Ist dieser Gott noch heilig?

Erhebet den Herrn, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße, denn er ist heilig.
Psalm 99, Vers 5

Gott ist heilig! So heißt es am Ende dieses Psalmwortes. Das ist mir nicht neu! Ich singe es immer wieder beim Abendmahl. Natürlich redet die Bibel auch davon: Gott ist heilig. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Klar, denken Sie, natürlich ist er das. Aber mal Hand auf’s Hirn, was heißt das denn eigentlich?

Ich bin ehrlich zu Ihnen: Wenn ich wirklich durchbuchstabiere, was das heißt, wäre mir manchmal lieber, unser himmlischer Vater, der dreieinige Gott, dessen heilige Gegenwart wir zu Pfingsten feiern, wäre gar nicht so heilig, wie es die Bibel sagt.

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

Schnell habe ich diese Eigenschaft Gottes eingeordnet in eine ganze Reihe von Eigenschaften, die mir weit mehr gefallen, zum Beispiel gnädig, gütig, liebevoll. Von seiner Liebe lässt sich viel sagen. Viele reden vom lieben Gott, der mich liebt, egal was ich tue und wie ich lebe.

Ist dieser Gott dann noch heilig? Denn wenn er das ist, dann hat er ein Problem damit, wenn mir in meinem Leben anderes heilig wäre. Dann ist er unwillig, wenn mir nichts über meine Gesundheit geht. Dann ist er verärgert, wenn ich mich damit abfinde, dass Geld die Welt regiert. Dann ist er zornig, wenn mein Erfolg und mein bequemes Leben an erster Stelle stehen und es mir egal wäre, was mit seiner Schöpfung und seinen geliebten Kindern in der Welt passiert.

Wenn er wirklich heilig ist, dann muss ich mir gut überlegen, wie ich als Beter eigentlich lebe, ob ich mich so, wie ich bin, auch nur in die Nähe des Schemels seiner Füße wage. Wenn er wirklich heilig ist, dann muss ich knien vor ihm aus Demut und mein Leben in seinem Angesicht ändern. Wenn wir damit ernst machen, hat das Folgen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir mehr über Gottes Liebe wissen, als über seine Heiligkeit. Zum Glück für uns ist er beides: liebevoll und heilig. Wir sollten aufpassen, das eine nicht mit dem anderen zu überdecken.

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

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