Pfarrhäuser unterm Hammer
18. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Gebäude: Derzeit stehen mehr als 100 kirchliche Immobilien in Mitteldeutschland zum Verkauf
Die Kirche ist nicht nur reich an Kirchen und Kapellen, sie verfügt auch über zahlreiche Pfarr- und Gemeindehäuser. Doch angesichts größer werdender Pfarrbereiche können nicht alle Immobilien gehalten werden. Einen Ausweg stellt für manche Gemeinde der Verkauf dar.
»Wir konnten das Gebäude nicht länger halten und mussten eine Lösung finden, die in die Zukunft weist«, sagt Oberpfarrer Axel Walter über das Pfarrhaus in Wormstedt. Der Ort gehört zum Kirchspiel Schöten im Kirchenkreis Apolda-Buttstädt und liegt auf einem Plateau zwischen Ilm und Saale. Sieben Jahre dauerte es, bis für den Klinkerbau in der Ortsmitte ein privater Käufer gefunden wurde. Dafür mussten die Gemeinderäume im Erdgeschoss aufgegeben werden. »Wir konnten da nicht den Fuß drin lassen, sonst hätte es keiner gekauft«, ist sich Axel Walter sicher.
Dass es hier dennoch Perspektiven für die Gemeindearbeit gibt, zeigt sich am 21. März beim ersten Spatenstich für den Neubau des »Foyers Telemann«. Mit diesem wird ein in der Region vielfach nutzbares Haus geschaffen, das zugleich als musikalischer Erinnerungsort an Johanna Maria Telemann dienen soll. Die Mutter des Barockkomponisten Georg Philipp Telemann verbrachte hier ihre letzten Lebensjahre im Hause ihres Sohnes Heinrich, der über 40 Jahre Pfarrer in Wormstedt war. Ihr inzwischen sanierter Grabstein soll an exponierter Stelle im neuen Gemeinderaum aufgestellt werden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf des einstigen Pfarrhauses konnte die finanzielle Basis für den Neubau geschaffen werden. Dennoch müssen noch erhebliche Spendenmittel bis zur Einweihung am 22. August aufgebracht werden.
»Der Notarvertrag dampft noch!«, berichtet Dietrich Kollmannsperger vom Kreiskirchenamt Stendal über das gerade verkaufte Gemeindehaus im zwischen Havelberg und Rathenow gelegenen Erholungsort Schollene. Da es dort noch ein Pfarrhaus gibt, wurde es für die Gemeindearbeit nicht mehr benötigt. Es sei durchaus kein Einzelfall, dass in manchen Kirchengemeinden neben dem Pfarrhaus noch weitere Gebäude, wie zum Beispiel eine Küsterei, existieren.
Der Entschluss zum Verkauf eines kirchlichen Gebäudes ist zumeist ein langwieriger Prozess. Durch die Zusammenlegung von Gemeinden sind viele Pfarrhäuser verwaist. Ihre bauliche Erhaltung überschreitet oft die finanziellen Möglichkeiten vor Ort. Dennoch fragen viele Gemeindeglieder: »Haben wir jetzt wirklich so schlechte Zeiten, dass wir unser Pfarrhaus aufgeben müssen?«
Nach den Worten von Oberkonsistorialrat Diethardt Brandt, Leiter des Referates Grundstücke im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), sollten die Gemeinden einer Region über »einen ihrer Größe, ihrer Mitgliederzahl und ihren Aufgaben angemessenen Gebäudebestand verfügen, den sie in Verbindung mit dem Kirchenkreis auch unterhalten können«. Dabei stehe es »außer Frage, dass das Kirchengebäude als zentraler Anlaufpunkt erhalten bleiben soll«.
Im Blick auf den eventuellen Verkauf von Immobilien und Grundstücken rät er den Gemeinden, rechtzeitig mit einer bedarfsgerechten Planung zu beginnen, um unnötige »Hals-über-Kopf-Aktionen« zu vermeiden. Ist die Entscheidung zur Aufgabe eines Gebäudes gefallen, wird dies von der zuständigen Grundstücksverwaltung erfasst und auf der Homepage www.kirchengrundstuecke.de mit einem Kurzexposé und Fotos angezeigt. Dies ist eine bundesweite Immobilien-Plattform, die von der Kirchenprovinz Sachsen initiiert wurde und jetzt vom Kirchenamt der EKM betreut wird. Für ihre innovative Präsentationsform wurde sie mit dem EKD-Internet-Award »WebFish 2007« ausgezeichnet. Zurzeit befinden sich 176 Gebäude, 134 Wohnbaugrundstücke und 38 Gewerbeflächen im Angebot.
Für ihre stets aktuelle Darstellung ist Hans Mahlstedt, Referat Grundstücke im Landeskirchenamt, verantwortlich. Im Sinne einer schnellen Überschaubarkeit habe man sich für eine Gliederung nach Bundesländern entschieden, erläutert er im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Es genügt ein Mausklick, um zu erfahren, dass zum Beispiel in Sachsen-Anhalt 61 und in Thüringen 44 Häuser zum Verkauf ausgeschrieben sind. Im Vergleich zu den 3.885 Kirchen und Kapellen, die sich auf dem Territorium der EKM befinden, stellt dies eine vergleichsweise überschaubare Größenordnung dar.
Michael von Hintzenstern






