Ein Schlüssel zum Erfolg
20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Der Stand der evangelischen und katholischen Kirchen aus Mitteldeutschland zeigte »Ökumene in der Mitte«. Besucher konnten sich über gemeinsame Aktivitäten und die gute ökumenische Zusammenarbeit informieren. Foto: Harald Krille
Auch zahlreiche Christen aus Mitteldeutschland waren beim Kirchentag in München dabei
»Der Zusammenhalt ist schon toll«, sagen Patrick, Doro, André und Franzi übereinstimmend. Die vier jungen Leute aus Gotha sind als Teamer mit einer Konfirmandengruppe zum Ökumenischen Kirchentag nach München gefahren.
Jetzt schlendern sie über die Agora, den »Markt der Möglichkeiten«, und schauen sich bei den Projekten und Initiativen um. Vor allem die Vielseitigkeit begeistert sie. »Ich war gestern bei der Rockandacht, das war schon ein Highlight«, erzählt Patrick. Franzi dagegen ist bei einem Vortrag von Margot Käßmann gewesen. »Das war schon ein Erlebnis, sie mal live zu sehen«, meint sie. Am Stand des Kirchenkreises Egeln bleiben sie kurz stehen und lassen sich die Gemeindeagende erklären.
»Wir demonstrieren quasi Ökumene in der Mitte«
Nicht weit davon entfernt steuern Besucher auf den großen Stand der Kirchen aus Mitteldeutschland zu. Hier präsentieren sich Anhalt, die mitteldeutsche Kirche sowie die beiden Bistümer Erfurt und Magdeburg gemeinsam. »Ökumene in der Mitte« steht auf den »Ortseingangsschildern«, die den offenen Stand in der Messehalle A6 markieren. In der Mitte befinden sich nicht nur Säulen, die die Kirchen und Bistümer, sondern vor allem elf ökumenische Projekte vorstellen. »Wir wollten bewusst keine Strukturen zeigen, sondern Inhalte«, sagt Pfarrer Karsten Müller, Leiter des Gemeindedienstes in Neudietendorf.
Ein großes Kreuz mit einer Dornenkrone weist auf ein ökumenisches Projekt aus Suhl hin. Hier haben evangelische und katholische Christen zum 300-jährigen Bestehen der evangelischen Kreuzkirchengemeinde eine Aktion gestartet und 17 Kreuze in der Innenstadt aufgestellt. Jetzt berichten sie den interessierten Besuchern, was das ausgelöst hat und wie es bis heute nachwirkt. So gebe es nicht nur eine ökumenische Wandergruppe, auch Weltgebetstage, Weltladen und regionale Kirchentage würden gemeinsam verantwortet. »Wir demonstrieren quasi Ökumene in der Mitte«, meinte Beate Liehmann von der katholischen Gemeinde. Nebenan erklärt Matthias Simon Besuchern an vier echten Straßenbahnsitzen das Projekt »Ökumene am Fluss« in Magdeburg. Entscheidend sei nicht, ob jemand evangelisch oder katholisch ist, »sondern ob wir etwas gemeinsam tun«, glaubt der Pfarrer.
Aber die Vertreter aus Mitteldeutschland beteiligen sich nicht nur an den Informationsständen auf dem Markt. Landesbischöfin Ilse Junkermann und Oberkirchenrat Manfred Seifert aus Dessau sitzen auf Ökumene-Podien. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hält eine Bibelarbeit und spricht mit Pfarrer Christfried Boelter im »Forum Lebenswelt Land« über Bündnisse für den ländlichen Raum.
Auch das kirchentagserfahrene Ehepaar Renate und Reinhard Höppner ist in München beschäftigt. Bei einem Podium zur Ökumenischen Versammlung »gestern – heute – morgen« geben die Pfarrerin und der ehemalige sachsen-anhaltische Ministerpräsident Auskunft, wie das damals war bei den Treffen in Dresden und Magdeburg. Dies sei auch ein Höhepunkt der Ökumene gewesen, weil alle Kirchen beteiligt gewesen sind, erklären sie. Heute, ergänzt Heino Falcke, lange Jahre Propst in Erfurt, müssten die Kirchen wieder mehr gemeinsam tun und zu einer Stimme finden. Gerade jetzt, »wo uns die Kolateralschäden der Globalisierung einholen«, sei das wichtig.
Dass die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden vor Ort gut funktioniert, berichten schließlich Vertreter der evangelischen Thomas-Gemeinde und der katholischen Gemeinde St. Wigbert/St. Crucis aus Erfurt auf einem Podium. »Wir wollen in der Stadt als Christen wahrgenommen werden, gleich welcher Konfession«, erklärt Kirchenälteste Anne-
marie Keller. In ökumenischen Gottesdiensten wird ihre Partnerschaft konkret. Am Pfingstmontag sowie am Buß- und Bettag feiern die Gemeinden ein gemeinsames Agape-Mahl. »Es hält die Sehnsucht in uns wach, eines Tages gemeinsam am Tisch zu sitzen«, so Pfarrgemeinderätin Heike Skroblin. Das gegenseitige Vertrauen ist jedenfalls schon jetzt da: Der katholische Pfarrer besitzt einen Schlüssel für die evangelische Kirche und umgekehrt.
Martin Hanusch






