Über Kreuz

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Billy Alexander,sxc.hu

Foto: Billy Alexander,sxc.hu

Sie war noch nicht einmal als niedersächsische Sozialministerin vereidigt, da hagelte es schon Kritik an der türkischstämmigen CDU-Politikerin Aygül Özkan. In einem Interview hatte sich die designierte Ministerin gegen religiöse Symbole in Schulen ausgesprochen. Das Kopftuch bei Lehrerinnen lehnte die muslimische Politikerin ebenso ab wie das Kreuz im Klassenzimmer. Nicht nur innerhalb der Union entbrannte daraufhin ein heftiger Streit um die Gretchenfrage: Nun sag, wie hältst du’s mit der Religion? Inzwischen hat die neue Sozialministerin ihre Aussagen zwar relativiert, doch die Frage steht im Raum.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Kreuz für solchen Streit sorgt. Seit dem umstrittenen Kruzifix-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hat es immer wieder Konflikte gegeben. Zuletzt machte die Justiz in Düsseldorf Schlagzeilen, als die Entscheidung bekannt wurde, in den neuen Sitzungssälen keine Kreuze mehr aufzuhängen. Von ungefähr kommt der Wirbel nicht. Schon Paulus wusste, dass die Botschaft vom Kreuz ein Ärgernis ist. Ärgerlich erscheint bei der jetzigen Diskussion vor allem die Art, wie hier argumentiert wird. Denn das Kreuz ist nicht nur ein Stück abendländischer »Folklore«.

Im Osten spielt das Thema ohnehin kaum eine Rolle, weil hier in der Regel an öffentlichen Schulen keine Kreuze hängen. Dennoch bleibt die Frage, wie mit religiösen Symbolen und den dahinterstehenden Werten in der Öffentlichkeit umgegangen wird. Der Vorschlag, Staat und Kirche strikt zu trennen, ist dabei keine Lösung. Denn er verkennt, dass der Staat zwar zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet ist. Das heißt aber nicht, dass er automatisch seine Wurzeln kappen muss. Es mag konsequent erscheinen, die Religion aus Schule und Öffentlichkeit zu verbannen. Dann steht irgendwann auch die Frage nach den Grundlagen der Gesellschaft. Wenn die ohne Not aufgegeben werden, hat das fatalere Folgen als ein Kruzifix im Klassenzimmer, das abgenommen werden kann, wenn sich jemand daran stört.

Martin Hanusch

Ein Frau mit Brückenfunktion

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Jutta-von-Sangerhausen-Tage erinnern an 750. Todestag der Wohltäterin

Mit den Jutta-Tagen wird vom 5. Mai bis 7. Mai an den 750. Todestag der Jutta von Sangerhausen erinnert. Gottfried Appel, früherer Superintendent des Kirchenkreises Eisleben und Vorsitzender des Anfang März gegründeten Vereins »Jutta von Sangerhausen«, sagt über sie: »Sie ist das älteste namentlich bekannte Gemeindeglied der Kirche St. Ulrici. Als Pfarrer dieser Kirche stehe ich in der Tradition der Christen, die sich hier versammelt und gebetet haben, seit sie Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut wurde.«

Frauenort für Jutta von Sangerhausen vor der Ulrichkirche, Foto:Steffi Rohland

Frauenort für Jutta von Sangerhausen vor der Ulrichkirche, Foto:Steffi Rohland

Jutta (um 1220–1260) ist eine Frau, die ihren Glauben so gelebt hat, dass die Nachricht von ihr aus dem Dunkel der Vergangenheit aufleuchtet und in die Gegenwart hinein ausstrahlt. Passend dazu wird sie immer mit der Sonne als ihrem Heiligenattribut dargestellt. Die verwitwete Jutta widmete sich der Armen- und Krankenfürsorge. In freiwilliger Armut geht sie in das Missionsgebiet im Osten, nach Kulmsee, dem heutigen Chelmza.

»Jutta von Sangerhausen ist für mich eine Frau mit Brückenfunktion in vielerlei Hinsicht geworden«, sagt Appel. »Einmal verbindet sie Deutsche und Polen. Außerdem verknüpft sie Glaubenstreue, Gebet und Nächstenliebe miteinander. Dass sie als Frau dabei ihren eigenen Weg ging, macht sie zum Vorbild für Frauen unserer Zeit auch jenseits von Kirchenzugehörigkeiten.«

Die neun Mitglieder des Vereins wollen sich u. a. um die Pflege des geistlichen und sozialen Erbes Juttas kümmern. Dazu gehört die Beförderung deutsch-polnischer Begegnung. Natürlich sollen auch ihr Leben und ihre  Zeit erforscht werden. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, können Trägerschaften von Projekten übernommen werden. Eine Gelegenheit, mehr über Juttas Person und die Vorhaben des Vereins zu erfahren, gibt es  demnächst bei den Jutta-Tagen, die am 5. Mai um 19 Uhr in der Ulrichkirche mit einem ökumenischen Gottesdienst mit dem katholischen Bischof Gerhard Feige eröffnet werden.

Der 7. Mai steht dann von 11 Uhr bis 13.30 Uhr ganz im Zeichen der Jutta-Tafel an der Jacobikirche. Es gibt Informationen zur Tätigkeit der Arbeits- und Bildungsinitiative (ABI), die in Sangerhausen Träger der »Tafel« ist. Es werden Szenen aus dem Leben der Jutta von Sangerhausen gespielt. Um 12 Uhr wird zum gemeinsamen Mittagessen an der Jutta-Tafel eingeladen. Die Tischrede hält Bischöfin Ilse Junkermann.

Steffi Rohland

Kirche trifft auf Kunst und Theater

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Neue Veranstaltungsformate an der Salvatorkirche in Gera

Die Verbindung von Kirche, Kunst und Kultur ist ihm ein Herzensanliegen. So hat Frank Hiddemann, der seit September letzten Jahres ­Pfarrer an der Salvatorkirche Gera ist, im Frühjahr gleich drei neue Formate in der Stadt an der Elster auf den Weg gebracht. Dabei knüpft er an Erfahrungen, die er bereits in Erfurt und Weimar sammeln konnte.

Gera, Salvatorkirche, Foto: Wikipedia

Gera, Salvatorkirche, Foto: Wikipedia

Begeistert berichtet er, dass zum ersten Theatergottesdienst, der eine Woche nach der Premiere von Richard Wagners »Tannhäuser« stattfand, 125 Besucher in die Salvatorkirche kamen. Dass er Generalintendant Matthias Oldag vom Theater Altenburg-Gera als Mitstreiter gewinnen konnte, erfüllt ihn mit Freude. Dieser las von der Empore die Rom-Erzählung des Tannhäusers, in welcher der heimgekehrte Titelheld seine Pilgerreise nach Rom beschreibt.

Auch beim nächsten Theatergottesdienst am 6. Juni wird Matthias ­Oldag dabei sein, wenn ­Gerhard Hauptmanns »Einsame ­Menschen« im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Doch zuvor steht die bislang viel zu wenig beachtete Dichterin Marie-Luise Kaschnitz im Fokus eines Literaturgottesdienstes, den Frank Hiddemann am 2. Mai um 19 Uhr in der ­Kirche St. Michael des Geraer Ortsteiles Pforten gemeinsam mit der Schauspielerin Susann Maria Hempel gestaltet. Hier werden weitere Gottesdienste stattfinden, die sich dem Schaffen der Dichter und Schriftsteller Friedrich Schiller, Christine ­Lavant und Bert Brecht widmen.

In Zusammenarbeit mit der Kunstsammlung Gera entstand als neue monatliche Veranstaltungsreihe »Bild­vesper – Begegnung von Kunst und Religion«, in der Kunsthistoriker und Theologen in einen Dialog treten. Nach einem gelungenen Start im Otto-Dix-Haus wird am 22. Mai um 17 Uhr in die Orangerie eingeladen.

(mvh)

Neuordnung geht in die letzte Runde

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Bis Anfang 2013 sollen die Propstsprengel ihre endgültige Struktur erhalten

Die Evangelische Kirchen in Mitteldeutschland (EKM) gibt es zwar schon seit knapp anderthalb Jahren. Die Neustrukturierung der künftigen Propstsprengel steht jedoch erst am Anfang. Nun gibt es einen Fahrplan für die Neuordnung. Bis zum 1. Januar 2013 sollen die fünf Propstsprengel abschließend gebildet sein. Dies hat der Landeskirchenrat nach seiner Sitzung Mitte April bestätigt.

Mit dieser Neuordnung gingen die Strukturveränderungen der EKM in die letzte Phase, erklärte Landesbischöfin Ilse Junkermann. Es sei gut, dass die Gemeinden und Kirchenkreise bald Klarheit hätten, ab wann sie zu welchem Propstsprengel gehörten. Damit verfüge die neue mitteldeutsche Kirche über eine zukunftsfähige Struktur, so die Bischöfin weiter.

5-KarteIm Moment existiert lediglich der Propstsprengel Stendal-Magdeburg in seiner endgültigen Form. Geleitet wird er von Regionalbischof Christoph Hackbeil (54) in Stendal. Zum 1. Januar 2012 folgen dann die Propstsprengel Gera-Weimar mit Sitz des Regionalbischofs in Gera und Meiningen-Suhl mit Sitz in Meiningen. Die Wahl der Regionalbischöfe für die beiden Gebiete steht jedoch erst an, wenn Propst Hans Mikosch (62) und Pröpstin Marita Krüger (60) in den Ruhestand gehen. Mikosch ist derzeit Regionalbischof des Aufsichtsbezirkes Ost und Krüger Regionalbischöfin des Aufsichtsbezirkes Süd der ehemaligen Thüringer Landeskirche.

Als nächstes wird dann der Propstsprengel Halle-Wittenberg zum 1. August 2012 entstehen. Hier muss zudem noch der Sitz des Regionalbischofes festgelegt werden. Die Landessynode will im November darüber entscheiden, ob Halle oder Wittenberg den Zuschlag erhält. Dem bisherigen Propstsprengel Halle-Naumburg steht Martin Herche (57) vor, dessen Amtszeit im Oktober 2011 endet. Regionalbischof in Wittenberg ist Siegfried Kasparick (54). Seine Amtszeit endet im Juli 2012.

Den Abschluss der Neustrukturierung bildet schließlich der Propst­sprengel Eisenach-Erfurt, der zum 1. Januar 2013 stehen soll. Sitz des Propstes wird ­Eisenach sein. Bereits im August 2010 geht die Amtszeit der Erfurter Pröpstin ­Elfriede Begrich (63) zu Ende. Die bisherige Propstei Erfurt-Nordhausen wird dann vom Gothaer Propst Reinhard Werneburg (58) für die nördlichen Kirchenkreise und der Meininger Pröpstin für das Henneberger Land vertreten. Werneburg, der zurzeit dem Aufsichtsbezirk West vorsteht, wird sein Amt nur bis Ende 2012 und nicht bis zu seinem ­Ruhestand ausüben, um den Weg für die Wahl eines Regionalbischofs freizumachen.

(mh)

Die Schönste im Land

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Landesgartenschau Sachsen-Anhalts in Ascherleben eröffnet

Schwungvoll läutete Christina Weigel bei der sachsen-anhaltischen Landesgartenschau in Aschersleben das Programm der Kirchen ein. Unter dem Motto »Leben teilen« gibt es an allen 170 Tagen der Schau ein vielfältiges, fröhliches ­Programm, das mehr als 140 Kirchengemeinden vorbereitet haben. Foto: Jürgen Meusel

Schwungvoll läutete Christina Weigel bei der sachsen-anhaltischen Landesgartenschau in Aschersleben das Programm der Kirchen ein. Unter dem Motto »Leben teilen« gibt es an allen 170 Tagen der Schau ein vielfältiges, fröhliches ­Programm, das mehr als 140 Kirchengemeinden vorbereitet haben. Foto: Jürgen Meusel


»Mit 1257 nachgewiesenen Jahren«, so Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), »ist Aschersleben nicht nur die älteste Stadt in Sachsen-Anhalt. Sie ist heute auch die schönste.« Der Regierungschef eröffnete am Sonnabend in der 30000 Einwohner zählenden Stadt die Landesgartenschau (LaGa). Unter dem Motto »Natur findet Stadt« bietet sie an 170 Tagen und auf 15 Hektar Fläche: 300 neue Bäume, 2.000 Rosen, 60.000 Stauden und Themengärten auf 4.300 Quadratmetern. Auch zwölf Hallenschauen und über 1.000 Veranstaltungen stehen bis Oktober auf dem Programm. Doch nicht nur das Schaugelände wurde herausgeputzt. Die ganze Stadt habe sich »so verändert, wie wir uns das nie erträumten«, so Oberbürgermeister Andreas Michelmann (parteilos) bei der Eröffnung.

40 Millionen Euro sind Aschersleben im Zuge der Landesgartenschau und der Internationalen Bauausstellung zugute gekommen, 18 Millionen davon Fördermittel des Landes. Verwendet wurde das Geld, um den Lebenswert der Stadt langfristig zu erhöhen. Zum Beispiel dort, wo sich heute als Teil der Gartenschau der Bestehornpark mit Bildungszentrum, Ausstellungshallen und Sitzskulpturen im Grünen erstreckt, fristete zuletzt die Ruine des VEB Optima ein trauriges Dasein. Auch am Flüsschen Eine sind alte Fabrikhallen und Gestrüpp verschwunden. Stattdessen warten auf der Eine-Terrasse Liegestühle auf die Besucher, während sich die dort ­wohnenden Ascherslebener dauerhaft an einer Aussicht ins Grüne erfreuen können.

Am nördlichen Ende des ehemaligen Thälmannparks, auch er eine Oase voller alter Bäume und Stauden, hat der 600 Quadratmeter große Kirchengarten mit dem Gartenhaus seinen Platz gefunden. Dort wachsen alte Obst-, Gemüse- und Getreidearten sowie Kräuter, die auf den Anbau von Kulturpflanzen jenseits der konventionellen Arten und Anbaumethoden verweisen. Hier läutete am Nachmittag des 24. April Pfarrerin Christina Weigel, die die Projektstelle »Kirche auf der Landesgartenschau« innehat, die Eröffnungsandacht ein. Propst Christoph Hackbeil forderte die Besucher auf, sich zu besinnen, »woher unser Leben mit all seinem Reichtum kommt«. Der Egelner Superintendent Michael Wegner lud anschließend ein, das 170-tägige ökumenische Gemeindefest »Leben teilen« mitzufeiern, das 140 evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinden vorbereitet haben.

Wie ein roter Faden beziehen sich Kunstwerke und Kinderspielorte der Gartenschau auf einen großen Sohn der Stadt, Adam Olearius. Der Gelehrte, Diplomat und Begründer der Reiseschriftstellerei wurde 1599 in Ascherleben geboren. Im Tagebuch seiner »Moscowitischen und Persischen Reise« (1633–1639) schrieb er: »Ich behaupte, dass es eine von den größten Glückseligkeiten ist, die in dieser Welt einem Menschen widerfährt, wenn er … Reisen in ferne Länder tun, die Welt durchwandern, fremde Länder und Leute sehen und ihre Eigenart erkunden … kann.« Für alle, die es nicht so weit mögen: Auch eine Reise in die Geburtsstadt des Gelehrten fördert das Wohlgefühl.

Angela Stoye

www.landesgartenschau-aschersleben.de

Immer wieder Mut machen

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Das evangelische Jugendzentrum »Nordlicht« in Eisenach hilft bei Bewerbungen

Lucy und Petro sind wieder ­optimistisch. Foto: Susanne Sobko

Lucy und Petro sind wieder ­optimistisch. Foto: Susanne Sobko

Man kann neudeutsch Haare stylen oder Autos. In Eisenach ist seit kurzem das Stylen einer beruflichen Laufbahn möglich – mit dem Programm »Jobstyler« des Kinder- und Jugendzentrums »Nordlicht«. »Wir wollen für Jugendliche einen Anreiz schaffen, sich intensiver mit ihrer Bewerbung auseinanderzusetzen«, sagt Martin Hahn, Leiter der Einrichtung der Diako Kinder und Jugendhilfe. Er hatte festgestellt, dass der Beratungsbedarf zum Thema zunimmt und die Bedeutung ansprechender Unterlagen oft unterschätzt wird. Deshalb kam ihm die Idee, mit einer langfristigen Aktion zu helfen. Der Friseur Cutman gehört zu den Kooperationspartnern. Hier können sich die Jugendlichen vergünstigt für ihre Bewerbungsfotos frisieren lassen. Außerdem ist das Fotostudio Salzmann beteiligt. Die professionellen Bilder gibt es auf einer CD, sodass auch Online-Bewerbungen möglich sind.

Beide Angebote können die Jugendlichen mit dem acht Euro teuren »Jobstyler-Pass« nutzen. Den erhalten sie jedoch erst nach der Teilnahme an einem Bewerbungs-Check. Dabei wird über ihren Bewerbungsstand geredet. Sie können ihren Berufswunsch gemäß ihrer Interessen und Möglichkeiten diskutieren und erhalten Tipps zum Erstellen der Bewerbungsunterlagen sowie für die Stellensuche. Petro Harder freut sich sehr über diese Hilfe, »allein schafft man das nicht«. Besonders dankbar ist er, dass ihm hier »immer wieder Mut gemacht wird«. Den hat er nach neun erfolglosen Bewerbungen nötig.

»Ich finde die Aktion übelst gut«

»Die Absagen sind schlimm, man fühlt sich so klein«, sagt der 16-Jährige. Doch im Jugendzentrum wird er motiviert und erhält neue Tipps für die Suche. In der Tasche trägt er einen ganzen Packen ausgedruckter Angebote. Meist schaut er mehrmals am Tag im Internet nach Lehrstellen. Sein Antrieb: »Hartz-IV-Empfänger zu sein, ist das Schlimmste, was es gibt.« Er weiß, wovon er spricht: Seine Mutter sucht schon lange einen neuen Job.

Neben Petro sitzt Lucy Gebhardt am Computer. Auch sie hat bisher nur Absagen auf ihre Bewerbungen erhalten. Sie ist wieder optimistisch, seit sie am Programm »Jobstyler« teilnimmt. In der Schule wurde das Thema zwar behandelt, doch das Gelernte reicht ihr nicht aus. »Es ist doch zum Beispiel was ganz anderes, ob ich mich bei einem Laden für Lebensmittel oder einem für Klamotten bewerbe«, sagt die 15-Jährige. Im Jugendzentrum wird sie beraten. Zudem freut sie sich über den Gutschein für Friseur und Fotostudio sowie über drei Bewerbungsmappen, gesponsert vom Eisenacher Club Soroptimist International.

»Vielen Jugendlichen ist gar nicht bewusst, wie wichtig allein die äußere Form der Bewerbung ist«, sagt Martin Hahn. »Sie holen sich Passbilder vom Automaten und legen wenig Wert auf ihre Mappen. Dabei zählt der erste Eindruck. Viele Bewerbungen landen dadurch gleich im Papierkorb.« Ihm liegt daran, nach Tiefschlägen immer wieder zu ermutigen sowie die Zusammenarbeit mit Arbeitsagentur und Berufsberatung zu intensivieren. Auf der Jobstyler-Internetseite finden die Jugendlichen zudem viele wichtige Tipps. Nach Hahns Recherche ist das Angebot bisher einmalig, und den Reaktionen der Jugendlichen nach zu urteilen genau richtig. Petro Harder: »Ich finde die Aktion übelst gut.«

Susanne Sobko

www.jobstyler.de

Glaube und Musik gehören zusammen

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König! Psalm 98, Verse 5.6

Stühle werden hin- und hergetragen, Pulte aufgebaut, Notenblätter fliegen durch die Gegend. »Kann mir mal einer sagen, wo die Sarah ist?« »Kinder, kommt zur Ruhe, die Probe fängt an!« Das ist ein Gewusel in der Kirche. Und dann – ist Ruhe.

Der Dirigent hebt die Arme, die ersten Streicherklänge sind zu hören, und warme Töne schweben durch den Raum. In den Sonnenstrahlen, die sich durch die bunten Fenster drängen, senkt sich der Staub.

Geertje Perlberg ist Pfarrerin in Dessau

Geertje Perlberg ist Pfarrerin in Dessau

Es ist wieder soweit: An diesem Sonnabend ist das Frühlingskonzert der Musikschule. Durch die Kirchentür schauen neugierige Menschen: Was ist denn heute hier los? Ein kleines Mädchen an der Hand ihres Vaters schaut mit offenem Mund auf die vielen Instrumente: Geigen und Celli, eine Gitarre, viele Flöten. Aus der Winterkirche hört man leise engelsgleichen Gesang, im Nebenraum stimmen sich die Holzbläser ein. Noch ist das Treiben bunt, vor der Tür albern die, die gerade Pause haben. Erst langsam kommt die Konzentration, dann das Erlernte, nach Minuten wird es zur Kunst.

Zu den schönen strahlenden Momenten gehören die alljährlichen Konzerte vor dem Sonntag Kantate. Kunst und Kirche, Glaube und Musik gehören von jeher zusammen – beide lehren uns lachen und weinen, ergreifen uns auch ohne Worte. Beide reichen über uns selbst hinweg und zeigen uns ein Stück einer unsagbaren Welt, einen Augenblick gelingenden Lebens. Beides – Glaube und Musik – machen uns, wenn auch oft nur für Momente, zu besseren Menschen. Wir sind hier nicht nur die, die wir sind, sondern immer auch spürbar die, die wir sein könnten. – So ähnlich habe ich es mir von Fulbert Steffensky gemerkt.

Kunst, Musik, Glaube und Kirche zeigen uns die Sehnsucht nach dem Leben. Sie unterbrechen unseren Alltag, führen uns in ein Stück Fremde, das heilsam ist. Gott zum Lob und uns zur Freude!

Geertje Perlberg, Pfarrerin in Dessau

Fundgrube für Musikfreunde

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Musik: Erfurter Kirchenmusikzentrum ist Anlaufstelle für Kantoren und Kirchengemeinden

Im Thüringischen Landesmusikarchiv in Weimar, das seit 1. März 2010 der Musikwissenschaftler Christoph Meixner ­leitet, befinden sich die restaurierten Originalbestände aus den Adjuvantenarchiven der Kirchengemeinden in Gräfenroda, Molsdorf, Thörey, Udestedt und Vogelsberg. Foto: Maik Schuck

Im Thüringischen Landesmusikarchiv in Weimar, das seit 1. März 2010 der Musikwissenschaftler Christoph Meixner ­leitet, befinden sich die restaurierten Originalbestände aus den Adjuvantenarchiven der Kirchengemeinden in Gräfenroda, Molsdorf, Thörey, Udestedt und Vogelsberg. Foto: Maik Schuck

Das Zentrum für Kirchenmusik im Erfurter Predigerkloster geht ins fünfte Jahr. Beim Zusammenwachsen der Kirchenprovinz Sachsen und der Thüringer Landeskirche nahm es eine Vorreiterrolle ein. Inzwischen laufen hier die Fäden kirchenmusikalischer Arbeit in der EKM zusammen.

»Wir verstehen uns vor allem als Dienstleister für die Gemeinden«, sagt Geschäftsführer Jürgen Dubslaff in dem historischen Gebäude, in dem bereits Meister Eckart gelebt und gearbeitet hat. Da sich Posaunenwerk, die Kirchenchorwerke der einstigen Landeskirchen und der Kirchenmusikerverband unter einem Dach befinden, konnten vorhandene Kapazitäten gebündelt und eine gemeinsame Verwaltung ermöglicht werden. Durch das Zentrum werden Anträge für Orgelrestaurierungen bearbeitet und fachlich begleitet. Auch die Hefte der Kirchenmusikzeitschrift »Zwischentöne« gehen von hier an ihre 1.600 Bezieher. Die Nähe zum künftigen Kirchenamt dürfte perspektivisch für kurze Dienstwege sorgen.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Landeskirchenmusiktage der EKM auf Hochtouren, die vom 25. bis 27. September in Erfurt geplant sind. Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth verweist auf das reichhaltige Programm des Musikfestes, das zehn hochkarätige Konzerte umfasst und zu dem 14 Weiterbildungsseminare angeboten werden. Mit der seit kurzem freigeschalteten Homepage sei eine gemeinsame Plattform für die Kirchenmusik in Mitteldeutschland geschaffen worden, die auch dem fachlichen Austausch der Kollegen dienen solle, führt er weiter aus.

Für die Förderung ehrenamtlicher Kirchenmusiker bietet das Zentrum in der Meister-Eckehart-Straße 1 beste räumliche Voraussetzungen. So absolvieren hier momentan 14 Teilnehmer unter der Leitung von Landessingwart Christoph Peter die C-Ausbildung.

Eine für die Gemeinden besonders wichtige Anlaufstelle stellt die Musikbibliothek dar, welche die Bestände der Notenbibliotheken des ehemaligen Konsistoriums in Magdeburg und der ehemaligen Musikabteilung in Jena umfasst und von Sebastian Nickel geleitet wird. Wie von ihm zu erfahren ist, können momentan 8.500 Titel zusammen mit vorhandenem Aufführungsmaterial ausgeliehen werden. Davon sind zurzeit etwa 75 Prozent erfasst und im Internet einsehbar (www.briseinfo.de). Die Schwerpunkte der Notenbibliothek liegen mit Kantaten, Motetten, Oratorien, Passionen und Chorbüchern in der Barockzeit und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. An Gesamtausgaben können die Neue Bach-Ausgabe, die Schütz-Ausgabe und die Praetorius-Ausgabe vor Ort eingesehen werden. Hinzu kommen Nachschlagewerke, Werkverzeichnisse und Fachliteratur.

Seit Beginn des Jahres veröffentlicht das Zentrum für Kirchenmusik in Zusammenarbeit mit dem Wartburg Verlag Weimar eine ständig wachsende Zahl an Notenausgaben. Dabei handelt es sich um Erstveröffentlichungen aus dem Bestand der Adjuvantenchöre in Großfahner, Molsdorf, Thörey und anderen Orten, die seit 2008 von Detlef Schoener für den praktischen Gebrauch herausgegeben werden. Adjuvanten waren Laienmusiker, die nicht nur das Blatt-Singen beherrschten, sondern auch ein Blas- und ein Streichinstrument spielen konnten. Die von ihnen überlieferten Noten stellen eine Fundgrube an Wiederentdeckungen dar und tragen zu einer Bereicherung des Repertoires bei.
So bieten sich viele Betätigungsfelder für das Wirken der 183 Kirchenmusiker in der EKM, von denen 145 eine volle Stelle haben. Nach Angaben von Jürgen Dubslaff gibt es 750 Chöre mit 15.000 Sängern, 230 Posaunenchöre mit 3.000 Bläsern sowie 140 Flöten- und Instrumentalkreise. Im Ehren- oder Nebenamt sind 400 Chorleiter, 160 Posaunenchorleiter und 1300 Organisten tätig. In der EKM existieren 3.900 Orgeln, von denen schätzungsweise zehn Prozent nicht spielbar und ein Teil nur bedingt benutzbar ist. »Um eine flächendeckende Arbeit in den Regionen zu ermöglichen, soll in den neuen Propstsprengeln die D-Ausbildung ausgebaut werden«, betont Landeskirchenmusikdirektor Ehrenwerth mit Blick in die Zukunft.

Michael von Hintzenstern

www.kirchenmusik-mitteldeutschland.de

Eine Einladung zum Staunen

23. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Psalm 66, Vers 5

Die ersten Frühlingssonnenstrahlen leuchten noch etwas verschlafen durch die Wolken. Aber schon erklingt die musikalische Aufforderung »Geh aus, mein Herz, und suche Freud’ …«

Foto: Makio Kusahara, sxc.hu

Foto: Makio Kusahara, sxc.hu

Die Freude scheint es gern zu haben, wenn sie gesucht wird. Traurigkeit, Fragen, Zweifel kommen von allein; Sorgen und Ärger braucht man nicht ­besonders einzuladen. Das Schöne, die Freude, das Glück halten sich ein wenig verborgen. Sie drängen sich nicht auf. Da ist es gut, wenn uns jemand beim Suchen hilft – wenn uns jemand einen Hinweis gibt und uns die Augen öffnet. »Kommt her und seht …«, sagt der Engel den Frauen am leeren Grab. »Kommt her und seht!«, sagt der Mann strahlend an der ­Wohnungstür. »Dass ich nach meinem Schlaganfall ­wieder auf eigenen Beinen stehe und reden kann, ist ein einziges Wunder Gottes.« Auch Kinder fordern uns gelegentlich auf : »Kommt her und seht, was ihr sonst nie entdecken würdet.«

Das Hören ist gut, aber das Sehen ist besser. Bilder sind in der Regel stärker als Worte – aber zu trennen sind beide nicht. Erst kommt die Einladung, dann das Fest. Wenn wir der Aufforderung folgen, werden uns die Augen übergehen. Den Klugen und Weisen – den Zielstrebigen und Gestressten bleibt er oft verborgen – der Blick auf die Wunder der Werke Gottes. Da ist es gut, wenn manchmal ein Engel kommt oder ein Kranker oder ein Kind … und uns mitnimmt: »Komm und sieh! Ich sehe schon, was du noch nicht siehst – und ich will es nicht für mich behalten. Es gibt so viel zu entdecken, was so wunderbar ist. Du brauchst nicht zu suchen, ich zeige es dir. Denn gemeinsam sieht man besser. Lass uns zusammen staunen über das, was Gott für uns gemacht hat.«

Und wenn du genug gesehen hast, dann gehe los und lade andere ein zu kommen, zu sehen und zu staunen, damit die Freude sich ausbreite und wir gemeinsam jubilieren. – Vielleicht mit allen 15 Strophen von Paul Gerhardts Lied!

Ulrich Matthias Spengler, Pfarrer in Bad Berka

Höhere Gewalt

23. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Jan Willem van Hofwegen, sxc.hu

Foto: Jan Willem van Hofwegen, sxc.hu

Auf Rosen aus Jakarta, auf Hummer aus südlichen Meeren oder Thai-Spargel kann ich gut verzichten. Nicht aber auf unseren Chefredakteur Martin Hanusch. Der nämlich saß mit 25 Kirchenzeitungs-Leserinnen und -Lesern, die sich auf einer Sizilien-Reise befanden, auf der Insel fest. Die isländische Aschewolke machte ihnen wie Tausenden anderen Flugreisenden die Rückreise per Flug unmöglich. Nun ist die Gruppe nach einer 42-stündigen Busfahrt und einigen Tagen Verspätung zurück in der Heimat. Gott sei Dank!

Der Vulkan Eyjafjallajökull hat das Leben in Europa durcheinandergewirbelt und gezeigt, wie anfällig Wirtschaft und Tourismus sind. »Höhere Gewalt«, von der nun allenthalben zu lesen oder zu hören ist, wird nicht eingeplant.

Höhere Gewalt aber bestimmt unser Leben, lässt wachsen und vergehen, lässt die Sonne scheinen, lässt es regnen oder eben Vulkane speien. Der Mensch hat die Erde nicht »im Griff«. Er muss sich unterordnen unter den, der wirklich alles in der Hand hält. Er muss ­leben lernen mit der Schöpfung Gottes und nicht gegen sie.

Je technisierter und vernetzter unsere Welt wird, umso schwerer fällt es, dies zu tun. Es sind ja nicht nur die Hummer oder Bananen, die vielleicht nicht geliefert werden können. Maschinen- oder Computerteile für die Industrie, in Übersee hergestellt, fehlen zur Weiterarbeit in den Betrieben. Die enge weltweite Verzahnung unserer Produktion und damit unseres Lebens ist überaus anfällig. Die Aschewolke des isländischen Vulkans, die über Europa zieht, zeigt das erneut. Und Regierungen, Fluggesellschaften, Wetterstationen – alle sind machtlos gegen solche unkalkulierbaren Kräfte.

Gut, wenn die Verantwortlichen die Priorität dann wenigstens in der Sicherheit sehen und die wirtschaftlichen Interessen an die zweite Stelle setzen. Und Gott sei Dank, wenn alle Reisenden unbeschadet ihr Ziel erreichen. Es gibt ja noch Wege auf der Erde, auch wenn sie mitunter sehr beschwerlich sind.

Dietlind Steinhöfel

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