrer Lebensqualität bedeuten.

Die 60.000 Hektar umfassende Heide gilt als eine der größten unbesiedelten Flächen in Deutschland. Auf rund einem Drittel davon betreibt die Bundeswehr einen hochmodernen Gefechtsübungsplatz. Auf ihm trainieren auch Truppen anderer Staaten vor allem für Auslandseinsätze zum Beispiel in Afghanistan. Die Bürgerinitiative war mit dem ersten »Friedensweg« und einem Zeltlager am 1. August 1993 entstanden. Mit den Wanderungen soll die Heide »Stück für Stück« symbolisch in zivilen Besitz genommen werden. Rund 1.000 Kilometer wurden bereits zurückgelegt.

Auch wenn seitdem so gut wie nichts Zählbares gegen den Truppenübungsplatz zu verzeichnen ist, denken die Aktivisten nicht ans Aufgeben. So sind für dieses Jahr neben den monatlichen »Friedenswegen« ein Ostermarsch sowie die Teilnahme an Kirchentagen und am Sachsen-Anhalt-Tag im August in Weißenfels vorgesehen.

Karsten Wiedener

Hier mehr und dort weniger

18. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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In Creuzburg lädt während der Passionszeit eine Fastengruppe Interessierte ein

Traude Moseberg, Ilka Wagner, Monika Bley-Wagner und Elvira Dietzel (v. l.) ­gehören zu den Mitgliedern der Creuzburger Fastengruppe. Foto: Susanne Sobko

Traude Moseberg, Ilka Wagner, Monika Bley-Wagner und Elvira Dietzel (v. l.) ­gehören zu den Mitgliedern der Creuzburger Fastengruppe. Foto: Susanne Sobko

In der ersten Fastengruppe in Creuzburg im Wartburgkreis trafen sich vier Frauen. 2009 waren es schon acht. Und in diesem Jahr wird mit einer noch höheren Zahl gerechnet. Ilka Wagner und Monika Bley-Wagner fühlen sich damit bestätigt – sie hatten die Idee, solch eine Gruppe nach Vorbild der Fastenaktion »7 Wochen Ohne« der Evangelischen Kirche in Deutschland auch in ihrer Heimatgemeinde im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen anzubieten. Anfangs dominierte das Abnehmen in den Gesprächen, doch mit der Zeit wurden andere Themen viel wichtiger. So ging es oft um das Zeit-Fasten, beispielsweise um das Abschalten des Fernsehers, um mal wieder mit dem Partner ins Gespräch zu kommen oder ein Buch zu lesen. Auch den Verzicht auf Alkohol nahmen sich die Frauen vor.

Damit hatte Monika Bley-Wagner als Leiterin der Gruppe die wenigsten Probleme. Als sie sich dann für den Verzicht auf ihre »heißgeliebten ­Gummibärchen« entschied, wuchs die Herausforderung. »Mir ist das Durchhalten sehr schwergefallen«, gibt die Creuzburger Kantorkatechetin zu, »ganz habe ich es nicht geschafft.« In diesem Jahr plant sie einen neuen Versuch. Ilka Wagner will vor allem auf Arbeit verzichten, denn wegen ihres ehrenamtlichen Einsatzes für die Redaktion »Kirche im Wartburg-Radio« bleibt oft zu wenig Zeit für die Partnerin. Mehr gemeinsam spazieren zu gehen ist ein Ziel der beiden. Wie sie festgestellt haben, sind solche Vorhaben auch in den Alltag jenseits der Fastenzeit »rübergeschwappt« – sie üben also inzwischen generell öfter mal Verzicht als früher. Auch die anderen Teilnehmerinnen haben das Fasten als heilsam empfunden, erzählen sie.

Aber Fasten könnte doch auch ­jeder für sich allein? Monika Bley-Wagner schüttelt energisch den Kopf. Die wöchentlichen Gruppentreffen hält sie für sehr wichtig, vor allem ­wegen der Gespräche. Eigentlich ist am Mittwochabend nur eine Stunde für die Treffen angesetzt, aber meist sitzen die Frauen viel länger zusammen. Weil sie Dinge ansprechen können, über die sie sonst mit niemandem reden, erklärt die Kantorkatechetin. Sie fühlt sich dabei nicht nur als Seelsorgerin, sondern profitiert selbst. »Da geht es um Themen, auf die wir selbst nicht gekommen wären. Bei der Kirche sind wir ja manchmal ein bisschen betriebsblind«, so ihr Fazit.

Das diesjährige Motto »NÄHER! 7 Wochen ohne Zaudern« findet sie sehr gut. Zwar ist die Anonymität in Creuzburg kein so großes Problem wie in Großstädten, aber auch hier kennt sie genug Menschen, die sich über einen Besuch freuen würden. Angesichts des Arbeitsmaterials der evangelischen Kirche rechnet sie zudem mit vielen Denkanstößen. Die Gruppenteilnehmerinnen beschäftigen sich die ganze Woche mit den Texten und Fotos und kommen dann mit vielen Fragen zum Treffen, erzählt die 55-Jährige. Ihre Gruppe ist überkonfessionell, denn auch Nichtchristen sind herzlich eingeladen. »Bei solch einem Angebot kommen eher mal Menschen, die sonst nicht in die Kirche ­gehen würden«, sagt sie. Außerdem ist die Gruppe offen, sodass jederzeit neue Interessenten dazukommen können. Zum Abschluss wird am 31. März zum gemeinsamen Passahmahl eingeladen.

Susanne Sobko

Die Gruppe trifft sich seit dem 17. Februar immer mittwochs um 19 Uhr im Gemeindehaus in Creuzburg, Klosterstraße 12.

Ein Campus – drei Schulformen

18. Februar 2010 von redaktionguh  
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Schulzentrum: In Mühlhausen wurde das bisher größte Schulbauprojekt der EKM verwirklicht

Ein Farbtupfer in der evangelischen Landschaft – und das nicht nur äußerlich – ist das neue Schulzentrum Mühlhausen, Fotos: Daniel Volkmann

Ein Farbtupfer in der evangelischen Landschaft – und das nicht nur äußerlich – ist das neue Schulzentrum Mühlhausen, Fotos: Daniel Volkmann

Am Freitag, 19. Februar, wird Landesbischöfin Ilse Junkermann mit einem Festgottesdienst das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen eröffnen.

Da möchte man noch mal Schülerin sein! Großzügig, modern und farbenfroh präsentiert sich der neue Schulkomplex des Evangelischen Schulzentrums Mühlhausen. Auch wenn kurz vor dem Schluss der Winterferien noch in allen Ecken gewerkelt wird, ist der Eindruck überwältigend: breite Flure, behindertengerechte Zugänge, moderne Fachräume. Der Physiksaal hat eine digitale Tafel, der Chemieraum einen ­mobilen Abzug, den Schulleiter Reinhold Goldmann, selbst Chemielehrer, mit Freude vorführt. Gleich nebenan haben die Lehrerinnen und Lehrer geräumige Vorbereitungsräume.

Seit September 2008 wurde die 30 Jahre alte Typenschule saniert und erweitert. Damals begannen die Tiefbauarbeiten mit einigen Schwierigkeiten. Denn die Schule steht auf einem alten Steinbruch. Aus diesem, so erzählt Superintendent Andreas Piontek, sei die Mühlhäuser Divi-Blasii-Kirche gebaut. Den Bauleuten indes machte der Grund zu schaffen. Bis in eine Tiefe von 16 Metern musste mit Bohrpfählen gegründet werden. Auch die Architekten hatten keine leichte Aufgabe. Es galt, das Konzept eines modernen Schulzentrums im alten DDR-Plattenbau umzusetzen. So wurde ein neuer Flurbereich angebaut, von dem aus alle Klassenzimmer erreichbar sind. Diese selbst konnten dadurch vergrößert werden. Zudem wurde ein neuer Schuleingang geschaffen, der die Orientierung erleichert.

Auch die alte Sporthalle ist erweitert worden und hat nun mehrere Bereiche: Neben einer großen Halle mit gefedertem Fußboden, gepolsterten Wänden, extra Eingang und Sanitärbereich für Rollstuhlfahrer gibt es einen kleineren Gymnastikraum. Vorgebaut wurde eine Mensa, die auch als Aula genutzt werden kann – und am Freitag für den Festgottesdienst. An der Außenwand der Turnhalle ist ein Platz für eine Kletterwand vorbereitet.
8500 Quadratmeter Geschossfläche hat das Areal nach den Angaben des Weimarer Architekturbüros Nitschke und Donath. Die Baukosten beliefen sich auf rund 5,8 Millionen Euro, getragen vom Freistaat, der Landeskirche und dem Kirchenkreis Mühlhausen.

Grundschulleiterin Andrea Röth-Wenkel bei den letzten Handgriffen.

Grundschulleiterin Andrea Röth-Wenkel bei den letzten Handgriffen.

Das Besondere am Schulzentrum sind jedoch nicht nur die Gebäude, sondern mit dem Ausbau werden drei Schulformen auf einem Campus vereint sein: Grundschule, Regelschule und Gymnasium. Die Verschränkung der Schularten bringt viele Vorteile: Die Schülerinnen und Schüler erwerben soziale Kompetenz, denn es gibt keine räumlichen Grenzen. Zudem werden sie in vielen Fächern von ­denselben Lehrern unterrichtet. Sie können relativ problemlos von der ­Regelschule aufs Gymnasium wechseln und umgekehrt.

Die höheren Klassen waren bereits unter einem Dach. Neu ist der Zuzug der Grundschule. Dass es da zwischen älteren und jüngeren Schülern Probleme geben könnte, befürchtet die Schulleiterin der Grundschule, Andrea Röth-Wenkel, nicht. »Wir denken da positiv«, sagt sie. Die Ganztagsschule erfährt eine gute Betreuung durch die Lehrkräfte. Sie freut sich, dass nun auch das integrative Modell genehmigt wurde.

Die Bauarbeiten indes werden noch weitergehen. Wegen des strengen Winters konnte der Schulhof nicht fertiggestellt werden. Durch Grünstreifen, Belag- und Niveauwechsel sowie Fahrradständer und Sitzgruppen werden hier kleinere Bereiche entstehen. Neben dem Haupteingang zum Gelände ist ein Glockenturm geplant. Außerdem soll die Grundschule ein eigenes Gebäude bekommen. Zurzeit sind die Grundschüler im Obergeschoss untergebracht. Das bisherige Grundschulgebäude, eine alte Villa in der Nachbarschaft, beherbergt nun eine Lehrmittelbücherei und Kursräume.

»Alle drei Schularten wachsen fröhlich«, sagt Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Seit den Winterferien lernen im Schulzentrum 560 Schüler. Nächstes Schuljahr werden es 730 sein, 2013 etwa 900. Knapp 70 Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieher und Sonderpädagogen sind am Schulzentrum tätig. Das sind optimale personelle Voraussetzungen für das Schulkonzept, das jeden einzelnen Schüler im Blick haben will. Getragen wird die Schule durch die Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Aber auch der Kirchenkreis Mühlhausen, sagt Superintendent Piontek, unterstütze den allgemeinen Haushalt jährlich mit 135.000 Euro.

»Wir sind stolz, dass wir dieses ­Projekt umsetzen konnten. Es ist das größte Schulbauprojekt der Landeskirche und ein schönes Zeichen an der richtigen Stelle«, zieht Marco Eberl Bilanz. »Und es ist nicht nur eine schöne Hülle. Wir können erstmals unter diesem einen Schuldach unserer Vorstellungen von Durchlässigkeit des Schulsystems mit dem Ziel einer höheren Bildungsgerechtigkeit verwirklichen.« Es sei ein wunderbarer und lebensfroher Farbtupfer in der Kirchenlandschaft.

Auch Schulleiter Goldmann freut sich über den gemeinsamen Start nach den Winterferien: »Jetzt kann das Schulzentrum zusammenwachsen.«

Dietlind Steinhöfel

Festgottesdienst, 19. Februar, 11 Uhr

Lust aufs Predigen wecken

18. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Theologie: Am Freitag startet in Wittenberg offiziell das neue Zentrum für Predigtkultur

Die Zuhörer im Visier: Traugott Giesen, ehemaliger Pfarrer in Keitum, hat mit seiner Art zu predigen viele angesprochen. Sein Erfolgsrezept waren Predigten als Gespräch und ein Augenzwinkern dabei. Foto: epd-bild

Die Zuhörer im Visier: Traugott Giesen, ehemaliger Pfarrer in Keitum, hat mit seiner Art zu predigen viele angesprochen. Sein Erfolgsrezept waren Predigten als Gespräch und ein Augenzwinkern dabei. Foto: epd-bild

Der Predigt kommt in der evangelischen Kirche vonjeher eine zentrale Bedeutung zu. Damit das auch künftig so bleibt, hat die EKD ein Zentrum eingerichtet, das neue Impulse für die Predigtkultur entwickeln soll.

Was macht eine gute Predigt aus? Alexander Deeg, Leiter des Zentrums für Predigtkultur der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), muss ein wenig überlegen. »Vermutlich«, sagt der promovierte Theologe, »ist es vor allem die Leidenschaft für die Worte und Bilder der Bibel.« Dazu kämen die Liebe zur deutschen Sprache, der Mut, etwas Neues auszuprobieren, und nicht zuletzt das Vertrauen in die Hörer. Doch zugleich weiß der Pfarrer auch um die Grenzen. »Bis an die Ohren kann ich kommen, aber nicht ins Herz hinein, das macht Gott«, zitiert er Martin Luther.

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hat das Predigtzentrum, das im Rahmen des EKD-Reformprozesses ins Leben gerufen wurde, seinen Betrieb in Wittenberg aufgenommen. Die Entscheidung für die Lutherstadt kommt nicht von ungefähr. »Es ist der Ort, der sich zentral mit der evangelischen Predigt verbindet«, so der Leiter, der als ausgewiesener Experte in der Predigtlehre gilt. Schließlich hat die Wortverkündigung seit Martin Luther in der evangelischen Kirche eine besondere Bedeutung. Schon der Reformator sah das Predigtamt »als das höchste Amt« in der Kirche an. Kein Wunder also, dass die EKD mit dem Zentrum an den Ursprungsort der Reformation zurückkehrt.

Selbst der Zeitpunkt für die offizielle Eröffnung unmittelbar vor dem Sonntag Invokavit ist mit Bedacht gewählt. An jenem Sonntag 1522 war Martin Luther von der Wartburg nach Wittenberg zurückgekehrt, weil die von im angestoßenen Reformen zu ­tumultartigen Zuständen geführt hatten. Durch die Reihe der sogenannten Invokavit-Predigten sei es ihm gelungen, die gewaltsamen Umsturzver­suche zu beenden, erklärt Alexander Deeg den Hintergrund.

Aufgabe des Zentrum ist es nun, Freude und Lust an der Predigt zu wecken – bei denen, die zu predigen haben, aber auch bei denen, die sie hören. »Aber wir sind weder eine Gesellschaft für Predigtsprache noch sind wir eine Qualifizierungsmaschine«, schränkt Rhetorikreferent Dietrich Sagert ein. Der Theologe und promovierte Kulturwissenschaftler gehört ebenfalls zum Team. Mit konkreten Anweisungen wollen sich die Mitarbeiter jedoch zurückhalten. Allenfalls einen Rat kann sich Sagert, der auch Theaterregisseur ist, nicht verkneifen: »Heute muss man vor allem kürzer predigen und auch frecher.«

Dass der Wunsch nach ansprechenden Predigten groß ist, belegen auch die Zahlen der letzten EKD-Umfragen. Demnach meinen 63 Prozent der Kirchenmitglieder im Westen und sogar 72 Prozent der evangelischen Christen im Osten, dass die Predigt das wichtigste Element im Gottesdienst ist. »Die Menschen, die hierher kommen, erwarten etwas von der Verkündigung«, ist Alexander Deeg überzeugt. Auch deshalb findet er es eigentlich »komisch«, dass es angesichts der Bedeutung der Predigt bislang noch kein solches Zentrum gegeben hat. »Wir wollen die Predigt in der kulturellen Landschaft der Gegenwart verankern«, unterstreicht sein Kollege Sagert.

»Heute muss man vor allem kürzer predigen und auch frecher«

Zwar existieren bereits Predigerseminare und Weiterbildungsmöglichkeiten für Pfarrerinnen und Pfarrer. Doch eine Einrichtung, die sich speziell mit der Weiterentwicklung der Predigkultur beschäftigt, ist tatsächlich neu. Diese Rolle soll nun das Wittenberger Zentrum übernehmen.

Neben der Aus- und Fortbildung werden sich die drei Mitarbeiter vor allem um die Vernetzung der in der Predigtlehre Tätigen kümmern, didaktische Modelle der Predigtlehre und neue Formen der Predigtrede entwickeln. Auch Seminare und Workshops soll es hier geben. Allein in diesem Jahr sind zwölf Angebote vorgesehen. So geht es unter anderem um die politische Dimension der Predigt. Die jüngsten Auseinandersetzungen um die Neujahrspredigt der EKD-Ratsvorsitzenden hätten gezeigt, wie aktuell dieser Ansatz ist, findet Deeg. Im Herbst steht die Frage im Mittelpunkt, ob evangelische Predigt auch als Bildungsereignis verstanden werden kann.

Wie die Angebote angenommen werden, wissen die Mitarbeiter zwar noch nicht. Aber die Türen des Zentrums stehen weit offen. »Wenn es uns gelingt, Pfarrern und Prädikanten neue Impulse zu geben«, hofft der Leiter des Zentrums,»wäre schon viel gewonnen.«

Martin Hanusch

Wenn die Masken fallen

11. Februar 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Foto: Sorina Bindea, sxc.hu

Foto: Sorina Bindea, sxc.hu

Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Psalm 31, Vers 4

Wikinger sind in diesem Jahr stark im Kurs. ­Piraten immer noch. Auch Rotkäppchen und Löwenkönige … An diesem Wochenende ist Karneval, Fasching oder Fastnacht – je nach Tradition. Gehen Sie hin? Oder lässt sie dieses Thema kalt? In ­unserem 600-Einwohner-Dorf wird die fünfte Jahreszeit ganz groß geschrieben. An zwei Sitzungsabenden treten unter der Aufsicht des Elferrates mehrere Büttenredner auf. Kinder und Mädchen tanzen, und selbst die Männer machen Ballett. Immer eingeführt von der Prinzengarde und begleitet von Live-Musik. Schätzungsweise 30 Prozent aller Dorfbewohner sind für diese Tage aktiv. Mit viel Enthusiasmus und Aufwand an Zeit, Geld und Disziplin wird der Karneval geplant und gefeiert. Und »am Aschermittwoch …« – Sie kennen den Spruch.

An diesem Wochenende wird unser Posaunenchor nicht proben und im Gottesdienst … nun gut, die da kommen, sind am Sonntagmorgen wieder fit. Prinz Karneval hat offenbar eine wesentlich größere Gemeinde als unsere schöne Dorfkirche. Aber er hat ja auch ganz andere Grundsätze! Positiv gesehen: ein Hoch für Freude und Frohsinn. Kritisch betrachtet: eine Parade der unterdrückten Lebenswünsche. Der Aschermittwoch aber holt die ganze Gesandtschaft wieder in den Alltag zurück. Der Rausch ist verflogen. Mancher streut sich Asche aufs Haupt. Der Alltag hat uns wieder mit den gleichen Perspektiven und Stolpersteinen wie eine Woche zuvor.

Weder die Kraft der Wikinger noch die Verschlagenheit eines Piraten, auch nicht die Fürsorge eines Rotkäppchens stehen uns mehr zur Verfügung. Alles wieder auf Null. Da bin ich doch froh, dass ich mich nicht bloßgestellt fühlen muss, wenn die Masken fallen und der Alltag ruft. Denn mein Lebensanker ist mein Gott, der mein Fels und meine Burg ist, der mich leitet und führt – auch im Karneval und vor ­allem nach der Maskerade.

Gerhard Richter, Pfarrer in Bibra

Die Aldi-DDR

11. Februar 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Foto: Jelle Weidema, sxc.hu

Foto: Jelle Weidema, sxc.hu

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Seit der Mensch über sich nachdenkt, seit er Religionen hat, zieht sich die Phase des bewussten Verzichts durch nahezu alle Kulturen. Warum eigentlich, wo doch alles zur Verfügung steht? Gerade deswegen!

Eines Tages hatte Homo sapiens es mit Ackerbau und Viehzucht geschafft, seine Ernährung auf eine planbare Grundlage zu stellen. Jetzt war er nicht länger nur ein zotteliger Primat, der Beeren, Nüsse und Früchte klaubend durch die Wälder zog, Tag für Tag auf die Gnade der Natur angewiesen. Doch auf Wohlstand und Überfluss ist sein biologisches Programm nicht eingestellt, sondern auf den Wechsel von guten und schlechten Zeiten. Gibt es reichlich zu essen, langt der Mensch zu und legt sich Polster an für Hunger und Not. Dieses Muster hat alles Verhalten des Menschen geprägt: Zugreifen, wenn die Gelegenheit günstig ist, morgen könnte sie vorüber sein. Die Mangelwirtschaft der DDR wurde auch dadurch in den Ruin getrieben. Lag eine begehrte Ware endlich in den Regalen, war sie sofort ausverkauft.

Der Handel macht sich das seit jeher zunutze. Täglich wird eine neue günstige Gelegenheit hinausposaunt. Niemand spielt auf dieser Klaviatur des Unbewussten so virtuos wie der Discounter Aldi. Dort wird jede Woche aufs Neue die DDR inszeniert. Konsumartikel werden künstlich verknappt. Nur ein- oder zweimal im Jahr gibt es dort, was andere Märkte ständig bereithalten. Aldi ist indes nur ein Beispiel. Oft hält jedoch der niedrige Preis näherer Überprüfung nicht stand. Und andere kommt er teuer zu stehen. Wenn ein Kilo ­Apfelsinen bei Aldi nur 70 Cent kostet, kann für den marokkanischen Orangenpflücker nur ein Hungerlohn herausspringen.

Ohne Scheu – so lautet in diesem Jahr das Motto der Fastenaktion »7 Wochen ohne«. Vielleicht sollte man das mal versuchen: Ohne Scheu ein Geschäft voller Schnäppchen betreten – und mit leeren Händen wieder rausgehen.

Wolfgang Weissgerber

Großes Fest im Stadtpark

11. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Dessau ist am ersten Juniwochenende Gastgeberin des Anhaltischen Kirchentages

Die Anhaltischen Kirchentage gibt es seit 1996 – und zwar aller zwei Jahre in wechselnden Orten. In den Anfangsjahren hießen sie Anhaltisches Gemeindefest. Die Aufnahme zeigt das Fest im Jahr 2002 in Dessau, das damals neben dem Rathaus »über die Bühne« ging. 2006 fand der Anhaltische Kirchentag zusammen mit dem Zerbster Spargelfest statt, 2008 mit dem Köthener Töpfermarkt.  Foto: Lutz Sebastian

Die Anhaltischen Kirchentage gibt es seit 1996 – und zwar aller zwei Jahre in wechselnden Orten. In den Anfangsjahren hießen sie Anhaltisches Gemeindefest. Die Aufnahme zeigt das Fest im Jahr 2002 in Dessau, das damals neben dem Rathaus »über die Bühne« ging. 2006 fand der Anhaltische Kirchentag zusammen mit dem Zerbster Spargelfest statt, 2008 mit dem Köthener Töpfermarkt. Foto: Lutz Sebastian

Der achte Anhaltische Kirchentag findet unter dem Motto »Wie im Himmel so auf Erden« am 6. Juni in Dessau-Roßlau statt. Erwartet werden dazu rund 2500 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Landeskirche. Schon am 5. Juni leitet der renommierte schwedische Sänger und Komponist Joakim Arenius eine Gospelnacht in der Johanniskirche. Prominente Gäste beim Kirchentag sind unter anderem Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), der sachsen-anhaltische Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz und der Dessau-Roßlauer Oberbürgermeister Klemens Koschig.

Zum Motto des Kirchentags »Wie im Himmel so auf Erden«, das dem Vaterunser entnommen ist, sagt Kirchenpräsident Joachim Liebig: »Christen stehen mit beiden Beinen fest auf der Erde, aber wir wissen: Unsere Zukunft liegt im Himmel. Wir sind realistisch und zugleich von der Hoffnung auf ein gelingendes Leben getragen.« Diese Zuversicht solle trotz aller alltäglichen und globalen Probleme beim Kirchentag besonders zum Ausdruck kommen. Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Berenbruch freut sich auf Gäste nicht nur aus der Landeskirche. »Wir freuen uns auch auf Menschen aus der ganzen Region, die der Kirche bislang weniger verbunden waren.«

Familien-Mitmachkonzert und Frauen-Theaterstück
Zum Auftakt des Kirchentags am 6. Juni sind in der Johannis- und der Marienkirche Andachten geplant. Es schließen sich Bibelarbeiten mit Bischöfin Junkermann und Kultusminister Olbertz an. Danach wird das Fest im Dessauer Stadtpark offiziell eröffnet. Den Abschluss bildet ein Freiluftgottesdienst um 15.15 Uhr, in dem Kirchenpräsident Liebig die Predigt hält.

Einen besonderen Schwerpunkt bilden Angebote für Kinder und Familien, unter anderem ein Mitmachkonzert mit dem Liedermacher Daniel Kallauch, aber auch Kletter- und Spielangebote sowie ein Zentrum »Beten mit Kindern«. Spiritualität und Einkehr stehen beim »Forum Beten« im Mittelpunkt. Auf der großen Bühne im Stadtpark wird ein Theaterstück von Pfarrer i. R. Armin Assmann aufgeführt, das unter dem Titel »Dem Himmel und der Erde nah« Frauenpersönlichkeiten aus der anhaltischen Geschichte vorstellt. Passend zum Motto des Kirchentages wird im Stadtpark unter anderem ein überdimensionales Himmelbett aufgestellt werden.
Auf dem »Markt der Möglichkeiten« können sich Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen, aber auch andere interessierte Anbieter präsentieren. Eine besondere Rolle wird bei dem Christentreffen die Kirchenmusik spielen.

Dabei wirken nicht nur zahlreiche Posaunenbläser mit. Bereits am 4. und 5. Juni findet in der Johanniskirche ein Gospelworkshop mit Joakim Arenius statt, dessen Ergebnisse bei der Gospelnacht am 5. Juni präsentiert werden.

(mkz)

Ein verlängertes Traugespräch

11. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Kurse für Ehepaare, Verliebte und Verlobte – Arbeit an der Partnerschaft dauert lebenslang

Damit die Liebe erhalten bleibt, müssen beide Partner viel für ihre Beziehung tun. Foto: Bilderbox

Damit die Liebe erhalten bleibt, müssen beide Partner viel für ihre Beziehung tun. Foto: Bilderbox

Über den Schutzpatron der Liebenden gibt es keine belegten Lebensdaten. Der heilige Valentin soll im 3. oder 4. Jahrhundert gelebt und trotz Verbotes des römischen Kaisers Paare christlich getraut haben, was seine Hinrichtung zur Folge hatte. Zudem, so ist mancherorts zu erfahren, habe er in Beziehungskrisen geholfen. Beides jedenfalls wäre ein guter Grund, dass Christen am Valentinstag besondere Gottesdienste feiern.

Aber ein Tag im Jahr ist das eine, die Arbeit an der Beziehung das andere. Albrecht Schödl, Pfarrer am Christuspavillon in Volkenroda, und seine Frau Annett bieten deshalb in diesem Jahr zum ersten Mal ein »Seminar für Verliebte« an, das mit einem Gottesdienst am Valentinstag endet. »Meine Frau und ich waren in den 1990er Jahren einmal in Friedrichroda zu einem solchen Seminar«, sagt der 37-Jährige. Mit anderen Paaren und auch mit der Partnerin ins Gespräch über das Leben im Alltag einer Zweierbeziehung zu kommen hätten sie als sehr positiv erlebt. »Ich verheirate Paare und führe viele Traugespräche«, so der promovierte Theologe. Ein Verliebten-Wochenende sei dann sozusagen ein verlängertes Traugespräch.

Eheseminare bietet auch das »Team.F – Neues Leben für Familien« an – deutschlandweit. In Thüringen sind Cornelia und Stephan Arnold aus Tabarz in dieser überkonfessionellen Laienbewegung aktiv. Die Hochbauingenieure halten ihre Seminare im Familienzentrum in Brotterode.

Das Team.F wurde 1987 in Lüdenscheid (Westfalen) gegründet. Im selben Jahr gab eines der Gründungsehepaare auf Einladung in Rudolstadt ein Ehe- und Kindererziehungsseminar. Arnolds gehörten zu den Teilnehmern. »Wir haben viel Hilfe erfahren«, erzählt Stephan Arnold, Vater von sechs Kindern. Das Ehepaar organisierte ein Jahr später selbst ein erstes Seminar. Inzwischen kommen zwölf bis 30 Paare pro Kurs, jeweils angeleitet durch andere Paare, die ihre Erfahrungen einbringen und innerhalb der Team-F-Arbeit geschult werden.

Die Vergebung spielt eine große Rolle
Allein in Sachsen-Anhalt engagieren sich zwölf ehrenamtliche Paare, informiert Ursula Drossel. Sie und ihr Mann sind für Sachsen und Sachsen-Anhalt zuständig. Mit 31 Jahren Eheerfahrung können sie viel weitergeben. Noch in DDR-Zeiten hatten die beiden gelernten Ökonomen an einem Seminar bei Berlin teilgenommen. »Da wurde unsere Ehe gerettet«, bekennt die 53-Jährige. Im Frühjahr 1989 hätten sie in Dresden den ersten eigenen Kurs organisiert. Sieben Jahre waren sie in Sachsen ehrenamtlich tätig, haben ihren Sommerurlaub geopfert, »weil wir merkten, das ist auch gut für andere«. Inzwischen sind Drossels bei Team.F angestellt und unterstützen die Ehrenamtlichen. Wichtig sei, dass diese einer christlichen Gemeinde angehören und dass der Ortspfarrer Bescheid wisse. Denn das Anliegen solle möglichst auch in die Gemeinden vor Ort getragen werden.

»Man soll sich ein Leben lang um seine Beziehung mühen«, betont Ursula Drossel. In den Seminaren geht es um Kommunikation, Konfliktlösung, geistliches Leben im Alltag, Sexualität. Vergebung spiele eine große Rolle und das Zeugnis des Glaubens. Aber auch Nichtgläubige können teilnehmen, wenn sie den Hintergrund tolerieren.

In Sachsen-Anhalt wird die Arbeit maßgeblich vom Ehepaar Schwengfelder geprägt. »Schwengfelders machen eine sehr gute Arbeit in Halle«, sagt Ursula Drossel. Eheabende seien ein Schwerpunkt. Zudem biete Thomas Schwengfelder im Juni am Bergwitzer See bei Wittenberg ein »romantisches Ehewochenende« in Zelten an.

Paarseminare sind eine wichtige Arbeit im Sinne des heiligen Valentins, ob die Legende nun stimmt oder nicht.

Dietlind Steinhöfel

www.team.f.de

Auge, Mund, Herz, Kopf und Leib

11. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Vorgestellt: Angela Kunze-Beiküfner will mit Clownerie im Gottesdienst Emotionen wecken

Ein Clown ist kein Kasper: die Theologin Angela Kunze-Beiküfner als Clown Tünde. Foto: Frank Drechsler

Ein Clown ist kein Kasper: die Theologin Angela Kunze-Beiküfner als Clown Tünde. Foto: Frank Drechsler

Die Gute Nachricht lässt sich auf viele Weise weitererzählen – auch ohne Worte und mit Humor. Kirchenclowns haben eine besondere Art zu predigen.

Für Angela Kunze-Beiküfner ist der Clown eine konträre Projektionsfigur. Menschen verbinden mit ihm Humor und Traurigkeit. Er steht für die eigenen Wünsche und ­Erwartungen und ist manchmal der Einzige, mit dessen Hilfe es gelingt, das Innerste nach Außen zu kehren. »Die Figur des Clowns ist schon immer voller Widersprüche gewesen«, sagt sie. Sehr gegensätzlich wirkt zunächst auch die Verbindung von Kirche und Clown. Passt das zusammen? Kann jemand beides sein? Angela Kunze-Beiküfner kann es. Sie ist Theologin, Dozentin und Clown. »Die Kirche war für mich immer etwas ­Vertrautes«, sagt die 45-Jährige. »Und die Clownerie war mein Traum.«

Seit etwa acht Jahren verknüpft sie Vertrautheit und Traum in mitreißenden Predigten. Sie schlüpft als Pfarrerin in die Rolle des lustigen Gesellen Tünde und des melancholischen Weißgesichts. »Ich bin ein Clown, aber kein Kasper«, sagt Kunze-Beiküfner. »Ich kokettiere mit Situationskomik, aber ich bin ganz weit von der Lächerlichkeit entfernt.« Als Pantomimin gelingt es der dreifachen Mutter, die Liturgie des Gottesdienstes in die Herzen der Anwesenden zu tragen. »Ich will Kommunikation«, sagt sie. Von der Kanzel herab – da ist sie sich sicher – gelingt das fast nicht. »Die Sprache verpufft, aber Mimik, Gestik und Ausdruck bleiben.« Es sei Zeit, dass die Kirche auf die Menschen zugeht, sie mit dem Wort Gottes begeistert und es lebendig macht. »Wir sind mehr als Ohr und Verstand«, sagt die Pfarrerin. »Wir sind auch Auge, Mund, Kopf, Herz und Leib.«

Darum ersetzt Angela Kunze-Beiküfner die klassische Predigt durch eine andere Form der Verkündigung. Eine Form, für die sie viel weiße Theaterschminke, einen knallroten Lippenstift, schwarze Kleidung und ein Paar schneeweiße Handschuhe benötigt. Nicht selten wird sie während des Gottesdienstes von der Pfarrerin zur Pantomimin. Dann legt sie ihren Talar ab und verwandelt sich vor den Augen der Gemeinde in wenigen Minuten in eine biblische Figur. Sie ist der Zöllner Zachäus oder Elia am Horeb – aber sie ist stumm. »Mir liegt es, Texte des Alten und Neuen Testaments pantomimisch auszudrücken. Biblische Texte werden so ganz anders verinnerlicht.« Dafür setzt die drahtige, zierliche Frau ihren ganzen Körper ein. »Ich spiele alles mit viel Leidenschaft und manchmal ist sogar ein bisschen Akrobatik dabei.« Ihre Erfahrungen als Zirkusclown kommen der Dozentin am Pädagogisch-Theologischen Institut in Drübeck zugute. »Ich war einige Jahre freischaffender Clown in Berlin. Erst nach der Wende habe ich mein Abitur nachgeholt und in Leipzig und Indien Theologie studiert.«

Heute absolviert sie etwa ein Dutzend dieser besonderen Gottesdienste im Jahr. Sie reist viel, wurde schon von Fernsehteams begleitet und bietet Kurse an, denen sie den Titel »Entdecke den Clown in dir!« gab. »Zusammen mit den Kursteilnehmern kom­me ich den Clownstugenden vor allem durch den körperlichen Ausdruck auf die Spur«, sagt sie und lacht herzlich. Wie immer, wenn sie von ihrer Passion spricht. Die gebürtige Potsdamerin, die heute in Halberstadt lebt, wirkt ausgelassen. Sie weiß, dass ihre Sicht auf die klassische Predigt viele Kritiker auf den Plan ruft. »Mein Ziel ist es, einen Kirchenraum lebendig zu machen. Es geht mir darum, Emotionen zu wecken.«

Auch Steffen Schulz aus Halle ist ein Kirchenclown. Einer, wie man ihn sich vorstellt: mit lustigen Hosenträgern, einem geschminkten Gesicht und einer roten Nase. Als Clown Leo kann man ihm in Kirchen begegnen. Der damalige Bischof Axel Noack hat ihn einmal als »Kirchenmitarbeiter im Verkündungsdienst« bezeichnet, als »jemand, der bei Kindern und Erwachsenen in einer anschaulichen und praktischen Weise die Freude am Evangelium weckt«. Ein Kompliment.

Im Herbst hat Steffen Schulz zu einer bundesweiten Versammlung in seine Heimatstadt geladen. Vom 22. bis 24. Oktober wird es in der Kirche St. Laurentius um Clownerie, Kirche, Glauben und Humor gehen. Es soll eine Art Qualitätsstandard für die Kunstform Kirchenclownerie erarbeitet werden. Angela Kunze-Beiküfner wird dabei sein – als weißgesichtige Pantomimin und Clown Tünde.

Sabrina Gorges

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