Bezahlbare Bibeln für alle

28. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Comments Off

Festveranstaltung in den Franckeschen Stiftungen in Halle erinnert an Gründung der ersten Bibelanstalt der Welt vor 300 Jahren

Canstein

Canstein

Bis zum Jahr 1692 war Carl Hildebrand von Canstein ein junger Adeliger wie viele andere: Studium der Rechtswissenschaften, längere Reisen durch Süd- und Westeuropa, Eintritt in den Staatsdienst am Berliner Hof, Freiwilliger im Heeresdienst. Doch als von Canstein 1692 während eines Kriegsfeldzuges gegen die Franzosen lebensgefährlich an der Roten Ruhr erkrankte, versprach der damals 25-Jährige: »Wenn Gott mich von dieser Krankheit errettet, will ich ihm mein Leben lang dienen.«

Aus diesem Gelübde ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte geworden: Canstein gründete 1710 am Halleschen Waisenhaus in den Franckeschen Stiftungen die erste Bibelanstalt der Welt und ermöglichte damit erstmals jedermann einen preiswerten Zugang zur Schrift der Schriften. Mit einer Festveranstaltung am 31. Mai wird ab 18 Uhr im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen an diese Gründung erinnert.

Von Canstein hatte den überzeugten Pietisten und Gründer der Stiftungen, August Hermann Francke, 1697 kennengelernt und war ihm und seinen Ideen seitdem tief verbunden. Mehr als 900 Briefe von Cansteins an Francke sind erhalten. In seinem Testament setzte von Canstein die Franckeschen Stiftungen als Universalerben ein.

Bis zum Tod des Adeligen im Jahr 1719 hatte die Bibelanstalt bereits 80.000 Bibeln und 100.000 Neue Testamente vertrieben. Zuvor war es ein Privileg der Reichen und des Adels, die Heilige Schrift zu besitzen, der normale Bürger konnte sich keine Bibel leisten. Mehrere Millionen Bibeln in mehr als 30 Sprachen verließen bis 1938 die Bibelanstalt in Halle, die in diesem Jahr von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. 1951 nahm die Bibelanstalt in Witten (Nordrhein-Westfalen) ihre Arbeit wieder auf. Heute hat die Cansteinsche Bibelanstalt ihren Sitz in Dortmund.

In den Franckeschen Stiftungen hat sich das Canstein Bibelzentrum weiter dem Erbe des Adeligen verschrieben: Bibelkenntnisse werden hier seit 1995 wieder in Vorträgen und Seminaren vermittelt. Walter Martin Rehahn, der das Zentrum leitet, hofft für das Jubiläumsjahr vor allem auf eines: »Dass das Canstein Bibelzentrum noch bekannter wird und bei vielen Menschen Interesse an unserer Arbeit und vor allem natürlich an der Bibel geweckt wird.« Einen Beitrag dazu hat der Pfarrer auch zum Jubiläum vorbereitet: Am 31. Mai wird er sein neues Buch »Das Buch und die Bücher. Literaturvorträge am Canstein Bibelzentrum Halle« vorstellen. Darin enthalten sind zwölf Beiträge aus der Vortragsreihe aus den Jahren 1998 bis 2009.

Noch bis zum 6. Juni zeigt eine Sonderausstellung in den Franckeschen Stiftungen anlässlich des Jubiläums unter dem Titel »Bibeldruck in Halle« nicht nur verschiedene Ausgaben der Cansteinschen Volksbibeln, sondern auch Kostbarkeiten wie die sogenannte Septemberbibel Martin Luthers aus dem Jahr 1522 mit Illustrationen von Lucas Cranach d. Ä.

Silvia Zöller

Die Broschüre »Carl Hildebrand von Canstein und die von Cansteinsche Bibelanstalt« kann kostenlos bei der Geschäftsstelle der Cansteinschen Bibelanstalt in Westfalen e.V., Olpe 35, 44135 Dortmund, oder per E-Mail unter <mail@werkstatt-bibel.de> angefordert werden.

Farbenpracht statt Grau

28. Mai 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Comments Off

Pfarrer Johannes Christian Rost vor zwei der sechs neuen »Hoffnungsfenster«, die in der Glaswerkstatt Wilde in Bellingen angefertigt wurden. Die Apsis der Kirche in Schönwalde zieren ältere Fenster der Quedlinburger Glasmalereianstalt Ferdinand Müller.  Foto: Kerstin Kinszorra

Pfarrer Johannes Christian Rost vor zwei der sechs neuen »Hoffnungsfenster«, die in der Glaswerkstatt Wilde in Bellingen angefertigt wurden. Die Apsis der Kirche in Schönwalde zieren ältere Fenster der Quedlinburger Glasmalereianstalt Ferdinand Müller. Foto: Kerstin Kinszorra

Gemeinde Schönwalde weiht am 30. Mai Kirche mit »Hoffnungsfenstern« ein

Die neuen Fenster bringen eine Farbenpracht in diese Kirche – das kann man wirklich nicht mit dem Zustand vorher vergleichen.« Bürgermeister Wilfried Horstmann steht in der Kirche seines altmärkischen Heimatortes Schönwalde und bestaunt die Kunstwerke, die jetzt an Stelle der schmuck- und farblosen Behelfsfenster getreten sind. Er kann sich noch gut an das Gebäude erinnern, bevor 1943 Fliegerbomben auf das Dorf abgeworfen wurden und durch die Druckwelle der Detonation fast alle Scheiben im Gotteshaus zu Bruch gingen. Die letzte Renovierung der Kirche lag damals schon Jahrzehnte zurück, die Kirchenwände waren vergilbt und nun noch die wunderschönen Buntglasfenster zerstört. Welch ein Unterschied zu heute!

»Wir hatten schon lange vor, die Kirche neu malern zu lassen, aber uns fehlte die zündende Idee«, erinnert sich die Kirchenälsteste Ina Altenberger. Der damalige Pfarrer Matthias Heinrich kam dann mit dem Projekt »Hoffnungsfenster« zu den Schönwaldern. Zusätzlich zum geplanten neuen Anstrich schlug er vor, auch die Fenster zu ersetzen.

Grundlage des Projekts ist die Frage, was den Menschen in der Vergangenheit, jetzt und in Zukunft Hoffnung gab und gibt, und das sind die Texte der Bibel. Er wählte sechs besonders prägnante Verse aus und legte sie altmärkischen Künstlern vor. Diese waren bereit, ihre Entwürfe kostenlos zur Verfügung zu stellen. Außer den Bibelversen gab es keine Vorgaben. So entstanden sechs unterschiedliche Fenster, die aber durch die Bleiverglasung und die gleich großen Spitzbögen genügend Gemeinsamkeiten aufweisen, um als ein Gesamtkunstwerk wahrgenommen zu werden. Die Schönwalder haben herausgefunden, dass die »Hoffnungsfenster« einmalig in Deutschland sind.

Die Neugestaltung der Schönwalder Kirche brauchte nicht nur kreative Künstler und eine Glaserwerkstatt wie die der Wildes aus dem nahegelegenen Bellingen. Ohne unzählige Spender wäre die Restaurierung nicht möglich gewesen. Der größte Teil des benötigten Geldes kam vom EU-Förderprogramm »Leader«, die Kirchen- und die politische Gemeinde sowie der Kirchenkreis Stendal beteiligten sich an der Finanzierung.

Darüber hinaus flossen Spendengelder – für die Kirchenälteste Ina Altenberger Grund zu großer Dankbarkeit. Das Projekt sei ein gutes Beispiel, dass die Kirche ins Dorf gehört: »Wir haben von so vielen Seiten Hilfe bekommen, und das ist nicht selbstverständlich, schließlich sind nicht alle Schönwalder kirchlich gebunden.« Umso größer sei jetzt die Freude, in dieser Kirche zu stehen. »Das Gemeindefest wird deshalb auch unter dem Motto Gotteslob und Gottes Dank stehen.«

Kerstin Kinszorra

Der Festgottesdienst unter Leitung von Pfarrer Johannes-Christian Rost am 30. Mai beginnt um 13 Uhr.

Netzwelt

28. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Foto: Claudio Sepulveda Geoffroy, sxc.hu

Foto: Claudio Sepulveda Geoffroy, sxc.hu


Die Kirche entdeckt mehr und mehr das Internet für sich. Nachdem die EKD zuletzt das Internetportal »evangelisch.de« gestartet hat, folgt nun das Praxisportal »geistreich.de«. Hier soll eine Ideentauschbörse für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter entstehen, um den Austausch zu erleichtern und gemeinsame Projekte vor-anzubringen. Aber das ist nur die Spitze einer Entwicklung, die längst alle Bereiche erfasst hat. Wer heutzutage etwas auf sich hält, zeigt Gesicht im Internet. Mitunter hapert es bei den kirchlichen Angeboten lediglich an der kontinuierlichen Pflege und dem Ausnutzen der neuen Kommunikationsformen.

Tatsache ist: Wer im digitalen Zeitalter die Menschen erreichen will, muss sich der neuen Möglichkeiten bedienen und darf das Feld nicht den kommerziellen Anbietern überlassen. Im Grunde genommen hätte die Kirche schon früher reagieren müssen. Schließlich ist sie in der Vergangenheit selbst Motor der Entwicklung gewesen – siehe Buchdruck und Reformation. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum die Kirche eigentlich nicht anders kann. Inzwischen wächst eine Generation heran, die eine Welt ohne Google, Wikipedia oder SchülerVZ nicht mehr kennt. Für die 12- bis 19-Jährigen ist der Umgang mit dem Internet nicht nur selbstverständlich, es gehört zum Alltag dazu – immer und möglichst überall. Doch auch die Älteren holen auf. Selbst viele Senioren entdecken die Vorzüge des Internets für sich.

Freilich kann die digitale Revolution nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Segnungen der neuen Technik allein keinen Wert darstellen. Zudem zeigen die jüngsten Auseinandersetzungen um den Schutz der Privatsphäre und die Datensammelwut der Internetgiganten, dass hier neue Gefahren lauern. Und ein Netzwerk  ist noch lange nicht sozial, nur weil es sich so nennt. Auch im Internetzeitalter geht nichts über persönliche Begegnungen. Das sollten die Kirchen bei aller Euphorie über die neuen Möglichkeiten nicht aus dem Blick verlieren.

Martin Hanusch

Kirche zwischen Plattenbauten

28. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

Comments Off

Über 25 Jahre Gemeindezentrum  Gotha-West freut sich nicht nur Pfarrerin Uta Liebe.

Über 25 Jahre Gemeindezentrum Gotha-West freut sich nicht nur Pfarrerin Uta Liebe.


Mit 25 Jahren ist die Versöhnungskirche die jüngste Kirche Gothas

Dass in den »sozialistischen« Vorzeigesiedlungen der DDR, den Plattenbau-Vierteln, Kirchen gebaut würden, war im Plan des SED-Staates nicht vorgesehen. So ein Beschluss von 1950. »Gott war da sichtlich anderer Meinung!«, steht in den Aufzeichnungen des damaligen Gothaer Superintendenten Eckardt Hoffmann. Aber es brauchte viel Ausdauer, damit der Traum einer evangelischen Kirche in Gotha-West Wirklichkeit wurde.

Nun feiert die Versöhnungskirche am 29. Mai ihr 25-jähriges Bestehen. »25 und kein bisschen leise« heißt das Motto. Am Fest wird auch Altbischof Werner Leich teilnehmen, der am 24. Februar 1985 den Schlüssel an den ersten Pfarrer der neuen Kirche, Martin Rambow, übergeben hatte.

Rambow zog mit seiner Familie noch in eine Baustelle, dafür überraschte ihn das gottesdienstliche Leben im Neubauviertel. Auch die Freiheit in der Arbeit habe er als positiv empfunden. Es gab noch keine festen Traditionen. Er habe ausprobieren können, suchte Leute für den Gemeindebeirat – damals eine »Erfindung« für Gotha-West. Ein breites Spektrum von offenen Angeboten entwickelte sich: Lesungen, Konzerte, Vorträge, Gesprächsabende …

Bis heute ist das Leben der Versöhnungskirche vielseitig, ist von Uta Liebe zu erfahren, die hier nun schon 14 Jahre als Pfarrerin arbeitet. Es gibt eine rege Kinderkirche mit insgesamt 30 Kindern, Konfirmandenarbeit, Eltern-Familien-Nachmittage, einmal im Monat ein Elternfrühstück … »Das Leben im Gemeindehaus«, so Uta Liebe, »steppt auf allen Ebenen.«

Zudem ist die Versöhnungskirche seit fünf Jahren Pilgerherberge, wo ­inzwischen jährlich 300 Pilger Quartier nehmen. Ein ambulanter Hospizdienst nutzt die Räume seit 12 Jahren. Die jüngste Kirche in Gotha arbeitet auch mit dem Stadtteilverein »Kommpottpora« zusammen. Im Viertel leben Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen, auch Spätaussiedler und viele alten Leute. So planen Kirchengemeinde und Verein gemeinsam für den Herbst ein Stadtteilfest.

Der von Martin Rambow ins Leben gerufene Gemeindebeirat ist immer noch aktiv und besteht aus 12 bis 14 Ehrenamtlichen. Insgesamt sind rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiter aktiv. Wenn am Sonnabend um 14 Uhr zum Festgottesdienst geläutet wird, kann sich die Versöhnungskirche auf eine weitere Ehrenamtliche freuen: Alexandra Ritken wird als Lektorin eingeführt.

Dietlind Steinhöfel

Gotha. 29.5., Versöhnungskirche: 14 Uhr Festgottesdienst, 15.15 Uhr Konzert der Bigband JSB aus Eisenach, Angebote für Kinder, Kaffee und Kuchen, ab 17 Uhr glüht der Rost, 21 Uhr Lagerfeuer

Hoffnungszeichen für die Region

28. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

Comments Off

Neubau des Allianzhauses in Bad Blankenburg eröffnet

Umbau und Erweiterung haben die Infrastruktur der Häuser verändert und ­geben Raum für die zukünftige Arbeit der Evangelischen Allianz. Foto: Andreas Abendroth

Umbau und Erweiterung haben die Infrastruktur der Häuser verändert und ­geben Raum für die zukünftige Arbeit der Evangelischen Allianz. Foto: Andreas Abendroth

Das größte Bauvorhaben in der 124-jährigen Allianz-Geschichte konnte am 20. Mai abgeschlossen werden. Mit einem Bauvolumen von vier Millionen Euro und nach einer fast 19-monatigen Bauzeit wurde die Erweiterung des Allianzhauses in Bad Blankenburg eingeweiht und zur Nutzung übergeben.

Generalsekretär Hartmut Steeb bezeichnete die Einweihung als großes Geschenk Gottes. »Wir hoffen, dass hier – genau wie in der Vergangenheit – auch in der Zukunft Menschen zum lebendigen Glauben an Gott finden.« Zahlreiche Gäste, darunter Vertreter von Kirchen und Freikirchen, aus Kommune und Landkreis, ehemalige und jetzige Mitarbeiter, Beter und Spender, Dienstleister sowie Freunde und Förderer hatten den Weg in die Kurstadt gefunden und wurden mit Brassklängen der Thüringer Blechbläser begrüßt. Zu den Ehrengästen gehörte auch die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, und in Vertretung der Thüringer Ministerpräsidentin kam Johanna Arenhövel, Gleichstellungsbeauftragte des Freistaates Thüringen.

In den Festansprachen ging der Vorsitzende der Deutschen Evange­lischen Allianz, Jürgen Werth, im Besonderen auf die derzeitige Lage der Nation ein. »Wir befinden uns in einer Zeit, geprägt von Ratlosigkeit und Hilflosigkeit. In vielen Bereichen des Lebens, der Gesellschaft, sitzt man wie auf einem Pulverfass. Manchmal mag man nicht in die Zukunft blicken. Doch da Christen Boten der Hoffnung sind, war es richtig, ­dieses Projekt des Neubaus und der Sanierung der Allianzhäuser anzugehen«, führte Jürgen Werth aus. Er sei darüber froh, dass sie es gewagt hätten zu bauen, und froh, dass sie im Vorfeld nicht ­alles gewusst hätten. Die Arbeit der Evangelischen Allianz möge ein Hoffnungszeichen sein gegen politische Resignation und wirtschaftliche Unsicherheit.

Mit dem neu errichteten Haus wird die bauliche Infrastruktur des Tagungszentrums deutlich verbessert. Hier befinden sich die Rezeption, der große Speisesaal, die Cafeteria, ein Andachtsraum sowie verschiedene Gruppen- und Funktionsräume. Die anderen beiden Häuser wurden von Grund auf saniert und behindertengerecht ausgebaut. Gästehäuser, die sich sehen lassen können. Finanziert wurde der Bau durch öffentliche Mittel der Stadtsanierung (800.000 Euro), Zuschüsse der Evangelischen Kirche in Deutschland und der EKM (je 200.000 Euro), aber auch aus Spenden der Freunde der Evangelischen Allianz und des Allianzhauses. Rund eine Million Euro stehen noch aus und wurden über ein Darlehen finanziert.

Bischöfin Ilse Junkermann fand in ihrer Ansprache die treffende Worte für die Einweihung der Allianzhäuser. »Möge hier die Heimat für eine Gemeinschaft sein. Gastlichkeit und Freundlichkeit den Ton angeben.« Sie sieht hier ein Hoffnungszeichen für die Region, in der Christen eine Minderheit darstellen, und hofft, »dass die Menschen in diesem Haus in Zukunft Neues hören, Verborgenes wiederentdecken und es so zu einem Ausrufezeichen« für Thüringen und die Kirche werde.

Andreas Abendroth

Folgen nicht absehbar

28. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Im Gespräch mit Diakoniechef Eberhard Grüneberg über die Situation der Beratungsstellen

Eberhard Grüneberg

Eberhard Grüneberg

Herr Grüneberg, die öffentliche Hand zieht sich mehr und mehr aus der Finanzierung der freiwilligen sozialen Leistungen zurück. Sind davon auch Beratungsstellen der Diakonie betroffen?
Grüneberg: Für den Landeshaushalt 2010 konnten in Sachsen-Anhalt drastische Einsparungen bei Beratungsstellen nach intensiven Gesprächen zwischen Vertretern der Landesregierung, den Fraktionen und den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege verhindert werden. So zum Beispiel in der Suchthilfe. Im Landeshaushalt Thüringen gab es in diesem Jahr keine einschneidenden Kürzungen, sodass in Mitteldeutschland keine diakonische Beratungsstelle geschlossen werden musste.
Mit Blick auf 2011 und Kürzungen durch Steu­erausfälle sind die Folgen noch nicht absehbar, könnten aber dramatisch werden. Die Diakonie Mitteldeutschland weist deshalb immer wieder darauf hin, dass gerade der soziale Bereich, die Hilfen für die Schwächsten, auch systemrelevant für unsere Gesellschaft sind. Sie brauchen deshalb auch einer ausreichenden Förderung im Sinne eines Schutzschirmes.

Wie viele diakonische Beratungsstellen gibt es in Mitteldeutschland?
Grüneberg: Unter dem Dach der Diakonie finden sich knapp 40 Beratungsstellen im Bereich der Hilfen für Schwangere, für Familien-, Ehe-, Erziehungs- und Lebensberatung. Es gibt 37 Beratungsstellen für Sucht- und psychosoziale Probleme, knapp 30 Anlaufstellen für Schuldner-, Insolvenz- oder Wohnungslosenhilfe und 33 Beratungsstellen in der Migrations- und Flüchtlingssozialarbeit. Sie werden alle unterschiedlich finanziert: mit Landes-, Kommunal-, Träger- und Kirchenmitteln. Dazu kommen noch 26 Kreisdiakoniestellen für niedrigschwellige offene Sozialarbeit, die hauptsächlich aus Kirchenmitteln finanziert sind.

Weshalb engagiert sich die Diakonie so stark? Könnten das nicht andere Träger übernehmen?
Grüneberg: Die Menschen, die bei uns Hilfe und Rat suchen, befinden sich in persönlicher Not. Solange wir das Gleichnis vom barmherzigen Samariter kennen, ruft uns unser Glauben in die Verantwortung. Selbst nichts tun, aber es von anderen zu erwarten, passt dazu nicht.

Bislang wird diese Arbeit durch die Kirche mitfinanziert. Warum sollte das so bleiben? Kann sich die Kirche das künftig leisten?
Grüneberg: Menschen in Not erleben in den Beratungsstellen ganz unmittelbar Kirche in ihrer diakonischen Gestalt! Denn die Arbeit orientiert sich am christlichen Menschenbild, stellt an sich selbst hohe fachliche Maßstäbe und steht Menschen unabhängig von sozialer Herkunft oder Konfessionszugehörigkeit offen. Christliche Beratungsstellen sind Ausdruck praktischer Nächstenliebe. Diese Arbeit steht der Kirche sehr gut zu ­Gesicht. Und sie wird gerade auch von kirchenfernen Menschen sehr wertgeschätzt.

Immer noch eine singende Kirche?

28. Mai 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Nicht überalll gelingt es den Kirchenchören, junge Sängerinnen und Sänger zu gewinnen. Nachwuchsarbeit ist deshalb besonders gefragt. Foto: Jürgen Meusel

Nicht überalll gelingt es den Kirchenchören, junge Sängerinnen und Sänger zu gewinnen. Nachwuchsarbeit ist deshalb besonders gefragt. Foto: Jürgen Meusel


Landeskirchenchortag:  Erstmals gibt es ein Treffen von Chören aus der gesamten mitteldeutschen Kirche

Eingebunden in die Feiern zum Jubiläum des ersten deutschen Musikfestes, das 1810 in Bad Frankenhausen über die Bühne ging, wird am 30. Mai zum Landeskirchenchortag in die nordthüringische Stadt eingeladen. Doch wie steht es um das Singen in der Kirche?

An die 500 Sängerinnen und Sänger aus dem gesamten Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) werden in der Unterkirche des traditionsträchtigen Ortes gemeinsam das Gotteslob anstimmen. Das ist zugleich eine Premiere. Früher fanden Landeskirchenchortage in der Thüringer Landeskirche im Abstand von drei Jahren statt. In der ehemaligen Kirchenprovinz Sachen gab es regelmäßige Propstei-Kirchenchortreffen. Erstmals wird das Treffen nun für Sänger aus beiden früheren Landeskirchen organisiert.

Von den 34 Chören, die in Bad Frankenhausen dabei sind, kommen 24 aus Thüringen und zehn aus der einstigen Kirchenprovinz Sachsen. »Hauptanliegen ist das Singen in einer großen Gemeinschaft«, sagt Landessingwart Christoph Peter (Eisenach). Das sei gerade für die kleinen Chöre ein ganz besonderes Erlebnis.

Denn das gemeinsame Singen ist auch in der Kirche beileibe keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Frage »Sind wir noch eine singende Kirche?« wird zwar von den Obmännern der beiden weiterhin existierenden Kirchenchorwerke mit einem eindeutigen »Ja!« beantwortet. Dennoch stimmen sie nicht ohne Problemanzeige zu.

»Bewegende Chorkonzerte mit kirchenmusikalischen Werken verschiedener Stilepochen, mitreißende Aufführungen von Kindermusicals, festlich gestaltete Gottesdienste«, so KMD Christoph Peter, zeugten ebenso von der Sangesfreude »wie die Singwochen für alle Generationen und die gut besuchten Chorleiterseminare«. Allerdings sei das Wörtchen »noch« in der Fragestellung nicht von der Hand zu weisen. Dabei verweist er auf die »Unterschiede zwischen Ideal und Wirklichkeit« beim Singen mit Kindern oder auch ihren Eltern sowie »beim Überliefern von wichtigen ›Kernliedern‹ in- und außerhalb der Kirche«.

Wie Kantor Matthias Visarius (Zörbig) berichtet, wachse »zurzeit die zweite Generation heran, die nicht mehr singt«. Auf der anderen Seite kämen vor allem ältere Menschen, die noch singen, in die Kirche. »Wie es allerdings in zehn Jahren aussieht, darüber wage ich keine Prognose«, führt er weiter aus. Selbst die Kirchenchöre seien von diesem Trend nicht verschont. Es werde immer schwerer, junge Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Derzeit existieren in der EKM 750 Chöre mit 15.000 Sängerinnen und Sängern.

Die Schwerpunkte der Kirchenchorarbeit sollte deshalb darin liegen, »als erstes den Leuten ihr ureigenstes Instrument zu erhalten, also Stimmbildung zu machen, aber auch darin, Gottesdienste lebendig mitzugestalten«. Neben der Weiterführung bewährter Formen, so Landessingwart Christoph Peter, stelle »das Wachsen des Altersdurchschnitts gerade in ländlichen Chören« eine Herausforderung dar, auf die mit »einer ausführlichen und guten Stimmbildung« reagiert werden müsse. Das sei nicht zuletzt vor dem Hintergrund zu berücksichtigen, »dass auch Chorleitung mehr und mehr eine neben- und ehrenamtliche Tätigkeit wird«.

Das Anliegen des Programms in Bad Frankenhausen, so Christoph Peter, sei vor allem das gemeinsame Musizieren in einem großen Chor, beim offenen Singen, im Gottesdienst und danach in der Öffentlichkeit der gastgebenden Stadt. Wie sein Kollege Matthias Visarius versichert, gelte es dabei, »nicht nur die Mitwirkenden in den Chören zu erreichen, sondern vor allem auch Menschen, die nichts mit der Kirche zu tun haben oder sich nicht in die Kirche trauen, indem wir zum Abschluss auch auf dem Marktplatz singen werden«. Da die meisten Chöre sehr klein sind und oft nur zwei- bis dreistimmig singen könnten, biete der Landeskirchenchortag die Chance, auch größere Werke zusammen aufzuführen.

Michael von Hintzenstern

Ablauf: 10 Uhr Gesamtprobe aller Chöre, 11.45 Uhr Mittagessen, 13 Uhr Offenes Singen, 14 Uhr Kaffeepause, 15 Uhr Gottesdienst, anschließend Abschluss-Singen vor dem Rathaus

Ein Fest für »Drei Bäche«

20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Comments Off

Kloster Drübeck

Die um 1730 gepflanzte Klosterlinde ist zu einem stattlichen Baum herangewachsen, unter dem Besucher gern sitzen. Die abgebildeten Gebäude sind links das »Haus der Stille«, im Hintergrund die romanische Klosterkirche und rechts das ehemalige Wohnhaus der Stiftsdamen und heutige Gästehaus. Foto: Frank Drechsler


Gottesdienst  zum Auftakt des 1050-jährigen Jubiläums von Drübeck

Pfingstsonntag läutet die 561 Jahre alte Glocke »Benedicta« das Jubiläum ein. Mit einem Gottesdienst eröffnen das Kloster Drübeck und das gleichnamige Dorf bei Ilsenburg dieFeiern zum 1050-jährigen Bestehen.

Es geht zurück auf eine Urkunde über eine Schenkung aus ottonischer Zeit, die das Datum vom 10. September 960 trägt. Gegründet worden war Drübeck als Damenstift schon gegen Ende des 9. Jahrhunderts von sächsischen Adeligen. Im Jahr 1058 wurde es in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt. Im 10. Jahrhundert genoss Drübeck ebensolche Vorrechte wie etwa die berühmten Stifte Gandersheim oder Quedlinburg. Die früheste Nachricht über die im Bau befindliche Klosterkirche Sankt Vitus  stammt aus dem Jahr 1004. Da wurde auch der Ort Drübeck als »urbs civitas« erstmals erwähnt. Die Dorfkirche Sankt Bartholomäus gibt es seit 1259, und in der Mitte des 16. Jahrhunderts gab es eine Mädchenschule. Der Ortsnamen geht vermutlich auf den plattdeutschen Begriff »Dri Beke« für »Drei Bäche« zurück.

Als Folge des Bauernkrieges, der Reformation und schließlich des Dreißigjährigen Krieges erlosch das Klosterleben, auch das Dorf wurde 1636 geplündert. Ende des 17. Jahrhunderts gelangte das Kloster in den Besitz der Grafen von Stolberg-Wernigerode, die es umgestalteten und 1732 ein Damenstift einrichteten. 1946 übergab die letzte Äbtissin das Kloster der Diakonie der Kirchenprovinz Sachsen, die hier ein Erholungsheim einrichtete, das bis 1991 bestand.

Durch die Wiedervereinigung änderte sich für Drübeck viel. Mit Hilfe einer Schenkung aus Köln konnte die in ihrem Bestehen gefährdete Klosterkirche restauriert und Erntedank 1992 wieder eingeweiht werden. Von 1993 bis 2009 wurde das Kloster schrittweise zum »Evangelischen Zentrum Kloster Drübeck« umgebaut – mit Tagungs- und Seminarräumen, dem Pädagogisch-Theologischen Institut, dem Pastoralkolleg und dem »Haus der Stille«.

Anziehungspunkte sind die nach historischem Vorbild gestalteten Gärten der Stiftsdamen und der Äbtissin. In einem letzten Schritt wurden die Domänenscheunen ausgebaut. Das Dorf Drübeck mit seinen etwa 1500 Einwohnern gehört seit Juli vergangenen Jahres zu Ilsenburg.

An das Geschehen in alten und neueren Zeiten wird bis Erntedank in einer Festreihe erinnert, zu der Vorträge und Konzerte ebenso gehören wie der Erntedank-Gottesdienst in der Dorfkirche St. Bartholomäus.

(ast)

22. Mai – Klosterkirche, 15 Uhr: Chormusik mit den »tea-cream-singers« aus Berlin
23. Mai – Klosterkirche, 10 Uhr: Festgottesdienst, der auf MDR Figaro übertragen wird. Predigt: Bischof a. D. Axel Noack. Liturgie: Pfarrerin Ulrike Hackbeil; Saal der Domäne, 11.5 Uhr: »Wer war Hildegard von Bingen?« – Die Gedankenwelt des 12. Jahrhunderts und Parallelen zu Kloster Drübeck. Vortrag von Prof. Dr. Gerlinde Strohmaier-Wiederanders (Berlin).

Drei Chöre – ein Jubiläum

20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

Comments Off

Der »Mädelchor Saalfeld« mit seinem Leiter Kantor Dietrich Modersohn. Foto: Kantorat Saalfeld

Der »Mädelchor Saalfeld« mit seinem Leiter Kantor Dietrich Modersohn. Foto: Kantorat Saalfeld


Vor 60 Jahren begann an der Saalfelder Johanneskirche ein neues Kapitel der Kirchenmusik

Ein besonderes Familientreffen, zu dem etwa 300 Teilnehmer erwartet werden, wird vom 21. bis 24. Mai eine ganze Stadt mit Musik erfüllen: Die Chöre an der Johanneskirche Saalfeld feiern ihr 60-jähriges Bestehen und viele Ehemalige haben ihr Kommen zugesagt. Ganze Generationen von Choristen sind hier geprägt worden und der Begriff der Chorfamilie trifft teilweise ganz wörtlich zu, wenn Großeltern, Tanten, Onkel, Eltern, Jugendliche und Kinder gemeinsam singen.

Walter Schönheit gründete im Februar 1950 den Oratorienchor und einen Monat später noch die »Thüringer Sängerknaben« und den »Mädelchor Saalfeld«. Im Jahr zuvor war er als Kantor nach Saalfeld gerufen worden. Sofort hatte er begonnen, seine Vorstellung von einer »geregelten Kirchenmusik« nach dem Vorbild und der Idee Johann Sebastian Bachs in der Saalestadt zu realisieren. Als Sängerknabe hatte er diese Tradition in Erfurt kennengelernt. Mit den einzelnen Chören oder in deren Kombination wurde es nun möglich, kirchenmusikalische Werke der Vergangenheit und Gegenwart in ihrer ursprünglichen Klanglichkeit aufzuführen. Eine intensive Chorarbeit mit großer Außenwirkung nahm ihren Anfang.

Mehrwöchige Konzerttourneen, auf die es mit Beginn der Sommerferien ging, machten den Knabenchor bzw. den Mädelchor weit in Thüringen und darüber hinaus bekannt. Gern stellten Kirchengemeinden Quartiere für die jungen Sängerinnen und Sänger bereit und gewährten Gastfreundschaft, wenn diese bei ihnen Station machten. Rasch wuchsen damals die Mitgliederzahlen in den Chören an. »Kantor Schönheit musste zu DDR-Zeiten immer wieder mit staatlichen Stellen verhandeln, um beispielsweise Busse für die Chorreisen, ausreichend Plakate für die Konzerte und andere notwendige Dinge zu bekommen«, erinnert sich Gerhard Scheidig aus eigenem Erleben. Der einstige Sängerknabe ist nun Mitglied des Fördervereins »Freunde der Thüringer Sängerknaben«, der die Arbeit der drei Chöre an der Johanneskirche Saalfeld unterstützt.

Nach dem frühen Tod von Kirchenmusikdirektor Walter Schönheit 1985 übernahm sein Sohn Michael die Chöre. Er wurde von Kantor Wolfram Otto abgelöst und von ihm ging die Leitung an Kantor Dietrich Modersohn. »Soli Deo Gloria – Allein Gott die Ehre« – das Gründungsmotto wurde in den vergangenen 60 Jahren klangvoll und auf vielfältige Weise durch das »Saalfelder Chorkombinat« – wie es scherzhaft liebevoll genannt wird – umgesetzt.

Uta Schäfer

Wenn Kirchen zu Arenen werden

20. Mai 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

Comments Off

Frauenkirchenkantor Matthias Grünert  an der Sauer-Orgel im Sonneberger Rathaus. Foto: Andreas Schneider

Frauenkirchenkantor Matthias Grünert an der Sauer-Orgel im Sonneberger Rathaus. Foto: Andreas Schneider


Matthias Grünert auf Orgelmarathon durch das Sonneberg-Coburger Grenzland

Was dem einen alljährlich sein ­geliebter Marathonlauf über den Rennsteig ist, das ist für Matthias Grünert ein Marathon an verschiedenen Orgeln durch eine ganze Region. 28 Konzerte absolvierte der bekannte Kirchenmusiker am vergangenen Himmelfahrtswochenende von Donnerstag bis Sonntag. Der gebürtige Nürnberger (Jahrgang 1973) und jetzige Wahl-Dresdner tourte diesmal durch kleinere und größere Kirchen bzw. Konzertsäle des Sonneberger und Coburger Landes. Aber auch die Landkreise Saalfeld, Lichtenfels und Kronach wurden beteiligt.

Damit künstlerisch niemals Langeweile aufkam, hatte Grünert für jedes Konzert seiner »OrgelArena 2010« ein eigenes Programm erstellt, wobei sich kein einziges Orgelstück wiederholte und natürlich auch keine Instrument. »Den Zugang findet man aber recht schnell, auch wenn ich vorher nicht jede Orgel testen konnte«, so Matthias Grünert recht gelassen. Überhaupt bewies der renommierte Kirchenmusiker einmal mehr gute Kondition und Souveränität. »Ich habe halt mein tägliches Arbeitspensum als Frauenkirchenkantor einfach nur etwas verlagert. Außerdem bekommt man von den netten Menschen und den schönen Landschaften der Region ja auch wieder etwas zurück«, begründet er seine stressige Reise durch die Provinz.

Im zwanzigsten Jahr der deutschen Einheit passte die musikalische Tournee durch das thüringisch-fränkische Grenzland natürlich bestens ins Bild. Der Sonneberger Musikschulleiter Volker Sesselmann hatte Matthias Grünert als weithin bekannten Orgelvirtuosen der berühmten Dresdner Frauenkirche erneut eingeladen, nachdem er vor drei Jahren schon einmal mit einer Konzertreihe in Coburg, Kronach und Lichtenfels zu erleben war. Groß die entsprechende Resonanz. Mit den über 2.500 Besuchern waren die Organisatoren jedenfalls äußerst zufrieden. Der Eintritt für alle Konzerte war frei. Die jeweilige Kollekte dient der Erhaltung der Orgeln in der Stadtkirche Sonneberg und im Haus der Begegnung in Haarbrücken. Projektleiterin Christiane Linke: »Es wurde fleißig gespendet, so dass für beide Orgeln etwas herausspringen wird, auch wenn wir die genauen Zahlen erst in ein paar Tagen nennen können.«

Die Auswahl der Konzertorte erschien zudem überaus gelungen. So waren die kleinen Dorfkirchen in Köppelsdorf, Judenbach, Rauenstein oder Lichtenhain ebenso mit von der Partie wie die ehrwürdige Basilika Vierzehnheiligen, die Stiftskirche Kloster Banz oder die Schlosskirche in Lahm im ­Itzgrund. Einige Zuschauer übrigens absolvierten als treue Begleiter fast die gesamte viertägige Tour mit, »Quasi als Fanclub«, wie Matthias Grünert schmunzelnd formulierte. Er selbst übte sich dabei in Bescheidenheit und nächtigte statt in einem teuren Hotel in einem Zimmer des Berufschul-
zentrums in Sonneberg-Köppelsdorf. Und selbst am Männertag begnügte sich der erfahrene Künstler mit einem trockenen Brötchen. Also doch ein wenig Flair vom Rennsteiglauf …

Thomas Höfling

nächste Seite »