Gütesiegel für eine neue Welt
11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
Deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Psalm 57, Vers 11

Meine Güte ist begrenzt. Ich bin noch nicht altersweise und herzensgut, allzeit freundlich und liebreich. Und ich bin auch nicht so weltfremd, dass ich nicht wüsste, wie es den Gütigen ergeht: Ja, sie werden ausgenutzt, nicht ernst genommen, entmachtet und als Deppen hingestellt. Es muss ja nicht immer so drastisch ausgehen, wie es Bert Brecht beschrieben hat: »Was nützt die Güte, wenn die Gütigen sogleich erschlagen werden?«
Doch bevor ich Güte, die zu den Tugenden zählt, als altmodisches Wort aus meinem Wortschatz und mit ihrem Anliegen aus meinem Leben streiche, will ich nachfragen. »Güte« sollte es doch nicht nur zur Klassifizierung von Eiern oder zur Qualitätsbeschreibung deutscher Gurken geben.
Drückt sich in Güte nicht auch die Erfahrung eines langen Lebens aus? Die Erfahrung, dass ich selbst mit besten Vorsätzen scheitern kann und schuldig werde. Dass Wahrheit nicht alles ist. Güte ist eine Frucht von Gottes Geist. In der Passionszeit kann ich die Güte noch von einer anderen Seite her kennenlernen. Gott lässt es zu, dass sein Sohn stirbt. Damit wird meine Schuld getilgt, er will mich zur Umkehr bewegen. Allein die Güte Gottes vermag es, mein Leben zu verändern. Ich verstehe das Kreuz von Christus als Gütesiegel für eine neue Welt.
Im Psalm beten wir zu Gott und sprechen von seiner Güte und Wahrheit. Harmlos und weltfremd kann die Güte so nicht sein, wenn sie mit der Wahrheit verbunden ist. Ich merke, dass die Güte mir eine Brücke baut, über die ich sonst nicht gehen könnte. Wahrheit allein muss nicht überzeugen.
Ich spüre meine Sehnsucht, dass sie sich Bahn brechen möge wie der Frühling: Gottes Güte und seine Wahrheit für mein Leben und für unsere Welt. Damit es heller wird und weiter und auch meine Güte nicht mehr begrenzt ist. Dieser Horizont stellt meine Füße wieder auf weiten Raum.
Katarina Schubert, Pfarrerin in Saalfeld






