Wer klagt, hat Hoffnung
18. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
Gott schaffe mir Recht und führe meine Sache wider das unheilige Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten. Psalm 43, Vers 1
Hier klagt sich einer sein Recht bei Gott ein. Recht trotzig. Als letzte Instanz und in eigener Sache. Hier betet einer mit vollem Risiko. Antwortet Gott nicht – bleibt er also stumm –, bleibt dem Kläger nur Spott und Einsamkeit. Einige Verse weiter vorn in Psalm 42 quälen die als falsch und böse bezeichneten Leute den Beter täglich mit der Frage: »Wo ist denn nun dein Gott?«

Foto: Daniel Battiston (sxc.hu)
Da mir Unsicherheit und mitunter Trauer um Gottes Verborgenheit nicht fremd sind, kann ich in dieses Psalm-Gebet und in die Klage einfallen. Ich wünsche mir und sehne mich danach, dass Gott sich mit mir solidarisiert und Nähe zeigt. Und dass er mir die falschen wie bösen Leute vom Hals hält mit all ihren vermeintlichen Mehrheitswahrheiten.
Wie der Psalmist weiß ich, dass aus Selbstzweifel leicht Zweifel an Gott wird. Später mitunter Zweifel ohne Gott. Das betrübt die Seele und bringt ungute Unruhe ins Leben. Doch: Wer klagt, übernimmt Verantwortung für seine Seele wie für sein Recht. Dass ist ein erster und aktiver Schritt. Stockende Worte bringen Bewegung in die Sache, lockern die Krise und wehren dem Verstummen.
Der Zweifel am Zweifel führt hier weiter und öffnet den Mund. Wer klagt, hat Hoffnung und eine Adresse. Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Klagen beantwortet werden, Ihre Sache gut ausgeht und Sie erleben, einer kann Recht schaffen.
Hans-Joachim Döring, Leiter des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums in Magdeburg
Ladenname ist Botschaft
18. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen
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Stück für Stück haben sich die Regale im »MannaManna« in den letzten Tagen gefüllt. Der Freundeskreis und viele Helfer schufen in monatelanger Arbeit eine schmucke Begegnungsstätte. Zu den Aktiven gehören: (v. l.) Pfarrer Martin Heinke, Gunhild Nehlen, Brigitte Schauer, Jochen Hanf, Rosemarie Hirsch, Heike Pabst, Pastorin Ulrike Weber, Barbara Küster, Marina Hanf, Ulrike und Günter Großkopp. Foto: Cathrin Martschoke.
In Ohrdruf eröffnet der Kirchenladen »MannaManna«
Ein Name ist eine Botschaft. Und weil der Sozialladen, der an diesem Sonnabend zusammen mit Thüringens Sozialministerin Heike Taubert in Ohrdruf neu eröffnet wird, kein üblicher sein soll, wurde er symbolhaft »MannaManna« benannt – nach dem Brot, das Mose und seinem Volk bei der Wüstendurchquerung von Gott zur Nahrung gegeben wurde.
Hier, in dem schmucken Fachwerkbau, sollen Menschen nicht auf bestimmte Rollen festgelegt werden. Hier sollen sozial Schwache, Hilfsbedürftige sowie Kinder, Jugendliche und Menschen, die einfach helfen wollen, einander begegnen können.
Ein Jahr habe die Vorbereitung gedauert: Konzepte wurden entwickelt, ein Freundeskreis gegründet und Objekte besichtigt. In der Bahnhofstraße Ecke Adolf-Schauder-Straße seien die engagierten Helfer dann fündig geworden, erinnert sich Pfarrerin Ulrike Weber vom Leitungsteam. Das auserkorene Objekt wird unter der Trägerschaft des Kirchenkreises Waltershausen-Ohrdruf und der Kirchengemeinde Ohrdruf geführt, im Laden selbst übernimmt Gunhild Nehlen nun die Regie.
Auf 160 Quadratmetern wurde in den letzten Monaten mit weiteren freiwilligen Helfern gesägt, gebohrt und geschraubt, die Wände in sonniges Gelb getaucht, Heizungen montiert und Leitungen verlegt. So entstand eine geräumige Kleiderkammer, in der auch Menschen mit Handicap mitarbeiten werden, und eine kleine Teestube für Gespräche und zum Basteln mit Kindern.
In einem gesonderten Raum mit separatem Zugang wurde eine Beratungsstelle der Diakonie eingerichtet, wo der Ratsuchende vom Umgang mit Säuglingen bis zur Problembewältigung in der Ehe kompetente Ansprechpartner findet. In einem kleinen Internetcafé sei zudem geplant, benachteiligte Kinder am Computer fit für die Schule zu machen. Das sei dringend notwendig, musste Ulrike Weber in ihrem Religionsunterricht feststellen. Zunächst werde erst einmal mit diesen »einfachen« Projekten begonnen, hat Ohrdrufs Pfarrer Martin Heinke die Planung vor Augen. Später werde eine Ausgabe für Nahrungsmittel hinzukommen, die Verteilung erfolge dann nach Berechtigungsscheinen.
Die Volkshochschule möchte der Freundeskreis ebenfalls mit einbeziehen, um Senioren weiterzubilden. Dia-Vorträge und offene Kinderarbeit sollen das pädagogische Angebot erweitern. Auch brachliegende Gärten sind ins Blickfeld gerückt. In ihnen könnte Obst und Gemüse angebaut werden, um es anschließend im Laden zu verkaufen. In einer kleinen Küche sollen Kinder außerdem lernen, aus wenigen Zutaten schmackhafte und gesunde Gerichte zu kochen. Auch die Eltern sollen dabei mit einbezogen werden, so Martin Heinke, der aus der Gemeindearbeit weiß, dass viele Dinge in Familien heutzutage oft auf der Strecke bleiben.
Im übertragenen Sinn wird sogar wieder eine alte Tradition in dieses Haus einziehen: Backen. Rosemarie Hirsch geht nun wieder an dem Ort zur Hand, an dem ihre Eltern von 1928 bis 1948 eine Bäckerei betrieben. »Jetzt ist es eine Manna-Bäckerei – eine Lebensbäckerei«, schlägt Pfarrer Heinke den Bogen. »Und so, wie die Menschen in der Wüste jeden Tag das Manna neu auflasen und Gott vertrauen mussten, dass er sie jeden Tag versorgt, so werden auch wir aus dem, was da ist, das Beste machen: mit der Lebensberatung Brot für die Seele bieten und die Gemeinschaft als Lebensbrot sehen.«
Cathrin Martschoke
Kinder im Rampenlicht
18. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Fächer wie Taubendressur oder Akrobatik standen auf dem Stundenplan der jungen Artisten, die eine große Geschicklichkeit entwickelten. Foto: Wieland Fischer
Zum ersten Mal Projektzirkus an der Evangelischen Grundschule Gotha
»Toll!« So oft wie während der vergangenen Tage gab es diesen überschwänglichen Ausruf an der Evangelischen Grundschule Gotha wohl nicht zu hören – sowohl von Schülern als auch von Lehrern. Die Kinder beschrieben damit ihre Auftritte in ihrem ersten Projektzirkus, ihre Lehrerinnen und Erzieherinnen die Wandlung, welche die Kinder beim Schnellkurs für kleine Artisten vollführten.
»Wir waren alle überrascht, was die Kinder in zwei Tagen gelernt haben«, sagt Anke Rosenhan, als sie die Darbietungen ihrer Schützlinge in der Manege sieht. »Total motiviert und diszipliniert« waren die Kinder bei Proben und Auftritten. Das war auch nötig. Etwa 300 Kinder der Evangelischen Grund- und Regelschule Gotha sowie der Kindertagesstätten »Teeschlösschen« und »Pusteblume« studierten mit Artisten des »1. Ostdeutschen Projektcircus’ André Sperlich« aus dem Landkreis Wittenberg ein zweistündiges Programm ein und gaben vier Vorstellungen.
Statt Mathe und Deutsch bestimmte für eine Woche an beiden Schulen Zirkusflair den Unterrichtsalltag. Fächer wie Taubendressur oder Akrobatik standen auf dem Stundenplan, einige Schüler durften sich als Clowns gebärden oder einen Seiltanz vollführen. Andere hantierten mit Schwertern, jonglierten oder vollführten Zauberkunststücke. Das war alles keine Hexerei, sondern hartes Training.
Dabei standen die gelernten Artisten des ostdeutschen Zirkus’ zur Seite. Mit Unterstützung von Eltern der Evangelischen Grundschule hatten sie in Gotha-West neben der Versöhnungskirche ein etwa 250 Sitzplätze fassendes Zirkuszelt aufgebaut.
Die Zirkus-Akteure waren zum ersten Mal in Gotha. Besonders angesprochen habe die Pädagogen, was die Kinder quasi nebenbei lernten: Dinge, die nicht in Schulbüchern stehen. Zum Beispiel Geschicklichkeit und Gemeinsinn, etwa wenn es gilt, dass Große Kleinen oder Kindern mit Behinderung helfen, sagt Grundschulleiterin Susanne Fiedler.
Zirkusmacher Alfred Sperlich weiß aus Erfahrung, welche Wandlungen Kinder in der Manege vollführen: Sie gewinnen Selbstvertrauen. Erlebbar sei das bei Kindern, die ansonsten mehr im Hintergrund stehen, wenn sie plötzlich ins Rampenlicht treten dürfen. Bei den Auftritten der Kinder in Gotha konnte das Publikum das hautnah miterleben.
Wieland Fischer
Mit Fahrrad und Bibel
18. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Vor einem Jahr wurde die Kirche Sankt Ursula in Wiehe zur ersten Radwegekirche im Kyffhäuserkreis. Von Ostern bis zum Reformationstag 2009 war sie täglich geöffnet – mit zahlreichen Gästen, wie das Gästebuch bescheinigt. Am 21. März, 14 Uhr, wird die diesjährige Fahrradsaison am Unstrut-Radweg hier eröffnet. Foto: Frank Bigeschke
Kirche entdeckt den Radtourismus für sich und beteiligt sich am Thüringer Themenjahr
Nicht nur für Manfred Reinhardt hat sich die Mühe gelohnt. »Die Nutzung von St. Ursula als Fahrradkirche nach der Sanierung war ein voller Erfolg«, ist der Gemeindekirchenratsvorsitzende aus Wiehe im Kyffhäuserkreis überzeugt. Vorher habe die Kirche in einem »Dornröschenschlaf« gelegen. Seit 2009 steht sie Radwanderern am Unstrut-Radweg zu Gebet und Ruhepausen offen.
Zwar hat es keine Statistik gegeben, wie viele Radler hier im vergangenen Jahr tatsächlich Station gemacht haben. Dennoch geben ihm die Einträge im Gästebuch recht. Da loben Radwanderer die Möglichkeit zu Stille und Einkehr sowie das angenehme Umfeld der kleinen Barockkirche in der Rankestadt. »Wir haben heute gelernt, dass eine Fahrradtour mehr sein kann, als nur viele Kilometer zu schaffen«, schreiben Rosi und Christian Leihmann aus Erfurt.
Am 21. März erfolgt nun der Start in die zweite Saison. Dazu hat sich auch Thüringens Verkehrsminister Christian Carius in Wiehe angesagt, der selbst passionierter Radfahrer ist. Aber das soll erst der Anfang sein. In Erfurt steht am 22. und 23. März eine Tagung bevor, die sich mit dem Radtourismus im Allgemeinen und dem spirituellen Radtourismus im Besonderen befasst. Organisiert wird das Treffen gemeinsam vom Gemeindedienst der EKM, Projektstelle »Kirche und Tourismus in Thüringen«, sowie der Thüringer Tourismus Gesellschaft.
»Eine solche Zusammenarbeit dürfte eine Premiere sein«, schätzt Elfriede Grabe von der Thüringer Tourismus GmbH. Der Grund ist denkbar einfach. Der Fahrradtourismus boomt, und auch der spirituelle Tourismus stellt nach Ansicht von Pfarrer Christfried Boelter vom EKM-Gemeindedienst ein wachsendes Segment dar. Die Tourismus-Fachleute haben das Jahr deshalb sogar zum Fahrradjahr erklärt. Unter dem Motto »Fahr Rad 2010. Am besten in Thüringen« werben sie für den Freistaat als Ziel von Radwanderern. Allein in Thüringen gibt es 13 Fernwege mit insgesamt 1700 Kilometern. »Das«, glaubt die zuständige Mitarbeiterin, »ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.«
Auch die Kirche setzt inzwischen verstärkt auf Fahrradpilger. Längst hat sich aus den bescheidenen Anfängen ein neues Arbeitsfeld entwickelt. Vor etwa zehn Jahren gab es erste Überlegungen, analog zu den Autobahnkirchen solche für Radwanderer zu öffnen. Den Anfang machte 2001 die Kapelle in Reinhardsbrunn. Zwei Jahre darauf folgte die Radfahrerkirche im sächsischen Weßnig. Inzwischen zählt die EKM sieben solcher Kirchen – und es werden immer mehr. Auch in der anhaltischen Landeskirche gibt es mit Steckby eine Radfahrerkirche.
Der EKD-Dachverband und die Verantwortlichen von Kirche und Tourismus erhoffen sich vom Thüringer Themenjahr weitere Impulse für ein mitteldeutsches Netzwerk der Radwegekirchen. Die Auftaktveranstaltung im Erfurter Augustinerkloster biete den Gemeinden und Initiativgruppen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und zu prüfen, ob die eigene Kirche als Radwegekirche profiliert werden kann, so Boelter. Dabei soll der Ausbau eines solchen Netzes keineswegs Selbstzweck sein. Die Kirche hoffe hier auf neue Möglichkeiten, Menschen anzusprechen. »Eine Fahrradkirche hat mit ihrer niedrigeren Schwelle immer auch eine missionarische Dimension«, ist der Pfarrer überzeugt.
Aber auch in Sachsen-Anhalt laufen die Vorbereitungen für das Projekt »Radwegekirchen am Elberadweg«. Jährlich sind dort 145.000 Menschen als Fernradler und noch einmal so viele als Tages- und Wochenendausflügler unterwegs. Aufgrund zahlreicher Nachfragen von Kirchengemeinden und Radwanderern sei das Pilotprojekt vom Referat »Offene Kirchen« angestoßen worden, erklärt Christfried Boelter. Eröffnet wird die Initiative am 24. März vom sachsen-anhaltischen Wirtschaftsminister Reiner Haseloff und dem Stendaler Propst Christoph Hackbeil in Schönebeck. Dann sollen insgesamt 26 evangelische und katholische Kirchen ihrer neuen Bestimmung übergeben werden.
Martin Hanusch
Der Fachtag zum spirituellen Radtourismus im Rahmen der Tagung Radtourismus in Thüringen am 23. März im Erfurter Augustinerkloster beginnt um 10 Uhr.
Pfarrhäuser unterm Hammer
18. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Gebäude: Derzeit stehen mehr als 100 kirchliche Immobilien in Mitteldeutschland zum Verkauf
Die Kirche ist nicht nur reich an Kirchen und Kapellen, sie verfügt auch über zahlreiche Pfarr- und Gemeindehäuser. Doch angesichts größer werdender Pfarrbereiche können nicht alle Immobilien gehalten werden. Einen Ausweg stellt für manche Gemeinde der Verkauf dar.
»Wir konnten das Gebäude nicht länger halten und mussten eine Lösung finden, die in die Zukunft weist«, sagt Oberpfarrer Axel Walter über das Pfarrhaus in Wormstedt. Der Ort gehört zum Kirchspiel Schöten im Kirchenkreis Apolda-Buttstädt und liegt auf einem Plateau zwischen Ilm und Saale. Sieben Jahre dauerte es, bis für den Klinkerbau in der Ortsmitte ein privater Käufer gefunden wurde. Dafür mussten die Gemeinderäume im Erdgeschoss aufgegeben werden. »Wir konnten da nicht den Fuß drin lassen, sonst hätte es keiner gekauft«, ist sich Axel Walter sicher.
Dass es hier dennoch Perspektiven für die Gemeindearbeit gibt, zeigt sich am 21. März beim ersten Spatenstich für den Neubau des »Foyers Telemann«. Mit diesem wird ein in der Region vielfach nutzbares Haus geschaffen, das zugleich als musikalischer Erinnerungsort an Johanna Maria Telemann dienen soll. Die Mutter des Barockkomponisten Georg Philipp Telemann verbrachte hier ihre letzten Lebensjahre im Hause ihres Sohnes Heinrich, der über 40 Jahre Pfarrer in Wormstedt war. Ihr inzwischen sanierter Grabstein soll an exponierter Stelle im neuen Gemeinderaum aufgestellt werden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf des einstigen Pfarrhauses konnte die finanzielle Basis für den Neubau geschaffen werden. Dennoch müssen noch erhebliche Spendenmittel bis zur Einweihung am 22. August aufgebracht werden.
»Der Notarvertrag dampft noch!«, berichtet Dietrich Kollmannsperger vom Kreiskirchenamt Stendal über das gerade verkaufte Gemeindehaus im zwischen Havelberg und Rathenow gelegenen Erholungsort Schollene. Da es dort noch ein Pfarrhaus gibt, wurde es für die Gemeindearbeit nicht mehr benötigt. Es sei durchaus kein Einzelfall, dass in manchen Kirchengemeinden neben dem Pfarrhaus noch weitere Gebäude, wie zum Beispiel eine Küsterei, existieren.
Der Entschluss zum Verkauf eines kirchlichen Gebäudes ist zumeist ein langwieriger Prozess. Durch die Zusammenlegung von Gemeinden sind viele Pfarrhäuser verwaist. Ihre bauliche Erhaltung überschreitet oft die finanziellen Möglichkeiten vor Ort. Dennoch fragen viele Gemeindeglieder: »Haben wir jetzt wirklich so schlechte Zeiten, dass wir unser Pfarrhaus aufgeben müssen?«
Nach den Worten von Oberkonsistorialrat Diethardt Brandt, Leiter des Referates Grundstücke im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), sollten die Gemeinden einer Region über »einen ihrer Größe, ihrer Mitgliederzahl und ihren Aufgaben angemessenen Gebäudebestand verfügen, den sie in Verbindung mit dem Kirchenkreis auch unterhalten können«. Dabei stehe es »außer Frage, dass das Kirchengebäude als zentraler Anlaufpunkt erhalten bleiben soll«.
Im Blick auf den eventuellen Verkauf von Immobilien und Grundstücken rät er den Gemeinden, rechtzeitig mit einer bedarfsgerechten Planung zu beginnen, um unnötige »Hals-über-Kopf-Aktionen« zu vermeiden. Ist die Entscheidung zur Aufgabe eines Gebäudes gefallen, wird dies von der zuständigen Grundstücksverwaltung erfasst und auf der Homepage www.kirchengrundstuecke.de mit einem Kurzexposé und Fotos angezeigt. Dies ist eine bundesweite Immobilien-Plattform, die von der Kirchenprovinz Sachsen initiiert wurde und jetzt vom Kirchenamt der EKM betreut wird. Für ihre innovative Präsentationsform wurde sie mit dem EKD-Internet-Award »WebFish 2007« ausgezeichnet. Zurzeit befinden sich 176 Gebäude, 134 Wohnbaugrundstücke und 38 Gewerbeflächen im Angebot.
Für ihre stets aktuelle Darstellung ist Hans Mahlstedt, Referat Grundstücke im Landeskirchenamt, verantwortlich. Im Sinne einer schnellen Überschaubarkeit habe man sich für eine Gliederung nach Bundesländern entschieden, erläutert er im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Es genügt ein Mausklick, um zu erfahren, dass zum Beispiel in Sachsen-Anhalt 61 und in Thüringen 44 Häuser zum Verkauf ausgeschrieben sind. Im Vergleich zu den 3.885 Kirchen und Kapellen, die sich auf dem Territorium der EKM befinden, stellt dies eine vergleichsweise überschaubare Größenordnung dar.
Michael von Hintzenstern
Sie leiht couragierten Frauen ihre Stimme
11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Engagiert sich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus: Iris Berben mit Gastgeber Harald Seidel bei ihrer Lesung in Greiz, Foto: Karsten Schaarschmidt
Iris Berben gestaltete in Greiz eine Buchpräsentation zwischen Weinen und Lachen
Bereits eine dreiviertel Stunde vor Beginn des Abends stieß der Fürstensaal des Oberen Schlosses in Greiz an seine Kapazitätsgrenze. Kaum noch ein Stehplatz war zu ergattern. Am Ende drängten sich am 5. März gut 350 Personen in dem Raum – und wollten Iris Berben erleben. Die Schauspielerin war zu Gast bei der Reihe »Prominente im Gespräch«, um ihr gemeinsam mit der Journalistin Nicole Maibaum verfasstes Buch »Frauen bewegen die Welt« vorzustellen.
Iris Berben bahnt sich pünktlich einen Weg durch die Wartenden, begrüßt die Ehrengäste, nimmt im Podium Platz, wühlt noch einmal kurz in der Tasche, rückt Papiere auf dem Tisch zurecht. »Ich bin etwas erschlagen wegen des Andrangs, das Herz klopft«, begrüßt sie ihre zahlreichen weiblichen, aber auch die männlichen Zuhörer. Ohnehin sei ihr Buch, wird sie später am Abend sagen, »kein Buch gegen die Männer, im Gegenteil«. In vielen Biografien der 24 porträtierten Frauen, die sich sozial, gegen Unmenschlichkeit, für Frieden oder die Rechte von Kindern engagieren, seien es die Männer, die hinter diesen Frauen stehen und ihnen die Kraft für ihren Einsatz geben würden.
Dann beginnt Iris Berben zu lesen. Sie wirkt ernst, ehrlich betroffen und unverstellt. Keine Spur von großer Diva; was die attraktive Frau mit ihren langen, offenen schwarzen Haaren auch nicht nötig hat. Zwei Geschichten hat sie ausgesucht. Die erste erzählt von Esther Mujawayo aus Ruanda. Ihr Lebensweg ist eines jener Beispiele, welches schier unfassbare Leid der Mensch dem Menschen antun kann; aber auch ein Beweis für Kraft und Stärke. 1994, in den blutigen Kämpfen zwischen Hutu und Tutsi, wurden Ehemann, Schwestern, Eltern und der Großteil ihrer Familie ermordet. Sie konnte fliehen, überlebte mit ihren drei Töchtern – und stand wieder auf. Heute lebt sie mit ihrem zweiten Mann in Neukirchen-Vluyn und arbeitet als Trauma-Therapeutin im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf. Ruanda hat sie nicht vergessen, baute dort mit anderen Witwen die Hilfsorganisation Avega auf.
Die zweite Geschichte spielt mitten in Deutschland, im sachsen-anhaltischen Schönebeck. Es ist die Geschichte der Lehrerin Christine Bullert, die sich mit ihren Schülern in dem Projekt »Zeitenspringer« mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt und sich gegen Rechtsextremismus engagiert.
Es sind ernsthafte, berührende 90 Minuten, in denen Iris Berben mutigen und couragierten Frauen ihre klare, ausdrucksstarke Stimme schenkt. Doch das Leben besteht nicht nur aus Leid und Trauer. Und schließlich gibt es noch die Schauspielerin Iris Berben, die an der Seite des unvergessenen Diether Krebs in »Sketchup« Millionen Menschen zum Lachen brachte, in Filmen wie »Buddenbrooks« brillierte oder als Kommissarin Rosa Roth in der gleichnamigen Fernsehserie Verbrecher jagt. Locker, lässig und natürlich erzählt sie Anekdoten aus der Film- und Fernsehwelt, beantwortet geduldig die Fragen der Gäste.
»Spielen und Kochen kann ich ganz gut, Schreiben fällt mir schwer«, erfahren die Zuhörer von Iris Berben im Bezug auf die zweieinhalbjährige Entstehungszeit des Buchs, oder dass sie die Dokumentarfilmerei interessiert, dass Thomas Thieme nach Diether Krebs nun ihr neuer Wunschpartner für Film und Bühne ist, dass »besonders das Arbeiten an Sketchen Knochenarbeit ist«, dass sie eine enge Verbindung zu Israel hat, dass sie Religionen interessieren, aber »wütend machen, wenn sie politisch missbraucht werden«.
Natürlich beantwortet sie auch die Frage nach den kommenden Projekten. Ostern werde sie in der Verfilmung eines Henning-Mankell-Krimis zu sehen sein, im Herbst in der Tragikkomödie »Meine Familie bringt mich um«. »Und dann komme ich wieder hierher«, sagt sie, denn ein Folgetermin ist schon vereinbart. Und so war es nicht nur für die Gäste, sondern auch für Iris Berben »ein aus tiefstem Herzen beeindruckender Abend«.
Karsten Schaarschmidt
Iris Berben, Nicole Maibaum: »Frauen bewegen die Welt«, Verlag Droemer und Knaur, 352 Seiten, ISBN 978-3-426-27468-2, 19,95 Euro
Bezug über den Buchhandel oder den Bestellservice Ihrer Kirchenzeitung:
Telefon (0 36 43) 24 61 61
Anspiel, Erdnuss und Gesang
11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Mit den Plakaten des Weltgebetstages, von denen eines hier Pastorin Christine Kleditz aus Schönau hält, wurde überall in der Region in die Hörselberghalle eingeladen. Foto: Susanne Reinhardt
Der Weltgebetstag wurde in Wutha-Farnroda in der Hörselberghalle gefeiert
»Lob dem Ewigen« heißt das farbenfrohe Gemälde der Kameruner Künstlerin Reine Claire Nkombo. Genauso bunt geschmückt begrüßte die Hörselberghalle in der politischen Gemeinde Wutha-Farnroda rund 200 Gäste. Sie feierten hier am 5. März den Weltgebetstagsgottesdienst gemeinsam mit den Kirchengemeinden im Hörsel- und Erbstromtal.
Gleich am Eingang wurden Erdnüsse zum Naschen gereicht, die im Norden Kameruns zu den wichtigsten Nahrungsmitteln gehören. Im hinteren Bereich der Halle stand eine reich gedeckte Tafel mit themenbezogenen Speisen. Der Gottesdienst begann mit Trommelklängen und Gesang eines Chores, zu dem sich sangesfreudige junge Frauen aus der Region zusammengefunden hatten. Man hörte rauschende Wellen, Wüstenwinde und sah vor dem inneren Auge Regenwälder, lange Strände, Küsten und Savannen entstehen.
Die Idee, den Weltgebetstag gemeinsam in einem zentral gelegenen kommunalen Gebäude zu feiern, war den Pfarrern, Pastorinnen und Kirchenältesten der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden der Region vor fünf Jahren gekommen. Man suchte schon damals nach einem Ort, der auch Menschen anzieht, die sonst am Rande der Kirche stehen. Der gute Zuspruch und die Freude der Teilnehmer bestätigten einmal mehr, dass diese Entscheidung richtig war. Die politische Gemeinde Wutha-Farnroda stellte die Hörselberghalle zu günstigen Konditionen zur Verfügung und veröffentlichte die Gottesdiensteinladung auf der Rathaushomepage.
Zu den Akteuren des Abends zählten neben Pastorinnen und Pfarrern besonders die Ehrenamtlichen. Vor allem junge Leute brachten sich beim Singen, beim Spielen auf den verschiedenen Instrumenten oder bei den Darbietungen ein. Jede Kirchengemeinde trugt etwas zum Gelingen des Gottesdienstes bei. Das Schöne daran sei, so erzählten die Frauen, dass man aktiv sein kann, aber auch Zeit zum Genießen der Auftritte der anderen hat. Und so flossen viele Eigeninszenierungen ein, wie zum Beispiel ein pantomimischer Vortrag der Schönauer Frauen, die die Bibelgeschichte von Paulus, Silas und einer Sklavin bildlich erzählten.
Am Ende des Gottesdienstes wurde sogar zum Tanzen eingeladen. Und natürlich konnten auch die Kochkünste der Frauen genossen werden, die Kameruner Spezialitäten zubereitet hatten. Da gab es zum Beispiel »Puff Puff«, eine Art Krapfen, die sowohl süß als auch herzhaft mit Gemüse gereicht wurden. Die Kollekte des Abends kommt einem Witwenprojekt für Kameruner Frauen zugute.
Susanne Reinhardt
Wie ein kleines Wunder
11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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»Dem Verborgenen auf der Spur« lautete das Motto des Tages der Archive am 6. und 7. März. Auch das Angebot im Landes- kirchenarchiv in Magdeburg stieß auf großes Inter- esse. Im Rahmen des Archivtages übergab Gemeindekirchenratsvorsitzender Detlef Schulze (Mi.) Siegel und Akten an Archivleiterin Margit Scholz (li.). Fotos: Viktoria Kühne
Zum Archivtag präsentierte das Kirchenarchiv in Magdeburg verloren geglaubte Schätze
In der Kiste liegen die verkohlten Reste eines Buches. Nur am oberen Rand ist überhaupt noch erkennbar, dass es sich um ein solches Schriftstück handelt. »Ich hätte nie gedacht, dass sich hier noch etwas machen lässt«, sagt Margit Scholz, Leiterin des Magdeburger Archivs der EKM. Vor zehn Jahren habe sie die in Zeitungspapier eingeschlagenen Überreste in Bananenkisten gefunden und gleich wieder zugemacht, weil keine Aussicht auf Rettung bestand.
Lange Zeit sind Restauratoren nicht in der Lage gewesen, hier Abhilfe zu schaffen. »Erst der technische Fortschritt nach dem Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar hat hier neue Perspektiven eröffnet«, erzählt die Archivleiterin. In einem aufwendigen Verfahren wird dabei jedes Blatt »gespalten«. Anschließend erhält es eine Einlage zur Verstärkung. Zwischen 5.000 und 7.000 Euro kostet die Notsicherung. Inzwischen haben Restauratoren drei der acht Kirchenbücher für die Nachwelt gesichert.
Erstmals werden diese einzigartigen Zeitzeugnisse am 7. März im Rahmen des Tages der Archive einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. »Das ist schon eine kleine stadtgeschichtliche Sensation«, schätzt Archivmitarbeiterin Christina Neuß. Die Begeisterung kommt nicht von ungefähr. Am 16. Januar 1945, beim verheerenden Bombenangriff auf Magdeburg, fielen große Teile der schriftlichen Überlieferung den Flammen zum Opfer. Dazu gehörten auch die Kirchenbücher der wallonisch-reformierten Gemeinde von 1734 bis 1943, in denen die Taufen, Trauungen und Bestattungen der Gemeindeglieder festgehalten waren.
Aber nicht nur ein restaurierter Band und das Verfahren stoßen an diesem Tag auf reges Interesse. Mehr als 220 Besucher drängen sich durch die vor acht Jahren bezogenen Räume des Archivs der Kirchenprovinz Sachsen in der Freiherr-vom-Stein-Straße. Sie bewundern die Bestände und den Lesesaal, lassen sich in die Geheimnisse alter Schriften einführen oder nehmen an einer Führung durch die Magazine teil. »Eine solche Resonanz hatten wir noch nie«, freut sich Margit Scholz.

Wartet noch auf die Sicherung: das Sterberegister der Wallonergemeinde.
Aus der Kirchengemeinde St. Briccius und Immanuel in Magdeburg-Cracau ist eine kleine Delegation unter Leitung des Gemeindekirchenratsvorsitzenden Detlef Schulze gekommen, um dem Archiv sieben Siegel sowie Akten und Kirchenbücher zu übergeben. Beim Aufräumen des Gemeindehauses hätten sie das Material gefunden. »Das war eine absolute Überraschung für uns«, erzählt Schulze. Jetzt überreicht er die Schätze an die Archivleiterin, darunter eine Kommunikantenliste von 1832 bis 1838, ein Lagerbuch sowie Kirchenaustrittserklärungen aus der Zeit zwischen 1963 und 1986.
Solche Zeugnisse aus den Gemeinden kommen jedoch nur selten ins landeskirchliche Archiv. Neben den Aktenbeständen des Magdeburger Konsistoriums und anderer zentraler kirchlicher Einrichtungen lagern hier vor allem die Akten der nicht mehr existierenden Superintendenturen. »Unsere Aufgabe ist es, diese Unterlagen zu erschließen und für die Benutzung bereitzustellen«, erklärt Margit Scholz. Dazu kommt eine Nachlasssammlung, Akten aus der Zeit des Kirchenkampfes und Fotos. Insgesamt füllen die Bestände 4500 laufende Regalmeter. »Alles, was hier liegt, sind Unikate«, so die Leiterin des Archivs nicht ohne Stolz.
Gefragt bei den Nutzern sind vor allem die Kirchenbücher. Allein im vergangenen Jahr haben die Archivmitarbeiter 2500 Besucher im Lesesaal gezählt. Damit sie auch in Zukunft etwas davon haben, wird gegenwärtig technisch Vorsorge getroffen. Seit 2002 läuft die zentrale Mikroverfilmung der Kirchenbücher. Wenn alles gut geht, sind im Jahr 2012 alle erfasst. Dann gelten die Bestände als gesichert. »Die Lebensdauer dieser Filme«, erklärt Archivleiterin Scholz, »liegt bei 500 bis 1000 Jahren.«
Martin Hanusch
Gütesiegel für eine neue Welt
11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Psalm 57, Vers 11

Meine Güte ist begrenzt. Ich bin noch nicht altersweise und herzensgut, allzeit freundlich und liebreich. Und ich bin auch nicht so weltfremd, dass ich nicht wüsste, wie es den Gütigen ergeht: Ja, sie werden ausgenutzt, nicht ernst genommen, entmachtet und als Deppen hingestellt. Es muss ja nicht immer so drastisch ausgehen, wie es Bert Brecht beschrieben hat: »Was nützt die Güte, wenn die Gütigen sogleich erschlagen werden?«
Doch bevor ich Güte, die zu den Tugenden zählt, als altmodisches Wort aus meinem Wortschatz und mit ihrem Anliegen aus meinem Leben streiche, will ich nachfragen. »Güte« sollte es doch nicht nur zur Klassifizierung von Eiern oder zur Qualitätsbeschreibung deutscher Gurken geben.
Drückt sich in Güte nicht auch die Erfahrung eines langen Lebens aus? Die Erfahrung, dass ich selbst mit besten Vorsätzen scheitern kann und schuldig werde. Dass Wahrheit nicht alles ist. Güte ist eine Frucht von Gottes Geist. In der Passionszeit kann ich die Güte noch von einer anderen Seite her kennenlernen. Gott lässt es zu, dass sein Sohn stirbt. Damit wird meine Schuld getilgt, er will mich zur Umkehr bewegen. Allein die Güte Gottes vermag es, mein Leben zu verändern. Ich verstehe das Kreuz von Christus als Gütesiegel für eine neue Welt.
Im Psalm beten wir zu Gott und sprechen von seiner Güte und Wahrheit. Harmlos und weltfremd kann die Güte so nicht sein, wenn sie mit der Wahrheit verbunden ist. Ich merke, dass die Güte mir eine Brücke baut, über die ich sonst nicht gehen könnte. Wahrheit allein muss nicht überzeugen.
Ich spüre meine Sehnsucht, dass sie sich Bahn brechen möge wie der Frühling: Gottes Güte und seine Wahrheit für mein Leben und für unsere Welt. Damit es heller wird und weiter und auch meine Güte nicht mehr begrenzt ist. Dieser Horizont stellt meine Füße wieder auf weiten Raum.
Katarina Schubert, Pfarrerin in Saalfeld
Überfällig
11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Lange Zeit hat das Thema Pflege ein Schattendasein geführt. Allenfalls in Fachkreisen und betroffenen Familien ist darüber intensiver nachgedacht worden. Wer redet schon gerne über Pflegebedürftigkeit und die dann notwendige Hilfe? Nun sorgt ein Vorschlag von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder für eine längst fällige Diskussion. Die CDU-Politikerin hat sich in der vergangenen Woche für eine zweijährige Pflegezeit stark gemacht. Nach ihrem Willen soll es künftig einen Rechtsanspruch für Berufstätige geben, die sich um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern. Beruf und Pflege müssten genauso vereinbar sein wie Beruf und Kinder, so die Ministerin.
Auf Kritik aus Politik und Wirtschaft musste sie nicht lange warten. Unausgegoren, Frauenbild von vorgestern und für die Unternehmen zu unsicher, lauten nur einige der Vorwürfe. Doch solche Vorbehalte helfen nicht weiter, denn das Problem drängt. Schon heute gibt es mehr als 2,25 Millionen Menschen, die pflegebedürftig sind. In den nächsten Jahren wird ihre Zahl weiter steigen. Allein aus diesem Grund ist es richtig und wichtig, dass die Gesellschaft sich darüber verständigt, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen will. Eine Familien-Pflegezeit ist zumindest ein erster Ansatz. Schließlich werden bereits jetzt rund die Hälfte aller Pflegefälle zu Hause von Angehörigen betreut. Zudem dürfte die Regelung vor allem berufstätigen Frauen zugute kommen, die ohnehin die größte Last zu tragen haben und meist auch noch die Pflege der Eltern übernehmen.
Der Vorschlag mag nicht bis ins Detail ausgearbeitet sein und Schwachstellen haben. Ihn von vornherein abzulehnen, erscheint im besten Fall voreilig. Wer einen Pflegefall in der Familie hat, weiß, was die pflegenden Angehörigen wirklich leisten. Für sie könnte eine solche Regelung tatsächlich zeitweise Entlastung und Anerkennung bringen. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, das Thema dorthin zu bringen, wo es hingehört – ins öffentlichen Bewusstsein.
Martin Hanusch






