Hoffnungssignal
20. Mai 2010 von redaktionguh
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Hat der gemeinsame Kirchentag das Gesicht der Ökumene verändert, wie es sein evangelischer Präsident Eckard Nagel glaubt? Das ist sicher übertrieben. Doch einen gewissen Erfolg kann man dem Christentreffen in der bayrischen Landeshauptstadt nicht absprechen. Das beweisen schon die Besucherzahlen, die mit knapp 130.000 Dauerteilnehmern und Tausenden Tagesgästen höher ausgefallen sind als angenommen. Zudem hat der offene Umgang mit dem Thema Missbrauch der Kirche insgesamt Pluspunkte beschert, was die zuletzt arg lädierte Glaubwürdigkeit betrifft.
Dass das Treffen ein positives Bild vermittelt, hängt freilich auch mit den Erwartungen zusammen, die bewusst niedrig gehalten waren. Niemand hat auf große Fortschritte beim Christentreffen gesetzt, weder im Blick auf die Sozialethik noch bei der strittigen Abendmahlsfrage. Dazu sind die Probleme zu komplex. Selbst die hochgelobte Vesper nach orthodoxem Ritus ist hier nur ein schwacher Trost. Der Stachel der Trennung am Tisch des Herrn bleibt, wie es die Basis mit ihrer Menschenkette eindrücklich gezeigt hat. Aber immerhin gibt es Signale, die eine Hoffnung für konfessionsverschiedene Ehepaare bedeuten. Hier könnte Bewegung in die festgefahrene Diskussion kommen.
Schließlich ist es auch ein gutes Zeichen, dass bereits jetzt der Ruf nach einem dritten Ökumenischen Kirchentag laut wird. Nach dem bisherigen Rhythmus kommt dafür möglicherweise 2017 infrage, ausgerechnet das Jahr des Reformationsgedenkens. Zwar haben sich die Verantwortlichen bislang nur vorsichtig optimistisch über eine Fortsetzung geäußert. Aber es käme schon einer kleinen Sensation gleich, wenn ausgerechnet 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation evangelische und katholische Christen ihre Gemeinsamkeiten betonen würden. Das wäre nicht nur ein Zeichen nach innen, sondern auch in die Gesellschaft hinein. Und für die protestantische Selbstvergewisserung bleibt bis dahin noch genügend Zeit.
Martin Hanusch






